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1. Wie alles begann / Hoe het allemaal begon

7. Februar 2013

Im November sind Sebastian und ich (Melinda) draußen. Wir haben viel Freude auf der Siquieres erlebt und haben beinahe zwei Jahre glücklich zusammen darauf gewohnt. Aber sie ist nun wirklich zu klein. Wir können nicht alle unsere Sachen unterbringen und sollten es doch wohl so gemütlich finden, wenn wir zusammen auf der Bank sitzen und TV gucken können und nicht alle halbe Stunde den Platz wechseln müssen. Kurzum, es sollte etwas Größeres kommen, aber was? Es steht fest, das es schwimmen muss und eigentlich wollen wir auch mehr oder weiter segeln.

 

Viele Abende durchsuchen wir das Internet. Viele Boote wurden besichtigt, sowohl im Internet als auch an den Verkaufssteigern in der Nachbarschaft. Eine Wohnark zu finden ist nicht so schwer, aber einen schönen Liegeplatz zu finden schon. In der Stadt wollen wir nicht wohnen und dann gibt es bald nichts mehr. An einem gegebenen Moment finde ich die Birgitte und sende eigentlich nur zum Spaß den Link an Sebastian. Niemals mit der Idee, sie zu besichtigen oder gar sie zu kaufen. Ich bemerkte, dass der Preis nicht so hoch war, die Fotos schön und dass sie einen Liegeplatz mit fester Wohnadresse in Hellevoetsluis hatte. Aber es sollte verrückt sein, an so etwas zu denken, und so blieb es ein Späßchen in Richtung Sebastian.

 

Aber als ich dann abends nach Hause kam, meinte Sebastian, es sei seriös und fände auch, dass es ein schönes Schiff ist! Ja und dann ist der Damm gebrochen. So sind wir heimlich nach Hellevoetsluis auf die Suche gegangen, wo sie lag und haben von der Hafenmauer einen kleinen Blick genommen. Eines war sicher: die Fotos waren nicht erst kürzlich genommen worden, denn so schön, wie die auf den Fotos, war sie sicher nicht. Aber was für eine Arbeit, aber was für ein Gabe zurück! Auf dem Weg zurück zur Siquieres sahen wir einander an und wir wussten beide: dass wir ein bisschen verliebt waren. So rufen wir mehr zum Spaß den Makler an. Der Makler konnte am Telefon kaum glauben, dass wir sie wirklich kaufen möchten, aber ja, er kann uns die Tel.-Nr. des Besitzers geben. Wir rufen an und er erzählt uns direkt, in welchem schlechten Zustand sich Birgitte befindet. Als Sebastian nach der ganzen Geschichte sagt, dass wir Birgitte bereits gesehen haben, ist er etwas weniger glücklich. Ob wir das nicht früher hätten erzählen können, dann hätte er das ganze Gespräch nicht führen müssen. Diese Geschichte oh ist aber so schön, sie auch nur zu hören. Kurz gesagt, der Besitzer erklärte, dass sie vor 6 Jahren noch in einem recht guten Zustand war. Auf jeden Fall konnte man noch gut segeln. Vor 6 Jahren kaufte der Besitzer sie, aber dann hatte er keine Zeit mehr für die Pläne, die er mit ihr hatte. Als Ergebnis ist sie eigentlich in diesen Jahren nicht gepflegt worden und aus den kleinen Aufmerksamkeitsproblemen ist jetzt echte Arbeit geworden. Aber immer noch schlugen unsere Herzen höher und wir wollten das Gefährt doch noch näher besichtigen. So überzeugten wir den Besitzer, dass wir es ernst meinten und nicht nur aus Neugier mit ihm über Birgitte sprechen wollten.

 

Einmal an Deck ist es richtig, vorsichtig zu gehen, denn das Deck ist grün und spiegelglatt. Aber ohne zu fallen folgen wir dem Eigentümer zum Achtereingang und wurden eingelassen. Einmal drinnen, sind wir froh, dass wir unsere Segeljacken an haben, denn es regnet eigentlich genauso hart drinnen wie draußen. Aber der Schaden ist bereits entstanden. Wir sind wirklich verliebt. Noch im Vorschiff sagen wir zueinander, auch wenn sie innen nass ist, macht es uns nichts. Aber während es auf meinen Kopf tropft, sehe ich, Sebastians Augen sprechen Bände und ich fürchte, meine auch. Das Schiff wollen wir haben, auch wenn uns alle für verrückt erklären. Nachdem wir erklärt haben, wer wir sind, haben wir Zugang zum gesamten Schiff. Denn einem Yachtservice-Techniker und Schiffsbauer will er seine Birgitte anvertrauen. Wir schauen uns um und machen Fotos durch unsere rosarote Brille und wir sehen kaum noch etwas undicht. Eigentlich sehen wir nur die schöne Holzkonstruktion und Birgitte, die uns auf dem Bild über dem Tisch anschaut und ruft, ob wir bitte wieder etwas Schönes aus ihr machen wollen.

 

Auf dem Heimweg phantasieren wir drauflos. Stell dir vor, wir am Ruder! Wie schön muss das sein? Wie cool? Wir rufen unsere Eltern an und erzählen ihnen unser Abenteuer. Wir sagen ihnen, dass wir den Kauf ernsthaft in Erwägung ziehen und zur Bank gehen wollen, ob wir für das Schiff Geld leihen können. Es folgen ein paar schlaflose Nächte. Müssen wir das jetzt machen? Wir beschließen, erst einmal nach der Finanzierung zu suchen und dann zu einem Entschluss zu kommen. In der Zwischenzeit besuchen wir Birgitte auch noch einmal allein mit unseren Eltern um herauszufinden, was sie davon halten. Ihnen fehlt die rosa Brille. Als wir bei dieser Besichtigung erstmals allein an Bord gehen, sind wir auch etwas bedachtsamer. Es ist ernsthaft mehr Arbeit, als wir beim ersten Mal dachten. Auch unsere Eltern finden das Schiff sehr schön und verstehen, dass man darin verliebt sein kann. Aber wir wurden ausführlich darauf aufmerksam gemacht, dass es viel Arbeit ist. Es wird viel Druck auf unsere Beziehung geben und Segeln in den kommenden Jahren wird nicht mehr drin sein. Wir versuchen ernsthaft, ihnen zuzuhören und ihre Meinungen mitzunehmen. Aber das ist sehr schwierig, wenn man verliebt ist, das wissen wir alle. Also,„am Ufer entlang“ starten.

 

Nun ja, so endet unser Traum. Holzschiffe finanziert keiner. So ist also das Ende der Geschichte. Es tut weh, aber das Geld haben wir wirklich nötig.  Kurzum, es ist aus. Wir müssen was anderes suchen.

 

Im Dezember haben wir genug getrauert und sehen uns nach einer Contest 44 und ein paar anderen um. Wir beschließen, dass die Contest 44 das ideale Boot ist, um darauf zu leben. Und um eine lange Geschichte kurz zu machen, beginnen wir wieder den Kampf um die Finanzierung. Wir geben dafür unsere Urlaubspläne nach Luxemburg auf, aber auch hier bekommen wir nur ein Nein in allen Sprachen zu hören. Es sieht mehr und mehr danach aus, dass wir auf der Siquieres wohnen bleiben müssen bis die Krise vorbei ist und wir uns doch noch ein Häuschen kaufen müssen. Bei beiden Optionen werden wir eigentlich nicht glücklich. Und dann passiert etwas Schreckliches, für uns aber nicht. Mit alt und neu sinkt die Birgitte. Sebastians Vater, zwischenzeitlich auch in Birgitte verliebt, fährt noch regelmäßig zu ihr und sieht sie gesunken am Steiger liegen. Er ruft den Hafenmeister an und macht ein Foto. Mit Herzschmerzen sehen wir das Foto und uns springen beinahe die Tränen in die Augen. Das können wir selbst nicht glauben und fahren selbst dorthin. Leider ist es wahr, sie liegt bis zum Deck im Wasser. Was für ein schrecklicher Anblick. Ein paar Tage später bekommen wir von Ruud per Mail einen kleinen Film über die Bergung und dann sagen wir noch untereinander und mit Ruud, es ist gut, dass wir sie nicht gekauft haben.

 

Aber warum schreibe ich diesen Blog? Das kommt, weil wir nach der Bergung so nett zu hören bekommen, dass unsere letzte Finanzierungsmöglichkeit für die Contest nicht durchgegangen ist und wir einen Telefonanruf vom Eigner der Birgitte erhalten. Er hat beschlossen, dass sie nun wirklich weg muss und das hat einen Vorteil beim Preis.

Im ersten Augenblick sagen wir uns, wir seien verrückt. Doch am selben Tag kribbelt es uns wieder. Sollte es doch noch so sein?

 

Lasst uns doch verrückt sein. Wir rufen ihn an und machen ihm ein Gebot. Darüber denkt er eine Woche nach. Diese Woche kommen wir immer mehr zu dem Schluss, dass dies unser Traum ist und dass wir sie ohne Hypothek kaufen können, so dass wir das Geld, das wir monatlich übrig haben, direkt in den weiteren Vorgang stecken können. Dann kommt er zurück mit einem Angebot und wir bieten über das Telefon ein bisschen weniger, so dass wir echt kein Geld zu leihen brauchen. Nach ein paar stillen Sekunden hören wir, dass wir das Boot gekauft haben. Oh, was nun? Wir haben unser Traumschiff gekauft! Wie ist das möglich? Es muss doch eine kleine Schlange im Gras sitzen und ja, das ist eine Menge Arbeit!

 

 

 

2. Das erste Wochenende bei der Arbeit / Het eerste klusweekend

7. Februar  2013

 

 

Am Freitag, den 1. Februar ist der Tag der Schlüsselübergabe.

Leider regnet es in der Zeit, als der alte Eigner unsere Zustimmung erbittet, an Bord kommen zu dürfen, und er gibt uns die Schlüssel und ein Buch über die Geschichte des Schiffes. Wir gehen mit ihm noch zum Hafenmeister, um uns vorzustellen und dann verabschieden wir uns vom bisherigen Eigentümer.

Die Birgitte ist unser!

 

Wir gehen schnell zur Birgitte zurück und gucken noch ein wenig benommen. Innerhalb einer Woche ist dieses Monstrum plötzlich Teil von uns. Wir können es noch nicht glauben; wir sind große Bootseigner. Leider können wir es nicht lange genießen. Es gibt viel zu tun und leider nicht so, wie man erwarten könnte an diesem neuen Projekt. Es warten andere Verpflichtungen. So müssen wir noch schnell checken, ob alle Tauchpumpen noch richtig arbeiten können und arbeiten. Dann lassen wir sie ein Nächtchen zurück.

Morgen gehen wir bei ihr an die Arbeit.

 

Am nächsten Morgen sind wir mit Sack und Pack bei unserem Schiff, klar zum Kampf.

Glücklicherweise brauchen wir das nicht allein anzugehen. Am Samstag haben wir den Hilfstrupp 1:Jaap und Marjolein (Melindas Eltern) und am Sonntag Jan (Sebastians Vater. Und das ist eine gute Sache, denn es muss viel passieren.

 

Jaap würde gern sehen, dass der Motor noch zu retten ist und sagt uns, dass er sich vorläufig gut macht. Und dann hören wir in den nächsten Stunden nichts mehr davon. Mit meiner Mutter beginne ich, das Deck zu schrubben. Das muss nämlich schön sein für das Deckszelt, die Persenning, die zum Schiff gehört und funkelnagelneu ist.

 

Sebastian steigt auf den Klüverbaum zu den Vorsegeln, weil sie runter müssen um zu trocknen und um den Zustand kennenzulernen. Währenddessen halte ich den Atem an, denn wie fest noch alles ist, weiß keiner und ich möchte das Projekt doch gerne gemeinsam angehen. Zum Glück kommt er nach einem Weilchen mit den Segeln zurück an Deck, das nun nicht mehr grün ist und anfängt, braun zu werden. Wir scheuern die ganze Mittagszeit durch. Ja, wir sollen sofort wissen, was für ein großes Boot wir gekauft haben. Nach einem leckeren Mittagessen von meiner Mama beginnen wir mit dem Folgenden, das wir so gerne an diesem Wochenende getan haben wollten, das Deckszelt hoch! Birgitte muss so schnell wie möglich trocknen und das Deck ist überhaupt nicht wasserdicht.

 

Das Zelt ist wirklich ein echtes Puzzle. Auch Jaap wird aus dem Maschinenraum geholt um mit zu puzzeln, zu schauen und zu ziehen. Das Wetter spielt auch nicht mit. Es gibt eine Menge Wind und das Zelt wird direkt durch Hagel geprüft. Glücklich haben wir es nach einigem Schwitzen geschafft und sitzen nun trocken unter dem Zelt.

 

Also gehen wir nun nach drinnen und starten mit Reinigung und Aufräumen der Pantry. Es kommen viele Pfannen, Tassen und Untertassen, mit Wasser gefüllt aus den Schränken. Wir sammeln sie alle ein, so dass wir zu Hause zum Abwasch kommen. Eines ist sicher, Geschirr haben wir vorläufig genug.

 

Von all der harten Arbeit kriegt man Hunger, so gehe ich zur Snackbar, um die Schwerarbeiter mit Essen zu versorgen. Als ich zurückkomme, erfahre ich, dass der Motor gearbeitet hat. Na, ja, denke ich, Nein, es ist wahr, ein kleiner Film beweist es. Nach dem Abendessen wollte ich es auch noch einmal probieren. Er hat in der Tat zu laufen begonnen. Gute Nachrichten so am Anfang. Nur das Getriebe will nicht. Es muss runter. Eine feine Aufgabe für morgen. Jetzt erst duschen und dann ins Bett. Morgen werden wir steif sein von den vielen ungewohnten Bewegungen.

 

Als wir am Sonntag aufwachen, sind wir wirklich nicht mehr ganz so geschmeidig. Aber wir wollen nicht klagen und stehen fröhlich auf, um für den folgenden Tag ranzuklotzen. Ich wasche eben noch vor der Birgitte das Besteck ab, das die ganze Nacht gestanden hat um den Rost herunterzubekommen. Sebas geht direkt zur Birgitte um unsere Hilfe für den heutigen Tag zu empfangen: Jan.

 

Gemeinsam mit seinem Vater entfernt Sebastian das Getriebe und mit einem praktischen Flaschenzug wird es durch das Skylight nach oben gezogen. Inzwischen kopple ich die Motoranzeigen vom Motor los, so dass auch diese gerettet werden können. Jan und Sebastian gucken noch nach dem klemmenden Schiebeluk, während ich mich wieder an die Reinigung mache. Am Kartentisch finde ich viele nasse Handbücher, die werden wir auch mit zum Trocknen nach Hause nehmen.

 

Es folgen noch viele kleine Arbeiten um herauszufinden, wie die Heizung funktioniert und der Landstrom wieder hergestellt werden kann. Der Tag endet mit einer leckeren braunen Bohnensuppe, die Sebastians Mutter gekocht hat. Wir werden mal wieder verwöhnt.

 

Und dann ist das erste Wochenende schon wieder vorbei. Wir sind müde aber glücklich mit dem Resultat unserer Arbeit. Es ist mehr passiert als wir dachten und Birgitte kann unter ihrem Zelt gut trocknen.

 

Wir fanden es schön, dass so viele Menschen sich die Mühe gemacht haben, uns zu besichtigen, aber sie stören. Wenn wir sie fragen, was sie denken, so bekommen wir die Standardantwort: Viel Arbeit! Ja, das können wir nicht ignorieren. Gewöhnlich folgt dann darauf: aber es kann wieder was Schönes draus werden und wir vertrauen darauf, dass es euch glückt. Ihr seid ja noch so jung. Das Bild halten wir aber für uns! Aber nach einem Wochenende mit harter Arbeit, träumen wir von schönen Reisen, die hoffentlich mit Birgitte kommen werden.

3. Hättet ihr nicht was Kleineres finden können? / Hadden jullie niet

    iets kleiners kunnen uitzoeken?

13. Februar 2013

 

 

Das war die erste Reaktion von Benno Rexwinkel, den wir am vergangenen Donnerstag eingeladen hatten, um seinen Rat zu erbitten. Aber lassen wir mit dem Wochenanfang beginnen. Nach einer harten Wochenendarbeit muss auch zu Hause noch was passieren. Nachdem ich geprüft hatte, dass Birgitte noch schwamm und der Landstrom noch nicht eingeschaltet war, fuhr ich schnell nach Hause. Dort beginnen wir wieder, unsere Siquieres zum Verkauf zu stellen. Das tut weh, aber man kann nicht alles behalten. Für diejenigen, die interessiert sind, ist sie zu finden unter:

 

http://www.botenbank.nl/zeilyachten/beneteau-first-345-175ek

 

Es folgen noch ein paar Stündchen mit Planen, Mailen und noch mehr Notwendigem, bevor wir unsere Augen schließen.

 

Nach einem solchen Abend ohne Birgitte werden wir sie trotzdem vermissen. Was fällt uns ein? Ja, ein Mittagessen an Bord mit den Kollegen, das ist der ideale Weg, unser Schiffchen den Kollegen von Leenaars bv zu zeigen und eine gute Entschuldigung, „um längs die Türkei zu fahren“ Was will man mehr?

 

Sebastian hatte das Glück leider nicht, aber das machen wir gut mit einem Dinner an Deck. Wonach es dann wieder hart an die Arbeit ging. Auch Jaap und Marjolein sind mit von der Partie, weil sie es an Bord gemütlich finden. Der Motor ist winterklar gemacht, weil es wieder anfängt zu frieren. Aber nicht, bevor er noch einmal gearbeitet hat und sorgfältig geprüft wurde. Es scheint noch etwas mit dem Wärmetauscher nicht zu stimmen. Also, der muss an diesem Wochenende erst einmal in Ordnung gebracht und gereinigt werden einschließlich einer Befestigung mit einem O-Ring. Auch die Motoranzeigen werden wieder an ihren alten Platz gebracht. Sie wurden von Jaap überprüft und getrocknet. Leider kommt wenig Bewegung bei den Zeigern, so wird auch die Verdrahtung zum Motor nochmals überprüft.

 

Dann schauen wir nochmals das Getriebe an. Das Getriebe steht nun mit Jan’s Hlfe an Deck und hatten es voll in Diesel gesetzt in der Hoffnung, dass Rost und Schmutz sich lösen würden, damit er sich wieder drehen könnte. Zum Glück hatten wir es in einen Behälter gelegt, denn da gab es soviel Diesel neben dem Getriebe, wie reingegangen war. Nach ein paar Stunden, als wir es wendeten, war uns klar, es ist ein großer Riss vorhanden. Das Getriebe ist am Ende. Wir müssen uns auf die Suche nach einem Gleichwertigen machen. Denn ohne es ist das Segeln doch sehr schwierig.

 

Zum Schluss wurde noch unser schöner Reflex-Ofen von Bord geholt, so dass Jaap auch diesen reinigen kann und sieht, welche Teile besorgt werden müssen, damit er wieder richtig funktioniert. Welche seltsamen Dinge in allem zu finden sind, empfinden wir auch hier wieder. Wir haben gedacht, dass alles Wasser erst in das Spülbecken in der Pantry ginge und dass es achtern wieder in dem Flürchen raus kam. Hier hatte anscheinend auch ein Waschbecken gesessen, der Schlauch war aber knapp über dem Boden abgeschnitten. Bequem! Aber nun haben wir den Radiator wieder von dem Ofen abgekoppelt und hören auch in dem Maschinenraum wieder laut Wasser laufen. Ja, manche Dinge bleiben ein Rätsel!

 

Am Mittwoch würde Jan gern einen Tag vor uns an der Birgitte arbeiten. Aber wir wissen nicht, was er vorhat. Wir müssen selbst erst richtig aufräumen. Wir versichern ihm, dass noch viele Arbeitstage folgen. Danach hat er am vergangenen Sonntag noch eines von den Vorsegeln mitgenommen, um es zu waschen und zu inspizieren. So braucht er sich nicht zu langweilen.

 

Mittwoch und Donnerstag bleiben wir nur um zu prüfen, dass sie noch schwimmt und haben noch andere Verpflichtungen, wie Arbeiten an der Slup „Dwars in den Weg“ und Üben mit „Spark“. Ja, das gewöhnliche Leben geht auch immer weiter. Wohl nehmen wir uns noch frei für den Besuch von Benno Rexwinkel am Donnerstagnachmittag. Wir sind neugierig was er von unserem Projekt hält, da er die nötigen Kenntnisse über Holz und Holzbau besitzt. Wie der Titel dieses Blogs bereits verraten hat, war seine erste Reaktion: Wart ihr nicht in der Lage, etwas Kleineres zu finden? Danach beginnt eine gründliche Inspektion mit möglichen Aussichten. Wir suchen stets nach Schwierigkeiten  und unsere kleine Liste mit Fragen, worauf wir achten müssen und nachsehen müssen bei unserem Dockaufenthalt wird mit jeder Minute länger. Ja, das bekommt ihr mit einem großen Holzschiff! Kurz gesagt, beinahe jeder hat eine andere Meinung, woraus unser Deck besteht. Tatsächlich ist es eine Mischung aus Kiefer, Eiche und Meranti. Der gesamte äußere Decksrand muss ersetzt werden und wahrscheinlich auch der erste Gang (die oberste Planke des Rumpfs) darunter. Das ist notwendig, weil das Holz darunter rott ist und es gut sein kann, dass das Holz darunter ebenfalls verrottet ist. Das Deck ist wahrscheinlich noch ziemlich gut außer dem äußeren Rand und den Abdichtungen an den Aufbauten. Aber das wussten wir ja bereits. Wir hoffen, dass vorläufig nicht das ganze Deck neu kalfatert werden muss. Die „boeideel“  unsere Seereeling muss erneuert werden incl. der Stützen, weil man da mit dem Schraubendreher durchstechen kann. Die Definition von Rott!  Wieweit der Rumpf betroffen ist, kann erst festgestellt werden im Dock, wenn er gesäubert und trocken geholt ist. Viel ist nicht mehr darüber zu sagen, außer dass sie noch völlig trockengelegt werden muss. Aber der größte Teil der Farbe ist ohnehin schon lose. Aber wer sich berufen fühlt, ein bisschen zu schrappen, weiß: es bleibt viel zu tun. Also, jede Hilfe ist willkommen!

 

Für den Rest müssen alle Fugen der Spanten, wo sie aneinander kommen, kontrolliert werden, da sie empfindlich sind für Rott und die Nagelverbindungen. Kurz, es gibt genug zu tun in unserem kurzen Monat im Dock. Bezüglich der Materialien wird geraten, bei den alten Methoden zu bleiben, weil sie funktionierten und die billigste Lösung sind. Und vor allem das Letztere klingt gut, weil alles, was wir anpacken, groß ist und viel Material benötigt. So wird der Rumpf weiter mit Leinöl gestrichen und das Deck wird wieder mit Pech behandelt.

 

Darüber hinaus beschließen wir, dass wir selber uns die Arbeit machen müssen, denn wenn wir es machen lassen wollen, würden wir sofort bankrott gehen. Also haben wir eine Menge zu lernen über Holzbearbeitung und dann ran an die Arbeit.

 

Oh, noch eine Kleinigkeit. Der Rumpf muss auch von innen inspiziert werden können. Das Interieur muss also doch raus? Am besten ist es, dass es vor dem Werftaufenthalt passiert. Und das Schott in der Nähe des Mastes sollte bleiben wegen der Torsion des Schiffes. In der ursprünglichen Planung hatten wir es entfernt. So werden wir auch binnen kurzem wieder am Reißbrett sitzen.

 

Freitagabend können wir uns wieder glücklich in unsere Arbeitskleidung werfen und wir gehen wieder an die Arbeit. Morgen kommt Jaap wieder, um am Motor zu arbeiten. So beschließen wir diese Arbeit zuerst, aber wir wollen sie etwas angenehmer machen. Wir räumen alle losen Dinge heraus, die an der Seitenkante liegen, verlegen die Akkus und schrubben die Riffelblechplatten. Nach einigen Stunden Arbeit sind wir braun und schmutzig, aber der Motor ist bereit und nicht schmutzig. Zeit für uns nun, das Bett aufzusuchen. Morgen ist ein anderer Tag!

 

Samstag geht das Aufräumen weiter. Wir räumen die Achterkajüte auf. Auch hier viele Säcke mit Müll. Aber wir finden auch lustige verrostete Dinge, Werkzeuge und viele Ersatzteile. Am Nachmittag kommen unsere Eltern, um das Arbeitsteam wieder zu verstärken und es wird von Jaap mit Marjoleins Hilfe wieder für die Veränderung hart am Motor gearbeitet.

 

Die Anzeigegeräte sind angeschlossen. Der Wärmetauscher ist korrekt befestigt mit einem O-Ring und der Befestigung dazu. Als alles wieder an seinem Platz war, wurde der Motor gestartet. Diesmal aber nicht mit dem Schraubendreher, sondern wirklich mit dem Schlüssel draußen. Worüber man nicht alles froh sein kann, nicht wahr?

Nun lässt er sich wieder starten. Wir sehen, dass wir Öldruck haben und die Anzeigen arbeiten. Der Tourenzähler arbeitet nicht, und auch die Temperatur steigt nicht. So fahren wir mit der Untersuchung fort. Der Drehzahlmessersensor muss ausgetauscht werden, beim Temperaturmesser sind wir nicht sicher. Nach viel Untersuchungsarbeit wird deutlich, dass der Wärmetauscher vermutlich kaputt ist, wodurch der Motor vielleicht nicht warm wird und nun überall nur kaltes Seewasser kommt. Der Wärmetauscher wird wieder demontiert, damit Jaap ihn zur Prüfung mit nach Hause nimmt. Der Plan ist, alle Rohre von unten abzudichten, ihn dann zu füllen, um zu erkennen, welches Rohr leer läuft.

 

Inzwischen ist auch die erste warme Mahlzeit an Bord zubereitet. Jaap und Marjolein haben nämlich ihr altes Campinggasgestell für uns rausgesucht und für uns mitgenommen. Ein Shawarma-Wrap! Gasflaschen sind noch an Bord, so kaufen wir ein Druckventil und können nun kochen. Es wird natürlich eine kulinarische Köstlichkeit: Shoarma auf Wrap. Marjolein macht zwischen aller Arbeit auch noch den Salon schön. Es kommen wirklich schöne Balken zum Vorschein. Jan fertigt nachmittags noch eine Zeichnung, wie das Schiebeluk werden soll. Denn es wäre sehr bequem, wenn es einfach zu öffnen wäre und nicht nur mit roher Gewalt.

 

Wir beenden den Abend mit Schatzsuche. Vorne, in der alten Mannschaftskajüte, sind noch Schubladen, die ich noch von unserem Besuch vor dem Sinken in Erinnerung hatte, in denen Geschirrtücher waren. Aber die Schubladen sind trotz aller Versuche nicht mehr zu öffnen. Eine spaßige Aktion mit Brecheisen, Hammer und Ermutigung durch Sebastian folgte. Aber schließlich finden wir eine Menge Geschirr- und Handtücher und noch Gerümpel. Sie müssen alle noch gewaschen werden, sagt meine Mutter. Dann sieht sie mich an und beginnt zu lachen. Wir waschen in der letzten Zeit nämlich bei meiner Mutter. So suchen wir nach einer Tasche und geben sie meiner Mutter mit. Sollten meine Eltern auch nach Hause gehen mit weniger Klamotten als sie kamen? Glücklicherweise bringen sie auch immer wieder was zurück.

 

Nach diesem Lachen steigen wir wieder aus unserem Loch, wo wir keine Telefonverbindung haben aber auch keine Ahnung, was draußen passiert. Nun, die Außenwelt ist plötzlich weiß und es schneit immer noch kräftig. Nach Hause zu kommen ist eine ziemliche Herausforderung und an Bord zu bleiben geht noch nicht. Also arbeiten wir ein bisschen weiter.

 

Den Sonntag verbringen wir mit dem Aussuchen der Dinge, die wir in der Achterkajüte gefunden haben. Auch müssen wir uns wieder um unsere Familie kümmern. Frans ist 50 geworden und das dürfen wir natürlich nicht verpassen. Wir können aber leider nicht umhin, uns mit unserer Birgitte zu beschäftigen. So, sorry family, dass ihr euch gegen euren Willen steif gehalten habt.

 

Auch bekommen wir von Mama alle Geschirr- und Handtücher gewaschen und sortiert nach Putzlappen und brauchbar zurück. Was für ein Service!

 

Montagabend, unser „freier „ Abend, nun umgetauft auf „Birgitte“, machen wir weiter mit Plänen, Aussuchen und Budgetierung. Glücklich wollen wir morgen wieder arbeiten.

 

Als wir Dienstag wieder an Bord kommen, ist es gut zu sehen, dass Jan dort war. Er hat die Backskisten aussortiert und geleert, so dass diese auch trocknen können und vielleicht tut es das Schiebeluk jetzt auch besser. Es ist ein spannender Abend, weil wir an einer Versteigerung für Eichenholz teilnehmen wollen, das wir in Kürze benötigen. Leider läuft die Auktion schnell und der Abschluss kommt immer später, dadurch dass die Leute bis in die letzte Minute weiter bieten und so wird die Auktion immer länger. Wir sprechen einen maximalen Betrag ab und wenn wir darüber gehen müssten, stoppen wir. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal besser. Den Rest des Abends füllen wir mit meinen Eltern mit dem Austausch des reparierten Wärmetauschers. Drei Röhren waren leck und die sind nun abgedichtet. Wir trennen den Ölkühler von der Kupplung, so dass dieser mit dem Getriebe weggebracht werden kann.

 

Marjolein und ich gehen nach vorn, suchen noch nach Schätzen und dann geht’s weiter mit dem Aussortieren von verwendbaren Haken und Ösen. Wir bekommen auch eine Dusche ab, als wir eine Lampe von der Decke holen wollten. Auch diese steht voll Wasser, damit hatten wir auch gerechnet, aber nicht damit, dass es im falschen Moment losschießt. So können wir gleich die gewaschenen Handtücher benutzen.

 

 

 

 4. Ein leerer Bauch / Een lege buik

21. Februar 2013

 

 

Am Freitagabend gehen wir wieder schön auf unser Schiffchen. Morgen ist ein Zug zur Deponie geplant und das Getriebe muss nach Drinkwaard-Motoren gebracht werden. Also sammeln wir zuerst all das Zeug, das morgen weg muss. Dann können wir den Abfall entsorgen. Eine Ladung mit vielen blauen Abfallsäcken folgt und auch die Kupplung wird zusammen mit Jan in mein kleines Auto gepackt. Der Kangoo ist komplett voll mit Kanistern und blauen Säcken. Dann räumen wir drinnen noch alles auf und stopfen so viele Dinge in Behälter, um sie in unser kleines Lager zu bringen. Jan macht uns unterdessen glücklich mit einer normal schiebenden Schiebeluke. Wie viel bequemer ist es, wenn man sie ohne Gewaltanwendung öffnen kann.

 

Samstagmorgen trennen wir uns. Sebastian in Richtung Deponie, ich nach Sliedrecht, um die Kupplung wegzubringen. Dienstag bekommen wir die Nachricht vom Kupplungsdoktor, ob sie noch zu retten ist. Wir sind sehr neugierig, aber Daumen hoch. Als ich wieder an Bord komme, hat Sebastian inzwischen den Abfall entsorgt und die nötigen Klamotten ins Magazin gebracht. Wir können wieder ein Stückchen Deck sehen und beschließen, erst einmal das Deck wieder aufzuräumen. Alles wird sortiert, und wir finden tatsächlich in einem Segel unser Schlauchboot. Jetzt müssen wir noch die Daumen halten, dass es nicht leck ist, aber das finden wir noch heraus.

 

Danach beginnen wir mit dem ersten Kittkunstwerk auf der Birgitte. Wenn es regnet, kann man nämlich im Maschinenraum duschen. An sich praktisch, denn eine Dusche haben wir noch nicht. Aber wenn wir das Schiff trocknen wollen, ist es auch wieder nicht ganz so praktisch. So beginnen wir fröhlich, die alten Fugen rund um die Aufbauten zu leeren und das rotte Holz in den Aufbauten zu entfernen. Ab einem gegebenen Zeitpunkt sehen wir echtes Licht von innen nach außen kommen. Es ist doch Rott, dieses Stück Decksaufbau. Wir suchen dann auch zwei Planken und machen dann den Decksaufbau und das Deck wieder mit viel Sikaflex provisorisch dicht. Hoffentlich haben wir keine Dusche mehr im Inneren. Aber natürlich bleibt es nun trocken, aber der Test steht noch aus. Während des Tages kommt immer wieder Besuch vorbei, wodurch der Tag wieder schnell vergeht. So stellen wir fest, dass unser Blog auch gelesen wird. Denn Ferdinand selbst kommt, um neue Schlüsselhänger für die Motorschlüssel zu bringen. Die konnte er nämlich nicht wiederfinden. Auch überraschte er uns mit neuen Glöckchen. Die bekommen nach unserem Umbau ein schönes Plätzchen. Nach dem Besuch war es schon wieder Essenszeit. Heute ist ein kleines Jubiläum, weil Sebastian und ich schon wieder 5 Jahren beisammen sind. Sebastian überraschte mich mit einem romantischen Dinner von der Hafenversorgung. Für den ist es eine wirkliche Suche. Wir sehen den Versorger durch den ganzen Hafen fahren, aber schlußendlich sieht er doch noch Sebastian winken und wir können unseren „Varkenshaas“ genießen. Herrlich ist es, in unseren Arbeitsklamotten gemeinsam ein schönes, leckeres Stück Fleisch bei Kerzenlicht zu genießen. Nach unserem Dinner räumen wir noch die letzten Dinge aus und gehen dann gemütlich zeitig nach Hause. Morgen ist wieder ein Tag mit Druck.

 

Abbruchtag! Heute geht’s rund und wir beginnen mit dem Abriss. Das Abbruchteam wird wieder mit Jaap und Marjolein vergrößert. Der Plan ist, heute mit dem Abriss der Kombüse zu beginnen. Jaap taucht wie gewöhnlich erst noch mal in den Maschinenraum. Er schaut als erstes nach der Ölkühlung des Getriebes. Dann nach den Bowdenzügen Die sind etwas kurz, wie wir herausfanden. So wurden sie abgekoppelt und die Züge wurden herausgeholt. Es mussten neue geholt werden. Als Jaap und ich wieder in den Salon zurückkamen, war von der Küche nicht mehr viel übrig. Zuerst das gute Holz abgeschraubt und nach vorn gesetzt. Aber dann ist es die rechte Zeit für die grobe Arbeit. Papa fängt an, mit seinem Superhammer zu arbeiten, und in wenigen Minuten ist das Ende der Kombüse gekommen. Leider müssen wir noch das Holz versorgen, Wir schaffen es durch das nun funktionierende Schiebeluk an Deck und legen es ab. Dann wieder erst einmal Lunchen. Dann kommen auch Sebastians Chef und seine Familie, um einen kleinen Blick zu werfen.

 

Nach dem Mittagessen wird weiter abgebrochen. Dann verschwinden auch die Backbordkabine und der Kasten mit Wänden in der Mitte. Plötzlich ist da ein großer offener Raum. Hier können wir später was draus machen. Nie gedacht, dass so viel Raum ist, wenn alles leer ist. Leider muss alles alte Holz auch an Deck untergebracht werden. So müssen wir noch ein bisschen schleppen. Danach sind wir alle ziemlich kaputt. Wir müssen aber noch mit dem Industriestaubsauger die Fächer unter dem Fußboden ganz leer machen. Nur so können wir erkennen, ob noch Wasser nachkommt. Weiter hängt Jaap noch einen Lüfter auf, damit es schneller durch den Luftstrom trocknet. Und dann gehen wir mit Jaap und Marjolein müde aber zufrieden zu Bett.

 

Am Dienstagabend wird wieder hart abgerissen durch Jaap, Marjolein und Sebas. Ich saß in einer Konferenz in Hamburg und konnte mich nur schwer konzentrieren. Als ich am Abend ins Hotel kam, hörte ich von Sebas, dass Birgitte nun einen leeren Bauch hat. Er bezeugte es mit einem Bild über WhatsApp. Was für ein Unterschied an einem Wochenende. Jetzt können wir richtig planen. Der ursprüngliche Plan musste geändert werden. Sebas konnte nämlich nicht an der Stelle aufrecht stehen, wo wir die Dusche vorgesehen hatten. Und es könnte vielleicht so schön sein, beim Duschen aufrecht zu stehen! Jetzt bauen wir unser eigenes Luxusboot. Der Getriebedoktor hat leider weniger gute Nachrichten. Die Kupplung hat zu lange im Wasser gestanden und ist nicht mehr zu retten. Er hat aber wahrscheinlich etwas im Lager, das eventuell wohl passen könnte. Wir gehen die Spezifikationen durch und vergleichen.

 

 

 

 5. Neuigkeit / Stukje nieuw

1. März 2013

 

 

Während der Woche studieren wir die Beschreibung des Getriebes. Letztlich die Schlussfolgerung, dass durch den Übergang von mechanisch nach hydraulisch die Kupplung länger wird. Der Rest der verfügbaren Kupplung ist in Ordnung. Es muss an Bord festgestellt werden, ob diese Länge möglich ist.

 

Der Plan für das Wochenende ist, die Vorpiek leer zu räumen. Hier haben wir aber das gute Abbruchholz gelagert. So nehmen Sebastian und ich an, dass wir Donnerstagabend erst einmal darangehen müssen, das Holz in den „leeren Bauch“ zu verlagern. Nach allem Geschleppe kann Sebas es nicht lassen, noch ein wenig abzubrechen. Schön zu sehen, wie seine Augen leuchten, wenn er wieder ein Stück abgerissen hat.

 

Am Samstag geht es wieder ans Abreißen. Das Arbeitsteam wird wieder vergrößert um Jaap und Marjolein. Und das ist gut so, denn eigentlich gehöre ich ins Bettchen, um die Grippe auszukurieren, die ich mir eingefangen habe. Wozu habe ich nur meine Grippeimpfung? Als ich aufstehe, geht es mit einer Aspirin schon wieder, so überzeuge ich Sebastian, dass ich am besten mitmache und ziehe meine Arbeitsklamotten an. Aber bald stellt sich heraus, dass es ein wenig voreilig war, wodurch ich mich an die Aufsicht hielt, Gerätschaften anzugeben und die Tafel fürs Lunch zu decken. Doch ich bin froh, dass ich da bin, denn es verändert sich viel an Bord. Am Ende des Tages ist die gesamte Vorpiek leer. Das Stück Abbruch ist wirklich um einiges schwerer als der Bauch der Birgitte. So können wir gut feststellen, dass dieser Teil original ist und so viel kräftiger gebaut worden war. Die Konstruktion ist vorbildlich genagelt und nicht geschraubt. Die Männer haben Schweiß auf der Stirn, aber hinter den Kojen kommt der schöne Rumpf zum Vorschein. Wieder ein Stück Raum mehr. Leider auch eine Menge Schrottholz. Es passt eigentlich nichts mehr an Deck oder in den Raum. So wird noch schnell zu Mittag gegessen, bevor der Müllplatz dicht macht und eine Ladung Holz wird zur Deponie gebracht. Es bleibt das Schleppen von Abfallholz.

 

Am Ende des Nachmittags werfen wir noch einen Blick auf die Anpassung, die für den Einbau des Getriebes nötig ist. Es scheint „ ziemlich einfach“, die Achse zwischen dem Drucklager der Schraube und dem Motor zu kürzen. So wurde beschlossen, dass wir die neue Kupplung anschaffen können.

 

Wir trinken noch etwas in unserem neu entdeckten Raum und philosophieren über die Raumaufteilung. Das hier sollte doch wohl ein sehr schönes Schlafzimmer werden. Aber ja, es wäre auch schön, wenn Sebas unter der Dusche stehen könnte, und das ist der einzige Ort, wo er das kann. Kann die Dusche nicht irgendwo in den Boden versenkt werden? Und so geht die Debatte eine Weile….

 

Sonntag halten wir einen Tag „birgittefrei“, so dass ich mich ein bisschen erholen kann und wir sonstige Arbeiten verrichten können. Doch Jan arbeitet kräftig an Bord und sorgt dafür, dass weniger Wasser nach drinnen läuft längsseits der Masten, indem er die Leinen vom Mast abhält und auf die Nagelbänke an der Seite verlegt. Er kommt auch weiter beim Leeren der Backskisten, so dass auch diese weiter trocknen können.

 

Wir selbst kümmern uns immer noch um das Reinigen all des Geschirrs und des Bestecks vom Schiff. Wir haben genug, um eine große Party zu veranstalten. Hmm, jetzt nur Zeit finden, um eine Party zu organisieren. Vielleicht, wenn Birgitte fertig ist. Das wäre dann doch ein kleines Fest wert?

 

Am Montag gewinnen wir noch eine schöne Partie Eichenholz auf einer Auktion. Wir haben jedenfalls etwas, um bald mit dem Bau beginnen zu können. Auch die Kupplung ist gekauft und wurde von Jaap abgeholt. Die Schwarze ist unser!

 

Am Dienstag ist es Zeit für ein neues Teil an Bord der Birgitte. Das Aufbauen kann beginnen. Das neue Getriebe kommt an Bord und wird von Jaap mit Sebastians Hilfe an den Motor angebaut. Am folgenden Tag bekomme ich von meinem Vater einen kleinen Bericht mit Foto. Schön, was? Ich bin völlig einverstanden mit ihm. Wir sind mit unserem Kauf zufrieden. Sollten wir nun binnen kurzem unsere Probefahrt durchführen können?

 

Mit meiner Mutter demontiere ich noch ein wenig. Diesmal auf einem etwas kleineren Niveau, denn wir entfernen die alten Geräte und das geht nun mal nicht so schnell wie der Abriss einer Kammer. Aber es wurde gemeinsam gemütlich.

 

Wir blicken zurück auf eine erfolgreiche Woche Arbeit mit vielen Veränderungen. Viel Altes weg, viel Neues entdeckt und auch einiges an Bord gebracht.

 

 

 

 6. Das Ende der Birgitte? / Einde Birgitte?

9. März 2013

 

 

In den vergangenen fünf Jahren haben wir oft Gespräche über Haustiere geführt. Sollte es eine Katze oder ein Hund oder beides sein? Oder vielleicht ein ganz anderes Tier? Das eines einmal Birgittes Ende sein könnte, hätte ich nie gedacht.

 

Aber fangen wir mit unserem Arbeitswochenende an. Das begann dieses Mal früh am Samstagabend. Alles Abbruchholz musste nämlich hochnötig zur Deponie gebracht werden, so dass an Bord wieder gegangen und gearbeitet werden konnte. Am Freitagabend hatten Sebas und ich das ganze Holz an Deck gelegt und das Holz, das wir behalten wollten, ausgesucht und ordentlich zusammengestellt. Aber das Deck liegt nun arg voll. Zeit zu handeln. Um 8 Uhr wird es lebhaft bei den farbigen Häusern am Hafen. Meine Eltern kamen mit dem geliehenen Anhänger. Und später kommt auch Jan, bereit mit anzupacken. In einer halben Stunde liegt die erste Ladung in Sebas Kangoo und dem Anhänger. Das ist vielleicht ein Zirkus! Das Holz wird erst von Bord in tragbaren Größen abgegeben an das Steigerteam, das es zum Ende des Steigers schleppt, um es von dort auf die Kade zu werfen, wo das nächste Team es wieder auf Kangoo und Anhänger verteilt. Schnell wird es zur Deponie gefahren, wobei die Daheimgebliebenen weitermachen mit dem Holz verlagern, so dass schnell wieder geladen werden kann. Um 11 Uhr ist auch die Ladung Nummer zwei zur Deponie und das Deck ist wieder leer. Was für ein Platz! Aber was war das für ein Haufen Holz. Aber es erweist sich wieder, dass viele Hände die Arbeit leichter machen. Es sorgt aber auch morgen für mehr Menschen mit Muskelschmerzen, denke ich.

 

Jan stürzte sich nun auf die Säuberung der Toilette, die von vorne gekommen ist. Sie war braun und ist nun so weiß, dass wir sie nicht zu gebrauchen wagen. Dann hat er andere Verpflichtung und wir arbeiten noch weiter.

 

Es muss auch der Tag kommen, an dem sich die Schraube erstmals dreht. So sind Jaap und ich in dem Maschinenraum und montieren die gekürzte Welle. Inzwischen füllt Sebas alle Flüssigkeiten im Motor wieder auf, (war bereits frostklar). Marjolein arbeitet emsig an einer anderen Aufgabe. Weil alles unter Wasser gestanden hat, können wir auch alle Elektrizitätsleitungen aufgeben. So müssen alle Kabel raus aus dem Boot. Ein schöner Job für Mama. Wir hören selbst noch einen Hammer. Keine Ahnung, dass Kabel so hart sein können.

 

Gegen Mittag ist der Motor fast fertig für den ersten Lauf mit Getriebe. Aber erst einmal ein gutes Lunch!. Ich habe gestern Abend eine ganze Menge Eier gekocht, so dass wir ein gesundes Brötchen essen können. Das haben wir uns verdient bei all dem Schleppen von heute Vormittag. Das Mittagessen findet auf unserem Sonnendeck statt. Es ist endlich wieder schönes Wetter und das müssen wir auch genießen.

 

Aber dann ist der Moment wirklich gekommen. Schraubenwasser! Der Motor startet wieder und die Kupplung geht nach meinem Empfinden stets mit einem lauten Knall in Betrieb. Draußen eine große Rauchwolke, die glücklicherweise ein wenig abzieht. Wonach Sebas seine erste Bekanntschaft mit einem Nachbarn macht. Der ist auch glücklich, dass der Motor läuft und gibt keinen Kommentar zur enormen Rauchwolke. Die Schraube dreht sich, aber die Welle läuft nicht sauber. Nachdem sie eben gedreht hat, schalten wir sie aber wieder ab und beschließen, dass sie noch einige kleinere Anpassungen nötig hat, damit sie besser ausbalanciert ist. Aber im Grunde können wir segeln.

 

Eigentlich ist jetzt die richtige Zeit, nach Hause zu gehen, um das Erreichte zu genießen. Aber es bleiben noch drei Stunden, in denen wir noch etwas tun können. Etwa rottes Holz aus dem Raum entfernen. Mit dem Beitel gehen wir an die Arbeit, bis Marjolein sagt: da sind ja Maden drin! Wir kommen und sehen, das sind keine Maden sondern Holzwürmer! Wir haben plötzlich eine Menge Haustiere. Aber ich glaube nicht, dass wir die gern haben. Natürlich erschrecken wir fürchterlich und Birgittes Ende schwirrt uns durch den Kopf. Die Frage ist: Wie schlimm ist es? Um das herauszufinden, müssen wir viel mehr Holz entfernen. Schnell wird ein Plan erstellt. Jaan und Marjolein bringen erst den geliehenen Anhänger zurück. Sebas geht nach Gamma, um noch die letzten Einkäufe zu machen und eine Kreissäge zu holen. Ich bleibe an Bord, um das Holz zu kennzeichnen, wo Nägel und Schrauben sitzen, damit wir nicht in sie hinein sägen. Als wieder alle an Bord sind, essen wir einen Hamburger und dann geht’s an die Arbeit! Wir hoffen auf das Beste. Leider wurden wir nur noch trauriger. Wir beginnen an Backbord mit der Entfernung der Innenverkleidung. Wir finden hier eine Menge weißer Freundchen. Sowohl in der Innenverkleidung als auch in den Spanten. Dann begeben wir uns nach Steuerbord. Leider kommen auch hier die Würmer nach oben. Zwar weniger, aber sie sind da. Jetzt wird es Zeit, gut nachzudenken. Schweigend an das denkend, was wir gesehen haben, schleppen wir das rotte Holz zum Auto, um es so schnell wie möglich wegzuwerfen. Die wollen wir nicht an Bord haben! Wir stehen alle noch ein wenig fassungslos am Auto. Was für ein Tag! Es hätte so schön sein können, aber das Weinen steht uns näher als das Lachen.

 

Wir schlafen nicht wirklich gut. Es kommen stets Würmer hoch. Aber als wir wacher werden, schauen wir uns an und wissen, dass wir dasselbe denken. Wir können nicht zulassen, dass Birgitte umkommt. Es ist wirklich viel zu schade. Es ist verrückt, aber in der kurzen Zeit haben wir Birgitte liebgewonnen. Das geben wir nicht einfach auf. Wir suchen das Internet ab und telefonieren mit unseren Eltern. Wir fassen wieder einen Plan. Zwischen den Spanten ist Beton. Die große Frage ist, ob der Holzwurm auch im Rumpf sitzt. Dann ist es doch vielleicht das Ende der Geschichte. Kämpfen kann man immer noch, aber wenn wir noch das halbe Boot ersetzen müssen, dann ist es das einfach nicht wert. Aber der einzige Weg, das herauszufinden ist, den Beton herauszuholen und schauen wie es darunter aussieht. Das ist es, was wir am Dienstagabend machen. Außerdem erfahren wir, dass es voraussichtlich der „bonte Knaagkever“ (Totenwache-Käfer) ist. Dieser liebt nämlich feuchtes Eichenholz und das haben wir. Das Problem ist, dass dieser auch der schwierigste Käfer ist, weil er den Kern des Holzes frisst und daher schwer zu bekämpfen ist.

 

Am Montag rufe ich den Experten in der Holzwurmbekämpfung an. Es gibt zwei Arten der Bekämpfung. Vergasung ist die effektivste, aber kostet auch eine Menge Geld. Oder die nasse Behandlung, wobei mit hohem Druck Chemikalien in die Balken gespritzt werden.

 

Am Dienstagabend wird mit schwerem Gerät (Presslufthammer) der Beton zwischen den Spanten herausgeholt. Als wir auf dem Holz ankommen, merkst du, dass jeder seinen Atem anhält. Das dauert lange, denn der Beton ist sehr hart und sitzt fest auf dem Holz. Als wir alle rot angelaufen sind, ist der Moment da. Wir sehen das Holz in der ganzen Breite zwischen den Spanten. Wir atmen alle ein bisschen erleichtert auf. Es kriechen uns nämlich keine weißen Würmer um die Beine und das Holz fühlt sich hart an und ist von hellbrauner Farbe. Wir schließen daraus: Vorläufig noch kein Ende der Birgitte. Wir schreiten zur Holzwurmbekämpfung!  Aber zuerst noch ein bisschen mehr abreißen. Wir nehmen noch mit der Hilfe von Jan, der inzwischen auch gekommen ist um zu sehen, ein Stückchen vom Innenrumpf an Steuerbord weg. Der Schweiß steht wieder auf unserer Stirn, denn diese Seite ist noch etwas besser als an Backbord und lange nicht so leicht zu entfernen. Aber um neun Uhr gehen wir wieder mit einem guten Gefühl von Bord. Hinter dem Beton sieht es gut aus und die schweren Balken an Steuerbord sind entfernt und liegen größtenteils wieder an Deck. Jippee! Wieder Holz zur Deponie zu bringen! Sollten sie uns wiedererkennen? Zeit, um den Experten kommen zu lassen. Am Mittwoch rief ich an und am Freitag hat er Zeit. Glücklicherweise ist Birgitte nicht weit von meiner Arbeit entfernt und ich nehme zwei Stündchen zwischen meinen Aufgaben frei, um den Experten an Bord zu lassen und auszuhorchen. Er ist ein sehr netter Mann, der uns schnell bestätigt, dass wir es in der Tat mit dem Bonte Knaagkever ( Totenwachekäfer) zu tun haben. Der inzwischen von Sebas Chef umgetauft wurde in „blonder geiler Nagekäfer. Leider ist er in der Tat der schwierigste Käfer in der Bekämpfung, weil man ihn von außen nicht sieht und man echt zum Kern des Holzes kommen muss. Man macht das durch Bohrungen von 8 mm in einem bestimmten Muster, um dort giftige Chemikalien einzuspritzen. So giftig, dass ohne besondere Maßnahmen im entstehenden Gas man keine Stunde überleben kann. Hier beschließen wir dass diese Art der Bekämpfung keine Option für uns ist. Die Balken zu spritzen ist ziellos und wir wollen es doch länger als eine Stunde überleben. Kurz, es ist eine Aufgabe, die wir auswärts vergeben müssen. Leider kostet es richtig Geld. Sicher, dass wir uns für das Vergasen entscheiden. Dafür gibt es eine 100% Garantie für die Käferbekämpfung. Die andere Methode nur 75%. Aber ja, der Preisunterschied ist ungefähr die Hälfte und es sind leider nicht nur 100€. Kurz, wir haben wieder etwas, um darüber nachzudenken. Aber wir geben es nicht zu. Wir sind froh, dass es nicht Birgittes Ende ist und gehen wieder fröhlich ans Werk. Doch darüber mehr beim nächsten Mal.

 

 

 

 7. Wir machen Fortschritte / Schot in de Zaak

14. März 2013

 

 

Nach den Wurmabenteuern haben wir am Freitag erstmals Zeit zur Entspannung. Der Arbeitsschluss von Sebastian. Da haben wir etwas Muße nach all der Hektik der letzten Woche. Es wurde sehr gesellig, so dass wir spät zu Bett gingen und beschlossen, Samstagmorgen etwas später als gewöhnlich zu beginnen. Dieses Mal ist es kein Problem, dass wir keine Arbeitsverstärkung haben. Um zehn sind wir dann doch an Bord, um mit dem Abriss weiter voranzukommen. Dieses Mal legen wir das Holz in Säcken an Deck, damit die Holzwürmer drinnen bleiben und nicht vor Elend herausfallen. Wir haben es dieses Mal nicht vor, das Holz auf die Kade zu werfen und fahren mit der Stechkarre 86 Mal hin und zurück. Sebas bringt es dann zur Deponie, derweil ich, so schnell es am Samstagmorgen geht, Besorgungen mache. Sobald wir wieder an Bord sind, machen wir mit dem Abriss weiter. Dieses Mal kommt erst der Fußboden dran. Der ist sehr feucht und wir sind gespannt, wie es darunter aussieht. Glücklicherweise ist der Fußboden zwar auch verrottet, aber ohne Würmer, so sieht es aus. Schade nur, dass dieses Holz auch durch den Eingang wieder Richtung Oberdeck muss. So beginnen wir wieder mit dem Holztransport und dann sehen wir auch wieder Beton. Zu unserem Erstaunen ist wirklich der ganze Flur aus Beton, er besteht aus kleinen Stücken und ein Gatt führt  zur Bilge. Wir waren froh, denn wir hätten nämlich gern die Duschwanne in den Boden versenkt. Das machen wir nun in dem Bilgegatt, an einem anderen Ort als ursprünglich geplant. Aber Pläne sind doch für die Veränderungen da oder?

 

Nachdem der Boden raus ist, ist es Zeit fürs Mittagessen. Danach gehen wir das Hauptschott an. Auch dieses zeigt rotte Stellen und muss ersetzt werden. Das Schott ist nur 4cm dick und gibt uns so nicht soviel zu tun. Wir beschließen zwei Schnitte mit unserer neuen Kreissäge zu machen, so dass in jedem Fall das mittlere Stück herausgeschlagen werden kann. Dann hängt der Rest nur noch an den Decksbalken und ein Stück zwischen den Spanten im Betonboden des Raumes. Das allerdings wegzubekommen, ist ein langer Kampf und dauerte beinahe bis zum Abend. Aber glücklicherweise kann ich mich noch bücken, um einem herumfliegenden Stück Holz auszuweichen und auch Sebas fällt nicht über das letzte Stückchen Schott. Nach einer ganzen Tageshälfte ist das Steuerbordteil des Schotts draußen und Sebas strömt wieder der Schweiß von der Stirn. Kleiner Hinweis, es ist nicht so, dass ich eine bessere Kondition hätte. Es ist nur so, dass es sicherer ist, wenn Sebas den schweren Abbruchhammer bedient. Denn ich habe die Neigung, mit dem Hammer mitzufliegen. Wo wir auch hart arbeiten, können wir auch noch lachen, aber es ist nicht so schön, wenn wir blaue Flecken bekommen. So macht Sebas die grobe Abbrucharbeit und ich halte mich an das Abräumen des freigewordenen Holzes und an die Überlegungen, wie wir das Holz wieder wegbekommen. Nach vier Stunden fanden wir es genug für heute und lassen den Kram sein. Morgen ist ein neuer Tag.

 

Nun zu unserem Ferienhäuschen, um da die dringenden Hausarbeiten zu erledigen. Das normale Leben gibt es ja auch noch. Aber auch hier sind wir ständig beschäftigt und denken scharf an die Würmerbekämpfung. Welcher Option sollen wir folgen? Langsam neigen wir stets mehr zur Vergasung des Bootes. Dann sind wir wenigstens 100% sicher, dass wir sie los sind. Es wäre sehr ärgerlich, wenn wir darauf wohnen und alles eingebaut ist, noch einmal ein Würmchen nach oben gekrochen kommt. Danach bleiben wir dann unser ganzes Leben auf Jagd nach dem möglichen Holzwurm. Nein, wir wollen eigentlich sicher wissen, dass wir sie los sind. Dann lieber noch etwas länger warten mit den Einbauten und weiter sparen, und dann aber sicher sein, dass es nicht wieder aufgefressen wird.

 

Sonntag sind wir wieder zeitig auf und wieder früh auf der Birgitte. Wir schleppen zuerst das Holz des Hauptschotts nach oben. Eine echte Plackerei, denn dies ist wirklich schweres Holz. Dann gehen wir an den Abriss der Schottwand an Backbord. Mittlerweile sind wir gut drauf, und so ist das Schott bald raus. Oder kommt es daher, dass in diesem Teil ein Durchgang werden soll? Auf jeden Fall kommt Schwung in die Sache.

 

Nach dem Mittagessen können meine Eltern es doch nicht lassen, uns noch etwas helfen zu können. Am Sonntag können sie nicht auf ihr eigenes Boot, an dem auch wieder gearbeitet werden kann. So versuchen sie , uns zu helfen.

 

Jaap hat die Schraubenwelle wieder bei sich und einen schönen neuen Ring eingebaut. So haben wir Jaap wieder an die Maschine verloren. Marjolein und ich gehen wieder in unser Gärtchen schaufeln. Wir möchten gern das ganze rotte Holz von Bord haben, damit das gute Holz trocknen kann und wir können schauen, welches Holz wir für wieder verwendbar halten. So schrappen wir von allen Spanten das rotte Holz ab und eigentlich gefällt uns immer mehr, was von den dicken Balken überbleibt. Sebas klemmt hinten noch die notwendigen Geräte ab und bietet Jaap, wo nötig, eine helfende Hand. Nach einer Stunde ist der Motor wieder klar für eine kleine Testrunde. Voll Spannung stehen wir wieder über die Welle gebeugt. Soll sie nun nicht mehr vibrieren? Und ja, es sieht perfekt aus. Die Welle vibriert nicht und wir fühlen, dass Birgitte weg will. Es wird hart an den Leinen gezogen. Noch eben die Bowdenzüge einziehen und als diese endlich drinnen sind, können wir nach Middelharnis fahren.

 

Um drei Uhr wollen meine Eltern wieder nach Hause gehen und wir gehen auch aufräumen und von Bord. Das Häuschen muss nämlich wieder frostsicher gemacht werden, denn es wird wieder kalt diese Woche.

 

Wir sind gerade 5 Minuten entfernt, als das Telefon klingelt. Eine betrübte Finy sieht, dass das Zelt der Birgitte geschlossen ist. Wir beschließen umzukehren und wieder zu ihr zu fahren. Als wir zum Heck kommen, stehen Cees und Finy dort mit einem Überlebenspaket. Was sind das doch für liebe Menschen. Was? So eine Aufmunterung können wir nach einer so wurmigen Woche sehr gut gebrauchen.

 

Am Montag bekommen wir das Angebot von dem Holzwurm-Bekämpfungsunternehmen. Wir haben uns nun echt für die Begasung entschieden. Der einzige Nachteil ist, dass 2 Tage eine Zone von 10 Meter um das Boot abgesperrt wird, in die niemand eintreten darf. Wir sollten es am besten im Dock tun, so frage ich beim Dock an, ob das ein Problem ist. Leider können sie uns das nicht zugestehen, weil viele Touristen in das Dock kommen, und diese 10 Meter auch außerhalb des Docks fallen, in dem wir liegen. Leider müssen wir nach einem anderen Ort suchen. Zum Glück kann es auch im Wasser sein.

 

Am Dienstag möchten wir gern die elektrischen Verbindungen, gemeinsam mit meinem Vater ziehen, aber leider geht etwas schief mit der Bestellung und so sind die Kabel noch nicht drin. Jaap checkt deshalb die letzten Dinge am Motor und saugt noch die Bilge ganz leer. Wir beginnen mit dem Abriss der Achterkajüte. Auch hier ist es immer noch sehr nass und um dafür zu sorgen, dass es gut trocknen kann, muss das nasse Holz, das wir nicht mehr gebrauchen können, raus. Das Deck liegt nun wieder voll mit noch mehr Holz. Ich denke, dass wir am Samstag vor unserer Ortsveränderung erst noch zur Deponie fahren.

 

 

 

 8.Das letzte Mal / De laatste keer?

23. März 2013

 

 

Am Abend brechen wir achtern noch fröhlich ab, bis es Samstagmorgen ist und wieder Zeit für die Deponie. Sollten sie zwischenzeitlich mit uns rechnen? Wir hoffen, dass es vorläufig das letzte Mal war. Um 8 stehen die Hilfstruppen wieder klar auf der Kade. Meine Eltern mit Anhänger und Jan mit ein paar starken Armen.

 

Wir starten wieder mit Schleppen. Dieses Mal ist es sehr schwer, denn das Holz des Hauptschotts steht im Weg und ist richtig schwer. Auch heißt es diesmal viel unters Zelt zu kriechen, denn nicht alles Holz liegt in der Mitte, sondern achtern am Seitendeck. Aber wir sind ja zwischenzeitlich geschickt geworden und werden so mit allem fertig(wir bekommen auch alle Last mit unseren körperlichen Beschwerden) aber ja, da muss man was für übrig haben, Ja? Um 10 Uhr fahren wir wieder zur Deponie mit vollem Anhänger und Kangoo und leerem Deck. Schneller als gedacht. Wir hätten ruhig ein bisschen später aufstehen können. Man kann sagen, eine Lektion für das nächste Mal, aber hoffentlich kommt es nicht mehr dazu.

 

Nach dem Entleeren ist es erst einmal Zeit für einen leckeren Mandellikör aus dem Überlebenspaket von Cees und Finy. Dann arbeiten wir weiter. Jan taucht in die Backskiste, um die Garage für das Schiebeluk wieder festzusetzen. Mit meinem Vater ziehe ich die Bowdenzüge ein, meine Mutter geht wieder lieb schaufeln in unserem Wurmgärtchen. Sebas hilft Jan. Bis zu einem Moment, als ich hinten an den Bowdenzügen arbeite und ihn zu seinem Vater sagen höre: Nichts Melin sagen, hör! Ich zweifele noch, ob ich gucken gehen soll, aber mein Vater hat noch gerade meine Hilfe nötig. Ich denke, dass Sebas sich in das Klüvernetz begeben soll, um die Breite des Kielbalkens für das Dock auszumessen. So denke ich noch: wie schlimm kann das sein? Also bleibe ich, wo ich bin und probiere, mir keine Sorgen zu machen. Augenblicke später kommt Sebas stolz wie ein Pfau mit einer grünen Leine zu mir. Die kam mir bekannt vor, aber wo saß sie nun alswieder? Oh nein! plötzlich weiß ich es. Die saß noch zwischen vor der Bergung den Masten. Sebas war in den Mast geklettert. Das hätte ich ohne Sicherheitsschutz nicht gut gefunden. Aber gut, dass ich es nicht gewusst habe, sonst hätten wir wieder extra Stresspillen bestellen müssen. Sebas erzählte hinterher, dass Jan ganz brav gesagt hat: ich verrate nichts. Von seinem Schwiegervater muss er es haben, He? Aber zum Glück steht mein Männchen sicher neben mir auf dem Deck mit einem Foto von oben.

 

Zeit für das Mittagessen würde ich sagen. Dieses Mal, weil es drinnen ein bisschen schwerer ist, um mit allen am Tisch ein Buffet zu verzehren. Nun, ein bisschen erweitert mit einem Restchen kaltem Pastasalat und Osterstollen und leckeren Brötchen.

 

Das haben wir mal wieder verdient nach all der Plackerei an diesem Vormittag. Nach dem Mittagessen schließen wir noch die Bowdenzüge an und Jan erledigt die Lukgarage. Um zwei verlassen uns unsere Eltern wieder, um selbst wieder zu Hause zu arbeiten. Ich schaufele noch ein wenig und Sebas beugt sich noch über die Ankerwinsch. Es wäre gut, wenn sie es während der Probefahrt täte, sollte etwas passieren. So wird das WD40 wieder zum Vorschein geholt. Dann ist es Zeit duschen zu gehen, denn heute Abend sind wir noch zum Geburtstag eingeladen.

 

Sonntag haben wir einen ruhigen Job. Diesmal mit Radio, denn wir haben gestern noch eben kleine Boxen geholt, die wir an den MP3-Player mit Radio anschließen können. Das macht die Arbeit ein Stück geselliger. Sebas geht Sonntagmorgen erst noch zum Häuschen, um Sachen wegzubringen und andere zu holen. Unter anderem Material, um eine Werkbank zu bauen. Der Raum ist nun leer und soll Werkraum werden, und dabei ist eine Werkbank sehr praktisch.

 

Ich hacke weiter. Denn der Job verpflichtet mich, rüstig zu bleiben, denn es kommt wieder eine druckvolle Werkwoche auf mich zu, unter anderem eine kleine Reise nach Dänemark mit dem Auto.

 

Nach Sebastians Rückkehr höre ich eine Menge Lärm. Nach einer Stunde kommt er mich stolz holen. Wir haben eine Werkbank und keine kleine!

Nach dem Mittagessen baut er noch Regale darüber. So, jetzt können wir wieder etwas geordneter arbeiten.

 

Wir hacken noch ein wenig Beton weg, um zu sehen, was in dem Holraum ist, den wir hören, wenn man auf den Beton klopft. Es ist aber in Wirklichkeit kein Hohlraum, sondern lose Betonstücke. Aber auch die schmerzhaft vorstehenden Nägel gehen nun ihrem Untergang entgegen und werden abgschliffen.

 

Während meiner Dänemarkreise holt Sebas noch mehr Beton weg aus dem rottenden Holz. Am Donnerstag räume ich alles wieder weg und Sebas macht die Ankerwinde wieder gangbar.

 

Am kommenden Wochenende stehen die letzten Arbeiten vor der Probefahrt auf dem Programm und dann wird es hoffentlich nach Ostern richtig passieren.

 

Dann noch ein kleines Holzwurm-Update. Die Örtlichkeit für das Vergasen in Middelharnis ist geregelt. So ist es Zeit, definitive Absprachen zu treffen. Leider können wir nur Begasen zwischen Mai und September. Dies ist so, weil die Eier des bunten Knaagkäfers dann bei Temperaturen über 10°C atmen, das Gas inhalieren und sterben. Angesichts dessen, müssen wir unsere Zeit im Dock bis frühestens Juni verbringen. Aber zuerst kommt der Mann, der den Gasplan festlegen soll im April, zusammen mit jemand aus dem Ministerium Van VROM. Denn es sind viele Genehmigungen durch Ortsbesichtigung beteiligt und das Ministerium muss auch seine Zustimmung geben.

 

 

 

 9. Die Zielgerade/ De laatste loodjes

29. März 2013

 

 

Am 1. Ostertag soll die Probefahrt sein. Diese Woche steht auch im Zeichen der Vorbereitung für die Überfahrt nach Middelharnis.

 

Mittlerweile sind wir daran gewöhnt, dass Birgitte festliegt mit der Folge, dass es ganz praktisch ist, an Deck zu laufen. Aber es muss nicht sein, dass unbedingt das ganze Deck zugänglich ist. Du begreifst sicher, dass am Ende immer wieder mehr Sachen auf dem Deck oder den Aufbauten liegen. Bei Fahrt ist das nicht so bequem, so gehen wir also ans Aufräumen. Sebas lädt dieses Mal sein Auto nicht voll Holz, sondern mit Dingen, die ins Lager gehen. Es ist was anderes, Dinge einzulagern statt wegzuwerfen, Sollten wir einmal vorsichtig mitmachen?

 

Danach ist das Deck wieder sichtbar und ich kann es selbst am Sonntag nicht lassen, es noch zu fegen. Nun, wenn Sebas auch denkt, es sei ein bisschen unsinnig, versuche ich noch immer, ihn zu überzeugen, weil ich möchte, dass Birgitte hübsch aussieht, wenn wir mit ihr rumfahren. Dann erinnert er mich an die Farbe, die abgeblättert am Rumpf hängt und dass das eigentlich unmöglich ist. Eigentlich mochte ich ihm recht geben, aber na ja, ich werde das Beste daraus machen.

 

Am Sonntag kommt Maschinist Jaap mit seiner Gehilfin Marjolein längs, um letzte Vorbereitungen für den Motor zutreffen. Der Motor bekommt schönes frisches Öl, der Filter wird gereinigt und auch das Kühlsystem wird auf Vordermann gebracht und vom Schmutz befreit, damit das Ablasshähnchen auch wieder richtig läuft.

 

Danach folgt ein Testlauf, wobei auch die Schaltung ausführlich getestet wurde. Es ist nämlich schön, sowohl voraus als auch achteraus zufahren. Die Bowdenzugsteuerung, die dafür verantwortlich ist, will nämlich nicht sauber schalten und der Motor arbeitet nicht sauber achteraus. Danach sollte die Kupplung ordentlich klappen. Wir beschließen noch, zwischen den Bowdenzügen für das Gasgeben und das Schalten zu wechseln, weil dieser Zug etwas steifer zu sein scheint. Und wir beschließen, den Betrieb, der die Kupplung liefert, anzurufen, um zu fragen, ob die Kupplung es übel nehmen könnte.

 

Jaap nimmt den Hebel für die Kupplung mit nach Hause, damit er einen größeren Hebel machen kann. Damit können wir im Ernstfall auch von drinnen die Kupplung von Hand betätigen,

 

Nachdem unsere Eltern von Bord sind, gehen wir wieder weiter an Bord. Da liegt auch das Paket, das wir am ersten Tag mit Birgitte aus dem Wasser gefischt haben. Wir meinen, dass es vielleicht praktisch wäre, wenn wir auf der Überfahrt ein Schlauchboot parat hätten und blasen es auf. Was für ein Luxus! So ein großes Deck. Wir haben es zum ersten Mal nicht nötig, dies auf dem Steiger zu tun, wo alle möglichen Hindernisse bestehen. Jetzt kann es zwischen den Deckaufbauten flach liegen. Was ihr alle nicht richtig genießen könnt, was? Die Fußpumpe lag noch an Bord, damit ich anfangen kann zu pumpen. Es scheint, ein großes Boot zu sein und sieht auch nicht alt aus. Aber es ist ein bisschen fies, und so gehe ich gleich nach dem Aufpumpen ans Säubern. In der Zwischenzeit bringt Sebas die Segel, die noch an Deck liegen zu seinem Vater. Die sollen sie, wenn das Wetter schöner ist, waschen. Als Sebas zurückkommt, ist das Schlauchboot fast sauber und wir können das Gefecht mit dem Boden aufnehmen. Es ist wieder ein Boden, an dem auf der Seitenkante eine Leiste drumherum sein muss. Super, wenn er erst einmal sitzt, aber den Rand drumherum zu bekommen ist immer eine Herausforderung. Wir haben aber in der Zwischenzeit durch frühere Schlauchboote Erfahrung. Und Wunder über Wunder, in einer Viertelstunde ist die Sache geregelt. Wir haben ein Schlauchboot und vorläufig bleibt es auch prall! Nun holen wir noch eben das Motorchen von unserem anderen Beiboot und wir sind auch auf diesem Gebiet klar. Sollte es einmal nötig sein, geschoben zu werden, können wir es mit dem Schlauchboot machen und sollte mal echt etwas schiefgehen, passen wir alle in das Boot und kommen wieder ans Ufer. Aber lasst uns hoffen, dass es nie dazu kommt!

 

Auch im Inneren räumen wir noch das Nötige auf und dann ist das Wochenende leider schon wieder vorbei.

 

Am Mittwoch kriegt der Motor noch seine neuen Ölfilter und wir testen die neue Anordnung der Bowdenzüge. Das Schalten geht nun viel besser. So können wir wohl fahren. Sicher mit meinem Vater als Backup bei dem neuen Hebel der Kupplung, den er noch eben einbaut.

 

Es wird auch noch eine Wasserpumpe mit Benzinmotor an Bord geschleppt. Manchmal fragst du dich, was mein Vater wohl nicht in seinem Lager stehen hat. Auf dem Steiger prüfen wir auch diese noch einmal. Es dauert eine Weile, bevor sie läuft, weil der Schlauch nicht voll bleiben will. Nach einer Weile finden wir auch ein Loch. Als wir dieses schließen, geht es ein ganzes Stück besser. Wenn sie einmal richtig läuft, schalten wir sie schnell wieder aus, denn sie läuft nicht geräuschlos. Sorry, liebe Hellevoetsluisenaren dass wir euch an diesem ruhigen Frühlingsabend gestört haben. Aber wir werden zumindest dadurch sicher sein, dass wir auf diese Weise nicht sinken sollen. Heißt es doch Pumpen oder Absaufen! Oder werden sie schwimmen bleiben? Der nächste Blog soll es berichten.

 

 

 

 

 

 

 

 

10. Die Tour der Touren / De tocht der Tochten

4. April 2013

 

 

Es friert hart genug während der Nacht und so ist es Zeit für die Tour der Touren. Die Testfahrt der Birgitte war geplant für Sonntag, den 31. 3., denn am 1. April denkt jeder, dass es ein Witz sein soll. Und so kann ich noch am Samstag die nötigen Vorbereitungen treffen. Sebas muss nämlich zur Arbeit.

 

So, nachdem die notwendigen Einkäufe gemacht wurden in einem noch in der frühen Morgenstunde schön leeren Supermarkt, ist der Proviant für die Überfahrt klar. Nun noch die Birgitte. Ich beginne mit dem Aufräumen des Zeltes vorn und hinten. Den mittleren Abschnitt machen wir morgen alle zusammen, denn es ist nämlich ein bisschen schwer, wenn du allein bist. Man hat auf einmal viel mehr Licht und das Boot scheint wieder mal ein Stück größer zu sein. Schade, dass immer noch Schnee fällt. Aber in den Zeiten, wenn die Sonne scheint, ist es herrlich an Deck und es ist immer Zeit für ein Schwätzchen mit dem Nachbarn. Der verzieht heute nach Leeuwarden, Für uns ist es wichtig, dass er fährt, sonst können wir nicht aus unserer Box.

 

Nach dem Mittagessen räume ich die letzten Klamotten an Deck auf und sikkaflexe noch eine Planke mit einem Loch im Deck. Der Kitt will nicht richtig aus der Kartuschenpistole, aber so hatten wir wieder unsere Arbeit für heute. Außerdem installiere ich noch einen Riegel auf den Türen, so dass diese auch richtig verriegelt werden können. Sebas kommt wieder an Bord, dann ist es wieder ein Stück geselliger. Wir essen gemeinsam und phantasieren, wie es morgen wohl sein wird. Wir laufen noch etwas über den Steg und überlegen, wie wir morgen am besten rausfahren können. Dann fahren wir nach Middelharnis zurück für eine gute Nachtruhe.

 

Wir sind alle früh auf den Beinen. Auch die Uhr zu stellen hilft nicht, dass wir nicht rechtzeitig aufwachen. Zum Glück, denn wir haben uns um Viertel vor acht in Stellendam abgesprochen, um meine Eltern mitzunehmen. (ja, selbst logistisch ist diese Tour eine echte Herausforderung.) Wir sind dann auch um 8 Uhr auf der Birgitte, um den Rest des Zeltes herunterzunehmen. Im Gegensatz zu dem, was wir gedacht haben, sind wir um 8.30 Uhr klar und so bleibt genug Zeit, den Motor warmlaufen zu lassen und den Generator zu testen, den mein Vater unbedingt noch kaufen musste. Danach ist unsere Geduld doch ein wenig am Ende und wir beschließen, Birgitte bei ablandigem Wind auf der anderen Seite der Box festzumachen. Das Fahren mit unserem Schiff kann beginnen. Man muss sich daran gewöhnen, ein so großes Schiff zu manövrieren. Die Leinen sind ein wenig schwerer und über Abhalten und mal Umziehen brauchen wir nicht mehr nachzudenken. Das geht doch gewöhnlich nicht gut. Glücklicherweise wissen wir, wie man mit Springen arbeitet. So beginnt damit, die richtigen Leinen zuerst einzuholen und dann muss auch die Schraube an die Arbeit. Jaap sitzt im Motorraum, um alles im Auge zu behalten. Dann manövrieren wir Birgitte zum hohen Ufer. Dann entdecken wir, dass die Richtung des Bugspriet eine gute Angabe macht. Nach einigen Manövern liegen wir an der hohen Kante und wir haben das erste Stück Manövrieren überlebt.

 

Dann kommt auch der kleine Bruder von Sebas und sein Vater Jan an Bord. Wir besprechen die Ausfahrt aus dem letzten Hafenteil und jeder nimmt seine Position ein. Das große Manöver kann beginnen. Wir liegen so, dass wir durch die Hafenausfahrt rückwärts fahren müssen. Das ist spannend, weil wir noch nie mit dem Schiff gefahren sind und keine Idee haben, wie es reagiert. Das größte Problem ist, dass wir bei weitem das schwerste Schiff sind und wenn wir an etwas anstoßen, ein anderes Schiff oder den Steiger, es höchstwahrscheinlich Bruch gibt. Das hat zwar den Vorteil, dass wir keinen so großen Schaden haben werden, aber die anderen haben mehr davon, das wollen wir aber nicht auf dem Gewissen haben. So habe ich vor dem Fahren den größten Respekt für meinen Sebassie und der wird allein durch das Manövern immer größer. Wir kommen nämlich gut vom Steiger weg und kommen selbst gut noch mit unserem Klüverbaum an dem Boot vorbei, das noch ein bisschen unpassend vor uns liegt und ja, dann müssen wir noch mit dem Heck zurück auf die Einfahrt zu und das Boot will nicht drehen wie wir wollen. Erst denke ich noch, vielleicht muss Sebas mehr steuern, aber als er mich in einem Moment anguckt, weiß ich genug. Das werden wir nicht retten und Sebas hat alles getan. Es wird Zeit, abzubrechen. Vollgas voraus! Es ist zum Glück noch Zeit, ( noch in dem Sinn, dass es noch 10 bis 15 cm bis zum Boot hinter uns sind). Ja, ohne Glück fährt niemand gut! Sebas manövriert zurück in die Box. Zeit für einen neuen Plan. Nach einigen Überlegungen beschließen wir, sie in eine andere Box an einem andere Steiger zu legen, sie mit Springen zu drehen, so dass wir voraus fahren können. Jeder nimmt seine Position wieder ein und wir gehen ans Werk. Es wird eine gelungene Aktion und ohne viele spannende Momente liegen wir mit dem Hintern in der anderen Box. Während des Manövers meldet sich Vincent noch vom Steiger und hilft uns mit Zeichen, wie viel Meter wir noch haben. Mit uns zweien wäre das sicher nicht geglückt.

 

Am Ende liegen wir mit der richtigen Anspannung in unserem Bauch um 11 Uhr vor der Brücke klar. Pünktlich um 11.30 wird sie aufgemacht. Es ist schon eine gute Sache, dass wir morgens pünktlich aufgestanden sind!

 

Kurz vor unserer Ankunft am Ponton vor der Brücke sehen wir Cees und Finy fröhlich winken und kurz drauf tauchen auch Rick und Marjolein zu unserer großen Überraschung auf. Wir genießen die enthusiastischen Menschen und ihre Komplimente, dass wir so ein schönes Schiff gekauft haben. Nach einer schnellen Führung durch das Schiff gehen sie wieder von Bord und die Kirchenglocken beginnen Musik zu machen. Wir legen ab und die echte Überfahrt kann beginnen. In der Festung merken wir, dass wir doch größer geworden sind. Wir treiben stetig nach draußen, wobei wir uns daran gewöhnen, dass das Ruder nicht sofort reagiert, wie wir das bei einer Kajütyacht gewohnt waren. Aber alles lief gut.

 

Auf dem Wasser gibt es eine Segelregatta und die Sonne scheint auch noch etwas. Kurz gesagt: herrlich! Auch Jaap ist aus dem Maschinenraum gekommen und schaut sich fröhlich um. Leider leckt der Motor ein wenig Öl und so geht er zur Sicherheit ab und zu nachschauen. Wir nehmen Gas zurück, damit der Motor es leichter hat und wir die Probefahrt länger genießen können.

 

Es ist leider nicht arg warm auf dem Wasser, so behalten die meisten die Mäntel an. Als wir später die Fotos ansahen, müssen wir vor allem über Joram lachen. Weil es ihm auf jedem Bild kalt ist. Hoffentlich nach seinem Geschmack.

 

Als meine Eltern einmal wieder nach dem Motor schauen, wurde ich gerufen. Wir machen Wasser! Zum Glück hatte mein Vater den Generator gekauft und alle sind beschäftigt, diesen zu starten. So dass wir die Saugpumpen arbeiten lassen können. Jan übernimmt das Ruder, so dass Vince, meine Eltern, Sebas und ich uns um das Pumpen kümmern können. Als ich runterkomme, ist bereits ein Stück weggepumpt und ich finde es nicht so schlimm. Nachher wurde mir gesagt, dass das Wasser ein Stück höher gestanden habe und so haben wir doch ernstlich Wasser gemacht. Woher es genau kommt, wissen wir noch nicht. Aber zum Glück ist es beizuhalten und noch besser als das, so ist schon wieder der der Boden des Schiffes zu sehen. Aber eine Sache ist sicher: das Dock ist nötig. Denn es sind Fugen zu dichten.

 

Inzwischen wird bei allen Beschäftigungen auf der Tour wieder wichtiger: Middelharnis kommt in Sicht. Vor dem Hafen üben wir das Manövrieren. Der Wendekreis ist schlecht. Achteraus fahren wird eine Katastrophe bleiben. Ausgenommen, du willst nach Backbord. Das geht ausgezeichnet.

 

Der nächste spannende Punkt zeigt sich: die Hafeneinfahrt Middelharnis, die hat nämlich eine Schleuse, (die gut offensteht). Die Schleuse ist nicht sehr breit und wir haben lediglich 30 cm an beiden Seiten. Fender raushängen geht nicht. Es wird eine Frage, ganz genau in die Mitte zu steuern. Auch Bremsen ist keine Option, weil wir dann nach Backbord ausweichen und so in der Schleuse eingeklemmt werden können. Wir positionieren unsere Leute an alle Kanten und ich gebe Sebas die Richtung an, in die er steuern soll. Wir müssen präzise in die Mitte zielen und sehen, dass es gut geht. Schnell lernen wir, dass wir keine kleine Yacht mehr haben und auch wirklich nach oben schauen müssen, denn wir haben eine Rah, die übersteht, wodurch wir oben breiter sind als unten. Bei unserer Einfahrt streifen wir hierdurch den Straßenplan von Middelharnis (und ein Laternenpfahl hat es nicht überlebt.) aber Birgitte hält das nicht auf und wir segeln majestätisch durch. Wir lernen unsere Lektion und hinterlassen einen kleinen Eindruck. Vincent sagt uns, dass wir brassen müssen und das machen wir auch sofort. Für den denkenden Leser: was ist das? Wir hatten auch gebrasst, aber wir müssten die Rah weiter brassen auf die Schiffsmitte zu, damit sie nicht mehr irgendwo hängen bleibt. Wichtig für die Zukunft auch beim Anlegen an den Steiger. So wird auch noch im Kanal hart gearbeitet beim Anlegen an dem vorläufigen neuen Liegeplatz. Wir müssen noch ein paar Mal vorwärts und rückwärts fahren um einzuparken und es stehen genügend Leute am Steiger, um die Festmacher anzunehmen. Und auch hier kommen wir sicher an die Kante. Dann holen wir doch alle erleichtert Luft. Mission erfüllt! Wir feiern es mit einem wohlverdienten Osterlunch an Deck, einschließlich gekochte Eier und Osterstollen.

 

Wir geben dem Hafenmeister noch zur Kenntnis, dass wir eine kleine Anpassung des Stadtbildes vorgenommen haben. Er ist ein liebenswürdiger Mann und wir können alles gut regeln. Dann beginnt ein logistisches Drama und wir stopfen uns zu fünft in meinen Fiat 600, um die anderen Autos wieder aufzusuchen. Während dieser Fahrt wird dann alles nochmals genau durchdiskutiert. Es ist ein spannender Tag gewesen, aber wir sind vor allem glücklich, dass sie nun in Middelharnis liegt. Als meine Eltern und Vincent wieder bei ihren Autos sind, fahren wir wieder schnell zur Birgitte. Dort ist Janneke (Sebas Mutter) inzwischen auch angekommen, um Joran und Jan abzuholen. Aber bevor wir nach Hause gehen, trinken wir noch ein Bierchen und essen Knabberzeug aus dem Überlebenspaket von Cees und Finy.

 

Als am Ende des Tages alle von Bord waren, waren wir kaputt. Aber wir wollen noch nicht von Bord und genießen ein Stück Brot als Abendessen auf einem Klappstühlchen an Bord. Aber dann sind wir doch fertig und gehen nach Haus. Daran müssen wir uns gewöhnen, denn das andere Boot liegt in Laufnähe. Was für ein Luxus! Wir fallen früh in Schlaf und träumen…

 

Am Ostermontag wollen wir wieder auf Birgitte frühstücken. So kleiden wir uns schnell an, kochen noch ein Eichen an Bord und gehen dann schnell zur Birgitte. Wie schön, wach zu werden, nach draußen zu schauen und dann die eigene Birgitte zu sehen.

 

Nach einem leckeren Frühstück begeben wir uns ruhig an die Arbeit. Wir beginnen damit, das Schlauchboot zu Wasser zu lassen und einmal eine kleine Runde um den Rumpf zu fahren, um zu sehen, ob es irgendwo Risse gibt. Wir finden tatsächlich ein paar Fugen und sind dann auch nicht mehr so überrascht über unser „Wasser machen“. Dann fahren wir noch eine kleine Runde hinter unser Schiff und sagen, was für ein feines neues Schlauchboot wir doch haben. Nach unserem zweiten kleinen Ausflug gehen wir wieder ans Werk und beginnen damit, das Zelt (die Persenning) achtern wieder aufzustellen, damit wir etwas windgeschützter sind. Im Gegensatz zu gestern weht heute ein starker Wind. Wir sind froh, gestern gesegelt zu sein. Denn mit diesem Wind aus der Box zu kommen, wäre eine große Herausforderung, wenn nicht unmöglich gewesen.

 

Den Rest des Tages füllen wir mit Nebenarbeiten wie, das Pech aus den Decksfugen zu holen und das Leerpumpen des Wassertanks. Wir stellen auch fest, dass Wasser im Rettungsfloß steht. Da der Wassertank leer ist, liegen wir nämlich etwas schräger im Wasser und daher läuft plötzlich Wasser aus der Schale des Rettungsflosses. So öffnen wir sie und entfernen das Wasser. Es ist nicht leicht, das Rettungsfloß zu bewegen, da es schwer ist. Es soll auch 12 Personen fassen können. Gegen Mittag bauen wir den Rest des Zeltes auf. Wir bedauern das, denn Birgitte sieht so schön aus ohne Zelt. Aber sie ist noch nicht dicht oben, so machen wir es zur Sicherheit. Sie beginnt in der Tat innen trocken zu werden und das wollen wir auch behalten. So packen wir unseren Schatz wieder ein. Wir haben dieses Mal ein Beiboot, was das Festmachen der letzten kleinen Leinen etwas angenehmer macht. In einer Stunde steht das Zelt und es wird Zeit, ans Abendessen zu denken. Sebas bleibt noch an Bord, er ist ja in ein paar Minuten zu Hause.

 

Inzwischen sind auf dem Laptop die Videos und Fotos von Cees und Finy angekommen. Sehr cool, die Sache auch noch aus der anderen Perspektive zu sehen. Wir freuen uns auch neugierig auf die Filme von Joran und Jan, die auch an Bord gefilmt haben. Aber darauf müssen wir noch etwas warten.

 

Leider ist das Wochenende wirklich vorbei, aber wir haben ein Ostern erlebt, das wir nicht mehr so schnell vergessen werden und ich denke, die meisten von den Zuschauern und der Mannschaft auch nicht. Auf diese Weise wollen wir allen, die uns geholfen haben, diese Reise möglich zu machen, danken. Ihr seid Spitze!

 

 

 

11. Drücken oder Ziehen? / Drukken of trekken?

14. April 2013

 

 

Nach Wochen harter Arbeit nach der Überfahrt ist es nun an der Zeit, eine kleine Woche ein wenig entspannter zu arbeiten. Natürlich stehen wieder einige Dinge auf dem Programm, aber wir machen es ruhig in unserem eigenen Tempo. Das Wichtigste dieser Woche ist die Verbesserung der Bowdenzüge. Diese arbeiten nicht in unserem Sinn, damit wir mit Sicherheit besser manövrieren können. Wir beschließen, dass wir neue haben möchten und gehen auf den Markt auf der Suche nach einem solchen mit dem roten Knopf. Ja, Sebas und ich verstehen uns sofort. Aber für die Mitmenschen: Wir möchten gerne eine Bedienung, die wir auf den Decksaufbau montieren wollen. So dass man bequemer an den Gashebel kommt, ohne das Ruder verlassen zu müssen. Eine derartige Bedienung hat in der Regel einen roten Knopf, und den finden wir schön. Glücklicherweise sind mehrere auf dem Marktplatz und wir fangen an zu bieten. Schließlich bekommen wir den Zuschlag für einen mit 2 Zügen. Jetzt brauchen wir nur noch zu warten bis er kommt.

 

Bis er kommt, kramen wir noch ein wenig weiter. Sebas ist irritiert wegen eines Tanks, der unter dem Motor liegt und keinen Nutzen zu haben scheint. So geht er an die Arbeit, um ihn herauszuholen. Er scheint, so wie wir es nennen, ein Abwassertank zu sein. Du begreifst, keine schöne Arbeit. Zum Glück ist die Dusche nicht zu weit weg. Das Problem ist, dass, wenn Sebas erst einmal am abreißen ist, er nicht mehr aufhören kann. So holt er auch gleich alle Manifolt weg mit allen Schläuchen. Leider scheint er etwas genervt zu sein und schneidet auch den Kühlwasserschlauch des Motors durch. Ja, aber den wollte er sowieso immer schon verändern. Das Endresultat ist ein Haufen Abraum im Maschinenraum und eine leere Wand mit viel abgeblätterter Farbe. Etwas, worüber ich mich echt ärgern kann. So gehe ich hier an die Arbeit mit dem Schaber. So kann ich gleich üben für das viele Schrappwerk im Dock. Die Muskeln müssen sich doch langsam daran gewöhnen. An einem Abend ist das Wändchen leer und Samstagmorgen schmirgele ich es noch. So kann die Wand gut trocknen und ich brauche mich nicht mehr über die abgeblätterte Farbe zu ärgern.

 

Am Rest des Samstags machen wir uns an die Motorsteuerung. Am Wochenende war nämlich der neue Steuerhebel gekommen, so dass wir ihn anbringen können. Dafür müssen wir ein Loch in den Decksaufbau machen und der ist nicht dünn. Dann haben wir noch die Frage, ist das richtig so? Schließlich wird es ein Mix aus Messen und einem guten Zimmermannsauge, um es zu machen. Aber die Steuerung passt perfekt und sieht gut aus. Dann kommen wir zum Anschluß des Bowdenzugs. Vor allem ich (aber auch mein Vater) hatte nicht viel Vertrauen in einen einzigen Zug, weil die Kupplung wieder schwergängig ist. Als gegen Mittag Jaap und Marjolein mit uns zu Mittag essen, (sie selbst arbeiten an der Novatrix, die im Schuppen auf dem Gelände steht), denken wir scharf über eine Lösung nach. Sebas kommt dann mit einem genialen Plan. Die Bowdenzugsteuerung kann zwar gut ziehen aber nicht so gut drücken. Wenn wir die Züge nun doppelt ausführen und an beiden Seiten der Steuerung der Kupplung befestigen, zieht immer ein Kabel. Guter Plan! So nimmt mein Vater am Ende des Tages die immer starrer werdende Befestigung an der Kupplung wieder mit, um einen kleinen Bügel anzupassen. Wir legen in der Zwischenzeit den Rest der Züge und testen noch jede Zugeinstellung, bevor wir die Befestigung wieder lösen. Leider ist das Kabel nicht in einem guten Bogen eingebaut. So müssen wir noch viel an der Kupplung drehen, um die Ansteuerung zu öffnen. Aber am Ende des Tages läuft der Motor vorwärts und rückwärts und laut Ronald (Sebas’ Chef) wird er auch nicht mehr vergast. Er steht arbeitend neben dem Auspuff des Motors und ja, er qualmt ein wenig. Der Rauch hält aber nicht die Leute davon ab, in den Hafen zu kommen, um mal zu gucken. Wir haben dann auch eine kleine Unterbrechung, um den neugierigen Leuten Rede und Antwort zu stehen. Jeder findet wie immer, dass es ein cooles Projekt ist und na, ja, mit viel Arbeit verbunden. Wir brauchen uns nicht zu langweilen, aber sie mussten wissen, wie viel Arbeit bereits geleistet wurde. Vor ein paar Monaten stand drinnen alles noch voll Wasser und war richtig nass. Nun ist sie richtig leer und beginnt zu trocknen. Wenn wir so weitermachen, wird es schon werden.

 

Am Sonntagmorgen arbeiten wir noch kräftig weiter. Ich schrappe noch ein Stückchen und Sebas holt das Ventil und putzt mit der Stahlbürste in der Bohrmaschine alle Anschlüsse und Verbindungen sauber. Am Nachmittag haben wir andere Dinge zu tun. So platziere ich mit meinem Vater einen neuen Auspuff unter mein Auto und Sebas macht unser Ferienhäuschen wieder bewohnbar. Das macht er gern, weil er so vorläufig keinen Frost mehr zu sehen braucht. So hole ich auch die Schaltung der Kupplung wieder bei meinem Vater ab. Die hat er noch schnell in Zusammenarbeit mit meiner Mutter (Malerin) gemacht. Das war auch gut so, denn wir mussten vielleicht noch von der Woche erzählen.

 

Der Kanal in Middelharnis wird nämlich ausgebaggert, beginnend an unserem neuen Liegeplatz. Am Montagabend sind sie klar zum Baggern und es werden die neuen Pfähle eingeschlagen. An diesen vier Pfählen können wir dann flugs unseren Steiger und die Laufplanke anbauen. Rund um 8 Uhr ist unser neuer Liegeplatz gebildet. Sehr cool, um dabei zu sein, und die Pfähle eingeschlagen zu sehen. denn es wurde schnell dunkel und es wurde beschlossen, Birgitte am folgenden Morgen an den neuen Liegeplatz zu verholen. Leider kann ich nicht dabei sein, aber das wird Käpten Iglo (sein neuer Spitzname an seiner Arbeitsstelle) selbst glücken. Gemeinsam bereiten wir die „große Reise“ im voraus vor, indem wir das Zelt losmachen. Am nächsten Morgen bekomme ich noch schnell ein Bild und einen kleinen Bericht mit Birgitte an ihrem neuen Liegeplatz. Am Abend legen wir sie noch etwas besser fest und Sebas befestigt die Laufplanke an einem der Pfähle. Nun, ein bisschen wackelig zwar, aber sobald die Pfähle miteinander verbunden sind, dann liegen wir doch ganz gut.

 

Am Mittwoch kommt der Begasungsbetrieb und das Wohnungsbauministerium, um über die Begasung zu sprechen. Damit auch alles funktioniert, habe ich nur einen Morgen zur Vorbereitung zu Hause, bis das Ministerium und Jop kommen. Leider müssen sie über die wackelige Laufplanke zur Birgitte laufen. Das wird nicht von allen geschätzt. Nach vielen Überlegungen mit dem Ministerium und dem Begasungsbetrieb wurde beschlossen, dass der beste Platz für die Begasung das Trockendock ist, weil dann das Unterwasserschiff besser erreicht werden kann. Darüber hinaus kommt das Gas nicht gut durch feuchtes Holz, wodurch das Unterwasserschiff wahrscheinlich nicht erreicht werden könnte. Das Problem ist, dass sich das Dock dagegen ausgesprochen hat. Jedoch in Absprache mit dem Ministerium könnte es doch möglich sein, längsseits des Dockrands und nicht in 10m Entfernung abzusperren. Vielleicht, dass das Dock dazu sein Einverständnis gibt. Jop vom Begasungsbetrieb fährt sofort zum Dock um zu versuchen, die Genehmigung zu erhalten. Am Nachmittag ruft er an, dass wir eine Chance hätten, diese aber noch nicht ganz sicher sei. Wir warten ab und bereiten uns geistig auf noch schwerere Arbeit im Dock vor, denn wenn die Begasung im Dock stattfinden soll, haben wir wieder ein paar Arbeitstage im Dock verloren. Als alle wieder an Bord sind, bereite ich noch schnell ein paar Fischstäbchen mit Fritten zu, um ein Fischstäbchenlunch mit Sebas’ Chef und Frau und Kinder zu halten. Zum Spaß nennen sie Sebas Kaptein Iglo und wir sind froh über unseren neuen Liegeplatz. Aber danach müssen wir allesamt wieder schnell zur Arbeit.

 

Für den Rest der Woche steht noch ein anderes Thema auf dem Programm und das ist, eine neue Farbe für das Schiff auszusuchen. Das ist nicht einfach. Den schwarzen Rumpf finden wir schön, aber es wird uns abgeraten. Wenn die Sonne brennt, wird der Rumpf sehr heiß, dann platzen die Fugen auf. Deshalb sollte es eine hellere Farbe sein, aber was? Zuerst denken wir an grau, dann weiß, dann beige. Freundlich will Sibren ( Kollege auf meiner Arbeit ) uns helfen. Er geht Fotoshoppen und eröffnet uns verschiedene Optionen.  Inzwischen bekommen wir einen Bericht von Rick mit der Möglichkeit, Leinölfarbe einzusetzen. So können wir Birgitte in Leinöl setzen und eine Farbe geben. Das reduziert auch die Anzahl der möglichen Farben. Nach Mittwoch noch ein Abend, und dann wählen wir sie aus. Es wird Limburg’ gelb. Speziell für Finy, dann fühlt sie sich mehr zu Hause, wenn sie Birgitte auf dem Haringsvliet fahren sieht.

 

 

 

12. Wozu planen? / Waarom zou je plannen?

21. April 2013

 

 

Das Wochenende ist für Birgitte leider sehr kurz. Geplant war, dass wir am Sonntag den ganzen Tag arbeiten könnten. Aber Planungen sind für Änderungen da, sagt man. Natürlich passiert es, dass sich ein Käufer für die Siquieres meldet, ob er sie am kommenden Tag besichtigen kann. Natürlich! Schließlich wollen wir sie verkaufen. Schön, dass er gegen Mittag kommt und wir Sonntagmorgen noch Zeit haben, alles auf Vordermann zu bringen und zur Mittagszeit glänzt sie wieder wie die Sonne und die Sonne scheint dazu. Die Käufer sind begeistert, aber es ist keine Sache einer Minute, ein Boot zu kaufen und so warten wir noch ein wenig. Ein Vorteil ist, dass das Boot wieder ganz an der Hafenkante liegt.

 

Nach der Besichtigung gehen wir dann noch mal zur Birgitte. Wir haben beschlossen, dass es sinnvoll ist, vor dem Begasen die Masten abzunehmen. Das bedeutet, dass alle Verstagungen und Leinen abgenommen werden müssen, bevor die Masten abgenommen werden, und zwar so, dass wir sie wiedererkennen bevor wir sie wieder einsetzen. Eine Schwierigkeit ist die Rah. Wir können sie nicht gut von unten sehen und so beschließen wir, noch einmal in den Großmast zu steigen. Und das von beiden Seiten, damit wir beide Seiten besichtigen können. Um ehrlich zu sein, finde ich es nicht beängstigend, in den Mast zu klettern, aber dann sitze ich doch auf dem Seemannssitz, und

bin froh, nicht selbst klettern zu müssen. Aber es ist erst einmal die Idee, an die ich mich gewöhnen muss. Wenn du sehr weit nach hinten hängst, kannst du auch richtig fallen, aber so lange du nach vorn hängen bleibst, ist nichts falsch.  Sebas scheint keine Mühe zu haben und ist natürlich früher oben. Zusammen im Mast müssen wir uns festmachen. Aber das ist nicht einfach, das sehe ich an Sebas Gesicht. Oben sehen wir, wie die Rah befestigt ist und sehen auch, dass die Rah nicht mehr in einem so guten Zustand ist. Sie muss wahrscheinlich in der Zukunft ersetzt werden, zuerst aber müssen wir sie bergen.

 

Als wir wieder unten sind, beschließen wir, die letzten Segel herunterzuholen, beginnend mit dem Besan. Da die anderen Segel allesamt fest getakelt sind, sind wir erst eine ganze Zeit beschäftigt mit dem Lösen aller Leinen. Aus dem Segel kommen Mengen großer Spinnen. Nicht gerade eines meiner Hobbies, aber man gewöhnt sich an alles. Wenn das Segel los ist, ziehen wir es auf die Seite, damit wir es auftuchen können. Das geht alles ganz glatt und wir fahren fort mit dem Großsegel. Auch hier müssen wir wieder einen Haufen Leinen lösen und das Segel ist ein ganzes Stück größer und schwerer von Bord zu bringen. So umwickeln wir es mit einer Leine und wackeln damit über die Laufplanke zur Pier, aber wir kommen trocken an. Auch dieses Segel tuchen wir auf und bringen es wieder an Bord. Es ist allemal ziemlich schwer und es ist anstrengend, aber zum Glück kann man gut darauf ausruhen.

 

Nun ist das Wochenende schon fast wieder vorbei, wir räumen noch ein wenig auf und genießen den schönen Abend.

Am Montag wird mir gesagt, dass ich in der nächsten Woche in eine Chirurgische Klinik muss für eine Operation und dabei muss noch so viel geregelt werden. Docken im Mai ist da gar nicht so passend. Gut, dass sie einverstanden sind und wir können unseren Aufenthalt auf August verschieben.  Inzwischen hat man uns auch die Begasung dort erlaubt. So läuft es also manchmal. Aber die Planung ist über den Haufen geworfen und das anders als gedacht. So lernen wir wieder einmal, dass Planung dazu da ist, umgestoßen zu werden.

 

Am Montag wird der Liegeplatz gemeinsam mit Ronald (Sebas Baas) ernstlich verbessert, während es bereis ein Spitzenliegeplatz ist. So legen wir einen Balken gegen die mittleren Pfähle und wir erhalten eine Konstruktion, auf der die Laufplanke aufliegen kann. So können wir gemütlich von und zur Birgitte. Es war Arbeit, aber wir sind damit glücklich.

 

Der Rest der Woche vergeht mit einem Haufen anderer Verpflichtungen und Herumspielen. Und es ist Sonntag, die letzte Gelegenheit an meinem Blog zu schreiben. Die Arbeiten an Birgitte werden aber nicht stillstehen, wenn ich im Krankenhaus bin oder in der Rehabilitation. Sebas macht natürlich kräftig weiter und wird euch, soweit er Zeit hat, auch noch weiter auf dem Laufenden halten.

 

 

 

13. Ein wenig kürzer / Een kopje kleiner

25.Mai 2013

 

 

Es dauerte schon eine Weile, aber das Projekt Birgitte wurde, Dank sei Sebas, weiter vorangetrieben

 

Eigentlich sollte Birgitte jetzt im Dock stehen. Aber heimlich sind wir froh, dass es nicht der Fall ist. Denn das Wetter ist nicht geeignet, um am Rumpf zu arbeiten. Auch sollte er ja auch möglichst trocken sein. Wir wären zwar gerne dort, aber manche Dinge müssen doch so laufen und im August soll herrliches Wetter sein.

 

Aber zurück zu dem, was auf auf Birgitte passiert. Während ich nicht da sein konnte, hatte Sebas seinen Frust mit dem Wassertank. Als das Wasser raus war, und er sah hinein, schien es eine Welt für sich zu sein. Was da genau drin war, wissen wir nicht. Ob es ein riesiger Haufen Kalk, ein Schimmel oder Pilz war, wissen wir nicht. Aber es musste raus aus dem Tank, damit wir ihn wieder verwenden konnten. Aber es gab kein Mannloch, so dass die Reinigung schwierig war. Aber du ahnst sicher schon: Sebas hatte ein Loch in den Tank gemacht. Der Tank musste gereinigt werden und das Loch geschlossen. Sebas kennt sich mit Epoxyharz mittlerweile gut aus und ich frage mich gelegentlich, warum haben wir uns ein Holzboot gekauft. Verliebtsein ist doch eigentlich nicht logisch, oder? Und er ging mit kleinen Matten und Epoxy nach draussen ins Wetter und nun haben wir einen Wassertank mit Luke.

 

Aber weil Sebas noch viel für mich sorgen muss, und ich seine Gesellschaft auch schön finde, wird auch viel zu Hause für Birgitte gearbeitet. Wie sieht das Warmwassersystem und das Kaltwassersystem aus? Wie viele Ventile, Abwassertanks etc. kurzum, genug zum Nachdenken und Zeichnen. Wobei Sebas eine Skizze macht, die ich später am Computer in AutoCAD setze. Leider kann Sebas schneller denken und skizzieren, als ich es in AutoCAD umsetzen kann. Aber ja, Geduld ist eine Tugend.

 

Darüber hinaus sind Vorbereitungen im vollen Gang, um die Masten zu ziehen. So wird Birgitte ein Köpfchen kleiner. Damit ist es einfacher zu docken und zu begasen und weil das Zelt mit einer neuen Struktur unten wasserdicht gemacht werden kann und Birgitte trocknen kann. Wir haben lange gehofft, dass wir es ohne Zelt schaffen könnten, allein mit sommerlichen Temperaturen und Trockenheit. Aber danach scheint es nicht zu werden, so dass wir Maßnahmen ergreifen müssen. Um die Masten entfernen zu können, muss vorher alles markiert werden. Dazu brauchen wir Etiketten, und die machen wir selbst. Die alten Genuas der Siquieres müssen ran. Wir schlagen einige Marken, die wir benötigen und klar sind die Etiketten.

 

Zwischen all dem bekommen wir noch über einen großen Umweg ein Marifoon und Echolot von Ellie und Andre. Unser Dank dafür. Dann können wir das Echolot noch im Dock einbauen. Das Echolot wird noch an Deck getestet und es funktioniert.

 

Sebas lackiert noch einige Motorteile, damit sie schöner aussehen. So ist Birgitte, wenn auch sehr viel langsamer, aber Stück für Stück ein wenig weiter.

 

 

 

14. Das Abtakeln hat angefangen / Het aftakelen is begonnen

10.Juni 2013

 

 

Es steht fest, am Samstag, den 1. Juni ziehen wir die Masten. Aber wie bei allem auf der Birgitte ist das nicht so einfach. Am Mittwochabend baut Sebas mit seinem Vater das Zelt ab. Dann entfernen sie beide Gaffeln und die Bäume. Was für eine schwere Aufgabe!. Vor allem der Großbaum ist sehr schwer und nicht zu zweit anzuheben. Ein Hebezeug muss her und erspart am Samstag wieder eine Menge Arbeit und Zeit. Der Plan war, am Freitagabend mit meinen Eltern Birgitte wieder unter den Kran zu legen, damit wir mehr Hände zum Mitfahren haben könnten und auch mehr Zeit sparen könnten. So wurde der Plan wieder geändert und wir (Sebastian mit meinen Eltern und ich als Aufsicht) holen den Klüverbaum (Bugspriet) runter. Der muss jedenfalls runter und macht das Fahren am nächsten Tag viel einfacher. Es ist ein schweres Stück Arbeit. Zuerst das Klüvernetz runter, ohne dass jemand zu Wasser geht. So ist Sebas im Schlauchboot und Jaap balanciert auf dem Bugspriet. Danach versuchen sie, die Konstruktion lose zu bekommen, die den Bugspriet auf seinem Platz hält. Auch das glückt und dann muss das Monstrum von 6m ohne Schaden an Deck kommen. So, jetzt ist Birgitte auch 6m kürzer. Wir dachten, Birgitte würde ohne Bugspriet nicht so aussehen, aber es gefällt uns alles. Es bleibt ein großes Schiff, auf das wir achten müssen.

 

Und ja, jetzt ist der Tag wirklich da. Sebastians Eltern (Jan und Janneke) kommen zu Sebas Verstärkung. Ich bin auch da, aber ich bin schon wirklich glücklich, wenn ich den Tag mit Zuschauen durchstehe. So bleibe ich beim Zuschauen und Fotos und Filmchen machen.

 

Sebas muss morgen früh erst noch zur Arbeit. Also setze ich Sebas Eltern an die Arbeit. Jan macht noch den Tisch los, der drinnen noch am Mast sitzt, und Janneke entfernt draußen den Nagelkragen am Großmast. Dann versuchen wir die Stage und Fallen los zu bekommen und lösen sie. Auch die Seereeling lässt sich lösen, damit sie durch die Spanner laufen kann. Dann kommt Sebas angelaufen, denn es wird Zeit, Birgitte unter den Kran zu legen. Ohne Klüverbaum ist es nun viel einfacher, und wir drehen sie im Kanal, so können wir voraus mit einer Achterspring auf unseren engen Platz unter dem Kran anlegen. Das hat der Kapitän wieder schön gemacht ohne Hilfe seines eigenen Matrosen.

 

Dann tauche ich wieder in mein Bettchen, weg von allen Abenteuern, während das Entfernen der Masten vorbereitet wird. So wird das Genickstag entfernt und alle Verstagungen vom Besan losgemacht. Auch die Rah wird in eine günstigere Position gedreht. Dann wache ich wieder auf und es passiert wirklich. Der Besan hängt an einem Schlupf und liegt Minuten später problemlos auf einem Masthalter auf der Seite. Was ein Monstrum und ein Haufen Leine, Blöcke und Stage dabei! Und das ist nur der Besan. Die eigentliche Arbeit kommt erst noch. Also der Schlupf kommt zum Hauptmast und der wird auch gehoben. Der Mast kommt ohne Probleme aus dem Deck (im Gegensatz zum Besan ist dieser Mast durchgesteckt.) Ronald (Sebas Baas) und der Kranführer rufen mir zu, dass das alles 1,5t wiegt. Birgitte kommt damit auch ein paar Zentimeter höher. Ronald parkt den Großmast neben den Besanmast und wünscht uns weiter viel Erfolg. Für ihn ist es Zeit fürs Wochenende.

 

Wir haben noch eine Menge zu tun. Zuerst mal muss Birgitte auf ihren festen Liegeplatz. So wenden wir wieder mit Hilfe einer Achterleine und fahren wieder in die Spring, die an der Pier am Liegeplatz klar liegt. Dann muss ich wieder eine Pause einlegen und tauche in mein Bett ab, während Sebas mit seinen Eltern das Zelt wieder aufbaut. Was einfacher klingt als es ist, denn das Zelt lag auf Bäumen, Spieren und Gaffeln, und die sind doch runter. So wird erst einmal eine voraus gedachte Konstruktion gebaut. Als ich wieder auftauche, ist der erste Teil des Zelts schon wieder zu sehen. Wir wollen gern das Zelt wieder darüber haben, damit wir Birgitte innen so trocken wie möglich halten können. Von eins bis sechs wird an dem Zelt gearbeitet und dann steht es wieder. Zeit, nach Hause zu gehen. Morgen ist noch ein Tag!

 

Am Sonntag beginnt das Abtakeln der Masten, so dass sie ordentlich gelagert werden können. Zum Glück kann Jan morgens noch helfen und Sebas braucht nicht alles allein zu machen. Am Ende des Tages ist der Großmast kahl. Allerdings schein es eine rotte Stelle zu geben und Scheuerstellen. Die Rah, die am Großmast saß, war übrigens echt rott und wir sind froh, dass sie in der Vergangenheit nicht schon runtergefallen ist. Sicher ist, diese Rah kommt nicht mehr an den Mast. Wir sind noch im Zweifel, ob eine neue kommen soll. Aber darüber werdet ihr noch lesen. Am Montag verlegen wir die Masten nach drinnen, so dass wir sie noch genauer inspizieren können um festzustellen, ob wir noch etwas am rotten Holz machen müssen. Denn auch der Besanmast hat kleinere rotte Stellen.

 

Am Mittwoch wird dann auch noch der Besanmast von Jan und Sebas abgetakelt. Dann dachtest du, dass das Ziehen der Masten ein Haufen Arbeit ist? Nein, die Nacharbeit ist sicher noch viel mehr.

 

Nach diesem großen Abenteuer sollte ein kleines Wochenende wohl schön sein. Aber wenn wir Ruhe haben wollen, hätten wir ein anderes Boot kaufen müssen. So gehen die Arbeiten weiter. Nun wird das Zelt von oben wasserdicht gemacht durch das Kragendoppel und mit Latten. Der Außenrand des Decks leckt aber weiter, denn so weit reicht das Zelt nicht. So haben wir gedacht, das Zelt zu verlängern, indem wir Segel gegen das Schanzkleid nageln und diese dann beschweren, damit sie nicht hochwehen. So gehen wir Samstagmorgen nach GAMMA, um Segel zu holen und danach beginne ich mit der Nähmaschine 16 Säckchen zu nähen für die Steine, die wir noch hatten, um das Tuch zu beschweren. Marjolein, meine Mutter, kommt noch zur Hilfe, um alle Säckchen zu füllen und zu verschließen, und so ist an einem Vormittag alles bereit, um das Segel aufzuhängen.

 

Nach dem Mittagessen wird gemeinsam mit Jaap die Stütze unter dem Besanmast (im Maschinenraum) entfernt. Diese liegt nämlich so auf einer Höhe, unter der man nicht gehen kann und das wollen wir anders. Da nun der Besan von der Stütze entfernt wurde, ist das jetzt die richtige Zeit dafür. Allerdings sitzt die Stütze dort seit vielen Jahren und will auch nicht weg. Aber nach Gewaltanwendung gibt sie doch nach.

 

Sobald wir diese loshatten, kommen Jasper und Wendy an und sie bekommen eine Besichtigungstour über unseren Traum. Es ist schön zu sehen, wie interessiert und begeistert sie sind. Als sie wieder gehen, beginnen wir mit der Montage des Abdecksegels. Unterdessen kommen auch Sebas Eltern hereingeschneit, aber ja, es muss heute noch was getan werden und so viel Zeit zum Quatschen haben wir nicht. Als an Steuerbord die Arbeit fertig ist, sind wir hungrig und Sebas geht ein paar Fritten holen. Ich kann mich schön wieder erholen, denn es ist ein anstrengender Tag.

 

Während des Abendessens sehen wir ein vertrautes Boot längs kommen. Die „Mighty Mouse“. So rufen wir Vince noch nach und er kommt zurückgefahren. Schön, auch noch mit Vince zu schwatzen.

 

Dann montieren wir eben noch die Abdecksegel an Backbord und dann sind wir richtig kaputt. Ich kann am Sonntag nichts mehr tun, aber glücklicherweise haben wir noch den Super-Sebas und er geht wie gewohnt zu unserem Birgittchen. Er verbessert auch noch unsere Zeltkonstruktion und kann es nicht lassen, noch ein wenig zu demontieren. So wird die Toilette im Maschinenraum, wovon niemand weiß, wie man darauf sitzen kann, entfernt und wilde Pläne entstehen zu einem Super Maschinenraum. Als er nach Hause kommt, philosophieren wir zusammen im Garten, wie wir die Ankerwinde elektrifizieren können und so sind wir gut miteinander noch ein wenig beschäftigt.

 

Nun, nachdem die Masten entfernt sind, habe ich übrigens noch ein neues Hobby entwickelt. Das Verschönern der Blöcke. Eine Menge Arbeit und die wird geschätzt! Die ganze Arbeit ist meiner Schätzung nach über 100 Stück. So wird es ein Langzeithobby. Aber ja, so kann ich mich ein winzig kleines Stück nützlich machen.

 

So ist in zwei Wochen wieder eine Menge passiert, Wenn du in Middelharnis bist auf der Suche nach unserem Schiffchen, die beiden Holzmasten wirst du nicht mehr sehen. Du musst jetzt ein bisschen tiefer nach braunen Segeln Ausschau halten.

 

 

15. Abgefahren auf Leinöl / We zien aan de Lijn(olie)!

28. Juni 2013

 

 

Es ist ein wenig still geworden, aber wir haben keinesfalls still gesessen. So ist die Zeltkonstruktion weiter verbessert worden, so dass sie auch einem herrlichen niederländischen Sommerwetter widerstehen kann. Lies: hartem Wind und viel Regen. Aber Birgitte bleibt nun schön trocken unter ihrem doppelten Zelt. Kurzum, Zeit um richtig zu trocknen. Also haben wir einen Bautrockner gemietet und am vergangenen Samstag in Birgitte installiert. Es war natürlich wieder ein Getue, um so ein großes und schweres Gerät unter Deck zu bringen, aber oh Glück, wir hatten vorher gemessen, dass es in jedem Fall durch den Eingang passte. Danach ein Spezialbehälter mit Tauchpumpe, um das Wasser, das es aus der Luft holt, abzuführen. Alle größeren Öffnungen wurden zugeklebt, einschl. der Oberkante des Auffangbehälters, damit das aufgefangene Wasser nicht wieder verdampft. Und klar sind wir! Lasst das große Trocknen beginnen! Nach fast einer Woche können wir sagen, dass das Holz beginnt, heller zu werden und Birgitte so trocknet. Was übrigens kein Schaden sein kann. Denn das Pilzwachstum stoppt und je trockener sie ist, desto besser dringt später im Dock das Gas ins Holz. Denn wir wollen doch gern unsere „geilen blonden Knaagkäfer“ und andere unlängst gefundene Käfer loswerden.

 

Ein großer Teil der Arbeit wird so für uns erledigt. Auch mal schön! Aber wir können nicht zu unserem Bautrockner gehen und sitzen und gucken. Der trocknet auf jeden Fall, aber es muss mehr getan werden. Es scheint, dass die Farbe im Maschinenraum und achtern so gut ist, dass sie keine Feuchtigkeit durchlässt. Also, das Holz dahinter ist immer noch ziemlich nass. So ist Sebas am vergangenen Wochenende wieder ans Kratzen gegangen. Inzwischen konnte ich ab und zu auch etwas tun. Da ich noch stets das Hobby habe, die Blöcke schön zu machen, mache ich da weiter. Nicht allein das Holz der Blöcke muss geschmirgelt werden, sondern auch die Aussparungen in den Blöcken kommen an die Reihe. Sie gehen meiner Drahtbürste nicht verloren. Kurz zum Bild: wir haben beide Ohrenstöpsel, Brillen und Stoffkappen auf. So können wir uns herrlich unterhalten. Zusammenarbeiten macht viel mehr Spaß als allein. Und zum Glück haben wir gelegentlich eine Pause nötig. (Ich öfter als Sebas.

 

Am Sonntag holen wir auch das Rettungsfloß von Bord, so dass das Deck wieder ein wenig leerer ist.

 

Dann gibt es noch eine große Frage: wo ist die Rah geblieben? Leider hat die Rah nicht überlebt. Das Holz war so schlecht, dass wir Abschied nehmen mussten. Leider nicht auf eine ehrenvolle Weise. Nachdem wir sie ausgemessen haben (um später eine neue zu machen) und nach dem Demontieren des Beschlags, wurde sie in Stücke gesägt. Zuerst mit der Säge. Aber ja, dafür war sie zu einem Zeitpunkt doch zu dick. Die Kreissäge schaffte es auch nicht. Also Zeit für das große Geschütz. Die Kettensäge! Jetzt denkst du vielleicht, warum die Rah in so viele Stückchen zersägen? Damit wir Sägemehl bekommen, um die Risse in den Masten zu stopfen, natürlich!

 

Und dann, was sind wir glücklich mit dem Leinöl! Die meisten Menschen sind nicht froh, an der Leine zu sein, Aber dann musst du Leinöl probieren! Leinöl ist gut für alles! Leider nicht ganz kostenlos, aber die Lösung für fast alles. Wir haben mit gekochtem Leinöl angefangen, um die Blöcke damit zu behandeln.

Nun sind sie im Lack, aber wir haben an die 100 Blöcke, und die jedes Jahr wieder zu lackieren? Da müssen wir uns was einfallen lassen. Oder wir müssen einen Mann dafür anheuern, denn wir machen nichts anderes mehr als Blöcke lackieren und ja, der Rest hat ja auch etwas Aufmerksamkeit nötig. Leinöl ist bequem aufzutragen und hat den Vorteil, dass man ab und zu eine kleine Lage darüber streicht. Nichts mit Abkratzen und schön Lackieren! Nur so dann und wann mit einem Töpfchen Leinöl und einem Quast in den Mast, das geht wie geschmiert! Jetzt aber erst noch 90 Blöcke von der abblätternden Farbe befreien und wieder schön anstreichen.

 

Nach diesem Leinölerfolg mit den Blöcken, denen wir abends immer eine neue Lage Leinöl geben, weil das so fröhlich ist, waren wir ganz überzeugt, dass unsere Wahl heißt, die Birgitte in Leinölfarbe zu setzen. Nach den nötigen Informationen per E-Mail und telefonisch mit „Naturreich-Farbenreich“ haben wir die Farbe bestellt einschließlich Leinölseife und rohem Leinöl, um die Quaste zu reinigen und vieles mehr. Aber dazu später mehr. Und rohes Leinöl, um den Rumpf erst damit zu behandeln. Wenn du nämlich den Rumpf mit rohem Leinöl bei 60°C behandelst, hast du auch keine Probleme mehr mit Schimmel und dergleichen. Darüber hinaus kannst du die Quaste in dem rohen Leinöl aufbewahren. Auch das ist praktisch, denn wir brauchen für gute Resultate auch gute Quaste und die wollen wir dann auch öfter gebrauchen.

 

Binnen weniger Tage hatten wir das Paket und wir wollten wissen, ob die Farbe wirklich so ist, wie wir uns gedacht haben. Durch Zufall hatte ich drei liebe kleine Flaggenblöckchen abgeschmirgelt, so wurden diese die Schlachtopfer. Mit unserem Pinselchen gingen wir ans Werk und die Farbe ist wie gedacht, wenn nicht noch schöner. Wir sind jedenfalls glücklich damit. Und es lässt sich gut streichen, so dass wir im Sinn haben, es auch im Dock zu verwenden.

Bei der Bestellung war auch Leinölseife und die mussten wir natürlich auch ausprobieren. Zuerst wie gewohnt die Bürsten und unsere Hände säubern. Denn wir verändern uns nicht und setzen uns selbst mit diesen kleinen Blöckchen in Farbe. Aber mit Leinölseife kannst du alles. Du kannst Kleidung damit waschen und selbst deine Haare. Und das mussten wir natürlich probieren und als Ergebnis: Locken! Wir können wirklich sagen: “Pam, dein Haar tanzt“, denn ich bekomme Löckchen davon. Bei Sebas wissen wir das nicht, denn der war gerade beim Friseur gewesen. Die Zukunft wird es lehren!

 

Mit der Zukunft komme ich gleich zum Dock und zum letzten Punkt dieses Blogs. Die meisten sind bereits durch E-Mail oder Facebook informiert. Am ersten August wird es passieren: das schwarze Monster geht ins Dock um hoffentlich am 9. September wieder rauszukommen als Limburgs gelbe Perle.

 

Ihr versteht, dass es eine Menge Arbeit ist, die in kurzer Zeit erledigt werden muss in etwas mehr als einen Monat. Aber es muss eine schöne Erfahrung sein, so ein Schiff im Dock zu haben.

 

Leider bin ich noch nicht ganz im Topzustand und wir können jede Hilfe gebrauchen, die wir bekommen können, um diese gewaltige Aufgabe zu einem guten Ende zu bringen. Also die Frage an euch, wer hat Lust und Zeit, die Ärmel hochzukrempeln und unser Traumschiff noch ein bisschen schöner zu machen?

 

  • Die Arbeit wird hauptsächlich sein: Farbe abkratzen und malen. Wobei wir natürlich für die notwendigen Materialien und Werkzeuge sorgen. Ihr braucht euch nur alte Arbeitsklamotten anzuziehen und viel Energie und Frohsinn mitzubringen.

 

Natürlich bitten wir euch nicht, es für nichts zu tun. Wir setzen hier gern einen voll versorgten Segeltag auf Birgitte dagegen. Ihr müsst das nur im Gedächtnis behalten, weil es nicht kurzfristig sein kann, weil sie ja noch nicht segelklar ist. Aber dann habt ihr etwas, worauf ihr euch freuen könnt.

 

Dann einfach die notwendigen Informationen:

 

  • Birgitte kommt in das Zimmerdock im Jan Blanken Trockendock in Hellevoetsluis.

Weitere Informationen bekommt ihr im Dock.

Für mehr Informationen über das Dock siehe www.droogdok.nl

Das Dock ist ein Monument und dadurch auch belebt.

Daher kannst du auch einen Familienausflug dorthin machen.

  • Am Donnerstag, den 1. August wird eingedockt.

An diesem Tag kann nicht gearbeitet werden (aber Zuschauen ist möglich), weil das Dock noch leer gepumpt werden muss.

  • Die Arbeit beginnt daher erst nach dem 2. August.

Von 12 – 15. 8. wird Birgitte begast gegen den Holzwurm, dann kann auch nicht gearbeitet werden. Sonst geht es uns wie den Holzwürmern unter dem giftigen Gas.

  • Am 9. Sept. endet das ganze Abenteuer und wir segeln zurück nach Middelharnis

 

Ihr versteht hoffentlich, dass wir, um die Arbeit machen zu können, einen Plan erstellen müssen. Darum möchten wir gern von euch wissen, ob ihr Zeit und Lust habt, helfen zu kommen und wann das sein kann.

 

Wir freuen uns auf euch!

 

Vorerst vielen Dank und dann hoffentlich im Dock!

 

Wenn ihr keine Zeit und Lust habt zur Arbeit zu kommen, dann könnt ihr auch nur zum Spaß gucken kommen.

 

 

 

16. Zeit zum Eindocken / Tijd om te dokken

20. Juli 2013

 

 

Ein neuer Blog, und wie du es von uns gewohnt bist, sind wir nicht untätig gewesen. Die letzten Wochen wurden von den Vorbereitungen für das Dock dominiert.

 

Erstens die Ergebnisse aller Antworten auf unsere Bitte um Hilfe. Vielen Dank dafür!. Wir finden es schön, dass so viele Leute mit uns enthusiastisch sind und viele auch tatsächlich kommen wollen, um uns an unserem Traum zu helfen. Falls du noch nicht durchgegeben hast, wann du kommst oder kommen willst, könntest du das vielleicht möglichst schnell tun? Dann können wir unsere Planung noch konkreter machen.

 

Wie sehen die Vorbereitungen für das Dock aus? In jedem Fall vorsorgen, dass alle Materialien für die Arbeit im Dock vorhanden sind. So wird viel Zeit aufgewandt für das Auswählen der Primer etc. und die Bestellung vieler Dinge. Auch auf Sebas Arbeitsstelle wird nicht stillgesessen und heftig nachgedacht. Schließlich kommen auch unsere Bestellungen herein und wir sind so froh, dass wir sie neben die Couch in unserem Wohnzimmer stellen. So können wir einige Vorarbeiten leisten, indem wir einen Blick auf die Schaber, Farbtöpfe Roller, Handschuhe, Rührhölzer, Abdeckfolie  und noch viel  mehr werfen. Seltsamerweise sind wir ein wenig glücklich, wenn wir danach schauen. Vielleicht denken wir anders darüber, wenn wir es im Dock ein paar Wochen gebraucht haben.

 

Wir wollen eigentlich etwas mehr vom Dock wissen und so machen wir uns auf eine Tour zum Dock. Meine Eltern sind zufällig auch in der Nähe und weil sie während der Dockzeit mit ihrem Boot in Norwegen unterwegs sind, finden sie es schön mitzugehen. So sind wir am Samstagmittag bereit für eine Führung durch das Trockendock „Jan Blanken“. Ich weiß nicht, wie wir es gemacht haben, aber genau am Samstag ist der „Tag des Monuments“ in Hellevoetsluis kostenlos. Wir fühlen uns schuldig und stecken eine kleine Spende in den Topf. Die Tour ist sehr informativ. Freunde des Docks führen uns herum und auch das Gangsystem, das rund ums Dock läuft wird besucht. Es ist schon etwas Besonderes, dass wir mit unserer Birgitte in dem mehr als 200 Jahre alten Dock stehen sollen. Wenn du auch ein wenig neugierig bist, wie es im Dock zugeht; das folgende Filmchen auf Youtube gibt ein gutes Bild. Du musst dich nur einfach über die schlechte Musik und „voice over“ hinwegsetzen. Natürlich könnt ihr auch ins Dock kommen, wenn wir im Dock sind. Vielleicht ist es dann noch schöner.

 

https://www.youtube.com/watch?

NR=1&v=gTaywWZrx5k&feature=endscreen

 

Wie in dem kleinen Film auch erzählt, wird ein Dockplan für jedes Schiff, das in das Dock kommt, erstellt Dafür muss bekannt sein, wie das Unterwasserschiff aussieht, damit die Stützen korrekt angeordnet werden können. Das Problem bei Birgitte ist, dass wir nun gerade ins Dock gehen, um herauszufinden, wie das Unterwasserschiff aussieht. Nun ja, wie gibst du nun die richtigen Maße durch? Die Lösung heißt: tauchen! Und sollte ich nicht einen Vater haben, der tauchen kann? (mit Pressluft, damit er noch etwas länger sehen kann). So kommen Jaap und Marjolein noch mit der Novatrix längsseits und Jaap geht mit seinem Neopren-Anzug ins Wasser. Glücklicherweise kommt er schnell wieder hoch mit guten Nachrichten. Nach dem, was er in dem trüben Wasser sehen kann, sieht das Unterwasserschiff gut aus. Dann fragt er nach einem Schaber. Er will das erste Stück geschrappt haben und geht ans Werk. Wir fragen uns, ob wir später sein Stückchen Arbeit auch wiederfinden. Er gibt sich auch an die Reinigung der Schraube, die ganz von Pocken bedeckt ist und einen Durchmesser von 1m hat. Meine Mutter würde sagen: kein Katzenpiss! Dann misst er noch die erforderlichen Abmessungen, er kommt wieder an Bord und wir sind ein bisschen beruhigt. Wir haben uns doch Sorgen gemacht, was wir in Kürze sehen werden. Aber jetzt wissen wir wenigstens, dass es nicht sehr schlimm sein kann.

 

Für den Rest hat der Bautrockner in den vergangenen Wochen sein Bestes gegeben und die Farbe des Holzes hat sich von dunkel nach hell verändert. So ist es Zeit, den Trockner wieder zurückzubringen und das trockene Boot zu genießen.

 

Wir sind auch noch zur Leinölwerkstatt „ Natürlich-Farbenreich“ gewesen (eine Freundin von Marjolein) wo wir auf Anraten von Rick (Freund von Marjolein) die Farbe gekauft haben. Es war ein lehrreicher und fröhlicher Abend, der unsere Leinöl-Begeisterung weiter vergrößert hat. Kurz zum Bild. Am nächsten Abend sitzen wir draußen zum Essen am Gartentisch, der eigentlich nicht mehr so dunkelgrün (Plastik) aussieht wie er sollte, gucken uns an und lachen. Ja, auch dieser muss in Leinöl! Also, nach dem Essen fangen wir schnell an. Zuerst reinigen wir ihn mit Leinölseife, dann schnell mit gekochtem Leinöl einreiben und der Tisch ist wieder wie neu. Meine Eltern können es nicht glauben. Ein paar Tage später machen wir es mit einem blauen Tisch mit demselben Resultat. Offene Münder! Wir kommen nicht umhin: Leinöl ist ein Spitzenzeug und sorgt auch für Locken im Haar.

 

Aber um das Boot in Leinöl zu streichen, müssen wir auch an das Boot rankommen d.h. wir brauchen ein Gerüst. Mein Vater ist wieder zurück und hat viel Gerüstrohre mitgebracht, die übrig waren. Wir machen noch eine Zeichnung mit AutoCAD, kaufen ein paar Verbindungen und dann geht es mit Schleifen zur Sache. Und höre, nach einem Samstag Arbeit haben wir unser eigenes Gerüst gebaut und wieder abgerissen, um damit ins Dock zu ziehen.

 

So füllen wir die Zeit bis zum Dock und sind ungeduldig, damit wir endlich am 1. August loslegen können.

 

Für Liebhaber ist unser Plan, am Dienstag oder Mittwoch vor dem 1. 8. Birgitte von Middelharnis nach Hellevoetsluis zu fahren. Ob Dienstag oder Mittwoch, an welchem Tag, hängt vom Wetter ab. Aber sollte jemand gern mitfahren, so ist er uns herzlich willkommen. Aber bitte vorher anmelden, damit auch über den Rücktransport von Hellvoetsluis nach Middelharnis nachgedacht werden kann. Aber ihr seid herzlich eingeladen, nur: „Kapteins word is Law“

 

Vielleicht bis zum Dock oder auf der Überfahrt und für diejenigen, die in Urlaub fahren wollen, schöne Urlaubstage!

 

 

 

17. Den tiefsten Punkt erreicht. / Het diepstepunt bereikt

2. August 2013

 

 

Nach Monaten des Wartens und der Verzögerungen ist die Zeit endlich gekommen: wir fahren ins Dock!

 

Wir halten mal den Wetterbericht im Kopf, aber am Freitag beschließen wir, am Mittwochabend werden wir von Middelharnis nach Hellevoetsluis fahren. Dann haben wir nämlich die größte Chance auf wenig Regen und nicht viel Wind. Birgitte geht nämlich nicht für Nichts ins Dock, denn über Wasser ist sie noch nicht wasserdicht.

 

Natürlich beginnen damit auch wieder die logistischen Überlegungen. So müssen wir am Dienstag mein Auto nach Hellevoetsluis bringen und am Mittwochmorgen gehen Sebas und ich nach Middelharnis für die letzten Vorbereitungen. In aller Ruhe räume ich noch die letzten Klamotten auf, mache noch ein paar Einkäufe und hole das Zelt runter. Natürlich gibt es dann eine kleine Dusche, wodurch ich aus meinem Kraftschläfchen erwache. Ich liege nämlich auf meinem Feldbett präzise unter dem Kajüteneingang und werde so nass. Halb träume ich noch, Sebas macht mich mit dem Gartenschlauch ein klein wenig nass, aber schnell werde ich wach und erkenne, dass ich was unternehmen muss. Noch schnell abdecken, was nicht nass werden darf. Glücklich kann ich danach mein Gesundheitsschläfchen wieder aufnehmen, so dass ich genug Energie für die große Überfahrt habe. Noch ein Testlauf für unseren neuen Generator, den wir auf einer Auktion erstanden haben, für den Fall, dass wir pumpen müssen, und wir sind bereit und warten auf unser Überfahrt-Hilfsteam. Bestehend aus Sebas Eltern und Bruder Joram, seiner Tante Beppie, mein Bruder Ben und Freundin Merice und ihre Schwester Justine. Um halb acht sind alle an Bord und wir können ablegen.

 

Wir möchten ausprobieren, gemeinsam wegzufahren mit den Hilfstruppen standby. Das müssen wir in der Zukunft doch auch können oder? Mi Beppie sind wir neun. Dann geht’s durch die enge Schleuse. Diesmal haben wir keine Masten und nichts zum Peilen für die Durchfahrt. Ben zeigt uns die Bugrichtung. Wir müssen noch stets den Wind beachten und Fahrt behalten, damit wir Kurs halten können. Es bleibt Präzisionsarbeit, aber diesmal kamen wir ohne Probleme hindurch. Unterwegs genießen wir das herrliche Wetter und als Sebas es wieder nicht lassen kann, den Turbo zu starten, müssen wir wieder pumpen. Die Bugwelle ist so hoch, dass sie offene Fugen erreicht und das Wasser ins innere läuft. Zum Glück haben wir einen Generator und 4 Tauchpumpen standby an Bord und so wird alles wieder abgepumpt. Danach fahren wir sehr ruhig nach Hellevoetsluis. Wir legen gut an und bekommen von Beppie einen Zehner und das Dock ist nun nahe. Wir verholen noch ein wenig ziehend, um an den Stromkasten zu kommen und so haben wir Licht und der Kühlschrank bleibt kalt. Und dann trinken wir erst einmal ein Bierchen und ein Weinchen. Danach muss jeder zurück zu seinem Auto. So stopfen wir uns wieder in meinen kleinen Fiat und fahren zurück nach Middelharnis. Um halb zehn ist jeder wieder zu Hause und wir müssen unsere Luftmatratze aufblasen. Wir gehen heute nämlich das erste Mal, seit wir die Birgitte haben, an Bord schlafen und haben dafür ein selbstaufblasendes Überschall- Luftbett angeschafft. Ein bisschen mehr Luxus könnte es schon sein, denn wir haben keine Toilette, Dusche oder fließend Wasser an Bord. Zu unserem Glück gibt uns der Hafenmeister den Code für Dusche und Toiletten. Aber für den Rest dürfen wir gratis liegen, weil wir ins Dock gehen. Nette Leute. Wir haben zwar ein großes Boot gekauft, trotzdem suchen wir den günstigsten Platz für das Luftbett. Flacher Fußboden ist knapp, aber wir finden ein Plätzchen und legen uns schlafen.

 

Und dann ist es endlich 1. August, der Tag, an dem wir Birgitte genau ein halbes Jahr haben. Wie schön, dass sie genau an diesem Tag ins Dock kommt. Wir sind früh auf, teils durch die Spannung, teils durch das Luftbett, in dem wir noch nicht so gut geschlafen haben. Wir frühstücken, machen noch die letzten Vorbereitungen, wie Leinen zurechtlegen für das Dock, und dann heißt es wieder: warten. Um 9 Uhr kommt Sebas Vater an Bord, gefolgt von Joram und eine halbe Stunde später ist auch Wendy da. Joram und Wendy sind heute unsere Paparazzi und Jan kommt, um uns an Bord zu helfen. Wir haben abgesprochen, um 10 Uhr durch die Brücke zu fahren. Wenn das klappt, können wir direkt ins Dock durchfahren. Wir müssen uns daran gewöhnen, beguckt zu werden. Aus allen Booten kommen die Leute an Deck, um zuzuschauen und Aufnahmen zu machen. Die Brücke geht leider nicht sofort auf. Lästig mit dem Wind von achtern. Zum Glück, als wir denken, dass wir vielleicht doch noch an der Kante anlegen müssen, hören wir die Glocke klingeln und können ordentlich durchfahren. Schnell sind wir am Dock, wo eine Mannschaft in orange Jacken bereit steht, um unsere Leinen anzunehmen. Aber für das Dock wird vom Dockmeister der Auftrag erteilt, das Boot stillzuhalten. Das machen wir. Unterdessen kriegen wir Leinen zugeworfen. Als alle vier Leinen (2 vorn, 2 hinten)  angelegt sind, ist unsere Berechnung wichtig. Der Motor muss abgeschaltet werden, damit die Schraube nicht alles hoch wirbelt, was auf dem Dockboden liegt, und so werden wir von Hand nach drinnen gezogen. Nachdem wir eine gute Position gefunden haben, liegen wir fest und dann gehen alle Dockarbeiter zuerst zum Docktor, das ist ein Boot, um es wieder zu schließen. Danach versprechen sie, zurückzukommen, um uns in die richtige Position zu bringen. Also haben wir zu warten im herrlichen Sonnenschein. Was für einen Supertag haben wir getroffen!

 

Nach einer Stunde sind sie wieder da und die Leinen werden durch Stahlfestmacher ersetzt, die mit Ratschenzügen vom Kai aus bedient werden. Anhand unserer Lotleinen vorn und achtern und der Stahltrossen, die im Dock gespannt sind mit Zeichen daran, um die Mitte zu bestimmen, bringen wir Birgitte in die richtige Position. Als sie richtig liegt, wird mit dem Abpumpen begonnen. Während des Abpumpens wird immer wieder kontrolliert, ob die Position noch richtig ist, so dass sie genau auf ihren Dockstühlen steht und nicht daneben oder schief. Es ist vor allem eine lange Wartezeit, denn das Wasser sinkt langsam. Wir sind die einzigen im Dock, wodurch viel Wasser abzupumpen ist und sie müssen beide Dockkammern leer pumpen. Nur das Zimmereidock abzupumpen geht leider nicht. An einem gewissen Punkt merken wir, dass wir achtern aufsitzen und mit dem Bug immer weiter sacken. Nun einfach möglich, wenn wir vom Ruder aus auf den Bug schauen. Eine Stunde nach dem Aufsetzen achtern sitzen wir auch vorn auf und bekommen die Laufplanke angereicht, nachdem zwei Stützen gegen den Rumpf gestellt wurden. An beiden Seiten eine. Wir sind sehr gespannt, was aus dem Wasser kommt und gehen schnell auf die Seite. Von Wendy haben wir über WhatsApp schon Bilder bekommen, aber es selbst zu sehen ist doch schöner. Langsam kommt von Birgitte immer mehr zum Vorschein. Es ist sehr heiß im Dock und plötzlich ist Sebas weg. Er kommt zurück in seiner Badehose und geht ins Wasser. Die Dockarbeiter finden das nicht so gut, denn Birgitte könnte theoretisch noch umkippen und so sollte man warten, bis die Stützen richtig stehen. Zum Glück dauerte das nicht mehr so lang, und so können Wendy und ich der Versuchung auch nicht widerstehen und laufen fröhlich bis zu unseren Hüften im Wasser. So können wir nun das Unterwasserschiff selber sehen. Es gefällt uns, sieht ganz vernünftig aus. Es wird aber auch schnell deutlich, dass alle Fugen kalfatert werden müssen. Sie sind zu unserer Überraschung auch alle nur gekittet und nicht gepicht. Als die Stützen alle standen, fuhr Sebas hin und zurück nach Middelharnis, und ich beginne schon mit dem Abspritzen der Birgitte, so wie das Wasser weg ist. Zum Glück ist Sebas schnell zurück, denn es ist wirklich schwer und schmutzig. Noch vor 5 Uhr ist alles sauber und wir genießen unsere Aussicht von den Stufen des Docks. Ben und Merice kommen auch noch längs, um das Unterwasserschiff zu besichtigen. Als sie weg sind, räumen wir noch ein bisschen auf und trinken ein Bierchen. Das fanden wir richtig nach dieser erfolgreichen Dockaktion und einem gut scheinendem Unterwasserschiff. Viel Arbeit erwartet uns, denn Grundierung und Antifouling sind nicht dicht. Das muss alles runter, damit unsere neuen Schichten auf jeden Fall haften. So muss eben geschabt werden Aber zum Glück haben wir dafür auch Hilfe. So genießen wir noch eben unser Schiff. Denn was ist es cool, unser Schiff so liegen zu sehen und wie groß es ist! Wir sind stolz und morgen geht es mit Freude richtig los. Jetzt aber erst einmal gut schlafen und sich von den spannenden Tagen dieser Woche erholen.

 

 

 

 

 

 

 

18. Ein Zirkusschiff / Een circusschip

13. August 2013

 

 

Am Freitag stehen wir voll Stolz um 8 Uhr bei unserem Schiff im Dock. Das Dock ist sehr groß, und wenn du oben stehst auf dem Schleusentor, dann scheint Birgitte nicht mehr so groß zu sein. Doch der Schein trügt, denn wenn du in das Dock hinunter steigst, ist sie groß. Das ist eine großartige Fläche zum Kratzen und Bemalen. Heute wird ein warmer Tag, und so beginnen wir schnell unsere Klamotten zusammenzusuchen um los zu legen. Unser Plan ist, heute herauszufinden, wie wir am besten die Farbe vom Unterwasserschiff ab bekommen, damit, wenn morgen alle Helfer kommen, wir erklären können, was zu tun ist. Als wir mal nicht so beschäftigt sind, kommt auch Jan, um uns zu helfen. Sebas schrappt drauflos, als wäre die Farbe gar nicht fest und sie fliegt nur so. Ich versuche es mit großer Überredungskunst zu tun, aber mit einem wesentlich geringeren Resultat und Erschöpfung als Folge. Nach einer halben Stunde beschließe ich, dass diese Arbeit nichts für Rekonvaleszente ist, und eine bessere Kondition und Durchhaltevermögen fordert. Zum Glück ist es für Jan auch nicht so einfach und so beginnt er, sich über andere Techniken Gedanken zu machen. Er klopft mit dem Schaber auf die Farbe, so dass Risse auftreten und er so nicht mehr eine glatte Fläche zu schrappen braucht und er jetzt bequemer schrappt. Aber auch das dauert lange und ist eigentlich doppelte Arbeit. Dann plant Jan, es mit einer drehenden Scheibe mit vorstehenden Spikes zu versuchen, die er in die Bohrmaschine einspannen kann. Er hat noch eine alte Scheibe noch zu Hause liegen und geht sie holen. Leider sind die Spikes so abgenutzt, dass wir nicht bestimmen können, ob es nicht funktioniert oder an der Scheibe liegt. Nach einiger Diskussion beschließen wir, eine neue zu kaufen, weil damit auch noch Stahlteile geschmirgelt werden können und das kann man mit der Scheibe ohnehin. Sebas geht auf Schleifscheibenjagd. Am Ende war er in Stellendam erfolgreich. Leider ist dieses Verfahren auf Holz doch nicht der große Erfolg. Es beschädigt schnell das Holz und geht auch nicht so schnell. So müssen wir uns wieder ans brutale Schrappen begeben, denn mit der Bandschleifmaschine ist auch kein Arbeiten. Das Schleifpapier ist sofort voll. So sind wir arg happy mit der Aussicht, dass am Wochenende viele kommen, um uns zu helfen. Während aller Versuche mache ich mich nützlich mit dem Auskratzen der Fugen. Die sind gefüllt mit Kitt oder Kreide und müssen in jedem Fall erneut gekittet werden und wahrscheinlich auch großenteils kalfatert. An Bord fanden wir vor längerem ein Gerät, das dafür geeignet war. Eine Art von breitem dickem Flachhaken, womit man den alten Kitt aus den Fugen ziehen kann. Ein nicht ganz so schwerer Job, aber ein großes Boot und viele Fugen. Du ahnst schon: eine Menge Arbeit.

 

Zu Beginn des Nachmittags ist es wirklich zu warm, um etwas zu tun. Jan geht dann auch wieder nach Hause. Nach dem Lunch schleppen wir noch die Gerüstteile, die an Deck liegen und lassen sie nach unten ab. Wir sind auch noch so verrückt, sie zusammenzusetzen, aber dann wird es echt zu warm und wir sind kaputt. Ich gehe in den Raum, um auf meine Liege zu kommen. Es ist wirklich so heiß hier, dass ich mich durch den Schweiß nass fühle, während ich dort totenstill liege. Also gehe ich die Rampe wieder hinunter. Unten sehe ich Sebas auf einem Stuhl im Schatten von Birgitte sitzen. Die Hitze wurde auch ihm zuviel und mit nassem Gesicht musste auch er sich setzen. Wir beschließen, etwas zusammen zu trinken aber sitzen zu bleiben und darüber nachzudenken, was und wie etwas passieren muss.

 

Weil wir Regen erwarten, muss leider das Zelt auch wieder aufgebaut werden. Wir beide finden, dass es ein Jammer ist, denn es ist so ein schöner Anblick ohne Zelt. Aber für die Begasung muss das Boot so trocken wir möglich sein, und wir halten alle Gerätschaften, Werkzeuge und Material trocken und in Ordnung. So gegen Ende des Nachmittags als wir kleine Spritzer fühlen, fangen wir wieder mit der mühsamen Arbeit an. Das Zelt ist nämlich sehr schwer und in dieser Hitze zu schleppen macht keinen Spaß. Unser Vorteil ist, dass wir dieses Mal vom Gerüst aus die Bänder und das Tauwerk auf die richtigen Stellen geben können und es dadurch etwas schneller geht. Sicher auch dadurch, dass Jan noch helfen kommt. Dann finden wir uns im Luxus wieder, denn Janneke hat frei und bringt uns eine Mahlzeit ins Dock. So essen wir eine leckere Pasta und sitzen zu viert gemütlich im Dock an unserem improvisierten Tischchen. Nach dem Abendessen ziehen wir noch die letzten Bänder des Zeltes an und gehen fein duschen.

 

Als der Wecker um 7.15 Uhr weckt, stehen wir wieder begeistert auf. Ich beginne nun mich zu fragen, wie lange das noch so bleibt. Wir haben doch Urlaub! Aber ja, heute sind wir noch begeistert und frühstücken schnell, so dass wir um 8 Uhr wieder im Dock sind. Das Schöne an der frühen Ankunft ist, dass das Dock noch nicht offen ist, (wir haben als Schiffseigner einen Schlüssel) und sich so auch noch keine Touristen eingefunden haben. Man kann in aller Ruhe das Dock genießen, dabei wach werden, wenn wir alles wieder in Bereitschaft legen. Während wir damit beschäftigt sind, klingelt mein Handy. Janco, der noch gestern gefragt hat, ob wir noch Hilfe brauchen, steht bereits am Heck. So gehen wir zusammen mit Janco an die Vorbereitungen, eine Segelbahn am Dockboden auszulegen, um das geschrappte Material aufzufangen. Dann geben wir ihm eine Maske gegen den Staub, eine Brille, Handschuhe und nicht zu vergessen, den Schaber. Nach einer kurzen Einweisung durch Sebas kann das Schrappen beginnen. Janco geht mit vollem Mut ans Werk und auch Sebas begibt sich ans Schrappen. Ich mach weiter mit den Fugen. Kurz drauf kommen auch Cees und Finy. Auch Cees ist heute im Schrappteam, Finy sorgt fürs Catering. So wird es was. Auch Jan meldet sich wieder. Als die Gesichter beginnen, etwas Müdigkeit zu zeigen, setze ich schnell Kaffeewasser auf. Vielleicht hilft das. Die Kaffeepause wird mit großer Freude begrüßt und bei einem Cookie kommt wieder ein Lächeln auf die Gesichter. Zum Glück, denn es sind noch etliche Quadratmeter!

 

Noch mehr Hilfe ist im Anmarsch. Zur Mittagszeit kommen auch Jasper, Wendy und Nick. So ist Sebas Band „Sparks“ fast komplett. Bei so vielen Männern und einer schönen Musik dabei ist das Schrappen eine gesellige Sache und ich höre von der anderen Seite des Bootes sagen: ich kann das Schrappen nicht mehr lassen. So hole ich die Fugen auf der anderen Seite leer und höre die Wortfetzen vorbeifliegen. Wobei wir Cees noch die Ehren des Witzbolds geben müssen. Mit Sprüchen wie: „Kann ich unsere Verabredung noch schrappen?“ Und: „es ist schrappig, dass du das sagst“ und so weiter. Kurz, die Atmosphäre ist prima. Kurz vor dem Mittagessen verlässt uns Janco wieder, weil er noch andere Verpflichtungen hat. Wir sind dankbar für seine Arbeit, denn er hat kräftig zugelangt. Jan verabschiedet sich auch, ihn werden wir aber in der kommenden Zeit noch sehr nötig haben. Dann tauchen auch noch Ronald (Sebas’ Arbeitgeber), Rianne und die Kinder im Dock auf. Sie können es selbst in ihrer Freizeit nicht lassen, herzukommen, um zu sehen, wie es aussieht. Wir liegen ja eine ganze Zeit mit diesem Gefährt vor der Tür und jetzt muss sie allemal beguckt werden. Finy beginnt inzwischen mit dem Lunch. Ein Hamburger-Brötchen. Ja, wir werden wieder verwöhnt! Auch Stella und Kiara haben Glück, dass Papa und Mama genau jetzt vorbeikommen, denn jetzt können sie auch noch eben einen Hamburger und ein Brötchen einheimsen. Aber den echten Arbeitern schmeckt es sehr gut. Ronald verspricht noch, einige praktische Geräte bereitzulegen (selbst noch Werkzeug, um Fugen leer zu kratzen) und dann gehen sie wieder nach Hause. Wir arbeiten nach dem Mittagessen weiter mit vollem Mut und noch vor Ende des Tages ist die Backbordseite sauber geschrappt und es kann mit Steuerbord begonnen werden. Das hätten wir wirklich nicht gedacht. Viele Hände machen die Arbeit leichter. Aber an Steuerbord machen dann doch die Muskeln Probleme und wir beschließen gegen 4 Uhr, dass es doch Zeit ist für ein wohlverdientes Bierchen oder andere Getränke mit einem Soutje von Finy. Das haben diese harten Arbeiter wirklich verdient. Als alle weg sind, räumen wir auf und wärmen die Makkaroni auf, die wir von Finy noch gehabt haben. Denn wenn Finy versprochen hat, für das Catering zu sorgen, dann tut sie das, und dann steht unser Abendessen nicht zurück. Zusätzlich zu unserem Schiff, das nun zur Hälfte kahl geschrappt ist, genießen wir die Makkaroni und sagen uns, dass wir uns in die Hände kneifen können, dass wir so liebe Freunde haben, die uns bei unserem Abenteuer helfen kommen. Denn ohne ihre Hilfe wären wir noch nicht ein Viertel des Geschafften weiter. Nachdem wir das ein wenig genossen und uns erholt haben, holt Sebas noch ein Gerüst bei Offerhaus ab. Ich räume auf und gehe duschen. Wenn Sebas zurückkommt, bin ich richtig kaputt und Sebas muss das Gerüst allein nach unten tragen. Als das erledigt ist, gehen wir auch wieder nach Hause.

 

Für die weiteren Arbeiten sorgen wir am nächsten frühen Tag, dass wir wieder alle Sachen an Bord haben, die wir für den Tag brauchen. Inzwischen finden wir die schöne Treppe des Docks nicht mehr so schön, denn du musst den ganzen Tag Treppen steigen. Die Toilette befindet sich oben und zur Toilette zu gehen heißt, die Treppen erst hinauf- und dann wieder hinabzusteigen. In einem Monat werden wir starke Beinmuskeln haben. Zum Glück liegt die Laufplanke auf halber Treppe, so dass du nicht immer die ganze Treppe laufen musst. So schaffen wir aus Angst vor Diebstahl und Regen alles morgens nach unten und abends wieder nach oben.

 

Weil gestern die Seite, die morgens im Schatten lag geschrappt wurde, muss heute an der Sonnenseite begonnen werden. Wir beschließen deshalb, erst das selbstgefertigte Gerüst auf dieser Seite aufzustellen und ein Segel als Sonnenschirm daran zu hängen. Die Rädchen unter dem Steigergerüst anzubringen erwies sich noch als schwieriger als gedacht, weil wir vergessen hatten, alle Rohre einzupassen und so mussten wir die Sitze noch erweitern. Aber nach einiger Mühe gelang auch dies. Danach fanden wir heraus, dass das Gerüst höher ist als die Stahlseile, womit Birgitte festgesetzt wurde. Also trennen wir noch ein Stückchen von den Rohren ab. So haben wir doch einen guten Sonnenschutz, und als unsere Hilfe, bestehend aus Jasper und Wendy, Nick und Jan ankommt, stehen sie gemütlich im Schatten. Sie überraschen uns mit ihrer Begeisterung, mit der sie wieder an die Arbeit gehen wollen, denn die Muskelschmerzen sind sicher da. Es wurde sogar vom Schrappen geträumt. Jasper musste bei jedem Glockenschlag daran denken, seinen Schrapper hin und her zu schwingen. Aber sie sind davon überzeugt, dass das alles verschwindet, wenn sie wieder an der Arbeit sind. Also alle Masken, Handschuhe und Brillen angezogen und die Schläge beim Schrappen beginnen wieder. Inzwischen probiere ich meine Beitelmaschine aus, um damit die Fugen zu entleeren. Das geht ausgezeichnet und ich halte mich auch vorläufig gut, bis es Zeit ist zum Lunch, und ich eben noch Käse und Schinken bei Albert Heijn in Hellevoetsluis holen muss, der auch am Sonntagmittag  geöffnet ist. So können wir getoastete Brötchen essen. Ein gutes Mittagessen ist bei harter Arbeit sehr wichtig. Nach dem Mittagessen wird noch weiter geschrappt, aber 2 Tage schrappen haben es in sich. So gegen 3 Uhr sehen Sebas und ich uns an und beschließen, dass es für heute genug sein muss. Zeit für ein Getränk und ein leckeres französisches Brötchen mit Boursin etc. Während des Essens kommen Cees und Finy mit dem Bruder von Cees und seiner Frau auch noch gucken, wie es heute geht. Während wir unser Stockbrötchen essen, sagt Nick: „Ich glaube ich höre Wasser laufen“. Ich selbst glaubte auch, es gehört zu haben, aber ich dachte, das kann nicht sein, denn das andere Dock soll erst in der kommenden Woche wieder gefüllt werden. Aber es klingt doch wirklich so. So steigen wir alle die Dockstufen hoch und in der Tat, das andere Dock läuft voll. Begeistert mache ich noch ein Foto von dem Wasserfall, mit dem das andere Dock vollläuft und sage noch, das gibt ein richtiges Urlaubsgefühl. Wir stehen noch eine Weile zusammen und dann verabschieden wir uns. Sebas und ich sind beide sehr müde, räumen noch auf und duschen. Während des Aufräumens sehen wir, dass die kleine Grube an unserem Dock beginnt vollzulaufen, gehen aber davon aus, dass es immer etwas Leckwasser durch das Schleusentor gibt und achten nicht besonders darauf. Als ich vom Duschen zurückkomme, sehe ich, dass die Rinne rund ums Dock ebenfalls voll Wasser steht und das Wasser auch anfängt auf unseren Dockboden zu laufen. Das kann doch nicht richtig sein! Zum Glück hat Sebas schon begonnen, den Dockboden abzuräumen und die Werkzeuge sind schon weg. Aber das Segel, das wir auf dem Boden ausgebreitet hatten, mit all dem geschrappten Abfall liegt noch da und ist auch noch nicht gefegt. Langsam beginnt aber dieses Segel zu treiben und wir nehmen es schnell weg. Aber wir können nicht vermeiden, dass etwas von dem Antifouling beginnt herumzutreiben. Langsam sind wir doch davon überzeugt, dass es so nicht richtig sein kann und ich gehe schnell, den Brief mit den Notfallnummern zu holen. Schnell habe ich den Dockleiter am Telefon. Er stimmt mit uns überein, dass der Dockboden nicht nass werden darf. Das einzige Problem ist, dass er auf einem Fährboot auf der Maasflakte ist und damit von uns entfernt. Aber er will sein Möglichstes tun, um jemand zu erreichen, der uns helfen kann. Nach einer halben Stunde ruf ich wieder an, weil ich noch nichts gehört habe und das Wasser steht nun schon bei den Faltstühlen. Er versichert mir, dass er noch immer mit Druck tätig ist und so schnell wie möglich etwas für uns getan wird. Am Nachmittag machten wir noch Witze, dass Schrappen schwimmend vielleicht einfacher wäre. Aber nun scheint es Realität zu werden. Das große Problem ist, dass Birgitte nun so dicht ist wie ein Sieb, denn ich bin mit dem Leeren der Fugen gut vorangekommen und die Fugen sollen trocken bleiben wegen der Begasung. Wir halten die Daumen, dass es gut geht. Wir haben schon daran gedacht, die Wasserzufuhr zum anderen Dock so schnell wie möglich zu schließen. Das können wir aber nicht, weil die Räder verborgen sind. Aber Sebas hat gedacht, dass es mit einem großen verstellbaren Schraubenschlüssel auch gehen müsste. Um die Zeit zu füllen, rufen wir auch noch unsere Eltern an. Sebas Eltern kommen auch schnell, um Katastrophentouristen zu spielen. Zum Glück sind sie bereit, für uns eine türkische Pizza zu holen, denn inzwischen ist es Essenszeit geworden und wir haben echt Hunger. Dann kommt der Dockleiter mit seiner Frau. Alle Telefonnummern scheinen nur hier im Büro zu liegen, so dass nur er so schnell wie möglich kommen musste. Wir schlagen vor, erst die Abschlussventile dicht zu drehen. Da stimmt er mit uns überein und geht auf Suche nach dem Kellerschlüssel, weil dort die Abstellräder sind. Zum Gluck findet er sie schnell und wir können uns auf Suche nach den Schiebern begeben. Die sind schnell gefunden und wir drehen sie wie verrückt dicht. So, jetzt kann das Dock nicht weiter vollaufen. Leider steht das Wasser im ersten Dock höher als bei uns und so kann bei uns der Wasserspiegel noch steigen. So tauchen wir noch einmal in den Keller ab und suchen zu dritt nach den richtigen Knöpfen, um die Pumpen in Betrieb zu setzen. Zum Glück bekommt er den Dockmeister zu packen und der kommt schnell. Inzwischen essen wir schnell und sehen froh, dass das Wasser nicht weiter steigt, sondern ein wenig fällt. Kurze Zeit später kommt Eugene (der Dockmeister) und der schaltet die Pumpen nochmals so, dass alles gut ist und verspricht, dass wir keine Sorgen mehr zu haben brauchen. Er fragt auch, warum der Alarm nicht funktioniert hat. Das hat er wohl, denn der Dockleiter hatte Bericht darüber, dass das Timmerdock einen Hochwasserpegel hat. Aber er dachte, dass sie am Rumspielen waren und hatte es ignoriert und nicht mehr richtig gewusst, was der Alarm bedeutete. Ein Tipp: Verbesserungswürdig! Darüber hinaus bestätigte Eugene unsere Vermutung, vom Mittag, dass das Dock nicht geflutet werden muss. Ein Kommunikationsfehler, aber der ist noch nicht die Ursache warum es schief ging. Er musste nämlich das vordere Dock füllen können, ohne dass wir nasse Füße bekommen. Er versichert, uns morgen die Ursache für die Panne zu geben. Denn folgende Woche, wenn das Dock voll ist, darf das natürlich nicht mehr passieren. Als das Niveau tatsächlich zu fallen beginnt und der Boden beinahe trocken ist, sind wir davon überzeugt, dass alles in Ordnung ist und gehen nach Hause. Es war mal wieder ein aufregender Tag. Im Auto haben wir noch gesprochen, dass das ein ziemlich schwieriger Fall hätte werden können und ein saftiges Versicherungsproblem geworden wäre. Zum Glück hatten wir beschlossen, noch etwas zu bleiben und nicht direkt nach Hause zu fahren. Denn es hätte passieren können, dass du am folgenden Tag dein Boot gesunken im Dock wiederfindest mit allen Gerätschaften und Klamotten darin. Dann hätten wir wieder ein Tränchen vergossen. Aber es ist nichts passiert und so gehen wir morgen wieder mit vollem Mut ran.

 

Am Montag verspricht Daan gegen 9 Uhr anwesend zu sein, so sorgen wir dafür, um 8 Uhr wieder da zu sein. Sebas geht noch eben nach GAMMAS, Schrappmesserchen zu holen für das letzte Stück. Daan ist tatsächlich um 9 Uhr im Dock. Da er Birgitte noch nicht gesehen hat, beginnen wir erst mit einem Rundgang. Wir reden noch ein bisschen, dass es schon wieder viel zu lang her ist, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Dann kommt Sebas wieder und es ist Zeit, an die Arbeit zu gehen. Die letzten Quadratmeter sollen noch geschrappt werden. Wir kaufen keine Messerklingen bei GAMMAS mehr, denn die sind mit einem Mal stumpf und nicht recht. Wir machen es nur manchmal. Zum Glück kommt Jan auch, um unser Arbeitsteam zu verstärken. Ich ziehe los, um zur Veränderung mit Auskratzen der Fugen beizutragen. Rund um Lunch ist auch die Steuerbordseite geschrappt und es kann mit dem Schleifen begonnen werden. Schwere Arbeit, vor allem nach dem Schrappen und so wollen wir heute pünktlich Feierabend machen. Wir sind nach allem zufrieden, dass nach dem vierten Tag im Dock Birgitte kahl gekratzt ist. Zu meinem Schrecken sehe ich beim Fugenkratzen, dass noch einige Ritzen leer zu kratzen sind, von denen ich tags zuvor überzeugt war, dass es sie noch nicht gab. Die nächste Sorge beginnt! Birgitte trocknet wieder zu hart. Für die Begasung muss Birgitte so trocken wie möglich sein, aber sie muss auch heil bleiben. Wir haben von den Dockarbeitern gehört, dass manche einen Wasserschlauch mit kleinen Löchern um das Schiff legen, um es kontinuierlich nass zu halten. Aber dann kann man auch nicht schmirgeln. Wir beschließen, sie ab und zu mit dem Gartenschlauch nass zu spritzen. Aber wir wissen auch sicher, dass so schnell wie möglich Grundierung auf die Unterseite muss, so dass das Holz ein wenig feucht bleibt und nicht ganz reißt. Eigentlich muss das alles noch passieren, bevor der Hüllenüberzug erfolgt für die Begasung, denn dann können wir sie 4 Tage lang nicht nass spritzen und das Holz wird sehr stark austrocknen, weil es unter dem Zelt sehr warm werden wird, da wir es nicht belüften können, um das Gas zu halten. Obwohl nun schon viel passiert ist, so müssen wir doch noch einige harte Brocken erledigen. Vielleicht sind wir zu schnell von Stapel gelaufen und hätten eine Seite nach der anderen machen sollen. Es ist aber auch das erste Mal, dass wir so etwas machen und wir müssen noch viel lernen. Es hat sicher motivierend gewirkt, dass sie in einem Mal komplett gekratzt war, so war es in dieser Hinsicht kein schlechter Entschluss. Es soll doch auch fröhlich bleiben. Wir haben es gern, wenn es eben noch möglich ist, aber alle Tage harte Arbeit beginnen auch körperlich ihren Tribut zu fordern. Wir sind einfach nur müde, und als wir zu dem Punkt kommen, nach Hause zu gehen, kommen plötzlich Leen und Robert aus Middelharnis ins Dock. Sie waren so neugierig und mussten eben mal gucken kommen. Durch ihre Begeisterung für das enorme Ding und wie gut das Unterwasserschiff ist, wurde auch unsere Begeisterung wieder geweckt und so gehen wir wieder mit einem ehrlich guten Gefühl nach Haus.

 

Dienstag beginnen wir ein Stündchen später, doch noch ein bisschen Erholung. Wir müssen warten. Heute kommt neben Jan auch Joram (Sebas Bruder) zu Hilfe. Zu dritt gehen sie flink ans Schmirgeln. Schnell ist backbords geschmirgelt und steuerbords begonnen, weil es so gut läuft. Wir entscheiden, Joram und Jan nach dem Mittagessen an Steuerbord zu lassen und wir beginnen mit dem Kalfatern der Fugen. An Backbord sind diese mit wenigen Ausnahmen leer. Mit großer Freude gehen wir diese Arbeit gemeinsam an. Eine Arbeit, worüber wir lange nachdenken, wie lange das so dauern wird. Wir haben kleine Filmchen in der Dockausstellung gesehen und auch Stückchen im Internet gelesen. Aber nun sind wir es selber, die das machen, mit unseren schönen neuen Kalfatergerätschaften, die Jan besorgt hat, und bereits an Bord lagen. Zuerst dachten wir, dass wir übermäßig viel Kalfatmaterialsorten an Bord hatten, aber bald schon wurde uns klar, dass wir tatsächlich alles brauchten. Für die Laien unter uns: Kalfatern ist das Einschlagen von Kalfatbaumwolle oder Hanf in die Fugen zwischen den Planken. In diesem Fall geteerter Hanf, weil dieser unter Wasser nicht so schnell verrottet wie Baumwolle, die wir für das Deck brauchen wollen. Der Zweck dieses Hanfs ist, dass er die Konstruktion steif macht. Dadurch, dass man den Hanf zwischen die Planken schlägt, drückt man sie auseinander und versteift so die Konstruktion. Danach kommt Kitt darüber, um noch besser abzudichten. Der Hanf und das Holz dehnen sich bei Feuchtigkeit aus, wodurch es dicht wird, aber mit dem Kitt darüber ist es noch besser wasserdicht. Das Einschlagen des Hanfs erfolgt in zwei Schritten: Zuerst wird der Hanf mit einem scharfen Kalfateisen „Caulker“ an einigen Stellen festgesetzt und wird dann mit dem Kalfateisen ganz eingeschlagen. Diesen Part nimmt Sebas auf seine Rechnung. Dabei ist es wichtig, lange Stränge in einem Mal anzubringen,  und nicht allemal lose Stückchen, denn dann gibt es dazwischen Leckagen. Dann schlägt man mit einem Kalfateisen mit einer Kehle, die abhängig von der Größe der Fuge auch unterschiedliche Größen haben müssen. Durch diese Arbeit wird der Hanf in den Fugen steif geschlagen. Dann folgt eine Markierung mit Kreide, denn es muss angegeben werden, wo es dicht ist und welche Fugen nochmals extra nachgefüllt werden müssen. Schnell entwickelt sich zwischen uns ein schönes System von Streifen, Kreuzen, Drehungen und Rundungen. So wie es aussieht, spielen wir Tick-Tock-Tor auf dem Rumpf. Als wir dann endlich aufhören wollen, sehe ich Joram schmerzhaft gucken und sein Auge mit Wasser spülen. Das ist nicht gut. Sebas und Jan gucken noch in sein Auge. Es ist etwas drin, aber es will nicht raus. Auch Eintauchen in einen Eimer Wasser will nicht helfen. Wir beschließen, dass er doch nach dem Hausarzt muss. Armer Joram. Das vorige Mal, als er zum Arbeiten zu einem anderen Boot kam, endete es auch bei einem Hausarztbesuch mit einem sehr wunden Handgelenk und nun sein Auge. Würde er uns jemals wieder helfen wollen? Jan und ich räumen in der Zwischenzeit auf. Dann rufen Ben und Merice in der Zwischenzeit an, dass sie in der Nähe sind und welche Patatjes (Kartöffelchen) wir wollen. Ich erzähle ihnen noch, dass Sebas noch weg ist, dann kommen sie aber zum Dock. Jan geht nach Hause um Nachricht von Joram abzuwarten, der inzwischen zu hören bekam, dass er eine Salbe in Spijkenisse holen muss. Als Sebas wieder in der Nähe ist, gehen Ben und Merice auf Patatjagd (Kartoffeljagd), so dass wir schnell essen können, wenn sie wieder zurück sind. Jorams Auge ist Gott sei Dank wieder besser am selben Abend, nachdem er die Salbe eingerieben hat. Mit Ben und Merice schmausen wir an diesem Abend Fritten. Danach muss wieder gearbeitet werden. Es wird eine Menge Regen vorhergesagt und dafür ist unser normales Zelt nicht gut genug. So ziehen Ben und Merice sich unsere Overalls an und klettern auf das Gerüst und so, zusammen mit einem Tacker und vielen Witzchen, machen wir Birgitte wieder wasserdichter. Hoffentlich bleibt alles während der Böen morgen trocken.

 

Mittwoch ist Ruhetag. Wir haben einen „gemütlichen“ Morgen im Krankenhaus für meine Untersuchungen. Danach regnet es ab und zu und wir beschließen, zur Birgitte zu gehen und dort aufzuräumen. Ich suche mein Feldbett auf, während Sebas noch ein paar Dinge aus Middelharnis braucht, und so fährt er eben noch mal hin und her. Ich merke davon nichts und schlafe die ganze Zeit gut. Als er wieder zurück ist, räumen wir zusammen noch alle Werkzeuge und den Müll zusammen, der in den letzten Tagen entstanden ist und hören früh damit auf. So können wir morgen wieder mit einer sauberen Weste beginnen. Wir kaufen noch gemeinsam ein und essen lecker zu Hause, um uns wieder zu stärken. Am Abend liegen wir schön auf dem Bett vor dem Fernseher und ruhen uns gut aus für die letzten Tage vor der Begasung. Per WhatsApp kriegen wir ein Foto von Joram, das zeigt, dass wir Schlagzeilen bekommen haben in „Groot Hellevoetsluis“. Eigentlich wussten wir schon heimlich, dass wir in die Zeitung kommen sollten, weil sie Sebas angerufen hatten wegen eines Interviews und ein Fotograf war während des Dockens da. Aber an eine Hauptseiten-Schlagzeile hatten wir nicht gedacht. Und es ist auch noch ein sehr schönes Bild. Bald werden wir noch berühmt. Scherzhaft sagen wir, dass wir Geld für ein Autogramm nehmen müssten, um Birgitte wieder schneller verschönern zu können.

 

Am Donnerstag stehen wir wieder um 8 Uhr tapfer im Dock. Adri kommt uns heute mit Jan helfen und bevor sie kommen, wollen wir eigentlich die Segel mit dem Geschrappten zur Deponie fahren, denn die werden fies und sehen auch so rot schlecht aus. So schleppen wir zusammen erst die Segel in Sebas Auto. Sebas macht sich auf den Weg zum Müllplatz und ich begebe mich an Bord, um Birgitte zu öffnen und alle Sachen für die Veränderung wieder bereitzustellen. Sehr bald ist Adri da und nach einem kurzen Rundgang geht’s wieder an die Arbeit. Sebas ist auch wieder zurück und erzählt Adri, wie er das letzte Stück geschmirgelt haben will. Adri schmeißt sich in seinen Overall und geht an die Arbeit. Jan lebt sich an seiner Perago aus, so dass selbst die Stahlteile anfangen zu glänzen. Sebas und ich kalfatern unterdessen fröhlich weiter an Backbord. Es werden immer mehr Hanflocken auf dem Rumpf. Ein gutes Zeichen, denn dann ist die Fuge klar. Während des Mittagessens kommen Menno und Rhys eben noch einmal gucken. Kurz nach dem Lunch meldet Adri, dass er mit dem Schmirgeln fertig ist. Jan muss wieder nach Hause kommen. Adri macht noch ein paar Fotos, bevor er nach Hause geht. Hierbei sehe ich, dass er Schwierigkeiten hatte, seine Kamera aufzustellen. Das ist nicht nötig, denn ein Stativ liegt normalerweise an Bord. So hole ich es für ihn und er ist sehr erstaunt. Also so ein schönes Stativ liegt in dem ganzen Gerümpel. Das habe ich von meinen lieben Mann bekommen und ich nehme es überall mit hin.

 

Inzwischen kalfatern wir fröhlich weiter. Am Ende des Tages wagen wir uns an das Kitten der ersten Fugen, die wir nicht erst mit Tape abkleben wollen, denn damit wären wir einen Tag beschäftigt. Wir sind froh, dass wir eine Kittpistole gekauft haben, die wir an einen Kompressor anschließen können, denn mit der Hand alle Fugen zu füllen, ist wirklich nicht zu bewältigen. Aber ja, es muss immer gut gekittet werden und das muss auch noch gut aussehen. So versuchen wir es einfach erst einmal. Sebas kittet und streicht ihn mit einem Spachtel glatt. Das ist nicht wirklich das erwünschte Ergebnis, weil es große schwarze Streifen neben der Fuge hinterlässt. Sebas ist meistens nicht so geduldig bei dieser Art von Arbeiten, so übernehme ich das Abstreifen. Aber dann brauchen wir dazu einen feineren Spachtel für ein kleineres Resultat. So geht Sebas zum Baumarkt und ich beginne mit dem Abendessen: Hühnchen heute Abend. Wir sind beide fast gleichzeitig bereit, essen erst einmal gut und dann geht es wieder an den Kitt. Mit dem neuen Spachtel, den Sebas geholt hat, geht das Abstreifen prima. Es geht aber langsamer als Sebas kitten kann, Aber Geduld ist eine Tugend. Zusammen sind wir ein gutes Kalfater- und Kitt-Team. Also, mit diesen Fugen wird es gut. Als wir davon überzeugt sind, räumen wir die letzten Sachen auf und gehen gutgelaunt nach Hause schlafen. Morgen kitten wir weiter.

 

Dann ist es wieder Freitag und wir waren wieder eine Woche im Dock beschäftigt. Wenn man sich Birgitte ansieht, stellt man fest, es ist viel passiert. Zuerst sollte man sich aber das Unterwasserschiff anschauen, denn darüber gibt es noch eine Menge Arbeit. Heute kommt Janneke, um die Schraube wieder schön zu machen und Jan macht mit der Perago weiter. Als er damit am Ende ist, geben wir ihm das Fugenleergerät und er kann mit dem Leeren der letzten Fugen weitermachen. Wir konzentrieren uns auf die Fugen an backbord, denn die müssen heute gekittet werden, damit unsere Hilfe diese Seite grundieren kann. Dann ist diese Seite jedenfalls gegen das Austrocknen geschützt, bevor das Begasen beginnt. Zusammen bekommen wir immer mehr Spaß beim Kitten und fangen an, Witzchen zu machen. Natürlich gehört zum Kitten auch ein kleines Häuflein zu formen( zumindest bei uns). Wir haben Plastikhandschuhe an, damit unsere Hände ein bisschen gut aussehend bleiben. Aber schnell fällt ein Stückchen Kitt auf meinen Arm und ich rufe Sebas. Er aber versteht mich nicht richtig und denkt, dass ich sage, ich wäre ein „Plaktoffer“(Opfer von klebrigen Kitt) Darüber muss er so lachen, dass er es natürlich behält. So rufen wir uns stets zu, wie es denn dem Plaktoffer geht. Und Sebas spielt mir regelmäßig Plaktofferhilfe mit einem Tüchlein Waschbenzin vor. Wobei ich zu hören bekomme, dass ich wohl in meine Plaktofferrolle krieche. So kommen wir gut durch den Tag und es werden immer mehr Fugen kalfatert. Wenn du in die Nähe der Schraube kommst, brauchst du eine Sonnenbrille, denn Janneke lässt sie wieder glänzen. Es ist schade, dass man davon später nichts mehr sieht. Vielleicht Jaap, wenn er noch mal taucht. Ach ja, wir sollten jedenfalls noch ein Foto davon machen und es genießen, so lange sie noch trocken steht.

 

Janneke geht zeitig zurück nach Hause, denn sie ist heute unser Chefkoch und der muss genug Zeit zum Kochen haben. Jan hilft ihr noch beim Einkaufen und um die Essenszeit sitzt die ganze Familie Hofman einschließlich Joram wieder im Dock. Mit einer Pasta mit einem Geheimnis, denn was riechen wir? Wir alle raten, aber keiner kommt drauf. Dann erzählt Janneke, dass sie, als sie die Sauce machte, die Brille nicht aufgesetzt hatte und statt Curry Zimt in die Pasta getan hätte. Ja, das ist ja mal wieder was Anderes. Es schmeckt gut und wir essen gemütlich alle zusammen. Aber spät wurde es nicht, denn wir müssen noch aufräumen.

 

Samstag ist der Tag der ersten großen Farbänderung, denn dann tragen wir die erste Grundierung auf. Wir finden es ein wenig schade, dass wir es nicht selber tun, denn Ferdinand, Nick und Sophie kommen heute helfen, denn das ist eine schöne Arbeit für sie. Wir machen uns wieder ans Kalfatern auf der anderen Seite, so dass auch diese, soweit wie möglich, abgeschlossen und teilweise grundiert werden kann. Da Ferdinand als erster kommt, hat er die Ehre, auch das erste Stück zu grundieren. Natürlich erst, nachdem das Segel auf dem Boden liegt und die Handschuhe angezogen sind. Sebas zeichnet noch mit Kreide an, wieweit grundiert werden kann, denn die Fugen in der Höhe der Wasserlinie sind noch nicht klar und können noch nicht gestrichen werden. Nach dem Essen seiner leckeren Croissants, die er mitgebracht hat, geht nun Ferdinand ans Werk. Wir bekommen übrigens auch noch einige Stücke Holz von ihm. Immer nett! Wir gehen wieder ans Kalfatern, aber es wird uns ein wenig fad, und wir entwickeln ein neues Markierungssystem mit Smilies. So haben wir zumindest nach jeder Fuge etwas zum Lachen. Jan macht wieder an den Fugen weiter. Als auch noch Nick und Sophie erst einmal am Werk sind, ist Backbord in Grundierung gesetzt. Sag, welch ein Unterschied in der Ansicht. Aber dann Mittagessen. Ich hole noch schnell frische Brötchen. Nach dem Mittagessen kalfatere ich noch weiter, und Sebas geht zusammen mit den anderen die Sachen von Bord zu schaffen. Bei dem Begasen muss alles, wo das Gas hinkommen kann, bedacht werden, ob an Bord oder außenbords. (denn das Gas kommt überall hin. Jetzt noch Farbdosen offen stehen zu lassen, scheint uns keine gute Idee zu sein. So machen viele Hände saubere Arbeit und so gehen sie dann von Bord. Danach ist Ende des Arbeitstags, denn Sebas geht zusammen mit Ronald zu einem Konzert und muss deshalb rechtzeitig duschen. Erst jetzt höre ich Rufe vom Ende des Docks oben „Melinda, Melinda! Gert und Shelly stehen da, alte Studienkollegen von der Segelschule Haringvliet. Die hatten in der Zeitung gelesen, womit wir uns befassten und wollten kommen, um einen kurzen Blick auf uns zu werfen. So sind wir doch echt ein bisschen berühmt. Leider haben sie nicht um ein Autogramm gebeten, so sind wir auch nicht reicher geworden.

 

Als alle weg waren, beschließe ich, noch ein Stückchen weiter zu kalfatern, so lange ich noch kann bis 5 Uhr. Ich genieße es, allein an meinem Bötchen zu arbeiten. Es ist wirklich schön mit all der Hilfe. Denn ohne sie würden wir es nie schaffen, aber ich kann es auch genießen ohne jemand um mich herum, allein an meinem Birgittchen zu arbeiten. So kalfatere ich fröhlich weiter bis viertel vor fünf. Dann habe ich keine Kraft mehr in meinen Armen. Ich überlege aber, dass wenn ich noch ein Stückchen kitte, könnten wir es morgen noch grundieren. Also habe ich noch schnell was gegessen und begebe mich auf die Suche nach der letzten Dose Kitt, die Sebas an Bord gelassen haben könnte. Es sind noch fünf und die langen meines Erachtens aus. Also, wenn alle Schläuche klar liegen und ich den Druck gut stehen habe, denn ein Schlauch leckt ein wenig,  gehe ich noch mal ran „ Plaktoffers „ zu machen. Zu meiner großen Überraschung sind meine 5 Dosen leer und noch nicht alle meine Fugen kalfatert, habe ich doch die letzten Stündchen redlich durchgearbeitet. Das Traurige ist, dass ich keine „Plaktoffershulp“ habe und sowohl kitten als auch abstreifen muss. Aber ja, ich habe es mir selbst ausgesucht und arbeite fröhlich weiter. Um 7 Uhr ist es gut und ich räume meine letzten Sachen auf. Ich tauche früh in mein Bettchen und werde um 1 Uhr wach, als Sebas nach Hause kommt nach einem gelungenen Abend. Wir wollen morgen aber etwas später anfangen als 8 Uhr.

 

Sonntag, der letzte Tag vor dem Begasen. Jan kommt morgens uns zu helfen und leert die letzten Fugen des Unterwasserschiffs und hat lecker gemachten Kuchen von Janneke mitgebracht. Wir kitten die letzten Fugen, die ich schon am Abend vorher kalfatert hatte und beschließen danach, auch steuerbords zu grundieren, aber dabei die Ränder um die Fugen nicht zu machen, weil wir das nach dem Begasen auch noch kalfatern und kitten können, das Holz aber so gut wie möglich geschützt ist. So greifen wir froh zur Rolle. Leider kommt noch eine Böe vorbei. Zum Glück ist es trocken unter dem Boot. So essen wir noch gesellig mit Jan unter dem Boot. Dann muss er auch nach Hause und ich grundiere noch weiter. Sebas macht mit dem Aufräumen für morgen weiter. Als ich fertig bin, helfe ich ihm. Es gibt doch noch viel mehr Sachen als wir dachten, die von Bord müssen. Was für ein Geschleppe, alles aus dem Dock hinauszuschaffen  und wir sind wieder richtig müde nach der kurzen Nacht und einer druckvollen Woche. Aber „Wat moet dat moet!“ So gehen wir vor. Zum Glück ist es schön warm und wir schwitzen sehr. Gut für die Linie, sollten wir aber sagen. Inzwischen ist Birgitte aber wirklich leer und Sebas Auto immer voller. So voll, dass er zweimal fahren muss. Dir kommen immer neue Ideen, denn auch in die entlegendsten Ecken oder in die Fender kann das Gas kommen und da holst du es so einfach nicht wieder raus. So müssen auch die Dinge, die für die Sicherheit des Schiffes wichtig sind, von Bord. Und dann haben wir auch noch viele Flaschen mit Reinigungsmitteln und Sprühflaschen. Kurz, wir bleiben beschäftigt. Auch die Werkstatt wird eine immer schönere Ausstellung von offenen Dosen. Du musst wirklich etwas opfern, um diese Haustiere los zu werden. Nach all der Schlepperei belohnen wir uns mit einem leckeren Kohlsalat an unserem mittlerweile vertrauten Docktischchen; aus dem Kartentisch und 2 Gestellen. Inzwischen läuft das andere Dock wieder voll und wir halten den Atem an, ob die Lenzpumpen in unserem Dock das Wasser abhalten können. Am vergangenen Montag haben wir an einer Pumpe zwei große Holzklötze gefunden, wodurch die Wasserzufuhr zu den Pumpen mangelhaft war. Die sind aber nun weg und so sollte es nun gut gehen. Aber davon muss ich mich noch überzeugen. Wir sehen ein klein wenig Wasser den Boden hochkommen, aber es steigt nicht  und wird auch allmählich weniger. Als das Wasser auf der anderen Seite des Docks hoch steht, und wir immer noch keine nassen Füße haben, sind wir zuversichtlich und gehen nach Hause. Am Abend ruft uns noch der Dockmeister Eugene an und teilt uns mit, dass alles gut gegangen ist. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Es war alles o.k. Wir sitzen inzwischen zu Hause in dem Rummel, denn die ganze Hauskammer, eine Scheune und ein Stück der Scheune von Sebas Eltern sind voll von Sachen der Birgitte. Birgitte ist so groß, dass dir alles dieses Zeug nicht so auffällt. Aber hier ist es viel. Ach, ich hoffe, dass es mir in der Gaszeit nicht langweilig wird, denn ich habe wieder etwas auszusuchen.

 

Dann ist es soweit. Es ist Montag, der 12. August, keine extremen Wetterbedingungen und es ist an der Zeit, den Holzwurm zu vernichten. Wir haben jedenfalls eine Sorge weniger. Sebas ist in der Zeit der Begasung voll beschäftigt, um freie Tage zu sparen. Also gehe ich aufgeräumt zum Dock, um die Leute von „Van Meijsel“, Begasungsspezialist, zur Schädlingsbekämpfung zu empfangen. Heute wird auch im Vordock wieder eingedockt, so dass das ganze Dockteam wieder anwesend ist. So kann ich gemeinsam mit Eugene die 3 Mann von Van Meijsel empfangen. Sie finden die Lage in Ordnung, so dass sie ihre Sachen nach unten schleppen. Es ist sehr warm im Dock und so kann ich mir den ganzen Tag verschwitzte Männer ansehen. Ziemlich verrückt für eine Veränderung, nichts zu tun und nur zuzuschauen. Ich sage den Leuten, dass sie sich nicht auf das Zelt stellen können, denn sie sind Häuser gewohnt und das ist für sie fremd. Aber dieser Herausforderung gehen sie nicht aus dem Weg. Bald wird Birgitte ein Zirkusschiff. Sie erhält einen schwarz-gelben Überzug, und es kommen Schläuche heraus, die zum Frachtwagen laufen. Durch diese Schläuche wird das Gas gemessen und eingeführt. Zusammen mit dem Gasleiter gehe ich noch einmal alle Öffnungen und Tanks im Schiff ab und wir beschließen, dass die Gasflaschen auch noch von Bord müssen. Die lege ich in mein Auto. kann sonst aber nichts tun. Jan kommt zwischendurch immer mal wieder längs, um zu filmen und Sebas halte ich mit Bildern durch WhatsApp auf dem Laufenden, denn er ist natürlich auch sehr neugierig. Das Zelt wird aus 4 Rollen aufgebaut (es gleicht einem Zirkuszelt), die sie auseinanderrollen und dann eine große Zahl Clips zur Abdichtung aufsetzen. Nachfolgend werden Feuerwehrschläuche mit Wasser gefüllt ausgelegt um zum Dockboden hin abzudichten. Dann folgt noch ein Zaun um das Schiff mit dem Zeichen „Lebensgefährlich! Nicht betreten!“ mit schwarz/gelben Bändern. Wenn es nun klar ist nach einem Tag Aufbauen, dass wir nicht mehr in die Nähe kommen müssen, kann vier Stunden das Gas eingeführt werden. Es ist ein besonderer Anblick: der Gasleiter mit Maske, der die Pressluftflasche aufdreht, die ein Stück von mir und den anderen entfernt ist, mit dem Wind auf unsere Seite. Ach, wir gehen einfach davon aus, dass sie nicht leckt. Zum Glück gibt es auch jemand zum Messen und der sagt, dass alles in Ordnung ist. Und dann heißt es lediglich, beobachten und warten. Das Bestreben ist, 60 Stunden zu begasen. Am Donnerstag wird wieder entgast und fertig. Bis dahin wird über Internet und Kamera alles im Blick behalten. Ich liefere dem Dock meine Schlüssel aus, damit sie im Fall von Kalamitäten allezeit zur Birgitte kommen können und gehe mit einem seltsamen Gefühl nach Hause. Bis Donnerstag können wir an Birgitte nichts tun, denn wir kommen nur bis an die Absperrung. Der Gasleiter ruft mich jeden Tag an, um mir zu erzählen, wie es steht, und heute (Dienstag) geht es ganz nach Plan. Die richtige Konzentration wurde ohne weitere Maßnahmen eingehalten und auf der Kamera sieht es auch gut aus. So kann ich alles schön aufräumen und unsere Arbeitssachen waschen, denn selbst wenn an Birgitte nichts getan werden kann, so kann man noch immer für Birgitte arbeiten. Aber stolz, glücklich und zufrieden sind wir sicher. Und wir wollen uns nochmals für alle Hilfe bedanken, denn ohne euere Hilfe sähe es unter dem Zelt heute noch anders aus.

Warten wir, bis wir auspacken können, dann präsentieren wir uns wieder.

 

 

 

19. Die schwarze Perle / The Black Pearl

21. August 2013

 

 

Dienstag und Mittwoch stehen vor allem im Zeichen des Wartens. Aber natürlich sitzen wir dann nicht still. Sebas ist von Montag bis Donnerstag auf der Arbeit und ich bekomme langsam das Gefühl, es auch besser zu tun. Leider gibt es für mich die Arbeit der Hausfrau, was bedeutet, dass durch das viele Arbeiten und das schnelle Verschmutzen der Arbeitssachen, diese bearbeitet werden müssen. Das Häuschen am Ufer wird wieder gemacht, die Einkäufe erledigt und die Sachen, die vor der Begasung von Bord geholt wurden, sind auszusortieren. Außerdem war es aber auch eine gute Zeit für mich auszuruhen.

 

Dann kitten wir noch ein paar Fugen auf einem Brettchen, um zu sehen, ob diese Fugen steifer geworden sind und ob man sie mit Leinöl übermalen kann. Und dann ist es schnell wieder Donnerstag. In der Zwischenzeit wurden wir immer wieder durch Jaime von Van Meijsel auf dem Laufenden gehalten, wie die Begasung fortschreitet. Schön, dass alles so gut funktioniert und die benötigte Konzentration des Gases gehalten werden kann, um das Ende der Begasung einzuhalten. Kurz, ausschließlich gute Nachricht. Das feiern wir dann Donnerstag mit Pfannekuchen mit Sebas Eltern und Joram auf ihre Einladung hin in Hellevoetsluis. Durch dieses große Projekt haben wir uns das wirklich verdient, und natürlich sagen wir zu leckeren Pfannekuchen nie nein!

 

Dann ist es endlich Donnerstag und ich stehe um halb zehn wieder im Dock, um das Auspacken unseres Schiffchens mitzumachen. Mir kommt der Gasleiter entgegen und er erzählt mir, dass die Begasung nicht besser hätte gelingen können und dass sie nun beim Entgasen seien. Das kann man sehen, denn das Zelt ist teilweise geöffnet und es hängt ein großes blaues Rohr heraus, mit dem mit Hilfe eines Ventilators Gas entweichen kann. Ich selbst darf noch nicht in das Dock, aber die drei Männer von Van Meijsel dürfen das und sind mit dem Aufräumen von Zaun und Absperrung beschäftigt. Leider ist das Wetter nicht mit uns, denn ich wurde gefragt, ob es schlimm ist, wenn das Zelt offensteht wenn es regnet. Sie versprechen mir, Birgitte so trocken zu halten wie möglich. Ich vertraue ihnen, denn ich kann nichts anderes tun. Um nicht so lange warten zu müssen, mache ich noch ein paar Einkäufe. Als ich zurückkomme, regnet es leider. Aber Van Meijsel hat sein Wort gehalten und einige von seinen Zeltplanen auf Birgitte liegen lassen, um sie trocken zu halten, bis das angesagte bessere Wetter kommen soll. Nach dem Mittagessen ist es zum Glück trocken und die Planen können abgeräumt werden. Dann wird es Zeit für das “Gasfrei“-Signal. Ich gehe zusammen mit Jaime an Bord und messe mit ihm mittels eines Messgerätes die Gaskonzentration an verschiedenen Stellen. Die ist überall Null, mit Ausnahme des Generators, den er dicht gelassen hat, um mir zu zeigen, dass das Messgerät funktioniert. Als er die Kappe öffnete, beginnt das Gerät zu piepen. Ich frage noch, ob es für uns nicht noch gefährlich ist. Aber nein! Zähneputzen sei gefährlicher, da auch dort Fluor drin sei. So bekomme ich ein Zertifikat und eine Flasche Wein und eine Karte, damit wir diese Tatsache feiern können. Leider hatten wir keine Zeit, noch länger zu verweilen, denn es beginnt wieder zu regnen. So forme ich so gut es geht ein Zelt und schließe noch Dinge, die für das Gas offenstanden. Doch es hängt ein fremder Geruch in der Luft, und ich finde es gut, alles weiter gründlich zu lüften und nach Hause zu gehen. Leider ist Sebas mit seiner Band üben, so dass wir unsere Party morgen feiern werden. Die Kalfateisen müssen noch entsprechen ihrer Stärke verschieden Farben bekommen. Leider deckt die Farbe nicht richtig und wir haben nun rote Kalfateisen mit anderer Farbe darüber. Auch ganz nett.

 

Am Freitag steht Sebas wieder zur Verfügung und wir können wieder an die Arbeit gehen. Das Team wird heute verstärkt durch Jan, Janneke , Jasper und Wendy. Genug Hände, um wieder „lecker“ an die Arbeit zu gehen. Die ist zum Glück wieder unter dem Zelt und nicht im Freien. Die harte Arbeit, die Grundierung noch rechtzeitig aufzutragen ist nicht umsonst gewesen. Aber ja, jetzt sollte in drei Wochen alles fertig sein. So werden Sebas und ich unsere Arbeit am Unterwasserschiff steuerbords  fortsetzen, damit die Fugen geschlossen werden können. Judy holt noch das letzte bisschen Wasser unter dem Boden hervor. Jan und Sebas machen Schwelllatten auf Maß für die großen Fugen in der Wasserlinie an Backbord. Eine rechte Arbeit. Jan macht auch noch kleine Holzblöcke fertig für die Stellen, an denen sie rausgefallen sind. Danach gehen Jan und Janneke an die Arbeit mit dem Leerkratzen der Fugen über der Wasserlinie, die großenteils mit einem Gemisch aus Kitt und Leinöl gefüllt sind. Wendy und Jasper können ihnen schnell dabei helfen. Gegen Mittag kommen auch noch Cees, Rebekka und Jaap zum Zugucken. Als die weg sind, sprinte ich zum Türken, denn das holzwurmfreie Boot muss natürlich gefeiert werden. Janneke hatte auch schon etwas vorgesorgt.

 

Jasper und Wendy beweisen wieder einmal, dass mit Musik jede Arbeit Spaß macht und singen fröhlich mit dem Radio mit. Allerdings fragte Jasper am Ende des Tages an, ob sie am letzten Arbeitstag statt zu schrappen lieber anstreichen könnten. Wir werden versuchen, es bei der Planung zu berücksichtigen.

 

Und dann ist es schon wieder Samstag. Für viele Leute ein großes Fest, denn es sind die Festungstage in Hellvoetsluis. Das bedeutet, es ist überall Musik und es gibt eine Braterei und viel zu tun im Dock. Den ganzen Tag über kommen und gehen die Leute, um uns zu besichtigen. Davon wirst du beinahe ein wenig verlegen. Wenn wir für jedes Foto noch Geld hätten erbitten wollen, wären wir im Nu reich und könnten Ferien machen. Wir aber veranstalten unser eigenes Fest. Über die Musik brauchten wir uns an diesem Wochenende keine Sorgen zu machen. Wir haben nämlich das Glück, dass sowohl am Samstag als auch am Sonntag von 12-17Uhr Shantychöre im Dock anwesend sind und zwischendurch spielt eine Steelband. Diese Band heißt „Get rythm“ aber wir verändern schnell den Namen…..Gegen alle Erwartung sind wir froh, wenn ein Shantychor singt. So haben wir noch am Abend im kleinen Hafencafe den Chor im Kopf.

 

Natürlich wurde, auch während die Musik spielte, hart durchgearbeitet. Jan kommt noch, Fugen zu leeren und Sebas und ich kalfatern fröhlich weiter. Das wurde vom Publikum sehr geschätzt und die Männer erklärten ihren Frauen, was wir so machten. Sebas aber nutzte jede Gelegenheit, aus dem Dock zu fliehen und besucht regelmäßig die Firma GAMMA. Wir haben auch eine Pause gemacht, als Lucie mit den Kindern zu Besuch kommt. Trotzdem sind am Ende des Tages alle Fugen kalfatert und können nun versiegelt werden. Wir tun dies am Abend in aller Ruhe (wie schön kann die Stille sein). Es ist schon eine ganze Aufgabe, die Kanten der Planken zu versiegeln und abzustreifen. So haben wir keine Zeit zum Kochen und der Türke macht wieder gute Geschäfte. Am Nachmittag machen wir noch etwas, an das wir lange noch denken werden. Das Dock ist nämlich abgesperrt mit Geländern und Ketten, damit keiner hineinkommt. Einmal, dass keiner hineinkommt und keiner auf den Stufen fallen kann. Während des Kalfaterns sehen wir einen Mann und eine Frau an diese Ketten kommen. Wir machten sie freundlich darauf aufmerksam, dass die Absperrungen ihren Sinn haben und erwarteten, dass sie umkehren. Dann erklärte uns die Frau, dass sie nicht irgendjemand sind (offenbar gelten diese Absperrungen nicht für sie). Ihr Mann hat schließlich auch ein Holzboot gehabt und kommt mal gucken, ob wir auch alles gut machen. Wir wissen immer noch nicht, warum sie gekommen sind und machen es ihnen nochmals deutlich. Der Mann bleibt noch etwas auf den Stufen sitzen, um uns zuzuschauen. Die Frau gibt früher auf und kehrt zurück. Nun, fremde Menschen lieben dich doch. Du verstehst, dass die Aussage „aber ich bin nicht irgendjemand“ an diesem Abend noch viele Male angewandt wurde.

 

Sonntagmorgen halten wir beim Frühstücken wieder Ausschau nach den gewaltigen Shantychören, die kommen. Wir beginnen heute ein Stündchen später (9Uhr), denn wir saßen am Samstag noch eine ganze Zeit zusammen und müssen noch etwas Schlaf bekommen. Um 9 Uhr geht es aber wieder fröhlich ans Kalfatern. Diesmal ist die Wasserlinie an Backbord an der Reihe. Wir versuchen, alles unter der Wasserlinie zu erledigen, damit wir uns auf das Überwasser konzentrieren können. So kalfatern wir die letzten Fugen unter Wasser und abends schließen wir sie wieder in aller Ruhe. Als unter Wasser kalfatert worden ist, betrachten wir die leeren Fugen über Wasser. Jan ist wieder weiter fortgefahren mit dem Fugenleeren. Die Fugen sind sehr groß und tief. Eigentlich nicht zu schließen mit Kalfatern und Kitten, weil dann das Kalfat durch die Fuge nach innen geschlagen wird. Eigentlich muss für jede Fuge eine Schwelllatte gemacht werden, aber das ist ein Riesenjob und wir werden vor dem 9. September nicht fertig. Deshalb sollte eine andere Lösung her: erst ein Stück Tau hineinzuschlagen und dagegen zu kalfatern. So wird an Deck ein passendes Stück gesucht und getestet. Es funktioniert perfekt. Dann folgt eine Zeit der Besinnung auf den Stufen. Was ist dagegen einzuwenden, Tauwerk in die Fuge zu schlagen. Es arbeitet nicht wie Kalfat und Holz, aber ist das schlimm? Wir beraten uns und beschließen, dass das eine prima Lösung ist, die beinahe dafür sorgt, dass wir nicht zu kalfatern brauchen und die Fuge nahezu dicht ist. Zur Sicherheit machen wir es aber trotzdem. Das nächste Problem ist, dass wir viel Tauwerk benötigen in verschiedenen Stärken, denn nicht jede Fuge ist gleich groß. Wir bedenken, was wir evtl. brauchen werden und dann macht sich Sebas auf den Weg, denn die Festungstage haben auch ihre Vorteile. Die Taumänner stehen nämlich die ganze Zeit an der Bräterei und die können uns sicher schnell helfen. Eigentlich wollen wir Hanfleine in die Fuge schlagen, weil diese dem Kalfathanf am ähnlichsten ist, ansonsten Manila. Allerdings kommt Sebas ohne etwas zurück. Er steht da, es gibt nur künstliche Hanfleinen. Wir bedenken wieder, was man dagegen einwenden könnte und können nicht viel bedenken, dann springt Sebas wieder auf sein Fiets. Er kommt zurück mit 100m 12mm Kuststoffleine. Ich bin ein bisschen rückständig in Leinen und Tauwerk und so finde ich das so in Ordnung. Andere Größen hatte er leider nicht mitgebracht, Aber als wir am Abend eine Mail schicken, fährt er am Montag direkt hin. So machen wir das. Es wird uns auch klar, dass wir bei weitem nicht genug Kalfathanf haben und bestellen den am Abend auch noch. Auch bestellen wir noch Epoxy-Harz, um die großen Unebenheiten zu füllen. An einem Abend sind wir wieder ein bisschen ärmer, aber wir haben das, was wir brauchen.

 

Am Ende des Tages kommen noch Nelleke und Ferdinand, um zusehen, wie es steht. Sie sind sehr angetan, was uns wieder eine besondere Motivation gibt durchzuhalten.

 

Am Nachmittag kann ich es nicht lassen, auch das Dock zu verlassen weg von der Musik und hin zu den Tauleuten zu gehen. Ich suche ein schönes Kördelchen, um Schlüsselanhänger herzustellen für die Dockhelfer, um mich zu bedanken. Als ich zur Kasse gehe, erkennt der Taumann mich. Vielleicht habe ich zu häufig Leinen gekauft?

 

Montag, eine neue Woche und neue Chancen. Leider beginnt die Woche nass, so dass wir nicht so viel machen können. Wir wollen eigentlich das gesamte Unterwasserschiff grundieren, weil die letzten Fugen jetzt gefüllt sind. Aber es muss trocken sein. So gehe ich in der Zwischenzeit einkaufen und Sebas macht etwas im Schiff. Nach der Rückkehr möchte ich Sebas helfen und beginne mit der Reinigung der Bilge. Nach kürzester Zeit bin ich dreckig und die Bilge nicht viel sauberer. Keine Ahnung, was da alles drin liegt, aber schnell wird deutlich, dass das nicht ein bisschen Arbeit ist. Wir hören, dass das Unwetter aufgehört hat und flitzen wieder nach draußen. Sebas markiert die Wasserlinie und ich trockne das Boot mit einem Tuch und dann gehen wir ans Grundieren.  Die nassen Stellen überschlagen wir. Während des Mittagessens scheint die Sonne und trocknet, so dass wir nach dem Lunch alles malen können. Als das geschehen ist, kommt Jan, unser Team zu verstärken, kratzt die letzten Fugen leer und entfernt ein Stück vom Decksrand. Dann kommt er an den Spiegel des Schiffs, und wir sollten nun wirklich eine Entscheidung treffen. Der Spiegel sieht sehr schlecht aus und ist größtenteils rott. Flicken geht unter den gegebenen Umständen nicht mehr. Er muss ersetzt werden. Morgen werden wir alle Spiegelplanken abreißen und bis zu den Spanten ersetzen. Um diese Nachricht ein wenig zu verarbeiten, beschließen Sebas und ich, um uns abzulenken, den Anker mit Kette sacken zu lassen. Wir haben nämlich keine Ahnung, wie lang unsere Ankerkette ist. Das wollen wir wissen. Das will aber nicht so ohne weiteres gelingen, da der Anker nicht von selbst nach unten will und von Hand durch die Ankerklüse gefiert werden muss. Wenn die Kette nicht laufen will, muss ich nach unter gehen, um zu sehen, woran es liegt. Nach einem Aufstieg über Berge von Holz komme ich an die Ankerklüse und sehe das Problem. Es gibt zwei Kettenberge und einer davon liegt an der anderen Seite eines dicken Balkens und da ziehst du die Kette nicht einfach längs. Das Ergebnis ist, dass ich die Kette unten führen muss, während Sebas sie draußen herauszieht. Nach viel Schwitzen, denn es ist nicht kalt unter dem Zelt und drinnen, liegt die Kette auf einem schönen Stapel im Dock. Wir legen sie aus und es scheint, dass wir doch ungefähr 100m Kette haben. Das wollen wir uns merken und einen Freiwilligen suchen, der die Kette wieder nach innen dreht. Zwischendurch kommt einer der Dockmänner und erzählt uns, dass er mit uns zufrieden ist. Schön, das zu hören und ein freundlicher Mann. Dass er mich Linda nennt, habe ich ihm direkt verziehen. Als er wieder weg ist, denken Sebas und ich nochmals über die Fugen über Wasser nach und was wir mit den Schrammborden, die hier längs laufen, machen sollen. Die Lösung, Sand mit dem Kitt aufzubringen, scheint nicht wirklich die Lösung des Problems zu sein, denn der Kitt ist nach beinahe einer Woche noch nicht richtig hart. Auch scheint es, dass direkt auf den Kitt zu malen, nicht gut ist, denn der Kitt bleibt dann ganz weich. Also sollten wir auf jeden Fall mit dem Übermalen warten. Ich überlege mit Sebas und gehe dann zu unserem Dockmann. Vielleicht hat schon jemand vor uns das Rad erfunden und wir brauchen es nicht aufs Neue zu tun. Er will uns gerne seine Meinung sagen und steigt mit mir trotz seiner schlechten Knie ins Dock hinunter, ganz begeistert, dass seine Meinung gefragt ist. Leider hat er auch keinen Superrat, außer, den Kitt wegzulassen, aber das hatten wir ja auch schon herausgefunden. Wohl findet er unsere Lösung mit der Leine in der Naht die beste Idee. Schön und gut, das zu hören, denn hier waren wir etwas unsicher.

 

Dienstag ist Päckchentag. Der Vorteil vieler Bestellungen ist, dass du auch viele Päckchen bekommst. Zuerst werden wir angerufen, dass der Lieferer mit dem Epoxy vor der Tür steht. So geht Sebas schnell, ihn zu holen. Als Jan mittags im Dock ankommt, erzählt er uns, dass noch ein Paket angekommen ist. So geht Sebas wieder zur Straße und ja, das ist unsere Leine. Wieder habe ich glänzende Augen, denn dieses Mal bekommen wir eine große Spule. Die hatte ich eigentlich schon immer haben wollen. Leider keine Zeit nachzusehen, denn es muss weitergearbeitet werden! So fülle ich den Tag mit dem Füllen der Fugen mit Leine. Eine zeitraubende Arbeit, aber zum Glück geht es immer schneller als herauszusuchen, welche Leine am besten passt. Die Armknochen finden es im Lauf des Tages immer schwerer, Kalfat einzuschlagen. Ich finde es insgeheim sehr gut, dass um 5 Uhr kein Lärm mehr gemacht werden darf. Sebas epoxiert die letzten Stellen unter Wasser. Morgen kommen Linda und Lotte zu Hilfe, und die wollen wir gern die folgende Lage Grundierung aufbringen lassen. Wenn das geschehen ist, kann Jan mit dem Abriss des Spiegels beginnen und dann haben wir um 5 Uhr einen offenen Spiegel. Sehr hipp, wenn du an die neuesten Entwürfe von Segelschiffen denkst. Aber ja, bevor wir ihn wieder aufbauen, muss er erst abgerissen werden. Leider bleiben die Nägel sitzen. So fahre ich noch zum Haus meiner Eltern um das große Brecheisen zu holen in der Hoffnung, dass sie damit heraus wollen. Als ich zum Dock zurückkomme haben Sebas und Jan alles aufgeräumt. Sebas und ich essen noch Nudeln im Dock und kitten dann noch die letzten Stücke. Es wurde fast normal, jeden Abend zu kitten.

 

Heute haben wir nur den Vormittag, weil ich am Nachmittag das Krankenhaus wieder aufsuchen muss. So geht bei seiner Ankunft Sebas gleich ans Schmirgeln seiner Epoxy-Reparaturen, so dass schnell mit dem Grundieren begonnen werden kann. Als Linda und Lotte um halb zehn kommen, stehen alle Malerutensilien klar und wir gehen direkt ans Werk. Zunächst malen wir zu dritt. Aber schnell kommt Sebas, nachdem er noch ein paar Leckagebretter auf Maß gemacht hat, zu Hilfe und so schaffen wir es, vor dem Lunch die komplette Unterseite zu grundieren. Beim Malen achtern müssen wir gut aufpassen und ab und zu abtauchen, denn Jan ist dabei, den letzten Teil des Spiegels abzureißen und manchmal fliegen uns die die Nägel um die Ohren. Linda wird von blond- auf schwarzhaarig verändert, weil sie unglücklicherweise unter mir die Farbe rollt. Zum Glück ist Benzol zur Hand und schnell wird sie wieder blond. Die nächste Grundierungsschicht ist schwarz und sorgt für eine große Veränderung. Wirklich ein großer Unterschied. Wir haben jetzt eine schwarze Perle.

 

 

 

20. Metamorphose Teil I / Metamorphose deel I

3. September 2013

 

 

Donnerstag: es liegt wieder ein ganzer Tag gute Arbeit vor uns und so gehen wir früh um 8 Uhr an den Start. Der Spiegel soll so schnell wie möglich wieder geschlossen werden, dafür fährt Sebas nach Middelharnis, um Holz zuzuschneiden. Jan fährt inzwischen fort, den Spiegel für das neue Holz vorzubereiten. Für Jan bauen wir dafür achtern das Gerüst mit dem Segel, so steht er schön trocken. Ich selbst muss mich mit einer Regenjacke begnügen, denn beim Kalfatern der Fugen mit Leinen ist es leider unbequem, außerhalb des Regens zu stehen. Zum Glück regnet es nur gelegentlich und nicht so stark. Während ich so richtig beschäftigt bin, sehe ich den Mann vom Dockjournal mit 2 Personen ins Dock kommen. Ich denke noch: normalerweise

kommen sie beim Rundgang durch das Dock nicht zu uns. Wie dumm. Aber bald wird alles klar. Es ist ein deutsches Filmteam  Sie machen eine Dokumentation über das Dock und würden es schön finden, dabei auch alte Handwerkstechniken zu filmen. Da ich gerade beim Kalfatern bin, fragen sie mich, ob ich damit einverstanden bin, gefilmt zu werden. Aber natürlich! Es scheint mir aber besser zu sein, wenn Sebas dabei sein kann, und so frage ich sie, ob sie vielleicht später filmen könnten, wenn Sebas wieder da ist. Sie versprechen um 1 Uhr zu kommen, damit das ok geht. Allerdings spielt das Wetter nicht mit und sie kommen in einem trockenen Moment zum Filmen. Zum Glück hatte ich meinen Kalfathanf klar stehen, denn Leinen einzuschlagen ist nicht das offizielle Verfahren und das sollte dann natürlich nicht gefilmt werden. Ich bin froh, dass ich schon einige Fuge kalfatert habe, schöne Schleifchen mache und vor allem, dass ich mir nicht auf die Finger schlage, denn das wäre ja ein Reinfall gewesen. Aber meine paar Minuten Berühmtheit gehen nach meinem Dafürhalten gut. Ich werde von allen Seiten gefilmt und fühle mich wie ein Filmstar. Zeit für mein Makeup und mein Outfit, oder mein Haar zurechtzumachen, hatte ich natürlich nicht. Ach, ich bin wirklich ein Hafenarbeiter. Der Dokumentarfilm soll in Deutschland erst im Dezember ausgestrahlt werden. Es wurde uns auch eine DVD versprochen, so gebe ich noch schnell unsere Daten mit. Wird so hoffentlich noch verfolgt.

 

Als Sebas wider zurück ist, regnet es wieder zu stark, um zu filmen. So steht Sebas’ Berühmtheit leider ein wenig zurück. Nach dem Mittagessen machen Sebas und Jan mit dem Spiegel weiter. Es muss Holz gebogen werden, um den Kielbalken wieder schön hinzukriegen. Etwas, was wir noch nie getan haben, also ein echtes Happening. Das Steigergerüst dient als Festpunkt und ich habe die Aufgabe, den Brenner zu starten und das Holz nass zu kalten. Es ist ein phantastischer Anblick, Sebas hält das Feuer, Jan löscht und biegt das Holz. Er biegt es zusammen und bald sind die Holzlatten, woraus wieder ein Kielbalken werden soll, mit Hilfe von Epoxy gebogen. Am Ende des Mittags kommen Ronald und Frits mit seiner Frau, um noch einen kleinen Blick zu nehmen. Am Abend machen wir gemeinsam mit Jan schnell die Unterseite wieder grau, denn schwarz wird in der Sonne schnell warm und das ist nicht gut für das Holz. Da es morgen wieder warm-trocken werden soll, können wir hiermit nicht zu lange warten. Während der Malerarbeiten müssen Sebas und ich wieder lachen, denn normal gesprochen ist Sebas nach Beendigung seiner Arbeit immer am Kehren, selbst beim Malen, denn er verlängert seine Rolle mit dem Besen. Ist selbstverständlich zu fotografieren.

 

Es ist Freitag und Zeit für Sebas mit dem Überwasserschiff zu beginnen. Ich bin schon wieder dabei, Leinen in die Fugen zu schlagen aber nun muss auch die Farbe runter. Wir erwarten allemal, dass dies nun eine kleine Arbeit werden wird. An den meisten Flecken ließ sich die Farbe einfach mit der Hand abziehen. So steigt mit gutem Mut Sebas mit seinem Schrapper das Gerüst hoch. Er kommt bald mühselig guckend zu mir. Es ist tatsächlich nicht einfach, stärker noch: es ist nicht zu machen. So versuchen wir andere Möglichkeiten. Bandschleifer, Hobel und einen anderen Schrapper. Aber das Einzige, das funktioniert ist ein Heißluftföhn. Aber das dauert lange. Du kannst nur ein Stückchen föhnen und dann schnell schrappen, damit die Farbe nicht mehr weich ist. Mit unserem kleinen Farbenföhn wird es jedenfalls nichts. So fährt Sebas zurück nach Middelharnis, um sich einen großen Farbföhn zu leihen. Jan arbeitet unterdessen fröhlich am Spiegel und macht die erste Anpassung in einer Planke nach Maß. Ich schlage wieder Leine in die Fugen. Am Ende des Tages kommt Janneke auf Besuch mit ihrem alten Nachbarn aus Hellevoetsluis. Ich kann meine Leinchen mal kurz ruhen lassen und trinke ein Bierchen mit. Schnell ist Sebas aus Middelharnis zurück und trinkt ebenfalls ein Bierchen mit. Dann wollen wir schnell weitermachen, denn ich will und soll heute aufhören mit dem Einschlagen des Taus an Backbord und Sebas will gern sein neues Gerät ausprobieren. Wir lassen die Nachbarn mit Jan, Janneke und Joram oben allein und gehen schnell wieder ans Werk, um nach 5 Uhr keinen Lärm mehr zu machen. Es glückt mir in der Tat, Backbord fertig zu bekommen. Das gibt ein gutes Gefühl, denn Tauwerk einschlagen in die Fuge ist viel und schwere Arbeit. Jeder Fuge ist anders und die Leine muss gut klemmen. So bleibt es ein Spielchen, die richtige Dicke des Taus einzuschlagen, oder doch wieder eine dünnere zu nehmen und dann wieder feste schlagen. Kurzum, ich bin schwer beschäftigt. Sebas Job ist auch nicht anders, denn mit diesem Farbbrenner dauert es auch lange. Das wird so noch eine Schinderei, die wir nicht erwartet hatten. Abends machen wir eine neue strenge Zeitplanung, bis zu dem Tag, an dem wir das Dock verlassen müssen. Wenn wir diesen Zeitplan einhalten können, mag es glücken, dass wir drei Lagen gelbe Leinölfarbe auftragen, dann sind wir auch über Wasser wasserdicht. Hoffen wir, dass es gelingt. Wir werden morgen jedenfalls wieder unser Bestes tun.

 

Es ist wieder Wochenende und das bedeutet im Allgemeinen, dass wir mehr Hilfe bekommen werden. Auch heute ist das der Fall. Jurgen und Tessa kommen, uns zu helfen und Jasper und Wendy. Für Jürgen und Tessa haben wir eine schöne Aufgabe aufgehoben, nämlich die Ankerkette zu markieren. Es ist nur eine Frage, ob es trocken genug bleibt, denn ab und zu gibt es ein Tröpfchen. Nach einem Rundgang und Einweisung in die Arbeit gehen sie fröhlich ans Werk. Erst messen und abkratzen, reinigen mit der Stahlbürste, mit Waschbenzin abwaschen und dann nach dem angegebenen System kennzeichnen. Ein vielseitiger Job, aber zurückgestellt für Jürgen und Tessa, die sich mit Vergnügen an die Arbeit begeben. So, von Zeit zu Zeit muss ein Kleines Zelt improvisiert werden und ein Stuhl über die Arbeit gestellt werden. Aber auch zwischen den Regenschauern kann die Arbeit getan werden. Jasper und Wendy hatten wir versprochen, dass sie heute malen können, so sorgen wir dafür, dass sie es können. Bei Ankunft decken wir schnell die Bootsseiten mit Segeln ab, damit der Unterwasserrumpf trocken bleibt. So können Jasper und Wendy die Birgitte wieder schwarz malen. Wie alle anderen Grundiermaler geben auch wir ihnen den Auftrag, die Farbe so dick wie möglich aufzutragen. Zu unserer großen Überraschung gelingt es Jasper und Wendy, was wir selbst bisher noch nicht geschafft haben, mehr als eine Dose auf das Unterwasserschiff zu streichen. Birgitte wird heute nicht ganz schwarz, sondern ein bisschen grau, denn der schwarze Primer ist leider aus. Wir fragen uns aber echt, wo sie die Farbe gelassen haben. Jedenfalls war ein Klatsch in Wendys Haar, aber schön schwarz ist ja nicht hässlich. Vielleicht finden wir den Rest später. Zwischen dem ganzen Betrieb versuchen Sebas und ich, mit unserer Arbeit durchzukommen. Sebas schrappt und ich schlage an Steuerbord Tau in die Fugen. Durch alle Geselligkeit und dem Nachsehen, ob alles nach Wunsch verläuft, geht das nicht so schnell. Aber es ist was getan worden, auch wenn wir es nicht selbst getan haben, und es ist sehr gesellig. Mit Jan haben wir keine Probleme. Der verschwindet nach Ankunft unter seiner Zeltbahn mit seiner Holzarbeit und kommt nur hervor, um etwas zu trinken, zu essen und wenn es Zeit ist, nach Hause zu gehen. Am Nachmittag kommt Janneke noch gucken und fragen, ob sie für das Essen sorgen soll. Natürlich schlagen wir das nicht ab und so essen wir am Abend köstliche frische Zucchini-Suppe. Es bleibt auch noch etwas über für den nächsten Tag. Also doppelt genießen! Wir bekommen auch die Nachricht, dass die „Novatrix“ wieder im Land ist. Genau liegen sie an einer Ankerboje bei Stellendam und wollen morgen die letzte Überfahrt zu uns wagen. Wir freuen uns, auch stolz meinen Eltern alles zu zeigen. Denn im wirklichen Leben ist alles anders als auf Skype. Aber wir müssen noch ein Nächtchen schlafen.

 

Allerdings sind die Nächte nie lang. Nicht, weil wir spät schlafen gehen, sondern weil wir viel zu müde sind, um uns in ein paar Stunden auszuruhen. Gegenwärtig stehen wir nicht mehr auf, sondern rollen uns aus dem Bett. Das ist so, weil unsere Muskeln noch nicht wollen, was wir wollen. Zum Glück werden sie im Lauf des Tages geschmeidiger. So bleiben meine Hände doch stets gefühllos durch die Tauwerkeinschlagen und ich habe bei den ersten Schlägen immer Mühe, den Hammer fest zu halten. Aber es geht immer ein bisschen besser und nach ein paar Fugen bleiben meine Hände in der Form vom Hammer stehen. Ziemlich schwierig beim Essen, aber sonst ist es einfach. Die Muskelmasse in meinen Armen nimmt auch schnell zu, so müsste es gelingen, nach dem Dock zu rudern, so hoffe ich. Auch Sebas beginnt Schwäche zu zeigen und muss morgens und abends mit Muskelsalbe eingerieben werden, damit er seinen Hals noch drehen kann. Mit einigem Unwillen geht er heute wieder ans Schrappen. Zum Glück hat er heute Gesellschaft auf dem Gerüst durch seine Mutter. Sie kommt, ihm beim Schrappen zu helfen. Sie machen es ohne Föhn, weil es doch auf den meisten Flecken ganz gut läuft. Janneke schrappt vor und Sebas macht den Rest. Jan sitzt wieder unter seinem Zelt und ich schlage zur Veränderung wieder Tauwerk ein. Kurz vor dem Mittagessen höre ich etwas hinter mir und sehe nach 5 Wochen endlich wieder bekannte Gesichter. Mama und Papa sind wieder da! Schnell steige ich von meinem Gerüst und laufe die Stufen hoch. Eben mal Knuffeln. Sebastian ist auch schnell zur Stelle und gemeinsam lassen wir unser Schiff sehen. Meine Eltern sind auch sehr beeindruckt und stolz auf all die Arbeit, die wir zwischenzeitlich geleistet haben. Sie sagen, wir hätten sie nicht mehr nötig, Nein, das ist nicht wahr, denn ausgeruhte Kräfte können wir immer brauchen. Das lassen sie sich nicht zweimal sagen und nach dem Mittagessen bleiben sie gleich hier und gehen an die Arbeit. Etwas, womit wir nicht gerechnet haben. Eigentlich hatten wir aber zum Glück einige Aufgaben für sie ausgesucht für später in der Woche, damit können sie nun schön beginnen. Marjolein beginnt mit der zweiten Markierung der Ankerkette. Wenn wir einen Zug haben, können wir die 100m Ankerkette und den Anker wieder hoch holen. Jaap geben wir auch eine Arbeitsliste, beginnend mit dem Tiefenmesser und dem Ersatz der Durchführung. Er bekommt dazu auch noch die nötige Hilfe von meiner Mutter und mir mit dem Ergebnis, dass am Ende des Tages der Tiefenmesser sitzt und die alte Durchführung raus ist. Ich selbst mache weniger als gedacht. Ich habe aber einige Momente der Freude, kann mit meinen Eltern plaudern und arbeiten ist dann wieder schön. Mein Taueinschlagen an Steuerbord ist auch fertig und das nach dem neuen Plan. So geht alles nach Plan. Janneke und Sebas kommen auch gut voran und Backbord ist dann auch gegen Abend nahezu sauber. Das geht dann doch wieder schneller als gedacht. Auch der Spiegel beginnt wieder Form zu kriegen. Ben und Merice wollen meine Eltern gerne sehen und kommen nach einem Tag am Strand zum Dock. Schnell wird beschlossen, heute Abend auf der Novatrix zu essen. Meine Mutter hat noch schöne saubere Bekleidung für uns. So können wir noch schnell duschen und dann ran an die Tafel. Es ist so gemütlich, die ganze Familie wieder beisammen zu haben. Aber wir sind müde und haben morgen eine Menge zu tun. So verabschieden wir uns nach dem Essen und verziehen uns nach Hause und in unser Bettchen. Zum Glück brauchen wir heute keine Wasserwacht zu halten, denn das Wasser kommt in das vordere Dock erst Montagmorgen früh wieder rein. so dass der Skipper seine letzte Arbeit in einem anderen Dock beenden kann.

 

Um 8 Uhr Montagmorgen stehen wir wieder parat. Teils weil dann in das andere Dock Wasser eingelassen werden soll und weil mein Vater auch um 8 Uhr da sein will, um zu helfen. Jan hat heute frei. Eine seltene Idee, denn bis heute war er nahezu jeden Tag hier. Aber er hat diesen freien Tag richtig verdient. So bleibt es in der Holzwerkstatt heute still. Jaap ist heute mit von der Partie und auch Marjolein kommt schnell. Sebas schmirgelt heute das geschrappte Überwasserschiff an Backbord, so dass Marjolein dieses am Ende des Tages mit Leinölseife abwaschen und mit rohem Leinöl streichen kann. Bis dahin verbringe ich meine Zeit teils mit den ersten Fugen des Überwasserschiffs, teils helfe ich meinem Vater zusammen mit meiner Mutter beim Platzieren der neuen Durchführungen. Als sie sitzen, trinken wir Kaffee, der durch Cola ersetzt wird, weil wir alle keinen Kaffee trinken. Wir essen einen Apfelflap und Jan und ich gehen auf Einkaufstour. Wenn Jaap seine Arbeitsliste abarbeiten will, hat er noch einige Dinge nötig. Er hat seine Wunschliste am Vortag abgegeben und so können wir loslegen. Also erst einmal zum Häuschen meiner Eltern, um zu schauen, was noch vorrätig ist. Auch die Verlängerung des Ruderblatts steht auf Jaaps Liste und dafür sind Stahlbleche nötig. Wir hoffen, dass diese noch auf Lager sind. Leider ist das nicht der Fall und so müssen wir sie von woanders herbeizaubern. Wir begeben uns auf eine Alteisendeponie im Industriegebiet von Stellendam und mit einer Genehmigung suchen wir hier. Wir finden, was wir suchen (und ein wenig mehr) und legen es in unser Auto. Wir können es mitnehmen. Siehe, das ist noch ein fröhliches Einkaufen. Leider müssen wir aber doch in den folgenden Läden zahlen. Nachdem wir aber einige Läden abgearbeitet haben und leider eine ganze Zeit dafür aufwendeten, haben wir unsere Einkaufsliste komplett und kehren mit einem leckeren Fischchen Richtung Birgitte zurück. Nach einem späten Mittagessen gehen wir schnell wieder an die Arbeit. Aus dem anderen Dock fährt zu dieser Zeit ein Fischkutter raus. Es scheint, dass dieses Dock noch einmal leer gepumpt werden muss wegen einer leckenden Niete. Das aber wird jetzt gemacht, damit er noch heute das Dock verlassen kann. Zum Ende des Mittags übernehme ich das Leinölerwärmen auf 60° von meiner Mutter, damit sie jetzt für uns das Essen an Bord der Novatrix (liegt in der Festung Hellevoetsluis) vorbereiten kann. Jaap setzt inzwischen die Absperrhähne und den neuen Schlauch auf die neugeplanten Durchführungen, damit er wieder etwas aus seiner Liste streichen kann. Als Marjolein mit dem Essen zurückkommt, bin ich noch nicht ganz fertig mit dem Leinölstreichen an Backbord, aber wir lassen das Essen natürlich nicht kalt werden. Wir schmausen unser Tartar mit Kartoffeln und Salat. Nach dem Essen gucken Jaap, Sebas und ich nach. wie das neue Ruder werden soll und Marjolein macht mit dem rohen Leinöl weiter. So können wir alle heute noch ein bisschen früher nach Hause. Noch kurz vor dem Essen kommen Jan, Janneke und Annemieken mit Freund zu Besuch. Auch sie konnten es nicht lassen, gucken zu kommen, wo sie nun schon einmal in unserer Nähe waren. Wir bekommen von Ihnen einen Blumenstrauß, den wir in unserem Häuschen schnell ins Wasser stellen.

 

Und dann ist es Dienstag, der Tag, an dem Dick und Patrick und Samara außer meinen Eltern und Jan helfen kommen. So ist richtig Druck im Dock. Darüber hinaus ist es aber noch ein besonderer Tag, weil der alte frühere Eigner auf Besuch kommt. Mit diesem Ehepaar sind wir über den Blog in Kontakt gekommen und wir freuen uns darauf, mit ihnen persönlich zusammenzutreffen. Aber zuerst muss wie üblich gearbeitet werden Sebas geht mit Dick nach steuerbord schrappen. Samara und Patrick gehen nach einer kurzen Rundführung an die Arbeit mit neuem grauen Primer. Nach dem Mittagessen kommt auch Ferdinand ihnen zu Hilfe. Marjolein grundiert den Beschlag des Wasserstags zum zweiten Mal schwedisch-rot und hilft für den Rest Jaap bei der Verlängerung des Ruderblatts und dem Platzieren der Zinkanoden an den Durchbrüchen. Ich kalfatere backbords fröhlich von hinten nach vorn und komme an der Stütze an. Am Ende des Tages habe ich wirklich keine Kraft mehr und Jaap macht noch ein kleines Stückchen weiter. Ihn erfüllt es mit Vergnügen, Schlingen von Kalfat zu machen, nur schade, dass es später noch eingeschlagen werden muss. Gegen drei Uhr kommt Janneke, die harte Arbeit mit einem leckeren Eis zu belohnen. Das gilt für alle. Während des Eises erzählen wir in allen Einzelheiten und Farben unseres Zusammentreffens mit dem alten Eigner. Als ich nämlich nach dem Mittagessen raufklettere um zum WC zu gehen und dann wieder zurückkomme steht ein älteres Ehepaar am Zaun und sieht mich erwartungsvoll an. Es gibt immer viele Menschen, die neugierig sind auf unser Schiff und uns, aber die gucken meistens nicht so. Als ich den beiden näher komme, sagt der Mann: Melinda, bist du es? Ich bin sicher, das sind Reiner und Helga. Einer von vier Eignern der alten Chartereigner der Birgitte. Wie schön ist es doch, mit diesen Leuten zusammenzutreffen. Gemeinsam mit ihnen steige ich ins Dock ab und rufe Sebas. Reiner und Helga leuchten die Augen. Sie sind wirklich glücklich, Birgitte wiederzusehen und freuen sich, begeisterte neue Eigner zu treffen. Wir zeigen ihnen das Schiff, wir lassen Reiner auch unter Deck sehen, Helga bleibt lieber unten draußen. Drinnen müssen wir noch ein Foto machen für seine Freunde und unsere Truppe. Er erzählt uns auf Englisch viel über das Boot. Aber er bricht seine Geschichte ab, denn wir beschließen, uns an diesem Abend in ihrem Hotel zu treffen und zu reden. Sie wollen uns nämlich während der Arbeit nicht stören. Nach diesem ersten Treffen freuen wir uns sehr auf diesen Abend. Wir können sicher sehr viel erfahren über die Geschichte der Birgitte und besonders, wie sie fährt etc. etwas, was wir seit langem neugierig sind zu hören und nicht erwarten konnten, nochmals zu lernen. Am Ende der Arbeit nehmen wir schnell Abschied von Samara und Patrick, die sehr gute Arbeit verrichtet haben und essen gemeinsam mit Dick, der bei Jan und Janneke schläft. Nach Duschen und Umziehen sind wir zu unserem Abenteuer bereit und melden uns um 8 Uhr im Cape Helius Hotel. Da erwarten uns Reiner und Helga bereits im Restaurant. Zuerst geben sie uns die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wir hatten uns auch schon eine Liste mit Fragen vorbereitet. Ein paar Dinge, wie z.B. die Platte am Unterwasserschiff. Die wir schon mittags gefragt hatten, (wahrscheinlich Dieptemeter, aber er war nicht mehr sicher) aber es blieb genug über. Wie, ob es noch eine Zeichnung des Schiffes gibt. Zu meiner großen Freude besitzt Reiner eine und die will er uns schicken. Wir fragen die nötigen Dinge über die Segeleigenschaften. Acht Knoten müssen zu erreichen sein, Das Rahsegel ist ein wichtiges Segel, auf das vorderste Segel kann verzichtet werden und zum Heißen des Großsegels sind mindestens 3 Mann nötig. Für die Winch müssen wir also noch ernsthaft sparen. Danach finden wir heraus, dass Birgitte alle zwei Jahre für eine schnelle Wartung für 2 Wochen nach Dänemark fuhr, wobei sie nachkalfatert wurde. Der Großmast wurde einmal überbord gesegelt. Es wurden viele Meilen mit Birgitte gefahren. Mehr über die Geschichte soll später folgen, denn Reiner will mit Freude ein Stückchen darüber für unseren Blog schreiben. Es wurde immer Geld damit verdient. So halten wir mit ihnen Kontakt. Mit diesem Versprechen schließen wir diesen herrlichen Abend. Ein Abend, den wir nie mehr vergessen werden!

 

 

 

21. Metamorphose Teil II / Metamorphose deel II

11. September 2013

 

 

Und dann ist es wieder Mittwoch, der 28. August. Trotz des angenehmen Abends davor, ist heute wieder ein normaler Arbeitstag, an dem schwer gearbeitet werden muss Es dauert nämlich nur noch anderthalb Wochen, bis Birgitte das Dock verlassen muss.

 

Zum Glück müssen wir heute auch nicht allein arbeiten. Früh standen Jan, Dick und Jaap im Dock, um an die Arbeit zu gehen. Jan verschwindet an seinem Arbeitsplatz. Jaap versetzt die Original-Anoden, so dass sie eine bessere Verbindung zu den edleren Metallen herstellen konnten und damit nützlicher wurden. Wenn die Anode nicht versetzt werden konnte, stellte Jaap eine Verbindung mit einem Leiter her. Auf diese Art wurden sie, obwohl wir ein Holzschiff haben, wirksam. Danach befestigt er den Wasserstagbeschlag mit Eisenstiften durch und durch, und wir wissen nun, dass er gut fest ist. Über den Winkel der Wasserstagbefestigung gibt es noch eine Diskussion, aber nun sitzt er fest und man gewöhnt sich daran. Auch befestigt Jaap noch Anoden an den Durchführungen, dass sie unter Wasser durch einen Taucher befestigt werden konnten. Diese Anoden sind durch und durch mit Bolzen befestigt, so dass wir sie innen mit den Durchführungen verbinden konnten. Wir dürfen es Dick heute nicht antun zu schrappen und lassen ihn deshalb antifoulen. Wobei ihm Marjolein später zu Hilfe kommt. Allerdings bekommen wir zu hören, es sei nicht so schlimm, denn das Antifouling sei sirupartig sämig. Nun ist es heute wieder ein sehr heißer Tag und es wurde an der Sonnenseite begonnen in der Hoffnung, dass wir schnell vorankommen, damit Sebas an der Ecke schmirgeln kann. Leider ist das Antifouling schwierig und Sebas kommt nicht mehr zum Schmirgeln. Es ist ein cooler Anblick, das Unterwasserschiff in rot. Nun ist es nach unserer Ansicht wieder ein echtes Schiff. Am Ende des Mittags kommt Janneke wieder auf einen kleinen Blick. Als sie sieht, wie die Antifouler sich bemühen, zieht sie den Overall an und arbeitet mit.

Dann wird uns gesagt, dass die beiden Dosen, die wir für die erste Schicht (entlang 10L) aufgebraucht sind und das Unterwasserschiff noch nicht komplett angestrichen ist. Wir entscheiden, es dabei zu belassen und keine neue Dose zu öffnen. Die zweite und letzte Schicht Antifouling beginnen wir gewöhnlich auf dem nicht bestrichenen Teil und danach erst noch einmal entlang der Wasserlinie. Dahin kommt nämlich das meiste Sonnenlicht und die Gefahr ist hier am größten. Tief unter Wasser am Kielbalken ist sie geringer und die dicke Lage Antifouling daher nicht so erforderlich.

 

Für die Veränderung bin ich zwischen allem weiter beim Kalfatern. Es scheint kein Ende zu nehmen mit allem Druck um mich herum, auf alles ein Auge zu haben auf alle Hilfen  und Arbeiten und der Druck des Vortags ist mir rund um die Mittagszeit zu viel. Ich schwächelte etwas. Mein Vater bemerkte das und half mir ein wenig wieder auf. Ich darf vor allem nicht vergessen, was alles passiert ist und das ist wahr. Das Unterwasserschiff ist mit Antifouling sicher so gut wie klar. Sebas schrappt mit Jan noch den letzten Rest Überwasserschiff und dann ist das auch kahl. So nehme ich allen meinen Mut und Kraft zusammen und kalfatere „fröhlich“ weiter. Einmal müssen doch die Fugen dicht sein. Nach einer Stunde kommt mein Vater und erzählt mir, dass er morgen noch einmal einen Extratag kommen und mit mir kalfatern will. Nun, das gibt wieder Mut und dann gehr es auch ein wenig schneller.

 

Es ist heute, dass Jan und Sebas fertig sind mit dem Schrappen und ein Höhepunkt erreicht ist. Der Spiegel ist zusammengesetzt und verleimt. So ist er wieder dicht! Das ist ein Festchen wert und als meine Eltern mit Dick nach Hause gefahren sind, essen wir gemeinsam mit Jan und Janneke ein Frittchen, um es zu feiern. Während Jan und Janneke diese holen, bleiben Sebas und ich im Dock, um wieder zu uns zu kommen. Das machen wir mit einem großen Aufräumen. Was ein aufgeräumtes Schiff doch für einen aufgeräumten Geist ergibt. Und an Deck ist es nun ein richtiges Chaos, weil jeder nach getaner Arbeit sich aller seiner Klamotten entledigt. Ganz nett, aber nicht organisiert. So gehen wir wieder wie jeck an das Aufräumen mit dem Ergebnis, als Jan und Janneke mit dem Essen wieder zurück waren, wir wieder ein Stück Deck sehen konnten und mein Kopf auch wieder ein Stück organisierter war. Nach dem Essen haben wir den Job beendet, damit wir morgen wieder mit sauberer Weste beginnen können. Um noch was Lustiges zu machen, machen wir mit einem Pahlstek neue Leinen an die Fender. Es kann natürlich nicht sein, dass wir bald ein schönes Schiff haben, an dem allerlei schmutzige Leinen hängen. Idealerweise sollten wir sie an den Fender spleißen, aber dazu hatten wir keine Energie mehr. Vielleicht haben wir später Zeit. Jetzt gehen wir erst einmal nach Hause, um dort lecker zusammen zu schlafen.

 

Am Donnerstag bin ich wieder voll Energie, denn heute werden wir wieder Kalfatmeter schaffen. Meine Hoffnung ist, dass Backbord fertig wird und an Steuerbord begonnen werden kann. Ich bin nämlich an Backbord schon an der Mitte vorbei. Von achtern nach vorn ist es ein ganzes Stück höher und das ergab mehr Fugen.

 

Auf Sebas Plan stand, an Steuerbord schmirgeln zu gehen. Als er hiermit beschäftigt ist, kommt er mit einem betrübten Gesicht zu uns. Die Schleifscheibe ist leider warmgelaufen, wodurch das Klettband verschwunden ist und das Schleifpapier nicht mehr haftet, was das Schleifen schwierig, wenn nicht unmöglich macht. Leider ist für die andere Schleifmaschine das Ersatzteil noch nicht geliefert. Sebas muss wieder los für eine neue Schleifscheibe für diese Maschine. Die Fäuste ballen, aber so ist es und nicht anders. Es ist sogar mehr nötig als die Fäuste zu ballen als es scheint, da das Ersatzteil von der anderen Maschine noch gar nicht bestellt wurde durch falsche Aufnahme des Personals beim Gerätegeschäft Moree in Hellevoetsluis .Dahin gehen wir nicht mehr, denn wir haben extra noch angerufen und er hat gesagt, dass das Teil seit 2 Tagen vorhanden ist. Sehr knapp, wenn sie noch nicht einmal bestellt haben.

 

Mit meinem Vater zusammen schaffte ich an diesem Tag viele Meter. Wir sind ein gutes Team. Ich schlage das Kalfat in Schleifen ein und mein Vater schlägt es hinein und danach noch einmal an. So habe ich endlich einen freien erholsamen Tag und ich hoffe, dass ich meine Muskeln nicht so auf die Probe stellen muss. Mein Vater bekommt während des Tages immer mehr Respekt vor dem, was ich in den vergangenen Tagen getan habe. Denn es ist tatsächlich sehr schwer. Und so kalfatern wir weiter mit Ohrenschützern, was die Unterhaltung schwierig macht. Denn am Ende des Tages sind wir an Backbord klar und an Steuerbord auch bis auf Stück an der Seitenkante. Schau, das gibt neuen Mut zum Kalfatern. So geht es noch gut mit der Planung. Denn gemäß Planung muss noch in dieser Woche die Kalfatarbeit fertig sein und danach sah es gestern noch nicht aus. Leider kann ich durch diesen Druck nicht zum Abhören bei Sander sein, aber ich denke an ihn und sende ihm schnell noch eine kurz SMS. Am Abend sehe ich via Facebook, dass er es gut gemacht hat.

 

Sebas arbeitet an Steuerbord mit neuer Schleifscheibe. Am Nachmittag kommt Jan, um den Spiegel zu schleifen und es wurde richtig rund. Zwischen all dem wurde ich noch vom Dockjournal interviewt. Ich gewöhne mich bald an unsere Bekanntheit. Vielleicht sollte ich wirklich einmal eine schöne Unterschrift üben.

 

Nach einem erfolgreichen Arbeitstag essen Sebas und ich Krautsalat im Dock und beschließen eben noch einmal durchzugehen. Ich wasche Steuerbord mit Leinölseife (nachdem ich den Schleifstaub durch den Kompressor entfernt habe und Sebas geht raus um die größeren Risse im Überwasserschiff mit Epoxyharz zu füllen. Gegen Abend Ist es für heute wieder schön geworden,

 

Dann ist auch schon wieder Freitag, ein Tag, an dem viele Enden in Sicht kommen. Jan stellt vor dem Mittagessen den Spiegel fertig. Dadurch kann ich durchkalfatern und am Ende des Tages ist Steuerbord dicht. Nun brauche ich nur noch an Backbord den Anschluss zum Spiegel und den restlichen Spiegel zu dichten. Juchhee, das Ende ist in Sicht. Als Jan mit dem Spiegel fertig ist, macht er noch mit dem Multitool die Nagellöcher über der Wasserlinie sauber, damit Sebas sie grundieren kann. Das sind aber viele und die Polyestergrundierung, die wir dafür gekauft hatten, geht dahin. Einen neuen Auftrag werden wir uns nicht ersparen können und das wird ein teurer Spaß.

Wir beschließen deshalb, den ersten halben Meter über der Wasserlinie mit der teuren Grundierung zu behandeln und für den Rest billigere Grundierung im Baumarkt zu kaufen. Die oberen Gänge müssen trotzdem später ersetzt werden, das können wir dann aber leicht machen. Wir wollen sie jetzt nur sauber und dicht haben. Und so wird hart grundiert. Am Ende des Mittags hilft Sebas auch noch mit. Als ich um 5 Uhr keinen Lärm mehr machen darf und deshalb nicht mehr kalfatern kann, beginne ich, Tauwerk für die Fender zu spleißen, denn es liegt mir nicht, zu grundieren, und wenn ich eine Auswahl habe, mache ich das, denn die Hälfte der Grundierung liegt bei mir nicht in den Löchern, sondern auf dem Dockboden. Diese lästige Pflicht überlasse ich gern den geübten Männern und lerne es später sicher einmal. Als die Männer fertig sind, sind drei Fender gespleißt, und ich gehe ans Essen. Von meiner Mutter hatte ich tags zuvor Hähnchen bekommen, die nur ins kochende Wasser brauchen, oder warm gemacht zu werden, und mit Kartoffelsalat haben wir wieder eine richtige Mahlzeit. Oder wie wir es nennen Dock (g) food. Bei alledem bekommen wir noch das Dockjournal zu lesen. Wir machen noch ein paar kleine Korrekturen, (aber übersehen die Kiste mit dem ipv-Kitt.)

 

Für unseren Wechsel feiern wir an diesem Wochenende das Wochenende im Dock. Was anders ist, da heute keine Hilfstruppen außer Jan anwesend sind. Normalerweise kommen eigentlich samstags viele Leute zu Hilfe. Es spielt keine Rolle, denn wir sind im Zeitplan, aber wir müssen uns noch daran gewöhnen und sei es nur, dass ich keine Tüten mit Wochenendbollen zum Lunch holen muss.

Seit gestern scheint es, dass Birgitte die Masern hat, aber so sieht sie eigentlich nicht aus. Sebas geht nach Ankunft schnell mit dem Schmirgeln an die Arbeit. Ich beginne in guter Stimmung, weil ich hoffentlich die letzten Tage kalfatern muss. Wer hätte das jemals geglaubt, dass das noch jemals passieren würde. Ich beinahe nicht mehr, denn ich habe nachgesucht und am 6. August haben wir mit dem Kalfatern begonnen und außer dem Begasen habe ich nicht mehr damit aufgehört. Nun ist es der 31. 8. und ich habe seither nicht mehr damit aufgehört. Es scheint, dass meine Hände und Arme es besonders heute zeigen wollen. Denn ich kann meinen Hammer eigentlich nicht mehr festhalten und die letzten Schläge verursachen echte Schmerzen. Aber um 4.15 Uhr ist der Moment, wo die letzte Fuge kalfatert ist! Natürlich war die letzte Fuge auch gleich die schwierigste, weil sie so breit war und ich habe eine besonders schöne Kalfatflechte dafür gemacht. Aber dicht muss sie werden. Zum Glück stand ich auf dem Gerüst, sonst hätte ich ein Loch in die Luft gesprungen. Sebas hat inzwischen das Überwasserschiff geschmirgelt. Eine Verbesserung, aber das ganze Überwasserschiff ist wieder staubig und muss deshalb abgewaschen werden. So kann ich nicht ein Fest feiern und so gehe ich an die Arbeit mit einem nassen Tuch. Wobei ich erst noch alles mit dem Kompressor abblase, um den ärgsten Staub zu entfernen. Unterdessen komme ich schön glänzende Wantpüttings zu sehen, denn die hatte Jan heute mit der Perago sauber gemacht, so dass wir diese auch malen können. Ihr Zustand gefällt uns allerdings nicht, denn zwei sind stellenweise sehr dünn. So müssen sie ersetzt werden oder ein Stück aufgeschweißt werden. Die Masten sind aber noch nicht da und so können wir die Arbeit etwas zurückstellen. Während ich sauber mache, räumt Sebas auf und holt eine türkische Pizza. Als er zurückkommt, bin ich fast mit der Reinigung fertig. Nach dem Essen mache ich schnell und wir gehen wieder froh nach Hause, so dass ich noch den ersten Teil von dieser Metamorphose für den Blog schreiben kann.

 

Das Kittabenteuer beginnt wieder am Sonntag, denn es ist schön, dass alle Fugen kalfatert sind, aber jetzt müssen sie alle noch gekittet werden, wobei das Kitten möglicherweise nicht die meiste Arbeit ist, das Abstreichen dieser Kittnähte aber sehr wohl. Taping (Abkleben der Fugen) der Fugen ist keine echte Option. Wir wollen auch den Kitt tief in die Fugen drücken, damit die Fender nicht den Kitt aus den Fugen ziehen. Aber ja, auch diese Arbeit muss wie gewohnt getan werden. So werden Sebas und ich das Beste daraus machen. Das beginnt mit der Suche nach dem besten Werkzeug zum Abstreifen der Fugen. Wir haben bei GAMMA Fugen“spijkers“ geholt. Aber das funktioniert nicht richtig und ich finde heraus, dass die Rückseite des kleinen Löffelchens des Wegwerfbestecks ideal sind für die große Abstreifarbeit und was dann noch überbleibt, kann entfernt werden mit der Hinterkante eines Messers oder einer Gabel. Es ist allemal ein Stück Arbeit und Sebas kann viel stärker kitten und muss oft stoppen. Darüber hinaus ist es keine schöne Arbeit. Als aber meine Eltern ankamen und meine Mutter vorschlägt, mir zu helfen, will ich es ihr zuerst nicht antun, aber dann ist es doch fein, es gemeinsam zu machen und es geht zumindest schneller. Denn heute steht das ganze Überwasserschiff auf dem Programm und Abstreifen ist für mich allein viel Arbeit.

 

Heute haben wir auch einen Interessenten für die Siquieres, denn auch der Verkauf unseres anderen Segelbootes geht dem Dock vor. Aber wir hatten keine Zeit, sie sauber zu machen. Freundlich erklärt Jan sich bereit, das heute Morgen noch zu tun, damit wir ein gut aussehendes Boot mittags sehen lassen können. Als er nach dem Mittagessen zurück kommt, macht er noch den Bugbeschlag passend.

 

Auch Jaap ist heute mit von der Partie, die den Anker wieder hoch holen will. Eine Arbeit, gegen die wir alle sind, seit wir den Anker fallengelassen haben. Also sagten wir mit vollem Herzen zu. Zuerst hören wir eine großes Poltern an Deck und dann erzählte Jaap, dass er die Ankerwinsch noch in Ordnung gebracht habe und wir sehen die Kette langsam nach oben kommen. Es dauerte eine ganze Weile und Jaap kommt wieder nach unten mit einem verschwitzten Gesicht, aber 100m Kette liegen wieder wohl verteilt im Kettenkasten und der Anker hängt wieder am Bug. In dieser Hinsicht können wir wieder fahren. Wir sind jedenfalls froh, dass wir bei allen Abenteuern nicht auch noch den Anker hoch holen müssen. Danach macht sich Jaap an die Entfernung des Polyurethanschaums, innen, der dazu gedacht war, einem zweiten Sinken zuvorzukommen. Wie er das machen sollte, ist allerdings ein Rätsel, weil es von innen aus gemacht wurde und das Licht wieder nach innen scheint. Aber jetzt, nachdem alle Fugen gefüllt sind, muss er weg, damit es dahinter nicht faulen kann. Auch sieht er ein wenig nach Schmiernippeln aus, aus denen das Fett ausläuft.

 

Während Sebas versucht, das andere Boot zu verkaufen, kommt Ed van der Kooi, der Tauwerksmann, sein Geld holen und um Birgitte zu bewundern. Auch das andere Dock läuft nun wieder voll Wasser. Um halb fünf gehen die Hilfstruppen nach Hause und ich fahre alleine mit dem Abstreifen des Kitts fort, bis Sebas zu meiner Gesellschaft zurückkommt. Gemeinsam essen wir ein gemütlich ein Knackwürstchen mit Brötchen, von Sebas zubereitet. Als es um 9 Uhr allmählich zu dämmern beginnt, ist endlich alles fertig. Soll morgen dann der große Tag kommen? Die wahre Metamorphose?

 

Eine neue Woche, neue Chancen und große Ereignisse. Heute geschieht es, wir gehen ans gelb Malen!. Wir sind auch mit viel Energie bereit, ans Werk zu gehen. Leider müssen erst noch ein paar andere Dinge geschehen. Der letzte Punkt: Bugbeschlag muss nämlich noch gesäubert werden. So klettert Sebas ganz hoch auf dem Gerüst und auch der Spiegel an Steuerbord muss noch ins rohe Leinöl. Daran beginne ich. Weil wir diese Woche nur noch zu malen haben, können wir unseren Hilfstruppen frei geben. So sind wir zusammen und beginnen zu fühlen, dass dies unser Dock ist. Es ist ein seltsamer Gedanke, dass wir in einer Woche hier wieder weg müssen. Es ist echt hier unser Zuhause geworden. Als Sebas mit dem Bugbeschlag fertig ist, fangen wir mit der Vorbereitung der Leinölfarbe an. Wir mischen die Leinölfarbe mit 15% Zinkoxydweiß, das gegen Schimmel helfen muss. Daneben mischen wir es noch, um eine schnelle Trocknung zu erreichen. Zum Glück ist es heute trocken, ein bisschen windig und um die 20 Grad. Um es schön zu machen, könnte es noch ein wenig wärmer sein, damit die Farbe noch schneller trocknet. Bezüglich des Wetters haben wir keinen Grund zur Klage. Nachdem wir den Stabmixer herausgeholt haben, sind die Knubbeln entfernt und die Farbe ist fertig gemixt. Ich bekomme von Sebas die Ehre, den ersten Farbstreifen gelbes Leinöl zu setzen. Es mag übertrieben klingen, aber es ist ein völlig anderer Anblick. Sebas filmt den Moment und geht dann schnell an das Leinöl an Steuerbord, damit er mir möglichst schnell beim gelb Malen helfen kann. Denn das ist viel spaßiger. Gegen 11 Uhr kommt er mir zu Hilfe. Ich bin an Backbord aber noch nicht so weit, und Sebas merkt auch, dass es nicht so schnell geht. Die Farbe muss nämlich für das beste Resultat mit einem Pinsel aus chinesischen Borsten, den man lange suchen muss, gestrichen werden. Wobei man möglichst dünn streichen muss und der Quast gut leer gestrichen werden soll. Dabei versuchen wir, die Kittfugen möglichst wenig zu berühren, damit der Kitt noch etwas länger trocknen kann und wir später eine Lage Leinöl darüber streichen können. Aber bald müssen wir unsere Finger verbinden, denn es scheint, dass wir Blasen bekommen vom Malen und wir müssen hiernach noch zwei Lagen auftragen! So, das wäre nicht so gut. Gemeinsam lässt sich aber vieles besser ertragen. Noch vor dem Abendessen streicht Sebas noch das letzte Stück gelb. Beim Genuss eines Chicken genießen wir heute Abend unsere neue Ansicht. Was für einen Unterschied macht das Gelb. Zum Glück finden wir es beide schön. Es heißt aber immer abwarten, wie sich die Farbe herausstellt. Durch das Gelb scheint sie noch viel größer. Schwarz war zwar immer ihre Garderobe, aber wenn du auf der Docktreppe sitzt, ist sie wirklich ein Koloss, der da steht. Aber sehr cool!

 

Als wir alles aufgeräumt haben, kommen Paul und Yvonne (the „Ocean“-people”) mit Sivy und Jules längs, um unseren Stolz zu bewundern. Sie haben bisher noch keine Gelegenheit gehabt, Birgitte zu sehen und wir finden es deswegen besonders schön, dass wir ihnen stolz die gelbe Birgitte zeigen können. Voll Stolz machen wir wieder unsere Führung und erzählen die meisten Geschichten. ES ist sehr schön, mal wieder zu schwatzen und zu zeigen, was wir schon so lange vorhaben. Als Geschenkchen bekommen wir noch den Ocean-people-Wimpel. Den finden wir sehr schön und sobald die Masten wieder stehen, werden wir ihn aufziehen, fürs erste legen wir ihn sorgfältig ab.

 

Als wir im Dunklen aus dem Dock klettern, haben wir wieder Nachbarn im Dock. Ein Torpedotransporter, der heute als Scoutingboot dient und seine Beiboot „Suf“ sind heute im Dock angekommen. Wir haben nun in unserer letzten Woche etwas, um nachzusehen, wie wir wieder aus dem Dock herauskommen.

 

Als ich morgens wach werde, verpacke ich meine Hände, denn wir hoffen heute, die zweite gelbe Lage auftragen zu können, wenn die erste trocken ist. Leider muss ich morgens erst noch zum Arzt nach Rotterdam und muss Sebas allein zum Dock gehen lassen. Aber ich werde nachkommen, sobald möglich. Als ich beim Arzt angekommen bin, rufe ich Sebas an, um zu erfahren, ob er schon beim Malen ist. Und ja, ich höre, dass er schon mit der zweiten Lage begonnen hat und dass es diesmal besser und schneller geht als gestern. So fahre ich so schnell wie möglich zum Dock, um ihm zu helfen und unterwegs hole ich noch schnell ein Puddingbrötchen, um unseren gelben Rumpf zu feiern. (eine gute Ausrede?) Wenn wir zusammen malen, geht es schnell und wir sind um halb vier fertig. Da wir auch keinen Staub mehr machen, sind wir schnell fertig. Zwischendurch kommt Jan natürlich auch noch gucken, denn auch er muss ein wenig Abschied nehmen vom Dockleben und ist neugierig nach der gelben Birgitte. (gestern war er auch schon da).

 

Wir sehen Eugene, den Hafenmeister, zu Fuß, und wollen ihm eben noch einen schönen Urlaub wünschen. Er wird nämlich beim Ausdocken nicht dabei sein, was wir im Stillen schade finden. Wir finden Eugene drinnen mit dem Dockdirektor und machen eine gesellige Unterhaltung, wobei wir auch unseren Dockplan bekommen. Schön für unser Archiv. Dann gehen wir zur Abwechslung sehr zeitig nach Hause. Damit haben wir noch Zeit, Einkäufe zu machen und das Häuschen ein bisschen aufzuräumen. Auch haben wir einmal Zeit, richtig zu kochen und eine leckere Pasta mit Spinat zu essen, um wieder groß und stark zu werden. Popeye, der Seemann….

 

Dann ist es schon wieder Mittwoch, Zeit für die letzte gelbe Schicht. Wir sind erstaunt über das Deckungsvermögen der Leinölfarbe, denn wir brauchen nur 1,5 l für eine Lage des kompletten Überwasserschiffs. Bizarr wenig im Vergleich zur Grundierung des Unterwasserschiffs, wo gewöhnlich 20 l je Schicht erforderlich waren. Aber du brauchst beim Leinöl keine Schichtdicke aufzubauen und es bleibt eine Frage des guten Ausstreichens. Die dritte Schicht geht wirklich schnell. Du kannst aber erkennen, dass drei Schichten nötig sind. Die Farbe beginnt nun hell zu glänzen und die Grundierungsflecken scheinen nicht mehr durch. Kurz nach dem Mittagessen sind wir schon wieder fertig. Wir haben dann selbst den Bugbeschlag rot gemalt. Was wirklich ein wenig „pannend“ ist. Wir sagen nicht mehr spannend, sondern pannend. Denn als Diek, (Söhnchen von Taco und Lucie) bei der Bootsbesichtigung von der Laufplanke runter lief, sagte er zu Sebas „… best een beetje pannend.“ Und das bleibt haften. Der Steg ist in der Tat ein wenig zu hoch und nicht ganz stabil.

 

Ich spleiße noch ein wenig an den Fendern und Sebas macht den Rest. Um 15 Uhr kommt Diaantje zusammen mit einem Freund Peter ins Dock. Sehr erfreut, denn wir haben sie beinahe 2 Jahre nicht mehr gesehen. Schön, wieder mal zu reden und das Schiffchen sehen lassen. Sie lesen unseren Blog am anderen Ende der Welt und nun können sie in Realität sehen, was wir vorhaben. Wir machen noch ein Foto für Jeroen, damit er einen Beweis hat, dass Diaantje echt an Bord gewesen ist. Für uns etwas Besonderes so früh am Tag. Dann trinken wir ein Bierchen gemütlich auf der Treppe. Normalerweise sind wir noch sehr beschäftigt, aber diese Woche ist es viel entspannter. Das ist der Vorteil eines strengen Zeitplans und des guten Wetters. Wir gehen dann auch noch zu einer Einladung von Peter ein Bierchen zu trinken auf die „Filia Maris“, die von einer Runde Atlantik zurückgekehrt ist. Wir räumen noch was auf und gehen die Stufen hoch. Dort treffen wir auch Florence. Schön, auch ihre Geschichten zu hören. Leider ist es bald Essenszeit und so gehen wir mit Diaan zusammen zu unserem Häuschen, denn heute Nacht schläft sie auf unserer Luftmatratze im Wohnzimmer. Es folgt ein geselliger Abend, wobei vor allem viel geschwatzt wird. Wir lassen es nicht zu spät werden, denn morgen muss wieder wie gewohnt gearbeitet werden.

 

Am Donnerstag ist es Zeit für den letzten Schliff. Wir wollen die Streifen markieren. Eine Menge Arbeit, denn wir haben keinen Bezug. So heißt es, ein Stück markieren, auf den Stufen beurteilen, ob die Breite für das Auge richtig ist, und wieder weiter markieren. Dann können wir die rote Leinölfarbe malen. Wir malen die Streifen und die Wantpüttings rot. Dann antifoulen wir schnell noch das letzte Stückchen in der Wasserlinie noch einmal, so dass wir die die Abklebestreifen entfernen können. Was wir nicht wissen: die Leinölfarbe geht durch alles. Also auch durch das Klebeband. Die Wasserlinie ist, wenn man genau hinsieht, nicht ganz gerade, aber bei einem kleinen Abstand siehst du davon nichts mehr. Die Wasserlinie ist in einem Mal richtig angelegt und darauf sind wir stolz. Unter dem Heck sieht man sie aber nicht mehr. Sie ist weg! Sie muss hier natürlich noch einmal korrigiert werden aber nun beginnt sie uns echt zu gefallen. Wir sind bereit für die Zuschauer dieses Tages. Und die kommen! Denn rund um Mittag erscheinen meine Kollegen, von denen wir Applaus bekommen. Sie sind stolz auf uns und wir erröten ein wenig. Danach kommt Rhea  (eine Rudergenossin) und Jan und Janneke und Nelleke kommen mit einem kleinen Eis, um einen Blick zu werfen. Wir können unsere inzwischen schöne Birgitte mit Stolz zeigen. Wir brauchen jetzt nicht mehr zu sagen, was noch alles getan werden muss. Sie können jetzt sehen, dass etwas getan wurde und das sie wirklich was hermacht. Sie sieht nun ein bisschen besser aus! Zwischendurch gehe ich noch eben nach Action, ein paar letzte Einkäufe tätigen, und Sebas beginnt den Kitt mit Leinölfarbe gemischt auf die Fugen zu streichen. Als die Besucher weg sind, machen wir gemeinsam weiter. Ich hole noch zwei türkische Pizza zum Abendessen, und so sind wir an einem schönen Sommerabend schön beschäftigt und wir genießen unsere letzten Docktage. Es ist wirklich ein komischer Gedanke, dass dieser Abend einer der letzten im Dock sein wird. So schließen wir mit einem Bierchen auf den Stufen. Wir genießen die schöne gelbe Birgitte, die ohne schwarze Kittfugen noch ein bisschen schöner ist. Dann müssen wir aber nach Haus.

 

Freitag sind wir beide nicht gut drauf. Aber ja, wir wollen doch noch ein paar Sachen fertig machen. So gehen wir doch an den Schlag. Ich male die Streifen und die Püttings noch einmal. Sebastian trägt die letzte Schicht Antifouling auf. Als Sebas das Gerüst in der Höhe verstellt, höre ich: Melin,.. „nicht gut“. Er hatte ein paar Verbindungen aus dem Gerüst geholt, wodurch es nun ein bisschen eng wird. Also werde ich ihm schnell helfen. So bleibt der Begriff: „nicht gut“ in unserem Gedächtnis.

 

Wie jeden Freitag kommt der Dockmann zu unserer wöchentlichen Inspektion. Er ist stolz auf uns und das scheint er nicht zu oft zu sagen. Er wolle seine Mütze ziehen, die trägt er aber leider nicht. Es muss ganz gut gehen am Montag. Das macht uns noch ein wenig stolzer, denn dieser Mann hat doch viele Projekte erlebt und dass er uns lobt, gibt uns ein gutes Gefühl. Am Mittag radle ich noch zum „Leuchtturm Wassersport“ für andere Farben Takelgarn für meine Dank-Schlüsselanhänger. Danach fahre ich durch nach Struyse Hoek für schwarze Fenderbälle „hooked spaghetti. Denn wir besitzen einen hässlichen -und das geht natürlich nicht mehr-orange Fender. Sicher nicht deshalb, weil auch noch Dichtmasse daran klebt. Deshalb haben wir gedacht, dass ich einen Überzug dazu häkeln kann. Bevor wir das Dock verlassen, kann ich es nicht mehr holen, aber es ist gut, dass das Material da ist und ich beginnen kann, wann ich will. So takele ich die Enden und spleiße die Fender. Dann räumen wir alles nach drinnen, denn es soll ein Unwetter kommen und alles soll trocken bleiben. Wir möchten gern so viel wie möglich aus dem Dock haben, denn die Chance auf Regen steigen und der Laufsteg wird dann glatt. Dafür schaffen wir möglichst viel an Deck. Weil wir nicht beabsichtigen, alles über die Laufplanke an Bord zu holen, setzen wir alles auf das große Gerüst, so dass wir es schon vom tiefsten Punkt gehoben haben und geben es von dort wieder an Deck. Als es dann regnet, räumen wir drinnen auf. Wir arbeiten langsam, denn wir sind beide nicht gut drauf und wollen uns heute Abend ein wenig erholen. Als wir danach unter unser Zelt kommen, bietet sich uns ein trauriger Anblick. Die rote Farbe ist noch nicht ganz trocken und ist in den Regenböen ausgelaufen. Wir können nichts mehr tun und dann morgen sehen, wie schlimm es ist und was wir tun können. Es ist uns ein Dämpfer, denn eigentlich war die Malarbeit so gut wie fertig. Eigentlich fühlen wir uns heute nicht gut, aber wir wollen das Farbproblem noch lösen und das Gerüst noch auseinandernehmen. Also gehen wir mit Aspirin und Paracetamol an die Arbeit. Sebas malt die roten Streifen wieder gelb und ich poliere die stumpf gewordene rote Farbe wieder mit gekochtem Leinöl. Nach zwei Stunden sieht es wieder aus als wäre nichts gewesen und sie ist wieder klar für die Überfahrt.  Dann nehmen wir das Gerüst auseinander und nach dem Steiger, holen die anderen Sachen nach oben und auch noch nach drinnen. Dann fahren wir nach dem Mittagessen nach Hause, tauchen in unser Bett, denn wenn wir ehrlich sind, haben wir die Grippe. Ich schaffe es aber noch, für ein gesundes Essen zu sorgen (Maccaroni mit frischem Gemüse). Ich habe auch das nötige Obst besorgt. So bekommen wir auch die nötigen Vitamine. Leider hilft es Sebas nicht richtig. Denn bei ihm setzt sich die Grippe durch. Er ist nicht in der Lage, sein Bett zu verlassen. So nehme ich alle meine Kraft zusammen und gehe ins Dock, um die letzten Dinge aufzuräumen. Es ist seltsam, der letzte Tag im Dock. Gut, dass wir alles geplant haben und so ist Birgitte klar. Wir hören, dass viele bis zum letzten Stündchen arbeiten müssen. Wir sind froh, dass wir das nicht müssen, denn unsere Körper wollen nicht mehr. Nachdem ich das meiste aufgeräumt habe und davon überzeugt bin, dass wir den Rest morgen früh noch erledigen können, rufe ich Jan und Janneke an, ob sie mich nach Middelharnis holen können, damit mein Auto dort steht, um am nächsten Tag zurückfahren zu können. Auf dem Weg mache ich noch ein paar Einkäufe, denn es muss Brot vorhanden sein fürs Lunch morgen und ein paar Extravitamine und Halsbonbons für uns sind auch nicht schädlich. Wieder Zuhause gehe ich wieder zu Sebas ins Bett in der Hoffnung, dass es uns morgen besser geht.

 

Und dann ist der Tag wirklich da. Es ist der 9. September und wir müssen ausdocken. Es war eine harte Zeit, aber es ist viel passiert. Wir können wirklich von einer erfolgreichen Dockzeit sprechen. Sebas geht es mit Ibuprofen glücklicherweise ein wenig besser und er kommt aus dem Bett. Er will selbst zum Dock fahren. Etwas, was ich gestern noch für unmöglich hielt. Ich hatte selbst in meinem Kopf alle Manöver durch genommen, denn die Chance, dass Sebas steuern kann, war nicht so groß. Aber wie es nun scheint, kann er mit Unterstützung von Ibuprofen fahren. Vor 8 Uhr sind wir im Dock und ich nehme Sebas das Versprechen ab, sich ruhig zu verhalten. Ich räume noch etwas auf und erwarte, dass mein Vater kommt. Mit seiner Hilfe nehme ich das letzte Gerüst auseinander und bringe es nach oben an Deck. Aber auch die beiden Gasflaschen müssen noch rauf. Dann kommt auch Jan. Sie räumen noch die letzten Sachen auf und bringen sie nach unten, denn es ist heute leider nicht ganz trocken. Wir lassen das Zelt so lange wie möglich stehen. Dann öffnen sich die Schleusen und das Wasser kann langsam unseren Dockboden hinaufströmen. Es sieht verrückt aus, dass der Boden, auf dem wir 5 Wochen hart gearbeitet haben, wieder nass wird. Es fühlt sich an, als wäre es nicht wahr, aber dieses Mal geschieht es mit Absicht. Birgitte soll wieder schwimmen. Stetig steigt das Wasser. Wir gehen noch schnell von Bord mit unseren Schlüsselanhängern, um uns bei den Dockmännern zu bedanken. Die Schlüsselanhänger wurden mit einem großen Lächeln empfangen. Wir sagen Ihnen, dass wir die Dockzeit genossen haben und dass sie so viel für uns getan haben. Danach gehen wir schnell an Bord und warten auf Paul und Yvonne, die heute auch mitfahren. Jan bleibt am Ufer, um alles zu filmen. Die alten Nachbarn von Jan und Janneke erscheinen auch an der Pier mit dem Auto. Sie wollen auch alles aus der Nähe miterleben. Wir bekommen eine Flasche Rose von ihnen mit einem lieben Briefchen. Sehr nett! Wir sehen auch Peter und Florence noch ankommen. Schön, dass auch sie gucken kommen. Inzwischen haben wir auch das Zelt abgebaut und über die Aufbauten gelegt für den Fall, dass es anfängt zu regnen. Kurz bevor die Laufplanke im Wasser verschwindet, erscheinen Paul und Yvonne um 10 Uhr.

 

Drinnen brauchen wir zum Glück nicht zu pumpen. Wir haben ein ganz kleines Leck, wahrscheinlich an einem Nagel. Aber das kann man mit einem Tuch wegtupfen. Wir machen uns also keine Sorgen und genießen den Moment. Wir fahren mit unserer Gelben Birgitte. Wir verbinden vier Festmacher an die Stahltrossen des Docks, so dass die Dockmänner uns an vier Leinen nach draußen ziehen können. Sie holen unsere Festmacherleinen an, entfernen die Stahltrossen und ziehen gleich an unseren Leinen. Wir fahren mit Motor. Das Scouting-Boot und auch die Suf sind natürlich bereit. Es ist ein wenig windig, aber es geht alles gut. Die Dockmänner geben unsere Steuerbord-Achterleine an die Männer an dem Schleusentor, da machen sie sie fest, damit wir hier drehen können. Es ist sehr schön, dass jeder mitdenkt. Wir führen auch voll Stolz den Wimpel des Trockendocks, die wir morgens noch bekommen haben. Wir winken allen noch freundlich zu und dann sind wir aus dem Dock. Auf zur Brücke, die noch offen steht. Aber leider, sie geht noch vor unserer Nase zu. So legen wir mit der Vorleine an den Pfählen vor der Brücke an und warten auf die Brückenöffnung um 1 Uhr und nehmen unser Mittagessen ein. Vor der Brücke sprechen wir noch mit Peter und Florence, die mitgelaufen sind. Wir versprechen, Kontakt zu halten. Um 1 Uhr gehen wir dann durch die Brücke. Nach der Brücke legen wir wieder an, um Janneke aufzunehmen, die mit uns rüber fahren will. Jan beschließt, mit dem Auto zu fahren, um unsere Ankunft zu filmen. Als alle an Bord sind, beginnt die echte Überfahrt. Leider regnet es. Aber wir merken nicht viel davon. Es ist so cool, mit Birgitte zu fahren. Endlich können wir auch Gas geben, weil die Fugen dicht sind und wir nicht zu pumpen brauchen. Schnell kommt sie auf ihre Geschwindigkeit und wir fahren 8 Knoten mit dem Wind von vorn. An Bord sehe ich viele leuchtende Augen, einschließlich der von Paul und Yvonne. Jaap beugt sich mit Sebas und Paul noch über den Motor, der ein bisschen Öl leckt, zum Glück aber nicht besorgniserregend. Dann können wir nur noch die Bugwelle genießen. Dann nehmen wir Gas zurück, denn sonst sind wir vor Jan da. Der Regen hört allmählich auf und so fahren wir schön nach Middelharnis. Die Ruderverlängerung bemerken wir gut. Wir können ein ganzes Stück besser steuern. Vor Middelharnis testen wir noch das Manövrieren durch ein Stück achteraus zu fahren, und dann kommen wir zum spannendsten Teil der Überfahrt: die Durchfahrt durch die Schleuse. Yvonne und Jaap stehen vorn, um Anweisungen zu geben. Es geht alles gut und wir kommen ohne ernste Farbbeschädigungen durch. Dann fahren wir majestätisch durch zu unserem Liegeplatz, wo wir noch eben wenden, um mit dem Bug wieder nach außen zu liegen. Wir sehen Rianne aus ihrem Haus fotografieren und sehen uns selbst fahren in den Fensterscheiben der Wohnarken. Auch das letzte Manöver klappt und wir sind wieder an unserem vertrauten Platz in Middelharnis. Darauf trinken wir! Ganz lange können wir es aber nicht genießen, denn Sebas ist wieder müde und es beginnt zu regnen. So muss das Zelt wieder aufgebaut werden. Hierbei sind viele Hände am Werk und das Zelt ist bald wieder zu. Dann gehen Paul, Yvonne, Jaap und Janneke wieder von Bord und fahren mit Jans Auto wieder nach Hellevoetsluis. Wir räumen noch eben die letzten Dinge auf und fahren nach Haus und legen uns ins Bett.

 

Diese Phase der Birgitte ist wieder abgeschlossen. Glücklich und mit viel Erfolg. Wir haben viel Zeit im Dock genossen und es ist mehr passiert als wir erhoffen konnten. Alles das konnte nicht ohne die Hilfe, die wir bekommen haben, vollbracht werden. Wir wollen uns deshalb gern auf diesem Weg bei allen Helfern bedanken. Auch bei allen Leuten vom Dock, die gute Atmosphäre und die gute Zeit. Ohne euch alle wäre es nie so ein Erfolg geworden. Danke!

 

 

 

22. Effe Rest / Effe Rust

9. Oktober 2013

 

 

Es ist nun schon so lange still um Birgitte, dass ihr euch fragt, ob sie immer noch schwimmt, oder wir auf dem Dock keine gute Arbeit abgeliefert haben. Ich versichere euch, wir haben gute Arbeit geleistet. Sie schwimmt immer noch und bis auf ein kleines Tröpfchen Wasser vorn und achtern ist sie dicht. So können wir immer noch sagen, dass die Arbeit gelungen ist.

 

Aber warum dieses lange Schweigen. Zu allererst, weil wir noch durch die Dockperiode arg angegriffen waren. Sebas hat die Grippe richtig abbekommen. Aber auch mein Körper fand es am besten so, und machte sich mit einem Kribbeln im Arm bemerkbar, wobei der Arzt bestätigte, was wir schon lange gedacht haben. Zu lange kalfatert und deshalb überlastet. Die Lösung: ein wenig Ruhe? So haben wir etwas getan, wovon wir gar nicht wussten, das es so was gab, ein kleines Wochenende Ruhe. Ja, wir wussten nicht, wie es ging: ein Wochenende ohne Arbeit, früh aufstehen und Birgitte. Es war verrückt, aber wir mussten zugeben, dass es das erste Mal in einem halben Jahr so schön war und wir es sehr genossen haben. Du musst aber nicht auf die Idee kommen, wir hätten in dieser Zeit nicht an Birgitte gedacht. Denn jetzt hatten wir etwas Zeit, tausende von Bildern vom Dock und Stunden Film, von Jan gemacht, zu sichten. An einem so ruhigen Wochenende gibt es immer noch Birgitte, die uns erwartet und noch stets unsere Aufmerksamkeit fordert. So gehen wir wieder ruhig zur Arbeit, wobei wir zuerst wieder die Extra Zeltplanen  unter dem Zelt montieren, weil die obersten Planken und der äußere Rand des Decks noch immer leck sind und noch viel Wasser dadurch ins Innere kommt. Das wollen wir natürlich nicht. Danach beginnen wir mit Aufräumen und noch mehr aufräumen. In der Zeit von 5 Wochen im Dock sammelt sich ein Haufen Zeug an und du hast nicht genügend Zeit, das alles wegzuschaffen. Außerdem liegen noch die Gerüste an Deck und die müssen wieder weg. Kurz, nicht mehr so viel arbeiten, aber räumen. Viel Schleppen, aber zum Glück sind wir inzwischen so kräftig geworden, dass wir es nicht mehr so merken. Wir versuchen in der Zeit auch, das Deck leer zu bekommen, damit wir hier beginnen können, ohne das allzu viel im Weg steht. Die Kippe wird deshalb wieder regelmäßig besucht.

 

Nach der Reinigung beginnt wieder das Arbeiten. Es zeigen sich wieder Rostspuren unter den Wantpüttings am schön gemalten Rumpf und das wollen wir natürlich nicht. So muss das Schlauchboot erst wieder geflickt werden und ich gehe meine Kittkenntnisse zu zeigen zur großen Freude aller, die vorbeigehen. Denn eine Frau, allein in einem Bötchen neben einem großen Boot und dann noch beim Kitten, muss eine große Sehenswürdigkeit sein. Eine echte Attraktion. Doch es ist schön, wenn du Menschen einen glücklichen Tag beschaffen kannst mit einer Arbeit, die du selbst schön findest. Ich muss sagen, dass ich mich selbst gut aussehend finde. Ich beginne es richtig zu lernen. Zum Glück denkt Sebas auch so über seine Arbeit und so können wir wieder etwas von der Arbeitsliste streichen. Dann erwartet uns drinnen noch eine Arbeit, denn wir hatten im Dock eine Zinkanode an einer neuen Durchführung platziert, die aber noch nicht leitend verbunden ist mit der Durchführung und deshalb noch nutzlos ist. Zum Glück hat Jaap inzwischen die Eratzteile geliefert und so wühle ich mich zwischen die Spanten, um sie anzuschließen. Leider hänge ich hierbei etwas zu lange über Kopf und so kann ich noch Stunden nachher Kopfschmerzen genießen. Aber es war für einen guten Zweck, wollen wir mal sagen.

 

Neben diesen Kleinigkeiten haben wir noch ein paar große Dinge, die im Weg liegen. Die Masten, Bäume, Gaffeln, Bugspriet und unser Holz müssen verlagert werden, bevor die Winterzeit beginnt. Eine lästige Pflicht, denn die können wir nicht so einfach heben und wo lassen wir sie? Es wird sauber aufgeräumt neben dem Schuppen. damit wir wieder die Ziegel sehen können zwischen dem Unkraut müssen wir schleppen. Zuerst die Bäume, Gaffeln und den Bugspriet nach hinten auf das Gestell. Dann kann Sebas mit dem Teleskoplader das Holz davor setzen und die Masten davor legen. Aber ja, dann liegt noch nicht alles trocken. Kleine Stücke noch, damit sie unter dem Dach des Schuppens liegen, aber das Holz und der Besan nicht. So überlegen wir uns schnell eine Konstruktion, um alles abzudecken. Das bedeutet, dass ich die Verbindungen des Gestells abnehmen muss, das Gestell über den Besan setzen und mit einem Stück Tau die Füße wieder miteinander verbinden muss. Eine Leine über alle Gestelle spannen und dann kann das Segel darüber. Wir sind schon wieder einen Nachmittag weiter, aber der Besan ist abgedeckt, hat auch noch ein wenig Belüftung.

 

Und dann kommt der Winter auch noch an und wir wollen doch auch erwärmt arbeiten um es ein wenig nett zu haben. So holen wir den REFLEX-Ofen wieder aus dem Lager an Bord zurück und schauen, was wir noch benötigen, um ihn wieder einzusetzen. Zum Glück hat Jaap ihn im Sommer überprüft und nun wissen wir, was wir bestellen müssen und uns noch um die Abgase sorgen. Leichter gesagt als getan. Denn wo gehen wir durch das Deck oder den Rumpf und wo setzen wir den Ofen hin, damit er während des Ausbaus nicht im Weg steht. Wir beide laufen ein paar Mal über das Boot und bestürmen uns gegenseitig mit Ideen. Nach ungefähr einer Woche haben wir es raus. Er soll beim Schott in der Nähe des Motors kommen, denn dort kann er immer stehen bleiben und so können wir es in einem Mal gut machen. Das bedeutet, dass eine neue Deckdurchführung ins Deck muss. Aber an dieser Stelle saß eine alte Pumpe an Deck. Die muss raus und so kann das Ofenrohr durchgeführt werden. Leider erweist sich alles als recht solide und sehr hart zu sein. Wir brauchen ein Brecheisen, um sie loszubekommen. Sebas macht eine schöne Platte für die neue Durchführung und wir sind wieder ein Stückchen weiter mit der Wärme.

 

Zwischen all diesen Aufgaben leere ich noch einige Fugen an Deck. Leider findet mein Arm das noch nicht so gut und ich muss es ruhig angehen. Eine lästige Sache, aber ich brauche den Arm noch länger, habe also keine Wahl. Zum Glück kann ich noch ein wenig knüpfen an den Fendern, so dass unser schäbiger Orangeball mit Kittflecken stolz in seinem neuen Überzug. an der Birgitte hängen kann.

 

Wir beschließen, uns an diesem Wochenende an das Deck zu geben und dann hoffen wir für den echten Winter warm und trocken in unserem leeren Raum zu sitzen.

 

 

 

23. Die Kunst des Pichens/ De kunst van het pekken

26. Oktober. 2013

 

 

Am Samstag, den 12. Oktober gibt es wieder viel Geschäftigkeit an Bord der Birgitte. Wir haben nämlich wieder Hilfe von Jan (Sebastians Vater) und Majoran (meine Mutter). Wie im vorherigen Blog versprochen, beginnen wir an diesem Wochenende am Deck. Sebastian will mit seinem Vater den Decksrand ersetzen und ich stürze mich wie gewöhnlich auf die Fugen, diesmal aber gesellig zusammen mit meiner Mutter. Es ist aber auch gutes Wetter, um die Siquieres schön zu machen. So machen wir es zuerst zusammen, so dass sie picobello aussieht wie neu. In der Zwischenzeit beraten die Männer, wie man das Ersetzen der Deckskante anpacken soll. Hierbei kommen sie zu dem Entschluss, dass es praktisch wäre, die beiden vorderen Pfosten des Liegeplatzes durch einen Balken zu verbinden, so dass sie von beiden Seiten gut an den Decksrand kommen. So kann man noch nicht heute die Deckskante demontieren, sondern muss erst noch den Steiger für die Männer bauen. Ein nicht ganz harmloser Job, wie sich herausstellte, aber davon später. Weil die Männer normalerweise zuerst Hilfe brauchen können, um anzufangen, machen meine Mutter und ich erst einmal das Schlauchboot klar. Wir holen das Wasser heraus und pumpen die Seiten auf. Meine Mutter hat erstmals die Ehre, das FEIN-Gerät mit dem Beitelmesser zu gebrauchen. Dieses hat eine Art U-Form, die durch das FEIN-Gerär vibriert, so dass man damit schneiden kann. Unterdessen schlage ich Kalfat in die Fugen, die ich in der Vorwoche leer geschlagen habe. Wir sitzen so unter der Persenning gesellig beisammen und unsere größte Sorge ist, genügend Licht an der richtigen Stelle zu haben. So kann ich wieder neues Kalfat einschlagen. Mit regelmäßigem Verschieben der Baulampen geht es auch ganz gut. Während der Arbeit haben wir beide Ohrstöpsel an, denn die FEIN macht kein so schönes Geräusch und von dem Kalfateinschlagen wird man auch allmählich taub. Andere tiefgehende Gespräche außer über die Tiefe der Fugen sind uns auch nicht möglich. An einem gewissen Punkt höre ich einen lauten Schrei nach Melin. Ich schaue auf und sehe einen benommenen Sebastian auf dem Decksrand stehen. Im ersten Augenblick sehe ich nichts Ungewöhnliches. Als ich genauer hinsehe, sehe ich, dass er an allen Seiten tropft. Er ist zu Wasser gegangen!  Es scheint, dass er zwischen dem Steiger und dem Schlauchboot stand und mit den Füßen das Boot nach vorn geschoben hat und damit nicht mehr aufhören konnte. Das Schlauchboot „sailed away“ und Sebastian platsche ins Wasser. Er schaut mich sehr bedrückt an und ihm ist kalt. Jan hat ein Handtuch und einen Pullover im Auto, ich habe ein charmantes T-Shirt für ihn und es ist immer noch eine Arbeitshose für ihn an Bord. Nun ist er wieder vernünftig gekleidet und es kann weitergehen. Die beiden Balken werden fest verbunden. Zeit für das Mittagessen. Nach dem Mittagessen machen wir noch fröhlicher weiter. Bis meine Mutter mir mit Bedauern ins Gesicht tippte: Ihr Hohleisen ist nicht mehr ein U sondern ein L. und nun geht es viel langsamer. Leider war ich im Laden nicht so schlau, zwei Kalfateisen zu kaufen. Die meisten waren auch paarweise verpackt, aber aufgrund des Preises dachte ich, dass wir noch lange auf der Werft arbeiten werden, und ich bisher noch keines verschlissen habe. Aber nicht bedenkend, dass ich dort mit Kitt gearbeitet habe und nicht mit Pech, das ein ganzes Stück härter ist. Was auch immer: um eine lange Geschichte kurz zu machen: einen zweiten Beitel hatte ich nicht. So war es an der Zeit aufzuräumen. Pech zu entfernen ist eine ziemliche Sauerei. Aber wir haben gekehrt und Staub gesaugt und nach einiger Zeit sah es auch wieder recht ordentlich aus. Die Fugen sehen leer so gut aus, dass sie auch eine saubere Linie ergeben. Anders ist es mit den losen Stückchen Pech in der Fuge. Danach räumen wir an Deck die gebrauchten Gerätschaften und Klamotten auf, so dass Birgitte wieder sauber ist. Unterdessen runden die Männer auch die letzten Arbeiten am Steg ab, so dass wir von einem erfolgreichen Tag sprechen können.

 

Ganz anders der Freitag im Gegensatz zu Sonntag: Das ist nämlich der Tag, an dem die Hälfte von Goeree überflutet wird und damit fast die Hütte, in der wir jetzt sind. Es ist ein Tag im Zeichen der Pumpen. Sebastian geht noch zur Birgitte, um zu sehen, ob alles gut geht Der Regen kommt etwas mehr, aber nicht so schlimm. Er kann uns jedenfalls weniger antun als ein Blitzeinschlag (siehe später) durch den wir keinen Strom mehr haben und die Pumpen nicht laufen lassen können. Er kommt zwar wieder, den Rest sehen wir dann morgen. Um aber trotzdem einen nützlichen Tag zu erhalten, versuchen wir, an die Heizung zu kommen. Deshalb ein Gespräch mit Jaap in der Scheune des Hauses. In der Tat hatte Birgitte früher einen Reflex-Ofen, aber hier fehlte die Schwimmerkammer. Diese konnten wir bestellen und weil sie ungefähr das einzige Ersatzteil des Ofens ist, sollte er es wieder tun. Dieser Ofen braucht nur Diesel und wir brauchen etwas, um den Diesel zu Beginn zu entzünden. Wir bauen den Ofen in der Scheune wieder auf, die wir gerade wieder soweit leer gepumpt haben, um trockene Füße zu behalten. Die Abgase leiten wir zwischen den Türen nach draußen und dann werfen wir in der Hoffnung, dass er angeht, ein Zündholz hinein. Nach ein paar Versuchen entzündete sich der Dieselqualm und wir haben einen funktionierenden Ofen! Schnell wird es in der Scheune wieder warm und sie trocknet auch schnell wieder aus. Wir sind total glücklich. Fröhlich laufe ich rauf und runter zwischen Häuschen und Scheune, um die Sachen trocknen zu lassen. Ich will bei einem Windstoß gerade noch die Scheunentür retten und vergesse dabei, dass der Auspuff warm sein könnte. So verbrannte ich mich an der Außenseite meiner Hand und bin so sicher, dass der Ofen heiß wird. Wir müssen wohl ein paar Dinge fühlen, um sicher zu wissen. dass der Ofen heiß ist. Glücklicherweise gibt es ja genug Wasser in der Nähe, um die Hand zu kühlen.

 

Am Montag gehe ich erst mal Trümmer räumen. Die Segel sind von den Masten und Spieren neben der Scheune geweht. So mache ich es wieder ordentlich. So kann ich alles gleich anordnen für die Segel am Mast. Etwas, was ich immer schon machen wollte. Danach haben wir wieder Strom und ich kann wieder nach drinnen um zu arbeiten. Das Licht ist wieder sehr bequem und die Pumpe kann auch wieder arbeiten. Mit dem Wassersauger mache ich alle Bilgen wieder leer, wobei ich den Wassersauger wieder in einen Behälter entleere, der dann wieder geleert wird durch einen Plastikschlauch. Ideen gehabt? Nach sieben Baukübeln ist die Bilge wieder leer und ich bin kaputt. Aber das macht nichts, wenn die Arbeit getan ist. Leider ist es heute nichts mehr mit dem Leeren der Fugen, aber ich kann noch punkten mit dem Geburtstagsgeschenk meiner Eltern: neue Klingen für den Beitel! Dann kann ich ja morgen wieder starten. Am Abend bringen wir noch den Ofen an seine Stelle, so dass wir nun schön warm sitzen können. Eigentlich müsste noch ein Radiator an den Ofen, denn dieser Ofen hat eine Spirale durch die das Wasser fließt zum Radiator. Wenn es keinen Radiator gibt, kann die Spirale auch nicht gefüllt werden, zu warm werden und kaputt gehen. Also müssen wir möglichst bald einen Radiator anschließen. Wir müssen auch das Ofenrohr verlängern, weil der Ofen sehr hoch steht und die warme Luft nach oben steigt. Deshalb: je tiefer er steht, desto besser. Er bleibt also ein Objekt der Arbeit, ein Anfang ist aber gemacht.

 

Am Dienstag räume ich wieder Fugen. Wir beschließen, erst den Seitenrand des Decks zu machen, weil der am stärksten leckt. Aber wir müssen es stückweise machen, damit nicht das ganze Deck offen ist und ich keine Gelegenheit zum Kalfatern habe und Wochen später nur Fugen leeren kann. Eine kleine Änderung hier und da ist ganz in Ordnung, aber ein bisschen Abwechslung hier und da ist doch ganz nett. So bearbeite ich nur die Fugen, die noch bearbeitet werden müssen, um den Seitenrand backbord bis zur Deckmitte. Der Plan ist, am kommenden Sonntag zu pichen, bis dahin sind aber auch noch die Fugen zu kalfatern. Zuerst fange ich an, das alte Kalfat zu entfernen.

 

Am Mittwoch ist Jan dran. Sie müssen das erste Stückchen Decksrand wegbekommen und das ist immer wieder spannend, weil wir nie genau wissen, wie die Konstruktion darunter aussieht und was wir dieses Mal wieder antreffen. Zum Glück klappt alles gut. Das Einzige, was wir nicht erwartet hatten, war, dass die äußeren Balken an die anderen Decksbalken angenagelt sind und nicht an den Decks- oder Rumpfspanten.

 

Am Donnerstag arbeiten Jan und ich zusammen. Ich kalfatere munter weiter mit unserer neuen Kalfat-Faser, was erwartungsgemäß gut klappt. Leider stellt sich bald heraus, dass alle Fugen neu kalfatert werden müssen. Meine Hoffnung war, dass alle Fugen gut sein sollten. Aber das alte Kalfat muss man so tief weg schlagen, dass immer wieder eine neue Lage darüber muss. Jan misst und passt in der Zwischenzeit ein neues Stück Deck in das am Vortag entstandene Loch ein. Was eine Menge Arbeit erfordert, weil es das Erste ist. Am Ende des Tages ist es auch nicht nach seinem Sinn. Aber die Idee ist da. So ist es nicht umsonst gewesen. Das folgende Stück geht weit schneller.

 

Freitag und Samstag fülle ich mit kalfatern. In meiner Begeisterung hoffe ich nämlich wirklich, dass wir am Sonntag alle Fugen verpichen können. Also muss ich alle Fugen, die ich geleert habe, für das Pichen klarmachen. Am Samstag stürzt sich Sebastian auf den Ofen und hängt den Radiator auf mit dem gesamten System einschließlich eines Druckkessels. Er senkt den Ofen ab durch Verlängerung des Ofenrohrs. Es beginnt so ähnlich. Leider kocht das Wasser in dem System, wodurch beim Test der provisorische Gartenschlauch, mit dem das System angeschlossen ist, fröhlich zu tanzen beginnt. Das Wasser muss schneller zirkulieren oder seine Wärme besser verlieren können. Und vielleicht ist auch ein anderer Schlauch keine schlechte Idee. Jaap bietet auch hier wieder eine Lösung. Als wir ihn anriefen, zeigt sich, dass er noch einen größeren Radiator und einen besseren Schlauch in der Scheune hat. Also gehen wir nach Hause und sammeln das Zeug, so dass wir bald das Heizsystem Version 1.3 in Betrieb nehmen können.

 

Und dann ist es Sonntag, ein großer Tag. Nachdem wir nun Monate darüber nachgedacht haben, starten wir nun endlich. Wir gehen ans Verpichen! Oh Nein! Ich muss noch erst eine letzte Fuge abdichten. Während ich das mache, sammelt Sebastian alles Zeug. Oh, Problemchen, wo ist das Pech? Plötzlich wissen wir es; Das haben wir vor der Begasung von Bord geholt, bei Jan und Janneke abgestellt und da steht es noch! Wir rufen sie an und Sebastian trifft seinen Vater auf halbem Weg, so dass nicht zu viel Zeit verloren geht und wir doch noch pichen können. Am Abend sollen wir bei Jan und Janneke essen, und so haben wir nicht den ganzen Tag zur Verfügung, Als nun alles beisammen ist und alle Fugen abgedichtet sind, haben wir schnell zu Mittag gegessen und dann gingen wir echt zur Sache. Beginnend damit: wie bekommen wir das Pech aus der Dose? Unsere Idee ist, gut warm machen rundum, die Dose auf den Kopf stellen und dann sagt er schnell „plopp“. Ja, alles gut gedacht aber unmöglich, alles rundum gleichzeitig warm zu kriegen, damit er „plopp“ macht. Glücklicherweise bietet der Winkelschleifer den Ausweg und wir öffnen einfach die Dose. Dann schlagen wir stückweise Pech ab und können es schmelzen. Dafür haben wir eine Friteuse. Mit der Idee, dass wir diese auf die gewohnten 180 Grad stellen und dass das Pech dann von selbst auf der richtigen Temperatur bleibt. Wir haben aber eine Friteuse, bei der das Fett um das Heizelement und damit auch um den Thermostaten läuft. Aber sie begreift Pech nicht so, und so findet die Friteuse, dass das Pech warm ist. Aber unser Pech ist noch nicht geschmolzen. Zeitverschwendung! Wir entfernen den Thermostaten aus der Friteuse und schließen das Element direkt an der Friteuse an, Element an und andersrum. Wir müssen es aber sehr genau im Auge behalten. Es ist meine Sache, das zu tun und Sebastian geht Pechbrocken machen. Plötzlich fängt es an zu qualmen und oh Schreck Flammen im Kessel! Ich rufe Sebastian, ziehe den Stecker raus und stehe mit dem Feuerlöscher in der Hand bereit zum Einsatz. Dann springt Sebastian glücklich an Deck, das Feuer ist aus. Zum Glück kein Schaden. Einen Augenblick lang sieht man doch ein Holzschiff in Flammen aufgehen. Zum Glück können wir noch weiter schmelzen, diese Mal geht das Element doch etwas früher aus. Nach einer Stunde sicherem Schmelzen können wir endlich ans Gießen gehen. Wir haben eine Pfanne mit einem Auslauf entworfen und Sebastian füllt hiermit das erste Stück Fuge. Aber schnell ist klar, dass dies nicht das ideale Gerät ist und man Pech etwas ebener gießen kann. Wenn es nämlich gut warm und sehr flüssig ist, haftet es gut auf dem Holz. Wenn es abkühlt, wird es härter und haftet nicht mehr so gut. Eine Kunst also. Und so sind wir noch nicht beim Schlichten der Oberfläche. Es ist wirklich unmöglich, mit einem Mal eine wirklich perfekte Naht zu gießen. So muss das überschüssige Pech weg gekratzt werden. Das geht aber nicht direkt im Anschluss an das Gießen, weil es dann noch zu weich ist. Wenn man aber zu lange wartet, bricht es beim Schrappen. Es muss alles gut getimed sein. Aber dann, wenn alles klappt, ist das Ergebnis wirklich sehr schön. Um besser gießen zu können, verformen wir eine alte Farbdose, so dass wir jetzt mehr Pech vergießen können. Hierfür sind doppelte Handschuhe nötig, denn es kann sehr heiß werden. Tja, und so füllen wir den Sonntag mit Vergießen. Oder sollen wir sagen mit experimentieren? Denn viele Fugen wurden nicht verfüllt. Aber wir haben eine Menge Erfahrungen gesammelt. Auf dem Weg nach Hause und am Abend bei Jan und Janneke wurde noch heftig „gebrainstormed“. Ich muss diese Woche beim Einkaufen im „Zyklus“ sehen, ob sich evtl. mit einer Edelstahl-Milchkanne besser gießen lässt und vielleicht sollte das Glätten auch mit einem Beil besser gehen. Wir erstehen mit Freude für ein paar Euro das, was wir suchen, so dass wir am folgenden Wochenende mit unserem Verpichungsabenteuer weiterkommen. Aber natürlich nicht, bevor ich unter der Woche noch ein paar Fugen leeren kann und wir das Ofensystem Nr. 1.3 anlegen. Aber dazu vielleicht später mehr.

 

 

 

24. Regnet es oder regnet es nicht? / Weer of geen weer?

10. November 2013

 

 

Das ist die Frage, die uns beschäftigt. Wir möchten gerne unsere neue Pechkanne ausprobieren, aber dazu müsste es ein bisschen besseres Wetter sein. Das Schmelzen des Pechs ist nämlich nicht wirklich gesund und müsste unter einem offenen Zeltdach ausgeführt werden. Außerdem sollte es nicht regnen, damit das Deck, das noch nicht dicht ist, nicht nass wird und der Pechkessel voll regnet, außerdem sollte es nicht zu sehr wehen. Wenn es nämlich sehr stark weht, beschließt das Zelt lieber irgendwo anders zu sein und steigt auf. Natürlich kann es das nicht, weil es auf allen Seiten festgemacht ist, aber je offener die Seiten, desto leichter wird es steigen. Und die Aussichten sind wirklich schlecht. Alles schlägt und knallt und man kann darauf warten, dass etwas kaputt geht. Kurz um, pichen kann man nur, wenn es nicht stürmt und darauf muss man im Herbst warten.

 

Glücklicherweise ist Pichen nicht das einzige, was auf Birgitte gemacht werden kann und so brauchen wir uns nicht zu langweilen. Fugen leeren und abdichten kann man immer, so lange die Persenning nicht wegfliegt und das ist zum Glück bisher noch nicht passiert. Leider muss mein Arm dabei ein bisschen mitarbeiten und das will manchmal nicht so richtig glücken. Aber mit ein wenig Physiotherapie und guter Arbeitshaltung geht es auch immer besser. Neben der Sorge, dass mehr Fugen gepicht werden können, denke ich, sind wir inzwischen am Heizgerät System 1.5 angekommen. Die Gartenschläuche wurden durch dickere Schläuche ersetzt, die die Hitze besser vertragen können (System 1.4) und dem System wurde eine Umwälzpumpe zugefügt, durch die der Radiator schnell warm wird und kein kochendes Wasser mehr durch die Leitungen fließt. Das Ergebnis:es wird schnell warm. Aber wer denkt, wir sollten es dabei belassen, liegt falsch. Ich denke, dass wir noch weitere Versionen hochkommen lassen. So gibt es bereits einen Radiator im Auto für das Achterschiff und es wird über eine geschickte Art nachgedacht, das Auspuffrohr durch das Zelt zu leiten, damit auch bei Regen der Heizofen betrieben werden kann Jetzt kommt der Auspuff nämlich unter dem Zelt an und das ist auch nicht so gesund, wenn er dort auskommt und das Zelt dicht ist. Und wir wollen doch noch ein paar Jährchen! Kommt es deshalb bald zu Version 1.6 oder 1.7?

 

Zum Glück war es am vergangenen Samstag fast trocken und es gab auch nicht zu viel Wind. Kurzum, es war wieder das richtige Wetter. Also gehen wir pichen. Die Friteuse ist gegen einen echten Pechkessel ausgetauscht. Wodurch ich ernsthaft die Neigung verspüre, Hexengeräusche zu machen und einen los gewehten Ast zu suchen um eine Runde zufliegen.Aber zum Glück gibt es viel zu tun und keine Zeit für Unsinn. Es muss kalfatert werden und das am besten, bevor es heute Nachmittag voraussichtlich wieder beginnt zu regnen. So schlagen wir die großen Brocken Pech in Stücke und füllen damit den Pechkocher. Alles das mit dem Genuss unserer Pech-Playlist bestehend aus der fremdartigen Kombination von JJ Cale und den Foo-Fighters. Aber wenn Pichen nicht ein normaler Job ist, wie kann es dann die Musik sein.

 

In diesem Pechkessel ist das Pech sehr schnell warm. So können wir es schnell in die Kanne füllen und gießen. Leider ist das Pech noch zu warm und ich muss noch ein Weilchen mit meinem Kännchen an Deck warten, bis das Pech die ideale Gießtemperatur erreicht hat. Aber wenn es dann soweit ist, muss man sich beeilen und hoffen, dass auch noch die Foo Kämpfer-Nummer läuft. Dann kann man wirklich nur ein paar Minuten gießen, bevor das Pech wieder zu dickflüssig ist. Wenn dann Fugen gefüllt und ausgehärtet sind, kommt Sebas mit zwei Schabern angeschossen. Er entfernt zuerst das überschüssige Pech mit einem Dreikantschaber, dann schabt er mit dem Schaber, in dem er die Messer wechseln kann um ein noch schöneres Ergebnis zu erzielen. Eine schwere Arbeit, bei der schnell Schweißtropfen auf seiner Stirn stehen. Bei mir erscheinen sie auch, wahrscheinlich durch das heiße Pech und die Maske, die ich gegen die giftigen Gase des Pechs trage. So arbeiten wir hart zusammen, wobei uns unsere Arme immer mehr weh tun. Aber wer ein dichtes Deck haben will, muss auch etwas dafür etwas opfern. Es gelingt uns, vor einem sehr späten Mittagessen (halb drei), alle kalfaterten Fugen an Backbord dicht zu kriegen. Unser erstes Stück dichtes Deck ist Fakt und wir sind stolz darauf und haben beschlossen, dass Pichen wegen des Endergebnisses Spaß macht, aber die Arbeit an sich wiederum nichts ist, auf das man sich richtig freuen kann. Glücklicherweise haben wir ein so großes Boot gekauft und so haben wir noch ein paar Fugen.

 

Darüber hinaus sorgt Birgitte auch für die nötige heimische Atmosphäre. Sebas kam diese Woche nach Haus mit einem Trenntrafo, und der musste natürlich getestet werden. So wurde eine Verbindung zum Bordnetz gemacht, um festzustellen, ob 230 V richtig sind. So wurde das Nachtlämpchen von oben geholt und an der anderen Seite angeschlossen. Da der Trafo in einem hübschen grauen Kasten ist, kamen wir beide ohne Verabredung auf die Idee, ihn in die Nähe der Bank zu setzen mit der Lampe obendrauf. So haben wir ein hübsches Beistelltischchen, das fröhlich ein bisschen summt. Es ist ein wenig umständlich, um eine Lampe brennen zu lassen, aber wir hatten einen so schönen geselligen Abend. Und für diejenigen, die Genaueres wissen wollen: es tut gut und wird auch nicht warm.

 

 

 

25. Bereit für Sinter Klaas/ Klaar voor de Sint

27. November 2013

 

 

Oh nein! Der Heilige ist im Land. Aber ohne Schornstein über unserem Zelt findet er auch nicht unsere Schuhe neben dem Ofen. Zeit, schnell an die Arbeit zu gehen. Der Schornstein muss durch unser Zelt, damit der Sint (und der Peter) dadurch kommt und unsere Schuhe füllt. Ok, ich gebe zu, es ist auch praktisch, denn dann kann der Ofen immer an sein. Selbst wenn es regnet, schneit oder hagelt, das Zelt braucht nicht mehr offen zu sein. Kurz, es wird Zeit für die Version 1.6 des Ofensystems. Sebas holt Holz bei GAMMA, ich die nötigen Ringe auf dem Markt, damit das Zelt an den Schraubenlöchern nicht durchscheuert und dann können wir uns an die Arbeit machen, die Stellage für das Ofenrohr zu bauen und die Zeltdurchführung zu machen. Gott sei Dank ist das Wetter noch gut und so sind wir nach einem Tag fertig mit der Arbeit für den großen heiligen Mann.

 

Natürlich ist das nicht das Einzige, was wir in der letzten Zeit getan haben. Wir haben noch unseren einzigen Urlaub in diesem Jahr gefeiert. Nur ein Wochenende in Portugal. Danach haben wir die Masten von der Siquieres gestrichen und die Siquieres aus dem Wasser geholt. Denn diese Sorge haben wir leider auch noch. Natürlich habe ich mich auch weiter mit dem Kalfatern befasst, wobei wir endlich den ganzen äußersten Streifen des Decks an Backbord kalfatert haben. So ist es Zeit, binnen kurzem auch diese Stück zu pichen, dann ist das Deck an Backbord wasserdicht. Außer dem alleräußersten Rand, denn der muss größtenteils ersetzt werden. Aber doch, ein großer Teil ist dann dicht und ein Festchen wert. So leere ich nun die nötigen Fugen an Steuerbord, da muss ich noch durch. Und das Boot hat nun einmal zwei Seiten.

 

Auch Sebas sitzt natürlich nicht still. Er macht uns stimmungsvolle Beleuchtung unter der Treppe, um alle Akkus gleich zu bekommen, um sie mit unserem neuen Ladegerät wieder aufladen zu können. Das sorgt für hochintelligente Gespräche beim Essen: „Ich denke, dass du nun in ABS (Absorption) sitzt“. „nun, ich denke doch ich schwimme (float)“. Und dann gucken wir, wer Recht hat.

 

Am Abend schleppen wir noch das Holz, das wir vor langer Zeit gekauft haben und nun im Weg steht und stapeln es auf. Dann macht Sebas noch Latten fertig, um sie dazwischen zu stopfen und dann geht’s wieder ans Schleppen. Es ist ein Stapel von 6 Stück breit und 12 Stück hoch. Dann rechnet mal aus! Das Bootslager der Sportschule brauchten wir nicht.

 

Jetzt gehe ich aber schnell mal gucken, ob etwas in meinen Schuhen ist oder sollte ich in diesem Jahr nicht artig gewesen sein?

 

 

 

26. Uit haar jasje gewaaidt

14, Dezember 2013

 

 

Es ist jetzt wirklich Winter, deshalb Zeit, die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Leider ist es das Einzige am letzten Novemberwochenende, was wir tun können, denn wir haben auch noch Verpflichtungen rund um unser Haus. So machen wir den Motor winterklar und leeren den Wassertank. Danach bekleiden wir noch die Leinen, damit sie nicht durchscheuern und bringen die Gerüstrohre, die sich noch an Bord befinden, fort.

 

Dann wird das Wetter stürmisch. Wir checken noch die Leinen und dann heißt es: abwarten und sehen. Leider kommt Sebas am Freitag mit der Neuigkeit, dass der Sint es nicht bis zu unseren Schuhen geschafft hat, dafür aber wahrscheinlich mit seinem Pferd durch unser Zelt gefallen ist. Das Zelt ist nämlich an der Vorderkante aufgerissen. Unsere Schuhe sind deshalb einmal zur Abwechslung gefüllt mit noch mehr Arbeit. Langsam glaube ich auch an den Spruch: Kauf dir ein Boot, arbeite dich tot! Nun ja, morgen gehen wir mal wieder gucken, ob wir das Zelt reparieren können. Seit dieser Woche hat auch für mich das gewohnte Arbeitsleben wieder begonnen, so dass es nicht mehr so einfach ist, mal schnell zur Birgitte zu fahren, um etwas zu erledigen.

 

Zum Glück ist Sebas immer noch sehr aktiv, denn er wacht Samstagmorgen auf und hört, dass es regnet. Er macht mich sofort wach mit der Nachricht, dass wir zur Birgitte müssen, denn es regnet, und das Zelt ist nicht dicht, das muss gemacht werden. Ich bitte um sechs Sekunden Pause (ja keine 10 oder 5, nein, exakt 6 Sekunden, Er versteht wohl, ich wollte im Bett bleiben. Nach dieser sehr kurzen Pause springe ich auch aus meinem Bett, hole meine Nähmaschine und Garn und nach kurzem Frühstück machen wir uns auf den Weg. Wir machen den vorderen Teil des Zeltes los und improvisieren mit zwei Gestellen und einer Planke einen Nähtisch an der Stelle, an der das Zelt kaputt ist. Zum Glück scheint nur die Naht aufgerissen zu sein. So konnte mit einem bisschen Manövrieren der Nähmaschine das Zelt binnen einer Stunde wieder in Ordnung gebracht werden. Nur gut, denn es beginnt wieder zu regnen. Sebas findet, dass Multipurpose (die Initialen meines Vornamens sind MP) Steffen es wieder schön gemacht hat. Das hätte er nicht gedacht, dass es so schnell ging. Als Dank konnte ich den Rest des Tages etwas ruhiger angehen und mich ein bisschen von meiner ersten Arbeitswoche erholen. So fülle ich meinen Tag mit Hausarbeiten. Sebas kramt noch ein wenig weiter und geht an unser Ofensystem, um auch achtern einen Radiator aufzuhängen und die Schläuche zu legen. Auch spannt er das Zelt ein wenig enger. Dann kommt er auch gemütlich nach Hause, damit wir noch zeitig zu unserem Sinterklaasabend kommen. Am Sonntag gehe ich erst rudern, als ich aber gegen Mittag bei Birgitte ankomme, ist Sebas schon wieder unter Druck. Er sagt mir, dass um den Wassertank alles leer ist und dass der nun weg kann. Zuerst gehen wir noch zu Mittag essen, bringen ein paar Sachen zum Lager und dann gehen wir an die Arbeit. Wir sind beide davon überzeugt, dass der Tank auf Bügeln steht, um die Spannbänder sitzen und den Tank auf seinem Platz halten. Auch wenn wir richtig am Tank ziehen, passiert nichts. So schwer kann er doch nicht sein? Sollten die Bügel am Tank fest gerostet sein? Dann müssen wir die Bügel von der Konstruktion darunter lösen. Wunder über Wunder, lassen sich diese Muttern und Schrauben noch drehen, und mit dem notwendigen Keuchen und Stöhnen und Ächzen von Sebas in einer rotten Ecke unter Einsatz von viel Kraft bekommen wir die Bügel los. Aber nach Schleifen bekommen wir die Bügel los von der Konstruktion und fahren fort mit der Operation: Tankausbau. Wir kippen ihn hoch, aber was ist das Ding groß. Wir stellen jetzt fest, dass er eigentlich nirgendwo hin passt. Er kann sowieso nicht nach draußen und kann nur nach achtern. So manövrieren wir ihn über den Motor zurück und legen ihn dort auf die Seite. Das Loch vorn ist viel zu klein. Wir kommen hier noch durch aber nicht längs der Werkbank. Ach das stimuliert, auf Diät zu bleiben. Und dann ist der Raum um den Wassertank leer und der Wassertank steht furchtbar im Weg. Eigentlich war es nicht unsere Absicht etwas mit dem Motor und dem Tank zu unternehmen, aber jetzt haben wir keine Wahl mehr. Denn um uns mit diesem Ding nochmals abzuschleppen, fehlt uns der Sinn. So beschließen wir, um es schön zu machen und die Motivation zu behalten, ein bisschen in der Ecke zu schlafen und dann die Ecke des Wassertanks zu streichen. Dann geht es weiter mit der Arbeit an Deck, denn die nimmt uns noch sehr in Beschlag. Wenn wir dann während der Arbeit nach drinnen gehen, haben wir noch ein wenig Zeit, um danach zu gucken. Das ist auch schön und wir haben Zeit, Farbe auszusuchen.

 

 

 

27.  Birgitte hat einen neuen Fußboden / De Birgitte is gevloerd

8. Januar 2014

 

Die Farbe für den Wassertank haben wir ausgesucht. Wir beide finden grau schön. So holt Sebas bei GAMMA ein Töpfchen graue Farbe und so halten wir den Dienstagabend in Ehren und gehen wieder an die Arbeit. Als ich von meiner Arbeit bei Birgitte ankomme, höre ich bereits die Schleifmaschine. Wir wollen aber erst gemeinsam ein Brot mit Hähnchenfleisch essen und dann zusammen an die Arbeit gehen. Erst noch ein wenig schrappen und schleifen, und dann ist der Augenblick da, dass wir mit dem Malen beginnen zu können. Wieder etwas verschönern. Noch vor acht Uhr ist eine Seite gestrichen (die Unterseite, die Seiten und die Vorderseite). An den Rest kommen wir nicht. So setzen wir einen elektrischen Heizkörper an unser Werkstück und gehen wieder nach Hause. Donnerstagabend streicht Sebas noch die Oberseite, und dann ist der Tank fertig, zurückgesetzt zu werden. Donnerstagabend überlegen wir, welche Farbe die richtige für die Tankecke ist. Wir wollen diese Ecke auch mit Leinölfarbe anstreichen. Am liebsten weiß, aber dann bekommen wir zu hören, dass weiße Leinölfarbe vergilbt, wenn sie wenig Tageslicht mitbekommt. Wir zweifeln noch, was wir tun sollen, sind aber auch neugierig zu wissen, wie arg sie vergilbt. Wir wollen nämlich später die Felder zwischen den Decksbalken in weißer Farbe streichen, um das Ganze ein wenig heller zu machen. Wir sagen uns, dass der Maschinenraum ein passender Raum ist für einen Test. Wenn wir schon beim Testen sind, bestellen wir auch gleich eine andere Marke Leinölfarbe in einer kleinen Dose gelb mit weißem Zinkoxyd, um an ein ganz helles Gelb zu kommen, das vielleicht auch schön aussieht zwischen den Balken und weil diese Farbe sich nicht verfärben soll.

 

Am Samstag wollen wir dann schön malen. „Track and Trace“ verspricht uns, dass der Lack bis Mittag fertig sein soll. So gehen wir morgens hart an die Arbeit, um dafür zu sorgen, dass bis Mittag der Raum beim Wassertank gestrichen werden kann. Erst wieder schrappen, schleifen und entstauben. Zur Mittagszeit sind wir fertig. Ja, jetzt brauchen wir die Farbe und warten voll Ungeduld. Sebas fährt mit dem Fahrrad noch ein paar Mal zur Hecke, um sie dort in Empfang zu nehmen. Leider ist die Zeit bereits verstrichen, in der das Paket geliefert werden sollte und wir sehen keine PTT. Um halb drei sehe ich auf einmal einen Kleinbus mit POST NL ankommen und ich spurte zum Hafen zum Empfang. Wir können endlich schön mit dem Anstreichen beginnen. Mit viel Freude öffnen wir diese neuen Farbtöpfe und mengen Sikkativ (Trockenmittel) darunter. Es deckt nicht direkt, aber man kann den Unterschied deutlich sehen. Alles wird nun viel heller. Das Malen ist ziemlich schwer, denn man muss den Pinsel gut leer streichen und dafür muss man kräftig drücken und das noch größtenteils über dem Kopf. Aber wir machen es mit viel Vergnügen mit Musik im Hintergrund, und am Ende des Vormittags sind wir glücklich mit dem Resultat, auch wenn wir Blasen an den Fingern haben. Wir setzen uns an das Öfchen und gehen dann nach Hause.

Am Sonntag ist wieder schönes Wetter und wir können wieder ein Stück pichen. Wir gehen wieder voll Mut ran, finden aber beide es nicht so fröhlich, aber das Deck muss dicht werden und so halten wir durch. Um 4 Uhr sind wir beide aber fertig, denn es ist sicher, schrappen ist Schwerstarbeit. Wir müssen noch drei Fugen an Backbord machen und dann ist der äußere Rand der Backbordseite dicht. Wir werden es schaffen, sagen wir. Wir räumen noch ein wenig auf, und dann ist der Wochenendjob schon wieder am Ende.

 

An unserem Arbeitsabend am Dienstag ist die Farbe im Maschinenraum gut getrocknet und damit klar für Lage zwei. Diese Lage geht viel schneller. Also zu zweit haben wir es in einer Stunde gestrichen. Es deckt überall gut. Wir finden es gut für hinter und unter dem Tank.

 

So kann nun Weihnachten kommen. Wir haben gedacht, dass es schön wäre zu Weihnachten auf Birgitte auf dem heißen Stein zu grillen. Das Problem ist nun, dass nicht alle so gut sitzen können, weil noch kein richtiger Fußboden verlegt ist. Wir hatten schon lange beschlossen, einen Fußboden zu verlegen, um alles etwas einfacher zu machen und nun scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein.  Sicher auch deshalb, weil wir mit alt und neu an Bord schlafen wollen und ein Luftbett auf einem flachen Boden schön wäre.

 

Am Freitagabend holen wir deshalb das Holz bei GAMMA, damit wir am letzten Wochenende vor Weihnachten den Boden verlegen können. Wir wählen 50 x 75 mm als Balken für die Aussparungen im Beton, auf denen der Boden liegen soll. Dafür kaufen wir Unterlagen und lassen die Platten bei Gamma mittig sägen, anders können wir sie nicht unter Deck schaffen und bei GAMMA ist es mit GAMMA-Karte gratis.

 

Am Samstagmorgen gehen wir an die Arbeit. Sebas sägt noch einige Latten für unter die Balken, damit wir den Boden etwas höher legen können. Unterdessen säge ich die ersten Balken auf Maß. Diese Balken setzen wir mit Dübeln in den Beton. Aber bevor wir das machen, setzen wir sie erst noch in rohes Leinöl, um sie zu schützen. Wir verwenden hierfür das rohe Leinöl, in dem die Pinsel abgestellt sind. Etwas wegzuwerfen ist Sünde und das geht bei Leinöl bestimmt nicht.

 

Als der erste Teil der Balken liegt, ist es Zeit für die ersten Platten. Dann ist die Frage, was ist richtig und wo beginnen wir; messen wir. Wir beschließen, uns an das Maschinenraumschott zu halten und bestimmen die Mitte der Rinne, die im Boden ist, als Schiffsmitte. So legen wir die ersten Platten. Zusammen geht das ganz flott. Besonders gut mit zwei Akku-Schraubern, damit wir beide versenken, vorbohren und festschrauben können. Zum Lunch können wir den Tisch auf ein Stück Fußboden setzen, und das ist doch ein ganzes Stück bequemer als ihn auf Stühlen zu platzieren. Bis zum Ende des Mittags liegen alle einfachen Platten, und nur die Seitenplatten müssen noch gelegt werden, die auf Maß zu schneiden sind. Aber wir müssen ja auch morgen noch was zu tun haben. Um festzustellen, wie das geht, machen wir die erste Platte auf Maß und das geht ziemlich schnell. So beschlossen wir, nach Hause zu gehen, um ein wenig auszuruhen und morgen wieder weiterzumachen.

 

Weil wir gestern so weit gekommen sind, brauchen wir heute nicht so superfrüh aufzustehen. So starten wir am Morgen etwas später und nehmen die Maße der Seitenplatten. Das ist noch vor dem Mittagessen fertig. So schrauben wir nach dem Mittagessen den ganzen Boden wieder los und setzen auch diese Platten an der Unterseite zum Schutz in Leinöl. So können wir auch unter dem Boden gut staubsaugen. Wir schrauben den ganzen Boden fest, hängen die Weihnachtsbeleuchtung auf und sind bereit für Weihnachten.

Am Weihnachtstag arbeitet Sebas an der Siquieres, während ich Vorbereitungen für den Heiße-Steine-Grill an Bord treffe. Leider bricht Sebas am Morgen noch durch die Strickleiter (das Seil riss) und dann ist es doch schwierig, Gäste zu empfangen, und so machten wir schnell mittags noch eine neue. Drinnen ist es nun recht gemütlich mit einer gedeckten Tafel. Jetzt brauchen wir nur noch auf die Gäste zu warten und dann kommt das erste Weihnachtsfest an Bord.

 

Nach den Festtagen muss man sich immer erholen. Wir machen das natürlich auf der Birgitte. Dort wartet noch immer ein Deck darauf, abgedichtet zu werden. Also gehe ich am Samstag zur Abwechslung mal wieder daran, Fugen zu leeren. Sebas passt noch die Konstruktion um den Besan an, damit er nicht so leicht wegweht. Nachmittags kalfatere ich noch ein Stückchen.

 

Sonntags habe ich Unterhaltung zu Hause. Sebas kann nicht ohne sein anderes Frauchen und geht deshalb zur Birgitte. Am Nachmittag ist er wieder gemütlich zu Hause und arbeitet hier weiter, wie beinahe jeden Abend, am Elektrizitätskasten für den Maschinenraum. Dann ist es wieder alles beim alten. Wir befürchten, dass unser wertvollster Besitz von einer Feuerwerksrakete getroffen werden könnte und beschließen, an Bord zu schlafen und zu wachen, dass unser Traum nicht abbrennt. Sie ist schon einmal gesunken und das ist wohl genug.

 

Mit Krapfen, Luftmatratze und Fernseher steigen wir an Bord für einen gemütlichen Abend und machen es uns im Bett vor dem TV bequem. Um 12 Uhr stecken wir noch unser Feuerwerkspaketchen von HEMA für 10 € an und dann ist es schon 2014. Wir fangen natürlich mit dem Scherzchen an, dass wir genau so gut hätten zu Hause bleiben können, denn es gab keine Raketen in der Nachbarschaft. Es war aber ein schöner Start ins neue Jahr, die erste Nacht auf Birgitte zu verbringen.

28. Nein, wir sind noch nicht fertig

      19. Januar 2014

 

 

Wie können wir das neue Jahr beginnen? Natürlich mit einem Update der Ofengeschichte auf Version 1: Ichweißnichtmehr. Während ich am Samstag mich noch etwas von den Festtagen erhole und die nötigen Haushaltsarbeiten verrichte, befasst sich Sebas mit der Verbesserung des Ofensystems durch Anschluss eines zweiten Radiators im Maschinenraum.

 

Den Sonntag verbringen wir mit unserem auch für dieses Jahr großen Hobby: dem Pichen. Wir bearbeiten den äußersten Rand an der Backbordseite, damit wir auch mit viel Vergnügen an steuerbord weitermachen können. Ich habe an dieser Seite bereits mit dem Auskratzen der Fugen begonnen.

 

Dann bekommen wir einen lieben Anruf von meinen Eltern. Sie wollen uns ein ganzes Wochenende helfen, natürlich nur, wenn wir was zu tun haben. Natürlich haben wir was zu tun! Sie sind eindeutig längere Zeit nicht mehr hier an Bord gewesen. Denn es ist immer, wohin du auch siehst, etwas zu tun. Die meisten Leute, die wir sprechen, meinen, wir seien fast fertig, weil wir jetzt einen Fußboden haben. Das Gegenteil aber ist der Fall! Der Boden war nur eine kleine Zwischenstation, aber das Deck ist noch undicht und wir haben auch kein fließendes Wasser oder so etwas. Nun ja, wenn du einen Baukübel an Deck leerst, strömt das Wasser sehr wohl nach drinnen. Aber so zu duschen, ist sicher nicht das Richtige. Auch zum Toilettengang brauchen wir einen Eimer oder „über die Kante“. Kurzum, wir sind noch nicht fertig!

 

Auch für meine Eltern gibt es also genug zu tun. Es ist aber geschickt, eine Prioritätenliste und eine Arbeitsliste für das kommende Wochenende zu erstellen. Im Lauf einer Woche wird die Liste immer länger und wir bestellen noch die benötigten Materialien, damit die Zeit möglichst effektiv genutzt werden kann.

 

Am Freitag erledigen wir gemeinsam den Haushalt im Rapp-Tempo, damit wir das ganze Wochenende über richtig arbeiten können. Am Samstagmorgen um 9 Uhr steht unsere Hilfe schon in der Tür, um den anderen Logiergast Ricky (die Katze) in die Schlafsachen zu packen aber auch, um die erste Arbeit vorzubereiten. Eine der großen Aufgaben in der Liste ist nämlich die Herstellung und das Höhersetzen der Besanstütze im Maschinenraum. Früher war das eine Konstruktion, unter der man nicht gehen konnte. Wir hatten diese schon vor einiger Zeit entfernt, um das Leben an Bord leichter zu machen. Auch hatten wir bereits Zeichnungen angefertigt, wie die Konstruktion aussehen soll. Das stand nicht so hoch auf der Prioritätenliste, deshalb war noch nichts geschehen. Aber wir wollen alle Systeme in den Maschinenraum einbauen und so müssen alle großen Geräte an ihren Platz kommen und so auch die Konstruktion der Besanstütze. So suchen wir wieder Rat bei unserer Zeichnung und wie wir es bedacht hatten und lassen meine Eltern allein, denn sie machen im Garten alles nach Maß und kommen dann zur Birgitte.

 

An Bord der Birgitte treffen wir noch die notwendigen Vorbereitungen. Ich habe noch die Aufgabe einzukaufen, denn gutes Essen während der Arbeit ist nun mal wichtig! Kurz vor dem Essen ist jeder auf der Birgitte. Erst machen wir einen kleinen Rundgang entlang unserer getanen Arbeit. Unseres Erachtens nicht so viel, aber meine Eltern meinen doch, dass etwas passiert ist. Das gibt uns wieder ein gutes Gefühl. Es ist auch schön, dass wieder Menschen mit einem frischen Blick auf die Sache helfen kommen. Dann ist es wieder Zeit, an die Arbeit zu gehen. Sebas und Jaap kümmern sich um die Besanstützenkonstruktion, während Marjolein und ich auf dem Deck starten. Marjolein geht mit der Fein an den Start und holt im Papp-Tempo die Fugen an Steuerbord leer. Ich probiere mit dem Kalfatern Schritt zu halten, aber das ist eine unmögliche Aufgabe. Sicher auch deshalb, weil ich neugierig bin, was mit der Besankonstruktion passiert. So unterbreche ich ab und zu meine Kalfatarbeit und sehe wie sie Gestalt annimmt. Am Kai wird hart geschliffen und geschweißt. Und dann ist es Zeit, die Stütze erstmals anzupassen, Sag, was für ein Gewicht! Zum Glück machen viele Hände die Arbeit leichter. Mit Hilfe aller, einem Kuhfuß und einigen Schlägen sitzt sie. Zeit, es zu feiern und einen Drink zu nehmen. Viel Zeit haben wir dafür nicht, denn er ist noch nicht richtig klar und das Deck auch nicht.

So wird weiter rangeklotzt!  Sebas legt inzwischen seine erste Fuge, um sie stolz zu zeigen. Vielleicht hätten wir ein Stahlschiff kaufen müssen, denn so schlecht sieht er nicht aus. Aber dann hätten wir wohl nicht so viel Spaß gehabt, Oder? Am Nachmittag passen wir die Konstruktion noch einmal an und glücklicherweise passt sie, nachdem wir sie geschweißt haben. Dann ist es Zeit, sie zu streichen, denn dann kann sie morgen richtig platziert werden und auch die Rohrstütze kann gemacht werden. Dieses Rohr ist das letzte Unterteil unter dem Balken, um diesen nochmals gegen den Kielbalken abzustützen. So können wir sicher sein, dass der Besan stehen bleibt. Um halb sieben ist die Hauptkonstruktion grundiert und wir können mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Es war wieder ein erster erfolgreicher Arbeitstag.

 

Nach einem guten Frühstück mit einem Eichen und Croissants ist es Zeit für den zweiten Arbeitstag. Marjolein kann nicht genug bekommen vom Fugenauskratzen, sinkt wieder auf ihr kleines Kissen und geht an die Arbeit. Ich begebe mich weiter ans Kalfatern, denn dann können wir vielleicht noch am Nachmittag ein paar Fugen pichen. Sebas und Jaap machen mit der Stütze weiter, wir müssen nur helfen, sie wieder an ihren Platz zu stellen. Das geht mit ein wenig Farbe auch ganz gut, auch wenn es ein paar Schweißtröpfchen forderte. Zur Mittagszeit ist die Stütze fertig und ich habe genügend Fugen kalfatert, um meine Eltern einen Nachmittag die Pech-Erfahrungen machen zu lassen.

 

So bereiten wir nach dem Mittagessen schnell das Pichen vor. Pechkocher am Ufer, eine kurze Anleitung und ran geht’s. Auf vier Personen können wir die Aufgaben gut aufteilen. Marjolein saugt mit dem Staubsauger die Fugen sauber, und Jaap gießt das Pech unter meiner Aufsicht. Sebas kratzt sauber und ich arbeite, wo nötig, nach. So geht es ganz flott. Wie das kommt, bleibt selbst bei langem Nachdenken ein Rätsel. Wir hoffen, dass es für mehr als einmal gilt.

 

Gegen drei Uhr ist vor allen Sebas geschafft. Wir können es uns gut vorstellen, denn das Kratzen ist ziemlich schwer. Aber nun ist wieder ein Stück dicht! Wir fragen uns, was meine Eltern so empfinden, denn wir finden, es ist nicht die schönste Arbeit auf der Welt. Darüber sind sie sich auch klar. Sonst hätten wir es gern aus der Hand gegeben. Aber sie wollen noch einmal wiederkommen, um zu helfen. So muss ich also wieder schnell weiterkalfatern. Aber heute nicht mehr, denn morgen ist ein gewöhnlicher Arbeitstag. So ist es Zeit, nach Hause zu gehen, um sich von diesem Arbeitswochenende zu erholen. Wir danken meinen Eltern sehr, denn es ist wieder schön was passiert an diesem Wochenende. Wir sind zwar immer noch nicht fertig, aber können wieder Arbeiten aus unserer Liste streichen und das gibt uns ein gutes Gefühl.

 

 

 

29. Ein Jahr vorbei!

3. Februar 2014

 

 

Diese Woche überschlagen wir einmal unseren regelmäßigen Arbeitsabend. Ich bin geschafft von einem Basis Offshore Training und Sebastian fühlt sich auch nicht gut. So stellen wir unsere Arbeitsaufgaben bis zum Wochenende zurück, das dieses Mal recht lang ist, denn wir haben uns für Montag frei genommen. Das bedeutet, dass wir leider für drei Tage nicht an Birgitte arbeiten können. Unser Ziel ist, uns selber wieder ein bisschen zu erholen. Sebastian hat Nick versprochen, ihm beim Umzug zu helfen. Was er gerne tut, denn Nick hat uns im Dock sehr geholfen. Sebas geht also am Samstag zu Nick und ich arbeite die rückständigen Arbeiten ab, wie Verwaltung und Haushalt. (Muss ja auch mal gemacht werden). Sonntag sind wir aber wieder schön auf der Birgitte und streichen die neue Besanstütze und das Schott am Motor mit Leinölfarbe. Das stand eigentlich auf Marjoleins Arbeitsliste für das abgelaufene Wochenende. Aber sie war so beschäftigt, dass sie hierzu nicht gekommen ist. Das finden wir gar nicht so schlimm, denn so können wir genüsslich gemeinsam anstreichen. Leider hatten wir voriges Mal die falsche weiße Farbe gekauft. So mengen wir erst die Farbe mit gelber Leinölfarbe, um den richtigen Ton zu erhalten. Bald schon hatten wir nach Gefühl die Farbe so abgestimmt, dass sie mit der Farbe übereinstimmt, mit der das andere Stück Maschinenraum gestrichen war. So können wir also loslegen. Wir streichen beide eine Hälfte. Natürlich ist Sebas wieder früher fertig. Aber schnell begreife ich auch warum. Er hat einen viel größeren Quast, der viel schneller streicht. Aber da wir uns ein bisschen helfen, sollen wir wohl denken, dass ich ganz schön beschäftigt bin. Sebas streicht noch die Besanstütze weiter an und ich gehe noch ein paar Kalfatmeter machen. Das Deck ist noch immer unsere Arbeit und Marjolein hat am vergangenen Wochenende eine Menge Fugen leer gekratzt, genug Arbeit, um sie zu kalfatern.

 

Montag ist unser Ruhetag. Wir finden es herrlich, uns nicht so früh erheben zu müssen. Aber natürlich sind wir zeitig auf und beschließen, zum Dock zu fahren. Ich habe am Sonntag noch schnell ein paar Fotos aus der Dockperiode herausgesucht und vielleicht sind sie am Dock froh, die Bilder für das Dock zu besitzen. So setzen wir sie noch schnell auf einen USB-Stick und machen uns auf den Weg. Es macht uns Freude, wieder einmal in das Dock zu schauen. Wir empfinden es immer noch komisch, dass unser Dock wieder besetzt ist. In unserem Dock steht nun der „Büffel“ und den wollen wir doch gerne einmal besichtigen. Sie scheinen in Holzarbeit bewandert zu sein und so machen wir uns auf den Weg, um Ideen zu bekommen. Als wir in das Terrain kommen, erkennt Hans uns auch direkt und lädt uns zu einem Kaffee oder Tee ein. So können wir mit allen Dockarbeitern reden und haben danach noch einen schönen Morgen mit Hans. Danke Hans!

 

Am Nachmittag müssen wir natürlich noch etwas an Birgitte tun, und so geht Sebas hin, um das Schott mit Glaserkitt zu grundieren. Aber er hat es eigentlich sofort bereut, denn es wirkt nicht fein und später stellte es sich noch heraus, dass es nicht schnell trocknet und sich nicht gut schleifen lässt. Jedenfalls machen wir das drinnen nicht mehr. Ich arbeite noch etwas am Blog und Verwaltung und zusammen basteln wir noch am Schaltschrank. Dann beginnt auch für uns wieder das normale Leben und wir gehen wieder zur Arbeit.

 

Diese Mal arbeiten wir am Mittwochabend, weil die Grundierung noch nicht trocken ist und wir noch nicht mit dem Anstreichen beginnen können. Am Mittwochabend streichen wir noch einmal das Schott. Damit wir hier schnell mit klar kommen, probieren wir auch noch die Farben, die wir als Test bestellt haben, an Decke und Balken.

 

Zwischendurch wurden wir auch noch von Jan angerufen. Rara? Weshalb ruft er an? Ja, er hat eine neue Rah für uns ausgesucht! Nach langem Suchen im Wald hat er die perfekte Lärche im Wald für uns gefunden und gefällt. So ist eine neue Rah in der Herstellung.

 

Am Samstag veranstaltet Sebas das große Aufräumen an Bord. Denn im Laufe der Zeit finden sich immer mehr Dinge an Deck ein und es liegt überall etwas herum. So, eine große Säuberungsaktion hin und wieder kann nicht schaden. Als ich von der Arbeit komme, komme ich am Ende des Nachmittags noch dazu und gemeinsam machen wir die Bilge an Backbord neben dem Motor sauber. Dabei kuschele ich ein wenig mit dem Motor. Ich bin so schlau, mich auf einen fettigen Spant zu setzen und so gleite ich schön unter den Motor. Zum Glück erscheint Sebas als rettender Engel und zieht mich wieder darunter hervor. Die Bilge ist schmutzig und fettig und wir schrappen sie buchstäblich rein.

 

Während ich am Sonntagmorgen zum Rudern bin, malt Sebas sie noch weiß (die Spanten, die Haut lassen wir überall unbehandelt.) und im weiteren Verlauf macht er auch die andere Seite noch schön. Als ich vom Rudern zurückkomme, begebe ich mich schnell an ein Stück kalfatern, denn durch meine Mutter sind wieder viele Fugen ausgekratzt worden und müssen wieder abgedichtet werden. Am Ende des Wochenendes ist alles wieder ein Stück aufgeräumter, die Bilge ist sauber und teilweise gestrichen und es ist auch wieder ein Stückchen kalfatert worden. Ich sage, wir sind gut beschäftigt!

 

Am Dienstagabend kalfatere ich noch ein Stück weiter und Sebastian streicht noch einmal die Bilge.

 

Und dann gibt es wieder ein großes Arbeitswochenende. Meine Eltern kommen an diesem Wochenende wieder helfen und so machen wir wieder eine flotte Aufgabenliste, bestellen noch die nötigen Materialien, machen am Freitag noch die nötigen Haushaltsarbeiten und dann sind wir wieder klar für ein hartes Arbeitswochenende. Marjolein war beim letzten Mal so gut beschäftigt, dass wir beschlossen haben, diese Arbeit fröhlich fortzusetzen. Das findet sie auch in Ordnung und das haben wir das ganze Wochenende gewusst. Sie ist nicht aufzuhalten! Wenn wir essen wollen, muss sie noch eben eine kleine Fuge fertigmachen, und es gibt fast keinen Übergang von einem Staubsauger- zu einem FEIN-Maschinengeräusch. Das Ergebnis ist, sie verschwindet an steuerbord nahezu aus unserem Blick. So ist die Steuerbordkante leer gekratzt und auch das Mitteldeck ist größtenteils leer. Ich bemühe mich, mit dem Kalfatern ein wenig Schritt zu halten, aber das glückt mir natürlich nicht. Das ist auch nicht schlimm, denn so kann ich mich in der kommenden Zeit gut mit ihr unterhalten und hoffe, zwischendurch noch ein paar Fugen leeren zu können.

 

Mein Vater wird unter Deck immer ein bisschen tauber und schmutziger. Durch mein Gehämmer kommt immer etwas schwarzer Staub nach unten und es macht einen üblen Lärm. Er ist dabei, die schönen Elektroschränke, die Sebas im Häuschen zusammengesetzt hat, aufzuhängen und anzuschließen. Mit dem Ergebnis, dass wir Samstagabend auf einen ordentlichen Landanschluss umschalten können. Wir sind glücklich! Am Sonntag macht Jaap auch noch den Rest der Verkabelung, womit wir auf einmal einen richtig hohen Maschinenraum haben und hier kein Kabel mehr hängt und wir alle Lichter und die anderen Dinge mit ordentlichen Schaltern einschalten können. Allerdings gibt es an diesem Wochenende noch weitere Highlights zu erleben, denn Sebas ersetzt das erste Stück Deck und fräst und entfernt noch weitere Deckstücke. Jaap sieht noch am Sonntag nach dem Generator, denn der regelt nicht gut, wenn er belastet wird. Wir sind immer noch besorgt, dass wir ein Schnäppchen zu billig gekauft haben. Aber sobald die Haube offen ist, sieht Jaap es sofort. Der Steuerhebel läuft ständig an einem Kabelschuh. Er ist so angeordnet. Er ordnet es noch ein wenig besser an und regelt ihn noch ein wenig besser ein. Jaap ist nicht zu stoppen. Er will noch etwas Holz aufräumen, das vorn liegt. Weil mein Arm nicht mehr so richtig kalfatern will, gehen wir gemeinsam ans Aufräumen und machen einen schönen Holzdachboden. Dann scheint Birgitte wieder ein wenig größer zu sein, weil man weiter nach vorn gucken kann.

 

Cees und Finy kommen auch noch vorbei, um die Veränderungen zu sehen.

 

Und dann gibt es noch eine große Neuigkeit, denn am Samstag war der Festtag! Birgitte gehört uns nun ein Jahr. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Wir haben den Gedanken noch nicht so richtig realisiert und denken nachmittags daran, was sich in der Zwischenzeit alles verändert hat. Wir sitzen jetzt in einem leeren Raum, und das war vor einem Jahr völlig anders. Dazu sitzen wir nun trocken und es tropft nicht mehr alles. Sie ist nun gelb statt schwarz und wir müssen nicht jeden Tag nachschauen, ob sie noch schwimmt. Kurz, es wurde viel getan und es gibt aber auch noch eine Menge zu tun. Das feiern wir abends mit Apfelknödel, während wir mit Jaap noch durch die elektrischen Installationspläne schauen. Es ist noch ein richtiges Puzzle, das alles richtig hinzubekommen.

 

So haben wir dann am Sonntagabend unsere Augen geschlossen nach einem anstrengenden Arbeitswochenende, an dem wieder eine ganze Menge geschehen ist, und wir träumen von allem, was in der Vergangenheit passierte und was in den kommenden Jahren noch alles zu geschehen hat. Es bleibt immer noch viel Arbeit, aber wir sind noch immer glücklich mit dem Abenteuer, das wir eingegangen sind und gehen guten Mutes der kommenden Zeit entgegen.

 

 

30.   Ein Lamborghini

21. Februar 2014

 

 

Während der Woche sind wir abends immer am Puzzeln, ein gutes Ofensystem für Birgitte zu finden. Die Frage ist: mit oder ohne Wasser und wie viel Liter Warmwasser/Minute muss es dann geben? Kann man diesen Ofen an einen normalen Thermostaten anschließen und was ist das Angebot auf dem Markt? So puzzeln wir vor uns hin und schließlich fällt unser Auge auf einen Lamborghini. Etwas, was wir lustig finden, denn wie oft kann man nun sagen, dass man einen Diesel-Lamborghini kaufen geht. Das ist eine etwas zu große Lösung für Birgitte (30kW) mit Brauchwasser. Aber was soll’s? Der Preis ist so, dass wir es einfach mal probieren wollen. Der einzige Nachteil ist, dass er ganz in der Nähe von Sneek zum Verkauf steht.

 

Zum Glück kann dieses Problem teilweise dadurch angegangen werden, dass Freunde uns fragen, ob wir nicht einen Expertenrat für einen hölzernen Kutter geben wollen, der in Zwolle zum Verkauf steht. So sind wir dann auf Reise. Am Samstag gehen wir auf Reise durch die Niederlande. Währenddessen holen Jan und Janneke für uns ein Schränkchen ab, das wir auch auf dem Marktplatz gekauft haben als Küchenmöbel, damit wir vorübergehend an Bord wohnen können. Den holen wir am Abend wieder bei ihnen ab und bekommen ihn nur mit Mühe in Sebas Auto. Nicht weil der Schrank so groß und schwer ist, aber der Lamborghini ist es. Den kannst du nicht einfach bewegen. Dadurch mussten wir schlussendlich das Küchenschränkchen über den Vordersitz nach hinten schieben, aber ich muss hinten sitzen, um alles fest zu halten bei Genuss von köstlicher Landluft. Denn die Heizung hat immer im Stall gehangen und das kann man auch gut riechen.

 

Nach unserer Weltreise am Samstag wollen wir am Sonntag doch gerne wieder etwas Richtiges tun. Beginnen wir mit dem Herausholen der Heizung aus dem Auto. Weil sie aber sehr schwer ist, beschließen wir, dass es doch sehr praktisch wäre, sie gleich auf ein Wägelchen zu setzen. Leider liegt dieses noch in unserem eigenen Häuschen. So fährt Sebas das Ufer hoch und ich gehe in der Zwischenzeit zur Birgitte, um ein Stückchen weiter zu kalfatern. Als Sebas zurück ist, beginnt das Abenteuer. Denn der Hund(das Wägelchen) ist natürlich nicht so hoch wie das Auto. Nach mehrmaligem Probieren und Drehen, glauben wir, dass es klappen muss, wenn wir schnell anheben. Zum Glück geht das ganz ordentlich und unsere Rücken sind auch noch in Ordnung.

 

Dann können wir unser Schränkchen auch noch gut betrachten und das sieht für 10€ gar nicht so schlecht aus. Aber dann muss es auch noch in die Birgitte. Voll guten Mutes ließ ich es durch den mittleren Niedergang hinunter. Unten steht Sebas bereit, es zu empfangen. Aber es verklemmt sich und man kann nur eins machen: es muss auseinandergenommen werden. Zum Glück geht das einfach. Drinnen setzen wir es wieder zusammen und ich fülle es mit  Böden, Geschirr und Pfannen, die alle an Bord sind. Aufgeräumt sieht es doch ganz gut aus.

 

Den Rest des Tages füllen wir mit Kalfatern und Sebas stellt ein Stück Ersatzdeck her, als Ersatz für das Deckstück, das er in der vergangenen Woche demontiert hatte. Am Ende des Mittags haben wir den kräftigen Wind und das Flattern des Zeltes satt und gehen nach Hause, denn da gibt es auch noch nützliche Dinge zu tun. So beginne ich mit den überarbeiteten Schaltplänen in Auto-CAD, und Sebas baut die Ampere- und Voltmeter in den Schaltschrank ein, den er von der Birgitte mitgebracht hat. Und dann ist das Wochenende auch schon wieder gelaufen.

 

Es ist aber auch wieder schnell Dienstagabend, unser fester Arbeitsabend. Dieses Mal haben wir uns vorgenommen, etwas zu tun, was nicht so nützlich scheint, was aber dringend getan werden muss; den Lagerschuppen aufräumen und das Erstellen von Regalkästen. Wir ziehen uns die Klamotten an, die auch mal staubig werden können, denn echt sauber ist es dort nicht und machen uns an die Arbeit. Erst einmal räumen wir den Platz für die Stellagen und setzen sie dann zusammen. Leider ist es diesmal ein Problem, dass manche Zapfen so verbogen sind, dass sie nicht in das Gegenstück passen. Aber nach einigen harten Schlägen und Gemurre passen sie doch ineinander und wir räumen sie schön ein. So bekommen wir wieder einen Fußboden, den wir belegen können und wir können auch überblicken, was wir alles haben. Und ja, das ist eine Menge!

 

Den Rest des Abends füllt Sebas mit dem Verdrahten von Relais-Schaltungen. Denn wenn du Sebas sagst, sag Relais! Ich arbeite unterdessen an den elektrischen Schaltplänen. Freitagabend werden diese nochmals von Jaap geprüft und ich habe wieder eine kleine Liste mit nötigen Anpassungen. Samstag fülle ich mit dem Ausgießen der Fugen. Ich kann mal wieder ein Stück fertig stellen und der Seitenrand an Steuerbord ist nun komplett kalfatert, außer den Stücken, wo Sebas neue Decksplankenstücke einsetzt. Die fülle ich noch am Sonntagmorgen. Dann muss ich leider zur Arbeit für meinen Wochenenddienst. Sebas nimmt es nicht so tragisch und fertigt schöne neue Deckstücke an und er installiert die Anzeigerinstrumente in unserem Landanschlusskasten; etwas was wir zusammen genießen. Denn wir haben nun bewegliche Sachen an Bord und schalten das Licht zum Spaß ein- und aus, um Standortveränderungen zu beurteilen. Bei was man alles Vergnügen haben kann, was? Montagmittag nehme ich frei, um meine Sonntagsstunden wieder auszugleichen und beginne fröhlich mit dem Kalfatern des Mitteldecks. Denn das muss getan werden, nicht wahr?

 

 

31. Ein Stück weniger

24. März 2014

 

Dienstagabend beginnen wir mit einer Arbeit, die ich persönlich doch etwas weniger schätze. Wir brechen den Vordereingang im Bug ab und das aus mehreren Gründen. Zunächst einmal wollen wir besser an die Ankerwinde kommen. In Zukunft wollen wir diesen Niedergang nicht mehr als echten Eingang benutzen, sondern nur noch als Notausgang, darüber hinaus muss er einfach ersetzt werden. Wir finden es bestätigt, als wir an den Abriss gehen. Viel Holz ist wirklich verrottet. Mit großen Herzschmerzen brechen wir ihn schnell ab, weil er so schön gemacht worden ist mit gebogenen Balken. Aber er ist echt schlecht und so müssen wir unser Werk fortsetzen. Als der Niedergang erst einmal weg ist, sehen wir, dass es ein wirklich großer Eingang ist. Praktisch für die Zukunft, denn so können wir hier unsere großen Sachen nach unten schaffen. Bisher war das nicht möglich durch den Bogen darüber.

 

Am Wochenende fahren wir mit unserer üblichen Arbeit fort. Ich kalfatere Fugen und Sebas ersetzt Planken an Deck. Am Sonntag kommt auch noch Jan zu Hilfe. Wir haben daran gedacht, dass er damit beginnen kann, eine neue Luke für den vorderen Eingang anzufertigen. Wir wollen hier keinen neuen Eingang mehr machen sondern eine Luke mit Plexiglas, damit wir drinnen mehr Licht haben. Für eine solche Luke muss erst einmal eine gute Unterlage vorhanden sein, und so geht Jan an die Arbeit, noch mehr Holz wegzunehmen, damit er von gutem Holz aus wieder aufbauen kann. Leider kommt er schnell mit etwas zu uns, das eine schlechte Nachricht für uns zu sein scheint. Er findet nämlich zwischen dem Holz etwas, das dem Holzwurm sehr ähnlich ist und lebt! Unsere Herzen stehen still! Aus einem Reflex hat Jan das Tier getötet und dabei in drei Teile zerschnitten. Wir beschließen, ein Foto davon zu machen und es dann wegzuwerfen. Wir denken alle, dass es eigentlich unmöglich ist, dass so schnell wieder ein Holzwurm in der Birgitte nistet. Sollte es wirklich hoffnungslos sein, ein Holzboot zu haben oder haben nur wir so viel Pech? Wir hoffen stark, dass es etwas anderes ist. Aber bevor wir es nicht sicher wissen, stellen wir erst Mal alles auf „Halt“. Leider ist es natürlich wieder Sonntag, wenn so etwas passiert, und so können wir eigentlich nichts anderes machen, als nach Hause zu gehen und dort im Internet nachzuschauen. Mit Blei in den Schuhen räumen wir auf und Jan geht nach Hause. Wir sind sehr ruhig und eigentlich auch im Stillen ein wenig krank. Zu Hause vergleichen wir das Foto mit dem vom ersten Mal. Sie gleichen sich jedenfalls zum Glück nicht ganz. Das gibt uns etwas mehr Ruhe. Aber es gibt verschiedene Arten von Holzwürmern und so richtig ruhig macht uns das nicht. Vom Googlen wird es auch nicht viel besser. Also beschließen wir, am folgenden Tag mit der Firma Van Meijsel Kontakt aufzunehmen, die auch Birgitte begast hat. Die müssen es doch klären können. Ihr könnt sicher begreifen, dass wir schlecht geschlafen haben. Wir senden noch am Abend eine Mail mit dem Foto in der Hoffnung am folgenden Tag früh eine Antwort zu bekommen. Allerdings denken wir nicht daran, dass in dieser Ecke des Landes Karneval ist und deshalb nicht viele Leute arbeiten. Am Montag kann ich die Spannung nicht länger aushalten und „zapple“ alle Telefonnummern durch, die ich noch in meinem Telefon von Van Meijsel hatte. Zum Glück meldet sich jemand am Nachmittag und verspricht, so schnell wie möglich zu reagieren. Kurz nach meiner Arbeit wurde ich angerufen. Zum Glück sehr gute Nachricht! „Das ist kein Holzwurm!“ Ich fühle mich spontan ein paar Kilo leichter(leider ist es nicht so), aber Birgitte ist noch holzwurmfrei! Was es genau ist, können sie nicht sagen, aber sie sind sicher, dass es kein Holzwurm ist. Außer, dass das Tierchen nicht wie ein Holzwurm aussieht, wurde mir deutlich gemacht, dass es unmöglich ist und selbst bei einer schlechten Begasung(was es sicher nicht war) sie nicht vor 6 Jahren wiederkommen können. Schau, das gibt deinem Kopf Ruhe! Denn Geld für eine neue Begasung haben wir nicht und es wäre verrückt, wenn wir es jährlich wiederholen müssten! So gehen wir also wieder gern ans Werk. Und das tun wir gerne, denn wir haben beide  am Montag frei genommen, um an einem langen Wochenende „lecker“ ans Werk zu gehen. Sebas beschließt, an einem der schlechtesten Stücke des Decks, in der Nähe des Deckrands am Achterdeck anzufangen. Zuerst demontieren wir die Ducht (Sitzbank), damit er gut an das ganze Deck kann. Sebas entfernt dann die Abdeckung über der Hydraulikleitung von der Steuersäule. Auch die ist arg schlecht. Und dann beginnt er vorsichtig mit dem Entfernen von faulen Holzstücken. Dann wurde ich schnell gerufen. Inzwischen bin ich fröhlich wieder beim Kalfatern. Das Achterdeck ist doch zum großen Teil faul. Die Frage ist, ob es nicht besser ist, ganze Planken zu ersetzen. Wir sehen es uns nochmals genau an und beschließen, an Backbord anzufangen und in jedem Fall drei Balken wegzunehmen. Um hier gut dranzukommen, muss erst die Hydraulik und die dazugehörige Befestigung von der Steuereinrichtung weggenommen werden. Sebas ist damit beschäftigt, als Jan und Marjolein mit der Novatrix längs kommen, um mal eben zu gucken und gesellig ein Fischchen mit uns zu lunchen. Es glückt Sebas noch nicht ganz, den Hydraulikzylinder zu lösen. Jaap macht den Vorschlag, mal eben dabei zu helfen. Und so sitzen wir wieder schnell gesellig an Deck. Aber auch Marjolein kann natürlich nicht still sitzen und so geht sie wieder mit der FEIN ans Leeren der Fugen, während ich das Mitteldeck kalfatere. Ich finde es wieder sehr gesellig, mit all den Seinen zusammen zu arbeiten. Allzu lange können wir nicht, weil wir Jan und Janneke versprochen haben, bei ihnen zu Abend zu essen. Aber der Hydraulikzylinder wollte nicht loslassen, so kam es, dass was man in einem Stündchen hätte machen können, einen halben Tag Arbeit erforderte und selbst dann ist die Arbeit noch nicht voll getan. So nimmt Jan ein Stück mit auf die Novatrix, um später daran arbeiten zu können. Denn es muss und soll los gehen!

 

Sonntagmorgen kommt Jan noch helfen. Er geht vor mit der Fertigung des Randes der Luke. Ich selbst bin zu Rudern und sehe ihn nicht lange. Aber es passieren Dinge und das ist in Ordnung. Sebas arbeitet weiter am Achterdeck. Das Loch an dem Jan arbeitet, wird immer größer statt kleiner, denn es wird immer mehr morsches Holz sichtbar. Es wird Zeit, neues Holz suchen zu gehen. Wir stapeln das gekaufte Holz und machen uns auf, die richtigen Balken zu suchen. Das Holz muss nämlich in der richtigen Richtung gesägt sein und, wenn die Sonne scheint, muss ich darauf achten, dass nicht zu viele Äste an den falschen Stellen sind und so weiter. Ja, selbst das Aussuchen von Balken ist nicht so einfach. Zum Glück hat Sebas in der abgelaufenen Zeit viel dazugelernt und so beginne auch ich von ihm zu lernen. Nach dem Aussuchen ist es Zeit, die Balken durch die Maschine zu bekommen. Zuerst durch den Dickenhobel, der sorgt dafür, dass alle Balken die gleiche Dicke haben und dann noch auf den Sägetisch. Ich hatte das bisher noch nie gemacht und wollte dieses Mal gern helfen. Ich kam schnell dahinter, dass nichts leichte Arbeit ist an unserer Birgitte, denn es ist ein richtiges Geschleppe mit all den Balken, die mehrere Male durch die Maschine müssen. Aber nach einer Stunde Arbeit ist alles geregelt. Am Ende des Tages kommt Ben kurz vor der Dunkelheit in langsamer Fahrt durch den Kanal. Er soll im kommenden Monat in der Halle stehen, um ein neues Deck zu machen. So werden wir in der kommenden Zeit meinen Bruder häufig sehen.

 

Für Montag haben wir besprochen, diesen zusätzlichen freien Tag fröhlich zu verbringen und zu pichen. Wir wollen das Mitteldeck so schnell wie möglich dicht haben. Ich bin zwischenzeitlich „auskalfatert“ und so haben wir keine Entschuldigung mehr, nicht pichen zu gehen. Kurz, wir heizen den Pechkessel wieder auf und machen uns ans Werk. Den ganzen Vormittag haben wir gepicht und dann hatten wir genug davon. Etwa die Hälfte des Decks ist fertig und wir sind glücklich damit. Das Wetter ist heute zum Pichen passend, aber es ist auch Zeit für etwas Anderes. So stürzt sich Sebas wieder auf sein Achterdeck und du errätst es sicher, ich gehe…nicht kalfatern! Ich will nicht mehr kalfatern und gehe deshalb los, die Bilge sauber zu machen, denn die Akkus sollen dort stehen. Ein schmutziger Job, bei dem selbst meine Hände mit Handschuhen schwarz werden. Aber die Bilge wird wieder ein bisschen sauberer. Am Ende des Vormittags will ich müde nach Hause und fasse mit meinen Händen voll auf den Balken, auf dem normalerweise der Fußboden liegt. Leider mache ich etwas falsch und gleite aus. In einem Reflex suche ich ein wenig Halt und greife zur Kiste mit Gerätschaften, die auf der Werkbank steht. Noch während ich daran denke, dass das nicht gut geht, wenn all das Werkzeug, die Hämmer und Schraubendreher auf meinen Kopf prasseln, versuche ich noch während des Falls den Kasten oben zu halten, mit der Folge, dass ich mich selber nicht mehr schütze. Ihr habt es schon begriffen, ich liege wieder unten in der Bilge. Auf mein Geschrei hin kommt Sebas angerannt. Zusammen müssen wir aber erstmal ein paar Minuten lachen, weil ich mit dem blöden Eimer in meiner Hand dort saß. Danach schauen wir aber erst einmal, ob ich nichts gebrochen habe. Meine Hand lässt sich bewegen und ich soll hier und da blaue Flecken haben, aber ich denke, ich sollte nicht klagen. Dann verfolge ich meinen Weg nach Hause.

 

Am Dienstag arbeitet Sebas weiter an seinem Deck und ich fahre mit der Bilge fort. Mit Ben essen wir fröhlich ein „patatje“ (Kartoffelchen) und bekommen von Ben später am Abend noch ein Ijsje (Eis) zum Nachtisch. Sieh mal, das ist mal wieder ein lustiges Arbeiten.

 

Am Samstag ist Arbeit leider nicht drin. Hin und wieder muss auch etwas an unseren sozialen Aufgaben getan werden.  Zum Glück können wir das am Sonntag wieder gut machen, weil wir zu Viert sind. Jaap und Marjolein sind wieder da, um zu helfen. Jaap verdrahtet den Motor neu, so dass wir am Ende des Tages zwar den Motor nicht steuern können, aber der Motor läuft wieder gut. Selbst nach seinem Winterschlaf startet er wie gewohnt. Leider denken der Öldruckmesser und der Drehzahlmesser anders darüber. Der Öldruckmesser tut es nämlich nicht mehr und die Drehzahlanzeige will auch nichts mehr anzeigen. Aber es klingt wieder ein cooler Ton in der Birgitte und das macht Vieles gut.

 

Zusammen mit meiner Mutter verbringe ich einen Tag mit Pichen. Wir wollen das Mitteldeck dicht haben. Wir saugen gemeinsam die Fugen sauber und heizen den Pechkessel an. Und dann ran ans Werk! Es ist wieder ein Höllenjob, wobei Marjolein sauber gießt. Manchmal kommt ein Klümpchen mit und sprüht, Doch zum ersten Mal setze ich meinen Hut auf und ich gehe mit dem Schaber hinter ihr her und so schuften wir den ganzen Tag, bis endlich um drei Uhr das Mitteldeck dicht ist. Wir sind kaputt und ich habe eine Blase auf meinem Daumen vom Schrappen, aber das Ziel ist erreicht. Wenn das keine Mädchenpower ist!

 

Sebas füllt den Tag mit der Herstellung von Planken für unser offenes Deck, denn so ein offenes Verdeck ist schön, aber nicht sehr praktisch. Auch Ben ist auf dem Gelände, und so essen wir gemeinsam mit der Familie zu Mittag. Zum Ende des Mittags gehen Jaap und Marjolein wieder nach Hause. Weil die Sonne scheint, wollen wir noch ein bisschen durcharbeiten. So streiche ich noch die Balken für die Aufnahme der Trafos und Sebas arbeitet weiter an seinem Deck. Danach sind wir doch echt müde und gegen sechs verabschieden wir uns von Ben und gehen nach Hause „lecker“ essen.

 

Am Dienstag sehen wir wieder nach dem Wetter. Leider ist es jetzt etwas schlechter als am Wochenende und genau in dem Moment, in dem wir das Holz abdecken wollten, beginnt es hart zu regnen. Das hat aber nun keinen Sinn mehr und so setzen wir die Abdeckung wieder zurück ins Deck. Das geht natürlich nicht ohne Verletzungen, das begreift ihr doch?

 

Und so arbeiten wir weiter und unser Deck wird langsam schöner und dichter. Es bleibt aber noch viel Arbeit!

32.  Wir bleiben dran!

3. Mai 2014

 

Es ist schon eine Weile her, dass es Nachrichten von Birgitte gab. Der Grund ist sicher nicht, dass nichts passiert wäre. Mittlerweile befassen wir uns mit einem neuen Deck, und das ist natürlich nicht so einfach.

 

Gehen wir zurück auf das Wochenende  22. – 23. März. Da entstanden die ersten neuen Planken für das Achterdeck. Nach vielem Einpassen und Messen sind nun die neuen Decksplanken da, und es ist Zeit für einen neuen Job für uns: Nageln. Erst einmal muss gebohrt werden, wobei Debas auf einem Testblöckchen das richtige Vorbohrmaß einstellt. Das scheint nicht viel von der Nagelgröße abzuweichen. Wenn du zu klein vorbohrst, bekommst du den Nagel nicht rein, Aber nach einigen Probebohrungen war das richtige Maß gefunden, und das Nageln kann beginnen. Dabei muss man aufpassen, dass der Nagel in der richtigen Richtung zur Maserung steht, denn der Nagel ist nicht rund und spaltet sonst das Holz. Das Hämmern kommt nicht mehr nur von mir, denn Sebas macht den schönen Versuch, mich zu übertreffen. Beide sorgen wir für ein solides Deck, aber Sebas hat nach meiner Vorstellung ein viel schnelleres Resultat. Mit dem Nageln allein ist es noch nicht getan, denn es muss auch noch mit Holzstopfen verschlossen werden. Zeit, um den schönen Stopfenbohrer einzusetzen. Stopfen herzustellen geht am besten in der Stopfenbohrmaschine, so geht Sebas kurz weg und kommt nach kurzer Zeit stolz mit einer Schüssel schöner Stopfen und mit Epoxy-Harz zum Kleben zurück. Ich verlasse mein Kalfatwerk und komme ihm zur Hilfe. Denn Anschlagen kann ich gut. So stopft sie Sebas hinein und ich schlage sie hinein und so sind wir gemeinsam beschäftigt und beschließen das Wochenende fröhlich. Während der Woche ist es Zeit für den letzten Schliff und Sebas entfernt die Köpfchen von den Stopfen. Zunächst versuchen wir es mit einem Beitel, aber manchmal springen Stücke ab und das ist eine Sünde. Mit der Fein scheint es viel besser zu gehen und wir bekommen ein stolzes Ergebnis hin. So arbeitet Sebas an zwei Wochenenden am Achterdeck hart durch, wobei ich ihm helfe, soweit ich kann. Danach hole ich auf dem Vordeck die Fugen leer, um sie in der Folge wieder voll zu kalfatern. Leider bleibt die Arbeit nicht nur auf das Achterdeck beschränkt, denn der Decksaufbau am Achterdeck ist an einigen Stellen ebenfalls morsch. Da das Deck hier anschließt, muss auch hier etwas getan werden. So rekonstruiert Sebas auch eine neue Ecke des Decksaufbaus. So vergeht die Zeit und plötzlich ist es das Wochenende vor Ostern. Ein arbeitsreiches Wochenende steht uns bevor. Nicht , dass wir härter arbeiten müssten, sondern weil es im Zeichen von Baustellenbesuchern steht. Beginnend mit meinen Eltern, die morgens längs gefahren kommen und beschließen, noch ein Stündchen mitzuhelfen. Das passt mir sehr gut. Der Dieseltank ist nämlich leer und er muss nun angestrichen werden, damit er an seinen Platz kommen kann. Der Tankwagen kommt nämlich binnen kurzem und dann muss er bereit sein. Nur ein Eilauftrag so zwischendurch. Ich finde die Abwechslung nicht so schlimm, da aber Sebas so sehr mit dem Deck beschäftigt ist, versuche ich, so viel wie möglich allein zu tun. Aber alleine den Tank von der Stelle zu bekommen, glückt mir nicht und so bin ich sehr froh, dass meine Eltern da sind. Zu dritt hängen wir den Tank über den Motor, damit ich ihn scheuern kann. Das aber mit einer Superkappe auf, denn ich habe arge Probleme mit meiner Beklemmung und Staub hilft natürlich nicht dabei.

Als der Tank hängt, fahren meine Eltern fröhlich weiter und es wird Zeit für den nächsten Besuch, Sebas Eltern mit Joram. Sie waren fröhlich in Urlaub gewesen und hatten dadurch überhaupt noch nichts von unserem neuen Deck gesehen. Das präsentieren wir nun stolz und räumen noch schnell auf, denn es ist Zeit für ein wenig Geselligkeit.

 

Am Sonntag bekommen wir mehr Besuch zwischen dem Säubern des Dieseltanks und dem Scheuern der Maschinenkammer und Tank. Es kommt ein altes Mitglied der Mannschaft mit Frau und Tochter zu Besuch. Nachdem dieser Mann Birgitte gesehen hat, beginnen seine Augen sich auf erkennbare Art zu weiden. Sehr schön, das zu sehen. Voll Enthusiasmus beschauen sie sich die ganze Birgitte und zeigen, wo sie geschlafen haben. Der gute Mann ist 20 Jahre mitgefahren und hat so einiges zu erzählen. Die Tochter ist auch schon mal mitgefahren und erkennt das Nötige. Leider war die Frau nicht so fürs Segeln. Als Überraschung erhalten wir eine echte Birgitte-Kappe und ein Fläschchen Rum. Denen geben wir zuhause einen schönen Platz und werden abends ein Schlückchen Rum probieren, um die Kehle so schön brennen zu lassen. Wir bekommen auch die Fotobücher von den Reisen zu sehen. in denen wir auch ein schönes Bild von der segelnden Birgitte finden. Das ist etwas, wovon wir nachts träumen.

 

An diesem Sonntag haben wir keine Zeit mehr zu träumen, denn der Tank und der Raum, wo er normalerweise stehen soll, muss gestrichen werden. Mit aller Macht schmirgeln wir erst alles, wobei natürlich die Schleifmaschine nicht mehr mitspielt, wodurch wir am Sonntag in Rotterdam Schleifpapier für die andere Schleifmaschine holen müssen. Natürlich, als wir dieses geholt haben, tat es die Maschine nach einigem freundlichen Klopfen auch wieder. Aber na ja, so konnten wir schlussendlich gemeinsam alles schleifen und auch vor dem Dunkelwerden anstreichen. Während der Woche streichen wir alles noch einmal, damit alles wieder zurück kann.

 

Dann ist auch schon das Osterwochenende da. Ich weiß noch gut, dass wir im vergangenen Jahr am ersten Ostertag zum ersten Mal mit Birgitte gefahren sind. Wir überführten sie von Hellevoetsluis nach Middelharnis. Ein Abenteuer, an das auch noch andere zurückdenken. Wenn ich den krummen Laternenpfahl sehe, sicher. Das Meiste kommt mir wieder in den Sinn. Das Erwachen am Ostermontag. Wir schauten nämlich von der Siquieres aus auf Birgitte und es war ein verrücktes Gefühl zu wissen, dass dieser Koloss uns gehört. Wir feierten das mit einem Osterfrühstück auf Birgitte. In diesem Jahr sieht das Osterwochenende anders aus. Wir wohnen nun nicht mehr so nah bei Birgitte und um unseren Hunger zu stillen, frühstücken wir zu Hause und essen zu Mittag auf Birgitte.

 

Am Samstagmorgen kann ich jedenfalls nicht so viel tun, weil ich mein Auto gegen ein anders tausche. Aber Sebas geht wie gewohnt hart an die Arbeit. Er hat die Rudereinrichtung noch weiter auseinander genommen und den Zylinder richtig gereinigt. Er streicht auch noch ein Stück von seinem neuen Deck um die Steueranlage braun. Dann sieht alles wieder gut aus.

 

Als ich um die Mittagszeit mit meinem neuen Boliden bei Birgitte ankomme, muss natürlich erst einmal ein Stück damit gefahren werden. Unterwegs sehen wir Nick und Sophie hereinkommen auf einem anderen Schiff und wir beschließen anzuhalten und zu wenden. Sophie ist interessiert an der Leinölfarbe und so nehmen wir sie mit zur Birgitte. So können sie gleich sehen, wie unser kleines Projektchen steht.

 

Nachdem wir sie zurückgebracht und zu Mittag gegessen haben ist es für uns auch wieder Zeit an die Arbeit zu gehen. Wir möchten den Treibstofftank wieder zurückplatzieren, aber nur, wenn der Lack fertig ist. So gehen wir wieder ans Malen. Sebas erledigt erst noch ein paar Dinge, und ich beginne mit dem Schott. Aber sehr bald bekomme ich Verstärkung. Dann sind wir aber müde nach all den kurzen Nächten und arbeitsreichen Tagen der vergangenen Woche. So beschließen wir, früh nach Hause zu gehen und das neue Auto zu putzen. Denn das muss ja auch gemacht werden.

 

Nach einem leckeren Osterfrühstück sind wir noch rechtzeitig auf Birgitte, wo ich mit dem Kalfatern des Achterdecks beginne. Es ist wieder etwas anderes, ein neues Stück Deck zu kalfatern. Leider sind die Fugen ganz leer, Mal eben füllen ist nicht drin. Es bleibt, Kalfatbaumwolle einzuschlagen. Aber es ist dann auch direkt gut.

 

Sebas baut mittlerweile die Rudereinrichtung wieder zusammen. Nach viel Mühe ist für den Hydraulikzylinder des Ruders ein neuer Zylinderkopf gekommen. Nun muss dieser wieder an den Zylinder. Wir lernen aber wieder einmal, dass auf Birgitte nichts so einfach geht, denn der Kopf will nicht auf das Gewinde des Zylinders passen. Das Schraubgewinde scheint ein wenig beschädigt zu sein, so gehen wir mit Minifeilen an die Arbeit und nach ein paar Strichen und mit Copaslip passen sie dann doch ineinander.

 

Ostermontag kalfatere ich die letzten Fugen im neuen Deck und Sebas bringt die Rudereinrichtung wieder an ihre Stelle, auch platzieren wir den Dieseltank wieder an seine Stelle und überlegen, wie wir ihn am besten befestigen können. Dann ist mein Wochenende aber schon wieder am Ende. Aber Sebas hat es „lecker“ noch um einen Tag verlängert. Also geht er auf Jagd nach neuen Hydraulikleitungen mit den richtigen Edelstahlanschlüssen. Das scheint eine beinahe ganztägige Beschäftigung zu sein, eine brauchbare Lösung am Ende zu finden. Aber wie mit Sebas verabredet, wollen wir die Zeit dafür nicht mehr opfern und wollen es vergessen Wir hatten es schon häufiger erlebt. Wir packen die Schläuche in einen Überzug, damit sie gut bleiben. Denn das sind wir wohl wert. Als ich sie endlich wiedersehe, erwartete ich goldene Anschlüsse. Aber ja! Sie sind wirklich aus Edelstahl…..

 

Und dann müssen wir wie immer wieder zur Arbeit und es heißt: Warten auf das kommende Wochenende. Zum Glück kommt es schnell. Aber es scheint wieder ein Wochenende für mich zu sein, an dem gearbeitet werden muss. So geht der Königstag an mir vorbei. Zum Glück kann aber Sebas „lecker“ zur Birgitte gehen und macht die Sockelleisten für den Decksaufbau, so dass wir pichen können und das Achterdeck fertigmachen.

 

Sonntagmorgen hat das neue Auto eine gewisse Aufmerksamkeit, aber dann ist es Zeit achtern zu pichen, mit einem sehr schönen Ergebnis.

 

 

33.   Urlaub auf Birgitte

15. Juni 2014

 

Das ist, wie wir uns einen Urlaub auf Birgitte vorstellen: Wir beginnen Wochen vorher mit den Vorbereitungen der Reise zu schönen Zielen, wie z.B. Dänemark. Inzwischen lade ich Birgitte voll mit allen Urlaubseinkäufen, so dass unterwegs möglichst wenig gekauft werden muss und wir laufen mit Sack und Pack aus. Wenn wir erst einmal auf See sind, genießen wir das langsame Wiegen der Wellen, um so richtig in Urlaubsstimmung zu kommen (inzwischen ist Sebas in Schlaf gefallen und ich lese eifrig ein Buch). In den Tagen danach haben wir einen passenden Wind, damit wir schnell im gelobten Land ankommen und wir genießen alle neuen Orte, in denen wir ankommen und die untergehende Sonne von unserem Deck aus und machen eine große Zahl schöner Fotos. Das also ist unser Traumbild und wir hoffen, dass unsere Ferien in etwa sechs Jahren so aussehen. Jetzt aber zur Wirklichkeit.

 

Der Urlaub beginnt mit den notwendigen Vorbereitungen. Leider haben wir dafür nicht viel Zeit, denn wir beide haben viel zu arbeiten, und viele Dinge auszusuchen. Also fangen wir am Himmelfahrtstag auch nicht mit einem entspannten Urlaub an. Und selbst das sage ich falsch, denn auf meinen Urlaub ist immer noch Verlass. Weil ich am Freitag noch arbeiten muss, aber das machen wir gewöhnlich nur so als ob. So, wie es sich für einen Feiertag gehört, stehen wir zeitig auf und ziehen unsere Ferienkleider an (lies: Overall, Latzhose, altes T-Shirt und Arbeitsschuhe. Ihr begreift schon; wir gehen nicht an den Strand, sondern fahren zur Birgitte. Es war doch immer so in diesem Jahr- Ferien auf Birgitte. Einmal auf Birgitte angekommen, beginnen wir herrlich relaxed mit der Fertigung des Vordecks. So kalfatere ich fröhlich und Sebas bringt die letzten Decksplanken an. So kommt das Ende der Arbeiten am Deck in Sicht. So könnten wir doch eigentlich wie gewohnt frei haben, denke ich für einen Moment. Aber ja, dann schaue ich zur Seite und sehe den Decksrand. Der ist noch sehr schlecht und steht in unserem Urlaubsplan, so dass vielleicht doch die Segelplanen nicht mehr benötigt werden. Die Segel auf der Seitenwand meine ich aber, nicht die, um damit zu segeln, denn die hoffen wir auch noch nötig zu haben.

 

Wir beschließen unseren ersten Ferientag mit einem herrlichen Dinner mit Jan, Janneke und Joram am Dock, um doch noch ein wenig Feriengefühl vom vorigen Jahr zurückzubekommen.

 

Am Freitag stehen wir früh auf. Ich muss zur Arbeit und auch Sebas muss natürlich weiterarbeiten. Er sorgt dafür, dass wir in absehbarer Zeit wieder fahren können und passt den Ruderstand an und montiert ihn wieder an seinen Platz. Früher stand dieser an Deck, das Wasser sammelte sich darunter an und das Deck verrottete. Also nehmen wir ihn vom Deck und setzen ihn höher, damit nicht immer, wenn man am Ruder steht, man sich bücken muss und nichts mehr sieht. Am Donnerstag haben wir die richtige Höhe festgelegt, denn Sebas will sie höher als ich wegen seiner Größe. Wir haben aber wieder einmal einen guten Kompromiss gefunden, mit dem wir beide zufrieden sein können. Ich hatte gehofft, zeitig mit der Arbeit fertig zu sein, aber man kann die Dinge nicht halbfertig liegen lassen. So wird es wieder ein bisschen später, dass ich von meiner Arbeit nach Hause fahre und wir eine Kleinigkeit gemeinsam essen. Morgen ist ein anderer Tag, aber ein echter Urlaub für uns beide.

 

Am Samstag haben wir den Luxus, dass meine Eltern zur Hilfe kommen. Davon machen wir gerne Missbrauch und wenden uns unserem großen Hobby zu: Pichen! Es ist nun sehr warm, wodurch das Pech weich bleibt und lange Zeit geschrappt werden kann. Wir müssen aber sehr aufpassen, wo wir hintreten, denn sonst machen wir Abdrücke im Pech. Auch muss das Geschrappte möglicht schnell abgesaugt werden, denn sonst kommt es in die Fuge und sitzt dort festgeklebt. Zum Glück haben wir unsere Supermama an Bord, die ganz schnell staubsaugen kann. So füllen wir zu Viert wieder einige Fugen. Wir schließen den Tag mit einigen Urlaubseinkäufen. Wir kaufen leckeres Fleisch, damit ich am Abend alles braten und eine Pastasoße machen kann, die wir in Beutel füllen und einfrieren. Dann können wir den Rest der Ferien über schnell, lecker gemütlich überall essen. Die Hälfte geht nämlich zur Birgitte, dort stopfen wir sie in die Kühltruhe. Wenn es uns in den Sinn kommt, lange zu arbeiten, können wir dann aber auch noch ordentlich essen. Ich mache noch eine Käsetorte, um den Urlaub zu feiern. Lasst euch etwas einfallen, wenn ihr Lust auf Käsekuchen habt.

 

Am Sonntag haben wir einen relaxten Arbeitstag und bringen die Ruderanlage wieder in Ordnung, indem wir sie mit Öl füllen. Auch der Wassertank muss noch festgesetzt werden. Wir holen ihn mit einiger Mühe wieder nach vorne, damit ich dahinter kriechen kann, um kleine Bügel zu montieren, an denen wir die Spannbänder befestigen können. Ihr könnt euch vorstellen, dass der Platz hinter dem Tank nicht allzu groß ist und das Festsetzen sicher nicht leicht ist. Schließlich müssen wir doch wieder lachen, weil ich mir natürlich wieder weh tue und nach meiner Vorstellung beinahe die Nase breche. Man könnte vielleicht fragen, wie kann dir das nun wieder passieren? Nun, einfach mit viel Kraft den Schraubenschlüssel für den Holzbolzen schießen lassen und auf die Nase bekommen. Natürlich sitze ich in diesem Augenblick in der Klemme und kann nur mit Tränen in den Augen, mit Schmerzen und Lachen Sebas erklären, was passiert ist. Er konnte ja nicht alles sehen, sondern nur ein lautes „Au“ hören. Aber schließlich sitzen die Bügel fest, ich komme wieder unter dem Tank hervor und der Tank kann wieder an seinen Platz. Wir müssen jetzt nur noch die Spannbänder zur Sicherung von unten befestigen, aber heute ist ja Sonntag. So müssen sie noch bis Montag warten. Wir räumen noch ein wenig auf und beschließen, einen Urlaubsabend zu feiern und in unserem Garten ein Stück Quarktorte aus unserem Urlaub zu genießen. Aber ich kann nicht gut still sitzen und möchte lieber etwas tun, wo wir doch gerade Entspannung üben.

 

Montag und Dienstag verbringen wir wieder auf dem Vordeck mit der Fertigstellung der letzten Decksplanken und Stemmarbeiten. Danach halten wir großes Aufräumen und messen noch einmal, wie viel Holz wir noch zu benötigen glauben. Denn morgen wollen wir nach Drenthe fahren, um Holz für den Decksrand zu holen, und dann müssen wir genau wissen, was wir brauchen. Außerdem setzen wir den Wassertank noch richtig fest.

 

Am Mittwoch stehen wir noch früher auf und um Viertel vor acht mit Anhänger und Lunchpaket machen wir uns auf den Weg nach Fijnhout Drenthe in Neu-Amsterdam. Du fragst dich vielleicht, warum so weit? Das kommt daher, dass wir quartergesägtes Eichenholz von 80 mm Dicke von guter Qualität haben wollen. Also ohne Äste und nicht zu schnell gewachsen. Vor allem aber quartergesägt, weil das Holz, auf diese Art gesägt, sich nicht verzieht und das ist gut, wenn du ein schönes, glattes Deck haben willst. Leider ist diese Art des Sägens für das Restholz des Baumes nachteilig, was das Holz wiederum sehr teuer macht. Nach drei Stunden Fahrt kommen wir beim Holzhandel an, wo wir äußerst zuvorkommend behandelt werden. Wir können die Balken selbst aussuchen und werden dabei nach unseren Wünschen assistiert. Wir sind um die zwei Stunden damit beschäftigt, umzustapeln auf der Suche nach dem idealen Balken für die richtige Breite, Dicke und Länge. Zum Schluss hatten wir sie gefunden und laden sie in den Anhänger. Ziemlich schwer, aber es ist nur die Hälfte dessen, was wir benötigen. Wir holen nun aus Kostengründen, und weil wir nicht mehr transportieren können, nur das Holz für den Decksrand an Backbord. Es ist wohl so, dass es an Steuerbord besser zu sein scheint, und wir deshalb weniger Holz benötigen. Denn für Backbord allein haben wir einen halben Kubikmeter nötig. Nachdem wir abgerechnet haben und auch noch ein Fläschchen Wasser für unterwegs bekommen haben, machen wir uns auf den Heimweg. Es ist eine schwere Ladung und ein ganzes Stück zu fahren und so setze ich mich auch mit ans Steuer und Sebas kann auch mal seine Augen schließen. So ein Tag im Auto und das Holzschleppen sind ein wenig anstrengend. Um halb sieben sind wir wieder in Middelharnis und können auch noch ausladen, bevor ein starker Regen einsetzt. Unsere aufgeräumte Birgitte liegt gleich wieder voll, aber mit schönen Holzstücken. Dadurch werden wir wieder fröhlich, obwohl wir dadurch arme Schlucker geworden sind. Vor zwei Jahren haben wir nicht daran gedacht, dass wir vom Kauf schönen Holzes glücklich werden könnten. Als es anfängt zu regnen, kommen Hans und Jan zu Besuch. Hans (Onkel von Sebas) hat Birgitte das letzte Mal gesehen, als sie noch im Dock stand, so gibt es zwischenzeitlich einiges an Veränderungen. Voll Stolz führen wir ihn herum und denken, dass wir im vergangenen Jahr doch Einiges vollbracht haben. Nach der Führung essen wir schnell und ich ziehe mich auch schnell um, denn es ist Zeit zu rudern. Ich hatte heute noch keinen richtigen Sport ausgeübt.

 

Am Donnerstag sollte Sebas für jemand anders ein Boot fahren und so arbeite ich allein. Leider ist es kein „leckeres“ Wetter und zeitweilig regnet es kräftig. Der Plan war eigentlich, dass ich pichen sollte, das stelle ich aber zurück bis nach Lunch (dann ist es trocken). Den Morgen fülle ich mit der Demontage der Ofenrohrstellage unter dem Zelt. Die haben wir gerade nicht nötig und so können wir auch darunter kalfatern und pichen. Ich mache meine Küche und räume Sebas Auto auf, denn das wird ein ständig größerer Sammelplatz für alles und noch was. Dann ist es endlich trocken und ich gehe fürs erste allein pichen. Ich kann euch sagen, das ist ziemlich schwer allein. Zuerst das Pech erwärmen und in den Becher gießen. Ok, so weit ist es nicht echt schwer. Dann schnell gießen und schnell schrappen, denn heute ist es nicht mehr so warm und so kann ich auch nicht so lange schrappen. Dann wieder Pech erwärmen und der Zirkus beginnt aufs Neue. Schließlich halte ich es drei Runden aus und dann bin ich erschöpft. Aber ja, das Deck ist wieder ein Stückchen dichter. Zum Glück habe ich eine gute Entschuldigung, aufzuhören, denn mein Kollege Rob kommt noch, unser Projekt zu besichtigen und den muss ich natürlich rund führen.

 

Am Freitag beginnt das Fest in Middelharnis. Am Samstag ist nämlich „Menheerse“, (Middelharnis im örtlichen Sprachgebrauch) und das wird am Freitag begonnen mit dem Einlaufen eines alten Loggers, der im Außenhafen liegt und nach binnen geholt wird, um dort aufgeputzt zu werden. Das geschieht in einer Prozession, an der unter anderen auch die Stiftung „Kuttersegeln“(SKZ) beteiligt ist. Wir sind auch Mitglied und sollen sie dieses Mal erstmalig treffen. So radle ich mit der Kamera zur Schleuse, um von dem Einzug Fotos zu machen. Der Einzug erfolgt aber sehr langsam und so „fietse“ ich nach einigen Aufnahmen wieder zurück, damit Sebas und ich zusammen auf unserem Rand sitzen, mit den Füßen über dem Wasser, den Rest des Einlaufens sehen und unseren Co-Kutterbesitzern zuwinken können.

 

Neben all dem sitzen wir natürlich nicht still, denn das schöne Holz muss seine Bestimmung kriegen und so beginnen wir mit dem Abriss der ersten Stücke Decksrand. Hierfür verlegen wir das Boot ein Stück nach achtern und erweitern die Terrasse ein wenig, damit wir gut arbeiten können. Während des Abbrechens kommen wir dahinter, dass eine gute Kettensäge sehr praktisch wäre für den Abriss der Relingstützen (Pfosten an Deck). So geht Sebas nach GAMMA, um sie zu holen. Man kann nie genug Werkzeug haben. Mit der Kettensäge sägen wir die erste Relingsstütze durch und die war noch schlechter als wir angenommen hatten. Hoffentlich kein Vorzeichen für den Rest!

 

Um sieben Uhr werden wir von einem Kutter abgeholt zu einem Essen auf einem Marineschiff, das mit den anderen Kuttern im Außenhafen liegt. Nach dem Essen gehen wir zusammen „lecker“ zurück zu unserem kleinen Kutter.

 

Am Samstag arbeiten wir uns durch drei Gruppen Kutter durch, die Birgitte fröhlich in der Hitze besuchen kommen. Leider gibt es ab und zu ein wenig Regen, und so bauen wir auch noch ein Zeltchen, um trocken und im Schatten arbeiten zu können. Ich gehe noch auf die Suche nach einem Partyzelt, aber ich war offensichtlich nicht die Einzige. Sie sind überall ausverkauft. Dann eben ohne! Wir fertigen das erste Stück des neuen Decks nach Maß. Ein Haufen Gepuzzle und Messen, denn nichts ist gerade oder rechtwinklig. Aber gemeinsam schaffen wir es!

 

Am Sonntag sollten wir eigentlich mitmachen bei einem Wettstreit der Kuttervereinigung, wir müssen aber leider eine gute Freundin im Krankenhaus besuchen und sagen deshalb ab. Letztlich wurde aber auch der gesamte Wettstreit abgesagt, denn der Wind fehlte, und so verpassen wir nichts. Vor dem Besuch arbeiten wir noch etwas an Bord, ich breche ein Stück ab und Sebas geht noch einmal mit Epoxy ans Werk.

 

Für Montag wird der Code Orange ausgegeben und deshalb beschließen wir, lange an Bord zu bleiben, um zu sehen ob alles gut läuft. So können wir einen langen Tag arbeiten. Wir beginnen mit dem Festlegen des ersten Stücks. Das passiert mit Bolzenin den inneren Decksrand und Nägeln auf den Spanten. Die Lage der Bolzen und der Nägel ist ein kleines Puzzelspiel, weil man immer die Lage der alten Nägel beachten muss. Aber auch dieses Puzzle wird gelöst und so haben wir unser erstes Stück neuen Decksrand. Die Bolzen setzen wir übrigens ein mit „Constructie tix“ ins Holz, um etwas schneller durch zu kommen. Epoxy muss nämlich einen Tag trocknen. Wir setzen aber mit Epoxy die nächsten zwei Stücke aneinander. Dann gehen wir an den Abriss, denn das neue Stück Deck schmeckt nach mehr. Wir reißen einen Großteil des inneren Decksrand ab. Gemeinsam sind wir ziemlich praktisch. Wie immer, will sich Birgitte auch von den schlechten Teilen nicht trennen. Sie haben, so denke ich, einen Zusammenhalt aufgebaut. Aber manchmal ist etwas Neues doch besser, und wir setzen uns durch und werden schwärzer und schwärzer, und das kommt nicht von der Sonne. Am Ende des Tages, als der Himmel dunkel wird, gehen wir eben noch zu Ben, um einen Blick auf seine Arbeit zu werfen. Er scheuert in einem anderen Schuppen an seinem Boot, aber bei ihm ist ein Ende in Sicht. Das können wir von uns nicht sagen, aber sobald der Regen vorbei ist, wollen wir wieder loslegen. Schließlich fällt der Code Oranje nicht schlecht aus, und nach dem Essen und Aufräumen gehen wir zurück nach Haus, um uns um die Lücke in unserem Deck zu kümmern. Denn wir haben jetzt viel Licht von draußen. Das kann nicht gut sein (wenn es auch drinnen sehr schön hell ist).

 

Am Dienstag ist es Zeit, das erste große Zwischenstück zu machen. Sebas holt dafür ein Stück Hartfaserplatte bei GAMMA, damit wir uns eine Schablone machen können. Denn die Rundungen auszumessen ist nicht einfach und das Holz teuer. Etwas falsch zu machen, könnte teuer werden. Darüber hinaus ist das Holz, das eingepasst werden soll, schwer und ein paar Mal Einpassen und Messen ist auch nicht lustig. Wir sägen die Hartfaserplatte in Streifen, setzen eine flexible Latte längs der Relingstützen und zeichnen die erste Rundung ab. Als diese gut passt, zeichnen wir von innen die andere Seite ab. Auch diese sägen wir mit unserer Dekupiersäge aus der Schablone aus und nach etwas Einpassen und Messen passt sie genau und es wird Zeit für das richtige Material. Wir zeichnen die Schablone auf das neue Holz ab und sägen die Form mit der Dekupiersäge aus. Das ist nicht wirklich gut gelungen, aber die Form passt einigermaßen. Leider ist die Planke noch zu dick für den Hobel, sie muss also noch dünner werden. So gehen wir mit dem Brett zur Hobelbank, wo wir es auf seine Stärke bringen. Danach können wir weiter hobeln mit unserem eigenen Hobel und beginnen mit dem echten Muster und viel Arbeit. Wir sind noch nicht fertig, als wir gehen müssen, denn heute Abend gehen wir zu einem geselligen Besuch.

 

Am Mittwoch erledigen wir die letzten Feinarbeiten und dann passt es endlich. Es ist ein wunderbarer Anblick, so ein großes neues Stück Deck. Als dieses passt, macht Sebas ein Stück Deck nach vorn, das an diese Planke anschließt, so dass die Fuge zwischen den beiden Planken geleimt werden kann. Währenddessen reiße ich weiter ab, denn nun passt die mittlere Planke gegen die Relingstütze und die verrotteten Relingstützen und die Deckstücke dazwischen können nun weggenommen werden. Während des Abbruchs finde ich immer mehr rotte Stellen und vier Relingstützen verschwinden nacheinander und wir behalten ein gaffendes Loch über. Erstmal schlucken! Auch die Nagelbank verschwindet. Jetzt müssen wir klotzen statt kleckern, denn so kann es nicht bleiben.

 

Am Donnerstag setzen wir deshalb das erste große Stück fest. Nachdem ich auch hier wieder ein Stündchen puzzele, wo genau die Schraubbolzen und Nägel kommen können. Es wird eine ganze Zeichnung auf der Planke, aber auch hier werden wir schlussendlich fertig und wir befestigen sie. Ich muss mein Gewicht immer noch in den Kampf werfen, denn die Planke muss noch ein gutes Stück für den Decksprung gebogen werden. Aber es glückt, und ein zweites Stück Decksrand ist geschafft. Das gibt uns wieder Mut und so brechen wir ein weiteres Stück ab. Die Planke können wir ohne Schablone fertigen und dadurch geht es nun schneller. Natürlich muss auch diese noch durch die Hobelbank und noch viel nachgearbeitet werden, aber gegen Mittag ist sie auch klar. Wir ziehen noch die folgende Planke durch den Hobel und beschließen, nachdem ich noch ein Stück Rott aus dem Deck gesägt habe, dass es wieder Zeit für einen freien Abend ist. Natürlich gehört dazu auch Torte. Also, einmal in Oostvoorne, springe ich auf mein Fahrrad, um Zutaten für die Apfeltorte zu holen, die habe ich nämlich im Sinn und Sebas hat keine Angst, sie auch aufzuessen.

 

Am Freitag machen wir den zweiten Teil vom mittleren Rand noch etwas weiter, denn er passt jetzt nur mit arg viel Zwang hinein. Dann brechen wir weiter ab und machen das dritte Teil mit Hilfe einer Schablone passend. Dieses Stück ist sehr breit und kann dadurch nicht aus den Balken gesägt werden, die wir gekauft haben. Während des Sägens dieses Teils sehen wir wieder Löcher im Holz und denken an den Holzwurm. Vielleicht kommt das daher, dass wir echte Wurmlöcher sehen aber keine Tierchen. So sägen wir die meisten Löcher aus und beschließen, die Planke danach zu behandeln. Nachdem wir etwas aufgeräumt haben, denn im Verlauf des Tages brauchen wir doch viele verschiedene Gerätschaften: Brecheisen, Beitel, Hämmer, Bandschleifer, Kappsäge, Hobelmaschine, Kettenzug und dann hätte ich bald noch vergessen: die schwere Dekupiersäge! Wir essen noch leckeres Hähnchen an Bord und machen uns auf den Weg nach Trimsun, um das erste Spiel der WM zu sehen. Wir lachen uns kaputt und es war noch lange unruhig in Stelly. Aber es Punkte durch Sneijders gemacht(Insider Spaß).

 

So starten wir am Samstag ein wenig später. Aber heute wieder mit Hilfstruppen in der Form von Jaap und Marjolein. Beim Abbruch kamen wir dahinter, dass eine der Wantpüttings arg dünn geworden ist und die kommt mein Vater nun zu ersetzen. Es ist zumindest die Idee, das alte Auge an ein neues Stück Flacheisen anzubringen und dieses wieder an den Teil anzuschweißen, der noch fest ist. Als wir aber mal genauer hinsehen, stellen wir fest, dass das Auge auch ziemlich schlecht ist und so macht Jaap auch ein neues Auge. Ein Haufen Arbeit, aber mit einem supercoolen Ergebnis. Die folgende Pütting ist an einer Stelle auch arg dünn geworden, aber auch diese schweißt er wieder voll. Inzwischen setzt meine Mutter die letzten zwei neuen Bretter in Öl gegen den Holzwurm und leert noch einige Fugen vom hinteren Decksrand. Sebas und ich brechen unterdessen weiter ab und reparieren mit Epoxy die Spanten und den obersten Gang, wo bald die neuen Planken hinkommen. Leider muss ich, um weiterzukommen, erst die Landstromleitung verlegen. So verfliegt auch dieser Tag wie ein Speer, aber es wurde viel getan. Unser Urlaub ist inzwischen so gut wie vorbei, denn am Montag müssen wir wieder ran. Nun ja, wieder an die bezahlte Arbeit, um damit zu sagen, dass wir in den vergangenen Tagen nicht stillgesessen haben. Darum halten wir am Sonntag einen echten Ferientag. Oder muss ich sagen, dass wir einen Tag zu Hause sein werden, denn auch da wartet die Wäsche und der Rest des Haushalts. Ach, wir stehen jedenfalls nicht früh auf, sitzen ab und zu „lecker“ im Garten und ruhen so ein bisschen aus, um bald „lecker“ wieder an die Arbeit zu gehen. Inzwischen hat Birgitte doch wieder neue Stücke Decksrand und wir wissen genau, wie wir weitergehen müssen und was übrigbleibt.

  1.  Manchmal hat man Glück, meistens aber nicht. / Soms zit het mee,meestal zit het tegen…
  2. Juli 2014

 

 

Ein kurzes Update, bevor wir ins Dock zurückfahren:

 

Kann uns jemand sagen, warum wir eigentlich ein Holzschiff kaufen wollten? Das ist die Frage, die in der vergangenen Zeit uns immer wieder durch den Kopf ging. Warum denkt man vielleicht, dass alles glatt geht? Das Deck ist fast geschlossen, so dass wir unter Deck beginnen und endlich an Bord leben können.

 

Leider sieht die Wahrheit anders aus. In den vergangenen Wochen mussten wir immer ein wenig Wasser lenzen. In der letzten Zeit hat es häufiger geregnet und da wir Teile des Decks entfernt hatten, war es wahrscheinlich, dass Regenwasser eindringt. Also es ist nichts falsch, könnte man sagen. Birgitte ist den ganzen Winter über dicht gewesen und so kann es doch nur Regenwasser sein, oder?

 

Aber ja, es war eine ganze Zeit trocken, aber das Wasser in Birgitte steigt beständig. Deshalb pumpen und am nächsten Tag wieder kontrollieren. Dann leider wieder der Schrecken. Die Bilge ist über dem Kielbalken voll und wir können nur den einen Schluss ziehen: Wir sind leck! Aber wie kann das sein?

 

Das ist jetzt schon eine Weile her (am 24. Juni wussten wir es sicher, dass sie leckt.) Erstmal richtig durchdenken – leider muss man das auch in der Nacht – und natürlich an Bord suchen. Das meiste Wasser kommt achtern herein, so räumen wir alles aus, damit wir den Boden sehen können. Als er einsehbar ist, sind wir nicht richtig glücklich. Man sieht nämlich kleine Wasserstrahlen hinter den Spanten hervorkommen, und das leider an mehreren Stellen, sowohl an Steuer- als auch an Backbord. In der Mitte scheint alles trocken zu bleiben. Es ist schwierig, hinter den Beton zu schauen, ob dort Probleme bestehen, aber die Bilge läuft hier nicht so schnell voll, so sollte dieses Stück in Ordnung sein. Vorne leckt es ein wenig, denn auch hier ist Wasser, aber sicher nicht so viel wie achtern. Also achtern sind die großen Probleme.

 

Die Ursache können wir nicht mit Sicherheit feststellen. Es ist in jedem Fall deutlich, dass es nicht von selbst aufhört und dass es nicht gehen wird, im Wasser zu arbeiten. Deshalb müssen wir ins Dock. So gehe ich am Mittwoch wieder auf Tour. Beginnend damit, das Dock anzurufen. Zum Glück ist der Dockmeister Eugene anwesend. Er hat uns noch nicht vergessen und will uns gerne helfen mit einem Platz im Dock. Es ist nicht leicht, aber schließlich findet er einen Platz ab 14. Juli für drei Wochen. Wir sind dann im Kieldock zusammen mit dem Vater des „Zeilmeisje“. Was für ein Service mal wieder. Eine kleine Sorge weniger, denn zwischenzeitlich hatte ich zur Sicherheit auch die Preise für das Docken in Stellendam angefragt. Aber da müssten wir so viel bezahlen. Das würde wirklich eine Katastrophe für Birgittes Zukunft sein. Zum Glück brauchen wir das nicht und wir können in das uns vertraute Dock in Hellevoetsluis.

 

Bis dahin heißt es, Birgitte schwimmend zu halten und dafür zu sorgen, dass wir wieder klar sind, mit Birgitte ins Dock zu fahren. Wir bauen noch einige Decksplanken ein, die wir bereits fertig gestellt haben, so dass wir oben in jedem Fall so dicht wie möglich sind. Ich beginne auch damit, diese zu kalfatern, aber leider will mein Arm nicht mehr mitarbeiten und bei dem Druck ist der Energiegehalt nicht so groß. Also lassen wir es gleich.

 

Leider bleibt das Unglück nicht auf Birgitte beschränkt. Sebastian schneidet sich auf seiner Arbeit auch noch ein Stück aus seinem Finger und kommt mit einer Naht wieder nach Hause. Das macht das Arbeiten etwas schwieriger, weil Stoßen und Biegen arge Schmerzen verursachen. Aber er ist harter Brocken und geht darüber weg. Aber auch damit noch nicht genug, denn eine Woche später gibt die Kupplung seines Autos den Geist auf und so müssen wir uns auch noch auf die Suche nach einem neuen Auto begeben. Dabei machen wir die positive Erfahrung, einen Volvo ausfindig zu machen, den er schon lange gerne haben wollte. So fahren wir nun beide Volvo und sind stolz auf unsere Fahrzeugflotte. Man muss doch die Energie irgendwo herholen, nicht wahr?

 

Dieses Wochenende verbringen wir mit wirklich letzten Vorbereitungen für das Dock. Wir räumen das Deck leer und räumen gründlich auf. Wir testen den Generator und setzen ihn an Deck, wenn wir unterwegs echt hart pumpen müssten. Setzen den Kühlschrank unter Deck und lassen den Motor zur Kontrolle noch laufen. Suchen die langen Leinen, bereiten die Lotleinen vor, saugen Staub an Deck, denn auch wenn wir sinken, können noch schöne Tage kommen, oder? Setzen inzwischen einen Volvo am Dock ab und schauen noch einmal auf unseren Dockplan. Dann heißt es warten bis es trocken ist, so dass auch das Zelt abgebaut werden kann und wir morgen Vormittag losfahren können, um um 10 Uhr durch die Brücke zu gehen.

 

Und dann hoffen wir, dass wir bald sehen werden, was unter Wasser nicht in Ordnung ist.

 

 

35…Die ganze Geschichte / Het hele verhaal

  1. September 2014

 

Mittlerweile haben wir das Dock verlassen und es wird Zeit für die ganze Geschichte. Wie ihr in dem vorangegangenen Blog lesen konntet, begann Birgitte nach unserer Ferienarbeit zu lecken. Natürlich, das Erste, was man dann macht, ist nach der Ursache zu suchen. In unserem Fall eine schwierige Suche, weil es nicht möglich ist, überall in der Bilge rumzukriechen. Die Garantie, dort schwarz wieder herauszukommen, ist 100%. In meinem Fall ist sicher, dass ich ausrutsche und eine helfende Hand Voraussetzung ist. Aber wo die Not groß ist, ist die Hilfe nah.

 

Schnell konnten wir sagen, dass das Wasser aus Lecks hinter den Spanten zu kommen schien. Unser erster logischer Schluss war, dass es die Stellen sein müssten, wo zwei Plankenenden aneinander stoßen. Die einzige Möglichkeit es zu sehen ohne ins Dock zu müssen, ist Tauchen. Mein Vater wollte das gerne tun, und so planten wir fürs erste am kommenden Samstag eine Unterwasserinspektion. Inzwischen telefoniere ich auch mit dem Dock für einen Platz. Zum Glück kennen sie uns auch noch gut und es wird direkt für einen Platz für uns gesorgt. Das ergibt eine Sorge weniger. Nun wissen wir wenigstens, dass wir Birgitte nur schwimmend halten müssen, bis wir ins Dock können. Aber das sind noch 3 Wochen bis dahin. Vorläufig scheint das auch noch zu klappen. Am Samstag kamen meine Eltern mit dem Boot. Zum Glück hatte mein Vater seine Flasche für den Urlaub gefüllt, so dass getaucht werden kann. Wir versuchen es erst aus dem Schlauchboot mit einer kleinen Unterwasserkamera. Wir schauen uns die Stellen an, wo wir es drinnen lecken sehen, kommen aber ohne nass zu werden, nicht tief genug. So gibt es nichts anderes: wir müssen ins Wasser. Als Erste melde ich mich freiwillig. Sebas hat immer noch den verletzten Finger mit einer Naht, und so scheint es uns keine gute Idee, damit im schmutzigen Wasser zu arbeiten. Also ziehe ich den ersten Teil meines Vaters Tauchanzug an und gehe vom Schlauchboot ins Wasser. Glücklicherweise ist es nicht so kalt und mit diesem Anzug brauche ich auch nicht so schwer zu schwimmen, denn ich halt mich von selbst über Wasser. Was für ein Luxus! Knutschend mit dem Boot probiere ich dann wieder mit der Kamera eine Stelle zu finden, die schlecht aussieht. Wir sehen eine Stelle mit Rissen im Kitt, aber dass das Wasser hierdurch so schnell nach drinnen strömt, glaube ich noch nicht. Mein Vater beschließt, dass auch er seinen Tauchanzug nass machen und tauchen muss. Wir versuchen erst noch gemeinsam nach unten zu gehen, aber wir haben nur geringe Sicht, ich habe es noch nie gemacht und komme nicht so leicht nach unten. Nach einem Versuch geben wir es auch auf und mein Vater taucht allein. Nach kurzer Zeit kommt er wieder hoch und er denkt, dass er es gefunden hat. Es müssen die Kupferplatten sein, die auf dem Rumpf angebracht sind. Die Fugen ringsherum sehen gut aus, so dass es gut so sein kann. Kupfer hat nämlich einen anderen Ausdehnungskoeffizienten als Holz. Mit heißem Wasser könnten sie am besten vom Rumpf gelöst werden. Im vergangenen Jahr haben wir die Platten nicht abgenommen, so wurden auch die Fugen darunter nicht gepicht und kalfatert. Nach der Kamerainspektion denken wir, dass es Zeit ist zu Spülen und ein Sandwich essen zu gehen.

 

Auf dem Weg zum Dock gibt es wenig anderes zu tun, als Birgitte schwimmend in Fahrt zu halten. Ein wichtiges Anliegen, aber eins, das wir schon kannten. So wissen wir, wie man damit umgeht. Sebas hat noch eine 24V-Pumpe, die er einbaut. Danach platzieren wir die Tauchpumpe mit Schwimmer an eine passende Stelle, so dass, wenn das Wasser wieder zu hoch steigt, wir die Bilge automatisch wieder leer pumpen können. Das ist sicher auf einem hohen Niveau. Meistens sind wir selbst dafür da. Aber mittlerweile pumpen wir 3 Mal am Tag eine halbe Stunde, um dafür zu sorgen, dass die Bilge nicht überläuft. Wir überwachen die Lecks und stellen fest, dass sie immer größer werden. mittlerweile sehen wir es strömen. Ihr begreift, wir schlafen immer ein bisschen weniger. Auf der Arbeit ist es auch nicht so ruhig, so dass unser Stressniveau allmählich beginnt sein „max“ zu erreichen. Aber wir können nicht aufgeben, denn dann wäre alles umsonst gewesen. Wir bereiten uns also, so weit es geht, auf das Dock vor.

 

Als erstes veranstalten wir ein großes Aufräumen an Bord. Sicherheit an Deck. Denn es muss wieder gefahren werden und dann muss es natürlich nicht unbedingt trocken sein. Deshalb muss das Deck möglichst leer sein. Aber dazu muss auch alles nach unten geschafft werden können und wir müssen es unten ordentlich verstauen. Erst wenn das Deck wieder komplett sichtbar ist, wird es Zeit das Notwendige an Bord zu schaffen. Der Generator und der Steiger. Wir bekommen ein wenig Déjàvu. Wir sind bereit dafür! Nun hoffen wir noch, dass es auf der Überfahrt trocken bleibt.

 

Dann ist es der 14. Juli und Zeit für die Überfahrt. Meine Eltern sind jetzt in Urlaub. Glücklicherweise ist Jan mit von der Partie und früh auf. Denn am Tag davor regnete es noch und wir wollten das Zelt nicht so früh abbauen. Kurzum wenig Zeit. Um Viertel nach Sieben holen wir Jan ab. Wir haben am Tag vorher schon ein Auto zum Dock gebracht, so dass wir das andere Auto wieder in Middelharnis holen können. Noch vor acht nehmen wir das Zelt ab, was zu Dritt gut klappt. Und dann werfen wir die Leinen los, denn es ist gutes Wetter für eine schöne Überfahrt. Wir haben Glück; die Schleuse und die Brücke in Middelharnis stehen offen und wir können sie durchfahren. Die Schleuse bleibt eng, aber wir werden immer besser und wir kommen durch, ohne anzustoßen. Wir setzen Kurs auf Hellevoetsluis, sind aber wie gewöhnlich viel zu früh abgefahren und haben auch keine Lust festzumachen. So setzen wir Kurs ab auf Stellendam und genießen die Fahrt. So kommen wir zur Ruhe und genießen unser Schiffchen. Unterwegs pumpen wir einmal, weil wir das Wasser steigen sehen, vor allem vorne. Aber unser Generatörchen läuft wie am Schnürchen und so ist alles unter Kontrolle.

 

Um 10 Uhr müssen wir durch die Brücke. Weil Hochsaison ist, wollen wir nicht im Kanal warten. So rufe ich den Brückenwart an, um ihm zu sagen, dass wir klar sind, aber draußen warten. Er sagt, das sei in Ordnung und dass er um 10 Uhr die Brücke öffnet. Das andere Schiff, das mit uns ins Dock geht, liegt auch klar, wartet aber, bis wir durch die Brücke sind. Er kommt nämlich hinter uns zu stehen. Janneke und Joram stehen uns bei der Brücke bei, sie warten auf uns und winken uns fröhlich nach drinnen. Im Dock ist es, als hätten wir es nie verlassen. Wir werden fröhlich empfangen von Eugene, dem Dockmeister und von allen anderen Dockleuten begrüßt. Wir bekommen Wurfleinen zugeworfen, an denen wir unsere Leinen anknoten, die bereits klar liegen. So wurden wir ruhig ins Dock gezogen. Wir hängen unsere Lotleinen überbord und dann heißt es wieder warten. Erst als das andere Schiff festliegt und der Wasserspiegel sinkt, werden die Stützen installiert und die Laufbrücke. Dann können wir zuschauen gehen. Unsere Nerven wurden wieder etwas strapaziert, das könnt ihr sicher verstehen. Das Mittagessen, das Janneke für uns bereitet hat, bekomme ich nur mit Mühe hinunter. Aber man muss doch was essen, oder? Auf den ersten Blick sieht unser Unterwasserschiff noch ganz gut aus. Wir sehen einige Risse in den Pechfugen, aber wenn man es nicht besser weiß, könnte man denken, dass wir aus dem Dock aus- und nicht einlaufen. So wird es Zeit für die Untersuchung. Wir leeren die gerissenen Fugen und packen uns den Kalfathammer und die Kalfateisen. Ein Schlag mit dem Hammer sagt uns: nicht gut! Wir schlagen da Kalfat komplett nach innen. Was wir heimlich befürchtet haben und uns ein wenig traurig stimmt, ist leider Wahrheit: Es sind nicht die Kupferplatten und – verrückt genug- auch nicht die Stoßstellen. Das Boot ist weiter geschrumpft, wodurch die Fugen größer geworden sind und somit das Kalfat zu wenig ist. Kurzum, in der kommenden Zeit ist Kampfgeist gefragt. Ein sehr großer Teil der Fugen müssen abgedichtet und versiegelt werden. Etwas, worauf wir uns sicher nicht freuen und eine Menge Arbeit bedeutet. Leider haben wir nicht sehr viel Zeit, denn unser Urlaub ist vorbei. So müssen wir abends und am Wochenende und an einem sonstigen freien Tag an die Arbeit. Wir bestellen noch Kalfathanf, und auch noch einen Kalfathammer mit Kalfateisen, damit wir gemeinsam kalfatern können. Schon eine Investition, aber es ist so viel, dass es einer allein nicht schaffen kann. Wir beginnen damit die Fugen zu räumen, von denen wir sicher wissen, dass sie lecken. Jan hilft uns dabei. Zu unserem Glück, denn ich bin immer noch ein paar Abende in Amsterdam für meine Firma. Wodurch Sebas so ungewohnt allein zurecht kommen musste. Das Problem ist, dass wenn du einmal mit dem Räumen der Fugen begonnen hast, dir immer wieder mehr schlechte entgegenkommen. Wir beginnen langsam uns zu fragen, ob wir im vergangenen Jahr etwas nicht richtig gemacht haben. Wir kommen zu dem Schluss, dass das Boot wirklich noch viel weiter ausgetrocknet ist und dass alle Fugen, von denen wir im vergangenen Jahr angenommen haben, dass sie noch gut sind (enge Fugen, in die man nicht mehr hineinbekam) nicht mehr existieren. Es ist ein großer Wermutstropfen und wirklich kein Spaßjob. Nach einem Meter wollen die Arme eigentlich nicht mehr und wir können uns auch nichts einfallen lassen, um es etwas fröhlicher zu machen. So ziehen wir uns ein „Musikje“ in die Ohren und es geht „fröhlich“ weiter. Wir machen das Beste aus Smilies, wenn die Fuge wirklich fertig ist. Aber wenn wir ehrlich sind: es ist wirklich kein Spaß, aber „aufgeben“ steht nicht in unserem Wörterbuch, sondern wir müssen dadurch. Wir vermissen das Dockleben auch ein wenig dadurch, weil wir unter der Woche nicht da sind und zum Beispiel die Dockinspektion verpassen. Zum Glück leistet uns der Nachbarshund Spot ein wenig Gesellschaft. Er ist kein Schmusetier aber nett als Gesellschaft.

 

Nach zwei Wochen sind wir mit dem Abdichten fertig. Eigentlich könnten wir weitermachen aber nach unserer Planung geht das leider nicht. Denn die Fugen müssen noch gepicht werden und dann noch geprimert (ein paar Lagen) und noch das Antifouling. Daumen halten, dass das Wetter mitspielt. Sebas und ich beginnen fröhlich mit dem Pichen. Wir machten so viele Fugen, dass wir mit dem Pech nicht auskamen. Wir mussten deshalb zu einer bestimmten Zeit am Sonntag aufhören, um am Montag schnell Pech holen. Bis zum Abend pichten wir weiter, bis alle Fugen wieder dicht waren und wir schnell primern konnten. Am Wochenende kommen Jasper und Wendy, um uns bei den Fugen zu helfen und die Fugen wieder unter Antifouling zu bringen. Joram und Jan malen wieder alles gelb, wodurch alles wieder hübsch aussieht. Zum ersten Mal haben wir einmal nichts zu tun und können den anderen zuschauen, die noch an der Arbeit sind. Einfach still genießen.

 

Dann ist es schon wieder Sonntag, der 3. August und am nächsten Tag müssen wir das Dock wieder verlassen. Kurzum alles aufräumen, das Zelt abbauen und Jasper hat nun die Zeit, sich umzuschauen. Sebas schaut noch nach den Seeventilen, ob alle geschlossen sind und fühlt dass sie locker sind. Wie kann das sein? Im vorigen Jahr gingen sie gerade unter quetschen hinein. Auch sehen wir von drinnen von außen Licht durchscheinen. Wir sehen uns an: das ist nicht gut! Die Durchlässe müssen neu eingesetzt werden, aber wie bekommen wir sie erst einmal wieder heraus? Die Durchführungen haben keine Spitzen und drinnen sind sie dicht zwischen den Spanten. Spezialwerkzeuge sind erforderlich und zum Glück hat mein Vater sie in der Scheune liegen. So gehe ich sie schnell holen. In der Zwischenzeit schließt Sebas den Riss im Holz, durch den das Licht nach drinnen fiel. Kalfatern dürfen wir den Riss nicht, weil er in der Mitte einer Planke ist und er sich, wenn er nass wird, von selbst schließen sollte. Aber für die Sicherheit am besten noch ein wenig Pech dazu. Als ich wieder zurückkommen, gehen wir zusammen mit der Greifzange in den Kampf mit den zwei großen Durchführungen. Wir haben Glück und es gelingt uns, sie herauszubekommen. Neuer Kitt dazwischen und wieder ein. Wir sind wieder etwas weiter in der Zeit und der Energie, aber vielleicht bleibt so bis morgen alles einigermaßen dicht. Inzwischen sind wir aber auch wirklich fertig, schließen ab und gehen nach Hause. Ich selbst fühlte mich am vergangenen Wochenende nicht so gut, eine halbe Grippe und ich bin froh, dass ich in mein Bett kann.

 

Mitten in der Nacht um 1.30 Uhr weckt Sebas mich. Schnell merke ich, warum. Es gießt vom Himmel und das Zelt ist abgebaut. Zum wiederholten Mal: nicht gut! Sebas hat beschlossen, zum Dock zu fahren und den Landanschluss zu trennen. Stellt euch vor, dass wir jetzt einen Kurzschluss bekommen und Birgitte abbrennt? Eine Sunde später kommt er zurück und erzählt, dass es wirklich nicht gut aussieht. Alles ist nass. Nun ja, zurzeit können wir doch nichts tun und wir werden morgen sehen.

 

Mit einem Mut, der uns bis in unsere Schuhe hinabgerutscht ist, gehen wir am folgenden Morgen früh wieder zum Dock. Als wir ankommen, ist es trocken, aber an Bord ist nichts trocken geblieben. Die Bilge drinnen ist gut mit Wasser gefüllt und an Bord ist wirklich nichts trocken. Das war keine Freude. Erst einmal die Bilge leer pumpen, sonst sehen wir nicht, ob wir leck sind. Zum Glück ist die Bilge sauber, denn Jan hat sie in den vergangenen Wochen mit allerlei selbstgefertigten Gerätschaften sauber gemacht. Wir sind ihm sehr dankbar dafür, denn eine fröhliche und angenehme Arbeit war es sicher nicht. Aber sehr nötig.

 

Ungefähr zu der Zeit, als die Bilge leer ist, wird das Dock erneut gefüllt. Zum Glück haben wir am vorigen Tag alles aufgeräumt und wir sind bereit. Diesmal haben wir beschlossen, die Überfahrt gemeinsam zu machen. Wir sollten auch in der Zukunft gemeinsam zusammenstehen.

 

Als das Wasser im Dock wieder das richtige Niveau erreicht hat, gehen wir schnell wieder nach unten, um zu beobachten. Wir sehen einander an und denken dasselbe: Nicht gut! Wir hören das Wasser nämlich nach binnen strömen! Es kommt wieder aus einem Riss mitten im Holz. Keine kalfaterte Fuge also. Hoffentlich zieht sich die Stelle dicht. Nach einer halben Stunde hören wir es zum Glück nicht mehr fließen und es versickert. Das Dock braucht nicht nochmals geleert zu werden und wir beschließen zu fahren. Das ist schwer, wenn man nur zu zweit ist, aber wir werden an 4 schweren Leinen aus dem Dock gezogen. die ich gleichzeitig wieder einholen muss. Dann folgt eine unangenehme Wende, so dass wir wieder voraus weiterfahren können. Aber wir schaffen das alles und machen uns stolz auf den Weg zur Brücke. Aber dort müssen wir warten und machen an einem Pfahl vor der Brücke fest. Endlich bekommen wir wieder einen Happen für unsere Kehlen und so essen wir eine Banane.

 

Dann durch die Brücke ins offene Wasser. Nun wollen wir genießen, dass wir wieder fahren, aber diese Chance bekommen wir nicht, denn wir bekommen per Post schlechte Nachricht von unserer Versicherung. Also entschließen wir uns, so schnell wie möglich nach Middelharnis zu fahren, das Dachzelt aufzubauen und das ist auch wohl gut so. Die Leckage verringert sich zum Glück, und so können wir ruhigen Gewissens fahren. Das Dockabenteuer ist vorbei. Es war harte Arbeit, aber wir haben unser Problem wieder gelöst. Zumindest vorläufig. Denn wenn das Schiff wieder austrocknet, bekommen wir es wieder. Darum wollen wir Salzwasser in die Bilge lassen, damit das Holz die Feuchtigkeit besser halten kann. Jetzt haben wir aber keine Energie mehr dazu, gehen nach Hause und beschließen, am kommenden Wochenende frei zu nehmen, um neue Energie zu tanken. Für Sebas leider ein wenig zu spät, denn er hat sich eine Grippe eingefangen und liegt fast das gesamte Wochenende im Bett. Ja, manchmal hat man Glück, meistens aber nicht.

 

Dann fangen wir aber wieder an, etwas zu tun und beginnen damit, das Drucklager auszubauen. Denn das klang auf der Rückfahrt nicht gut, obwohl wir genügend Öl aufgefüllt hatten, bevor wir wieder losfuhren. Aber das Ding ist bleischwer und mit viel Mühe bekamen wir es auf den Boden und dann muss es noch von Bord. Zum Glück ist Ben tags drauf in der Nachbarschaft und er will uns helfen. Zu dritt schleppen wir es in den Schuppen. Dann beginnt das eigentliche Problem: wie bekommen wir das Ding auseinander? Wir lösen alle INBUS-Schrauben, die wir finden können. Aber keine Chance, etwas zu bewegen. Wir geben es auf und vereinbaren, die Hilfe von Jaap einzuschalten. Der ist aber leider noch im Urlaub und so machen wir es via App. Es ist eine schwierige Operation, die wir noch ein wenig aufschieben. So versuchen wir langsam unsere Energie und den Arbeitsrhythmus wieder zu bekommen. Wir machen alles ein wenig langsamer, denn vom Zusammenbruch haben wir auch nichts. Es gibt noch eine Menge Arbeit, die auf uns wartet. Am letzten Samstag kam Sander, uns ein wenig zu helfen und wir konnten einen großen Teil des Decks in rohes Leinöl setzen. Wir hoffen, dass das Deck jedenfalls besser geschützt bleibt und weniger arbeitet, damit die kalfaterten Fugen schön bleiben und vor allem dicht.

 

So, das war wieder einmal die Geschichte bis jetzt. Birgitte schwimmt wieder glücklich und wir hoffen bezüglich des Regenwassers, das noch am Decksrand eindringt, nicht mehr pumpen zu müssen.

 

 

  1. Sie schwimmt noch/ Ze drijft nog Dezember 2014

 

Es ist schon lange still um Birgitte, und auch jetzt nur ein kurzes Update, damit ihr wisst, dass sie immer noch schwimmt und dass wir sicher noch nicht aufgegeben haben.

Wir müssen leider zugeben, dass in letzter Zeit nicht viel passiert ist. Der wichtigste Grund dafür ist, dass ich aus beruflichen Gründen auf See war. In dieser Zeit hat Sebas hart an unserem anderen Boot gearbeitet, das immer noch verkauft werden soll. Zur Zeit wird letzte Hand angelegt und dann ist es bereit für den Verkauf und wir können uns voll auf unser reales Projekt Birgitte konzentrieren.

Wir haben leider beide ein paar Probleme mit der vielen Arbeit der letzten Zeit. Sebas ist vor allem sehr müde, so musste er einen Gang zurückschalten und mein Arm, meine Schulter und mein Rücken sind auch nicht in Ordnung, deshalb möchte ich sie nicht zu sehr belasten. Ich habe natürlich die Hoffnung, dass es bald besser wird und ich wieder richtig arbeiten kann.

Natürlich kommen wir nicht ganz ohne Birgitte aus, und wir müssen zwischen der Arbeit an unserem früheren Boot (Siquieres) auch immer noch kleinere Arbeiten an Birgitte ausführen, um jedenfalls sicher zu stellen, dass ihr Zustand sich nicht verschlechtert. So liegt sie nun winterklar, (mit Frostschutzmittel im Motor, der sich noch stets mit Schlüselumdrehung starten lässt.) Wir haben „großreinegemacht“ und an einem Stück Deck, wo das Ofenrohr herauskam, die Fugen leergekratzt und kalfatert. Für das Verpichen warten wir auf eine schöne und warme Zeit, damit das Ofenrohr wieder zurückverlegt werden kann. Um es „lekker“ warm zu bekommen, brauchen wir auch Diesel. So haben wir auch getankt in unseren schön bemalten Tank, der auch dicht zu sein scheint. Es war wie immer spannend.

Ja, natürlich darf ich auch nicht vergessen, zu erzählen, dass Birgitte auch wieder von ihren alten Eignern besucht wurde. Hans Wilhelm besuchte uns gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Frau und erfreute uns mit der alten Birgitte-Bordapotheken Box, die wir fein säuberlich in unserem Lager bewahren. Auch Reiner kam zusammen mit Peter. Leider standen wir etwas unter Druck, weil ich zwei Tage später fahren musste. Aber wir hatten noch Zeit, am Abend mit ihnen im Cape Helius-Hotel ein Schlückchen zu trinken. Leider ließen uns die Häppchen etwas im Stich. Und wir konnten nicht zeigen, dass unsere Bitterballen wirklich lecker sind und wir auch prima Kibbeling haben. Beim nächsten Mal wird’s besser.

So wird alles ein wenig durchgegangen und Birgitte fragt selbstverständlich nach Aufmerksamkeit. So kamen wir gestern zur Birgitte um zu checken und das war auch gut so,   denn das ganze Zelt war unter dem Gewicht des Schnees zusammengebrochen. Das Rohr, auf dem das Zelt ruht, war gebrochen und das gesamte hintere Teil des Zeltes runter gekommen. So kamen wir direkt wieder an die Arbeit. Erst mussten wir den Schnee vom Zelt bekommen und machten dann einen Plan. Bald entwickeln wir den Plan, das Gerüstrohr zu verstärken, so bohren wir Löcher in das Gerüstrohr und in das Originalrohr, verschrauben beide, so dass das Gerüstrohr nicht mehr zur Seite wegrollen kann. Sebas holt noch Spannbänder, während ich die Bilge leerpumpe, denn es strömte einiges Wasser durch das Entfernen des nassen Schnees vom Zelt. Als Sebas wieder da ist, schlagen wir das Gerüstrohr unter das andere Rohr, glücklich gelingt unser Plan, wir haben wieder ein Zelt und wir sind von der Straße. So sind wir schon wieder zwei Stunden weiter, die nicht geplant waren. Aber ja, dann darf man sich kein Boot kaufen, nicht wahr?

Unser Plan ist, uns von Januar an wieder voll auf Birgitte zu stürzen, damit wir im kommenden Jahr auf unserem Schiffchen einziehen können.

 

  1. Wir freuen uns auf die Arbeit / We zijn weer lekker bezig

 

  1. April 2015

 

Das Sönnchen scheint wieder, viele Boote fahren vorbei, wir haben unsere Persenning wieder geöffnet, kurzum, es ist wieder Zeit, voll in die Arbeit einzusteigen.

 

Die erste Aufgabe ist die Lenzpumpe. Ursprünglich gab es eine große vom Motor angetriebene Pumpe, die zum Leeren der Bilge zugeschaltet werden konnte. Wie so vieles in Birgitte war sie groß und schwer, aber sie drehte sich nicht mehr. Da sie aber einfach und grob gemacht war, ist sie doch wohl wieder gangbar zu machen. So stürzt sich Sebas darauf, sie wieder in Ordnung zu bringen. In einigen Abenden mit Schwitzen bringt er sie wieder zum Drehen und es wurde ein Teststand gebaut. Erst wurde sie trocken getestet, also ohne Impeller und Wasser. Stolz kommt er mit einem Video nach Hause. Sie tut es! Und ich muss sagen, es sieht beeindruckend aus! Danach werde ich an die Arbeit gesetzt. Denn in der Zwischenzeit haben wir auch das Handbuch im Internet gefunden. Darin ist angegeben, bei welcher Tourenzahl wieviel Wasser gepumpt wird. Wir haben uns entschieden, die Pumpe vom Hauptmotor zu lösen, damit wir nicht jedes Mal, um die Bilge leer zu pumpen, den Hauptmotor starten müssen. Kurz, es sollte einen separaten Elektromotor geben, um die Pumpe anzutreiben. Zeit, um Durchflussmengen und Motorleistung zu berechnen. Aber nach ein paar Abenden haben wir es raus, welche Motorleistung und Riemenscheiben wir benötigen.

 

Dann sind wir auch bereit zu Test Nr. 2. Der Nasstest.Sebas hat die Pumpe wieder an den Motor angeschlossen und den Impeller eingebaut.

Übrigens, ihr dürft dabei nicht an einen kleinen Impeller denken, sondern an einen echt großen. Zum Spaß steht ja die Reservelösung auf dem Tisch. Nur weil sie so hübsch aussieht. Vielleicht läuft es doch nicht ganz so glücklich ab.

 

Test Nr. 2 ist wirklich beeindruckend. Man kann den Wasserpegel in der Bilge super schnell sinken sehen. Um die Pumpe noch weiter zu testen, müssen wir nochmals Wasser in die Bilge füllen. Eine seltsamer Anblick, aber es ist schon wieder weg. So müssen wir mal wieder lachen. Nachdem wir nun die Bilge zweimal leergepumpt haben, wissen wir, dass es gut läuft und wir eigentlich wieder an was anderem Nützlichen arbeiten müssen. Zum Glück legen meine Eltern in diesem Moment mit der „Novatrix an und wir haben Grund, es noch einmal vorzuführen. Wir müssen es ihnen doch zeigen.

Die Novatrix liegt, dadurch, dass sie gewendet hat, längsseits und dadurch scheint es, wenn du an der richtigen Stelle stehst, als ob wir wieder segeln könnten und zwei Masten haben. In meinen Tagträumen sind wir beide wieder unterwegs. Noch ein bisschen arbeiten und dann wird es wieder so werden! Das macht uns schöne Gedanken, dass wir wieder weiter segeln werden. Jetzt geht es noch nicht, weil das Drucklager noch nicht an Bord ist. Ende vorigen Jahres haben wir es ausgebaut, weil es eine Menge Lärm machte und als wir Öl einfüllten, lief es gleich wieder heraus. Kurz gesagt, es ist nicht in Ordnung und jetzt muss was geschehen. Das Ding ist wirklich schwer und will sich nicht auseinander nehmen lassen. Wir beschließen, uns am Osterwochenende damit zu befassen und wir müssen und sollen gewinnen!

 

Das Problem ist, dass vor dem Lager ein Apparat sitzt, den wir nicht kennen und so auch nicht erkennen können, wie er auseinander genommen werden kann. Wir versuchen alles, aber ohne Ergebnis. Ich fertige eine Schablone für die Bohrungen um die Welle an und fertigen eine Platte mit diesen Bolzenbohrungen und hoffen, dass wir es mit einem großen Hebelarm drehen können. Denn es ist nämlich etwas an dem Gerät, das bei genauerem Hinsehen ein Schraubgewinde auf der Achse zu sein scheint, so dass man alles herunterschrauben kann. Aber es dreht sich nichts und wir drehen die Bolzen krumm oder Sebas‘ Schweißarbeit- oder soll ich sagen Backwerk springt. Jeder backt ja zu Ostern, warum sollten wir es anders machen.

 

Nach mehr Schweißen und Schweiß ist es schließlich Sonntagabend. Aber ja, es sitzt immer noch fest und wir geben es für diesen Tag auf. Aber auch mein Vater kann nicht sagen, und googelt uns. Er findet aber schlussendlich heraus, was es ist: eine Rutschkupplung. Die sitzt dort für den Fall, dass etwas in die Schraube kommt, sich diese nicht mehr drehen kann, der Motor aber weiterläuft, bei einer bestimmten Kraft durchrutschen kann. Eine zusätzliche Sicherheit also. Jetzt wissen wir, wie es funktioniert und wir es zerstörungsfrei auseinander nehmen können. So gehen wir am Ostermontag wieder an die Arbeit. Mit einem Flaschenzug bekommen wir es schließlich los und wir feiern ein kleines Festchen. Aber ganz fertig sind wir noch nicht. Es gibt immer noch zwei Lager dahinter, die natürlich auch nicht so leicht heraus wollen. Wir verändern etwas die Befestigungspunkte, damit wir wieder den Flaschenzug einsetzen können. So geben auch schließlich diese Lager auf. Dann folgt eine geraume Zeit der Reinigung und wir sehen, wie groß der Schaden ist. Die Lager knarren (Riefen in den Lagern und Tonnenrollen) und sehen nicht so aus, wie sie sollten. Die Welle ist beschädigt und ausgelaufen. Leider eine Enttäuschung nach unserem Sieg. Den Rest des Abends versuchen wir nur, an unseren Sieg zu denken. Leider wurden wir am folgenden Tag mit unseren Nasen härter auf die Tatsachen gedrückt, als wir herausfinden, was die Lager kosten. Das sind keine Lager für ein paar Centjes. Das sind nämlich Pendelrollenlager und das auch noch asymmetrisch. Diese Dinger kosten hunderte Euro/Stück. Wir schauen nochmals, ob wir die alten nicht doch noch weiterverwenden können, aber leider…Sie sind noch so schön, dass wir sie nicht wegwerfen können. So verwahren wir auch diese neben dem Impeller. So wird es wieder etwas mehr auf unserer Tafel mit den technischen Dingen. Aber wir genießen das. In der Zwischenzeitarbeiten wir hart daran, nicht den vollen Preis für die Lager bezahlen zu müssen und brasseln unsere Behausungen weiter auf. Sie sehen schön aus in blau und gelb. Ach, manchmal geht es gut, manchmal nicht.

 

Dann wird es aber wieder Zeit, sich an Bord um das Boot zu kümmern. Ich versuche wieder ein Stück Fuge zu kalfatern. Leider geht es noch nicht gut mit meinem rechten Arm. Deshalb versuche ich es mit links, aber natürlich geht das auch nicht. Du kannst einfach nicht genug Kraft einsetzen. Also dachte ich, ich mache dann eben mit rechts weiter. Aber nach zwei Schlägen ist es schon wieder sehr schmerzhaft. Also, das war nichts, Zeit für etwas anderes.

 

In der gleichen Woche, hat der Wind nochmals gespukt und wir sahen, dass die Konstruktion des Steigers nicht wirklich ideal ist. Das ist so, weil die Pfähle nicht alle miteinander und mit dem Ufer verbunden sind. Wir beschließen, erst daran zu arbeiten. Der Vorteil für uns ist, dass wir so am Boot entlang gehen können und viel einfacher am Decksrand weiter arbeiten können. Die langen Schrauben und Bohrer wurden wieder zusammengesucht und wir gehen auf Pfahljagd. Dann blase ich das Schlauchboot wieder auf, denn wie sonst können wir an die Pfähle kommen.

 

Als ersten installieren wir einen Balken vom letzten Pfahl an das Ufer. Der hinterste Pfahl steht verdreht und wir können ihn mit diesem Balken gerade ziehen. Gesagt-getan! Dann installieren wir einen Balken vom hintersten Pfahl zu unserem Mittelstück. Nachdem wir das getan haben und etwas zur Erholung trinken, denken wir daran, dass es sehr hilfreich wäre, wenn wir hier auch gehen könnten. So bauen wir noch einen Balken an der Kante ein und legen darauf eine Laufbrücke. So kann das Schlauchboot nahe anlegen und die Version 2 des Steigers ist vorläufig klar.

 

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Wir freuen uns weiter zu arbeiten und werden euch auch weiter auf dem Laufenden halten.

  1. Ja hört das denn nie auf? / Hout het dan nooit op?

 

  1. 7. 2015

 

Für diejenigen, die sich fragen: Sind die immer noch dabei? Ja, wir arbeiten immer noch! Dann kann man noch fragen: immer noch am Deck? Dann ist die Antwort: ja!. Nur die Natur schafft uns ein wenig Abwechslung.

 

Zur Abwechslung haben wir erst einmal in der abgelaufenen Zeit andere Dinge gemacht. Damit ist das Drucklager wieder auf seinem alten Platz. Nach vielem Nachdenken über die Arbeitsfolge, die Verbesserungen der Welle und die Herstellung von Packungen, ist es mal wieder geglückt, es wieder zusammen zu bekommen und wieder zurück an seinen alten Platz an Bord zu schaffen. Jetzt können wir wieder fahren. Darüber hinaus ist unser Lamborghini (CV Kessel) so weit als ginge er auseinander und so lief nicht alles in unserem Sinn. Also musste ein neuer Wärmetauscher her und einige Rohrleitungen ersetzt werden. Aber hier rührte der Heizungsmonteur Sebas seine Hände und er hat jeden Abend glücklich weitergearbeitet, mochte Melinda ausrechnen, wie groß der neue Wärmetauscher sein müsste.

 

Gerade, als wir wieder mit voller Kraft an die Arbeit gehen wollen, das Wetter es zulässt und wir neue Energie gefunden haben, (lies: Melinda hat in ihrem Arm nicht mehr ständige Schmerzen, vielleicht kann sie wieder etwas arbeiten) sagt Sebastian: „Vielleicht sollten wir die Masten einmal nach drinnen holen, damit sie nicht schlechter werden“ Nach kurzer Diskussion sind wir uns einig und Sebas geht zu den Masten um festzustellen, ob sie einfach weg zu bekommen seien.

In weniger als einer Minute ruft mich Sebas an mit einer schlechten Nachricht. Es liegt Bohrmehl unter dem Mast und es seien Bohrlöcher zu sehen. Es kann nur etwas bedeuten: der Großmast hat Holzwürmer. Als ob dies die normalste Sache der Welt ist, hängt er kurz danach mit der Mitteilung auf, dass er erst zum Sportstudio muss und wir dann gleich schauen müssen, was wir hier machen müssen.

 

Rückschläge dieser Art schrecken uns nicht mehr allzu sehr wie beim ersten Mal. Wir sind sie gewohnt und schalten schnell in den „Handeln-Modus“. Es ist jedenfalls klar, dass die Masten schnell weg müssen, sie liegen zu nahe am Boot und eine neue Würmerplage an Bord wollen wir nicht und können sie auch nicht bezahlen. So besorge ich auf meiner Arbeitsstelle noch schnell einen Flaschenzug, denn sie sind nicht leicht. Gleichzeitig denken wir nach, was wir nun machen müssen. Die Masten wegzuwerfen ist keine Option, denn einen neuen geraden Baumstamm von 22m Länge und der erforderlichen Stärke ist nicht leicht zu bekommen, geschweige denn zu bezahlen. Wenn wir in den kommenden Jahren mit Birgitte segeln wollen müssen wir eine Lösung finden, die Masten zu retten. Zum Glück haben wir viele Menschen um uns, die mitdenken wollen. So wurde in Absprache mit der Firma Meijel (das Unternehmen, das Birgitte gegen den Holzwurm behandelt hat) der folgende Plan ausgedacht: Wir machen die Masten frei von allen Beschlägen , packen sie luftdicht ein und füllen mit einer Vakuumpumpe eine giftige Flüssigkeit ein. Dann lassen wir sie eine lange Zeit verdampfen und mit der Vakuumtechnik und Epoxy-Matten rundum wollen wir sie wieder stark bekommen. Danach muss das Epoxy aufgesprüht werden. Am Ende haben wir dann wieder starke Masten, die hoffentlich lange halten. Allerdings sehen sie nicht mehr wie Holz aus. Aber wir sagen uns, besser, wir haben weniger schöne Masten als keine.

 

Mit einem Plan in der Hand, ist es Zeit schnell loszulegen. Am Abend schaffen es Sebas und ich zusammen, sie von ihrem Platz neben dem Schuppen zu heben und auf den Karren zu legen. Am folgenden Tag haben wir glücklich die Hilfe unserer Eltern und bringen sie wieder zum anderen Schuppen. Leider müssen wir dabei ein paar Radrennfahrer stoppen als wir die Straßenseite wechseln wollen, denn die langen Masten sind nicht so ganz schnell auf die andere Straßenseite zu bekommen. Aber ja, wir können nicht auf alle Rücksicht nehmen. Einmal dort angekommen, beginnt die eigentliche Schwerarbeit. Alle Beschläge müssen entfernt werden, damit die Masten kahl sind. Im Vertrauen, das ist eine ziemlich große Sache. Aber erst einmal die Beschläge vom Großmast und Besan entfernen, während Janneke (Sebas Mutter) und ich mit dem Abkratzen beginnen. Zuerst machen wir das gemeinsam, indem eine föhnt und die andere kratzt. Aber schnell merken wir, dass es schneller geht wenn ich mit einem Sandstrahlwerkzeug arbeite. Das ist nicht so schwer und ich kann mit links arbeiten. Um mich herum sehe ich immer mehr Beschlagteile am Boden. Zum Glück hatten wir alle erst einmal ausgemessen und Fotos davon gemacht. Hoffentlich bekommen wir sie auf diese Weise wieder an ihren alten Platz zurück. Denn nach der Matten- und Epoxy-Behandlung wird von den Originalstellen nicht mehr allzu viel zu sehen sein.

 

Der Rest des Wochenendes besteht somit aus Schleifen, Schleifen, Schleifen. Zum Glück ist Jan (Sebas Vater) so lieb, uns in der Woche Hilfestellung zu geben. Also, als ich nach einer Auslandsreise für meine Arbeit nach einer halben Woche wieder nach Hause komme, sind die Masten kahl. Wieder ein schöner Anblick, aber leider nicht genug Zeit, ihn zu genießen, denn das Wetter ist warm und das findet der Holzwurm toll. Wir sind nicht sicher, ob sie noch im Mast sind, aber wir handeln so schnell wir können. Am folgenden Wochenende packen wir die Masten schnell ein und der Holzwurmtod wird in Gang gesetzt. Ein schöner Anblick, wie sich die Masten vollsaugen. Wir gebrauchen dafür den Besan als Puffertank. So haben wir mit einem Schlauch die beiden Masten miteinander verbunden. So saugt sich der Großmast erst einmal voll und dann der Besan. Das lassen wir so eine Nacht stehen. Am folgenden Tag schneiden wir die Plastikverpackung auf und fahren alles nach draußen, bevor es uns schlecht wird. Erst einmal „lekker“ ausgasen, denn es stinkt gut!

 

Eine Woche später können wir es immer noch riechen und in der Zwischenzeit haben wir die Gaffeln, die Bäume und den Bugspriet behandelt und es ist alles erledigt. Heimlich träumen wir wieder davon, dass die Masten bald wieder stehen werden und wir ein echtes Segelschiff haben. Erst aber muss das Deck dicht sein, damit wir das Zelt abbauen können.

 

Nach diesem kleinen Abenteuer zwischendurch gehen wir in unserem Urlaub schnell wieder ans Deck, so dass unser Traum wieder ein bisschen näher rückt.

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